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Jerry Cotton Rezension Band 2531

Sex war seine Waffe
Jerry Cotton Band 2531

von Jerry Cotton

64 Seiten / 1,50 €
Bastei Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)

Zuerst dachte auch ich, dass ich es hier mit einem schön spannenden Roman zu tun habe, doch meine Hoffnung wurde mehr als enttäuscht. Der Autor dieses Romans hat in meinen Augen alle erdenklichen Fehler gemacht, die man in einem Kriminalroman machen kann, der eigentlich hätte spannend sein sollen.

Nachdem eine mehrseitige, völlig überflüssige und langweilige Verfolgungsjagd zu Ende ging, stellte man fest, dass es sich nicht um den gesuchten Täter handelte. So weit so gut, bis dahin war der Roman ja noch halbwegs erträglich, doch als sich dann schließlich rausstellte, dass der Täter eine nie zuvor erwähnte Person sein solle, war jede Spannung fort. Eigentlich sollte man bei einem richtig guten Kriminalroman meines Erachtens auch eine gewisse Mitknobelmöglichkeit haben.
Die einzige Tatsache, die mich dazu veranlasst hatte, diesen Roman nicht sofort aus der Hand zu legen war, dass man es in diesem Roman endlich einmal geschafft hat, auch andere Special Agents jenseits von Jerry Cotton und Phil Decker auftreten zu lassen. Endlich kam mal wieder Sarah Hunter vor. Speziell während der letzten Romane hatte ich irgendwie das Gefühl, dass es , von ein paar nebensächlichen Randfiguren einmal abgesehen , im FBI New York keine anderen Special Agents gibt/gab außer Phil und Jerry - da war es schon mal mehr als angenehm, mal wieder von Sarah zu lesen (wobei ich mich schon frage, ob June, Ruby, Les Bedell, Joe Brandenburg usw. völlig in der Versenkung verschwunden sind).

Wobei auch dieser Roman nicht ganz ohne Logikfehler auskam. Auf Seite 11, rechte Spalte, unten, reißt Sarah ein Blatt Papier von ihrem Block, auf dem sie sich während des Gespräches ein paar Stichpunkte notiert hatte, schrieb die Nummer des Field Office drauf und reichte den Zettel Linda. Da frage ich mich doch ernsthaft, was Linda mit den Stichpunkten/Notizen von Sarah soll...?

Und dann kam die wohl schwachsinnigste Einlage des Romans überhaupt, und zwar Dolores und ihr Verfolgungswahn. Spätestens hier bekommt man das Gefühl, dass dem Autor langsam aber sicher die Ideen ausgegangen sind.
So hatte man zuvor die Seiten über Dolores mit einigem sinnfreien Füllstoff künstlich erhöht; es begann jetzt das Kidnapping des Busses. Diese Story hätte man sich wirklich schenken oder zumindest auf ein Minimum kürzen können.
Die Verhaftung des Täters war irgendwie recht unspektakulär und vorhersehbar.
Was mir noch negativ aufgefallen war, war auf Seite 16, rechte Spalte ziemlich weit unten. Da macht Jerry Cotton die Hitze zu schaffen, die seit einigen Wochen in New York brütete. Es hieße, man erlebe dort einen Jahrhundertsommer. Ich sehe ja ein, dass es, als der Autor seinen Roman schrieb, noch nicht Winter war, doch zumindest hätte man diesen Absatz im Lektorat auf Winter umändern sollen. Was soll man bitte davon halten, wenn in New York Jahrhundertsommer herrschen sollte und man bei einem Blick aus dem Fenster feststellt, dass es gerade begonnen hat, zu schneien? Ich sehe ja ein, dass es bei dem Vorlauf der Hefte fast unmöglich ist, zur Jahreszeit passende Elemente in den Roman zu bringen, aber dann sollte man besser auch die Finger davon lassen - wieder ein Teil, den man sich einfach hätte sparen können.

Na ja und was die letzte Seite bringen sollte, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Zuerst lässt einen der Autor mit einem "Und deshalb habe ich auch gleich einen neuen Auftrag für Sie" von Mr. High hoffen, dass der Schluss des Romans an den in der nächsten Woche folgenden anknüpft (wenn Mr. High erwähnen würde, worum es dabei ging, könnte der nächste Roman ja daran anknüpfen), aber Pustekuchen. Jerry, Phil und Mr. High drehen sich erstaunt zum Fenster um und sehen, dass es regnet - was für einen Auftrag Mr. High meinte, bleibt dabei offen. Es war vielleicht ganz schön, dass durch diese Worte Mr. Highs zumindest einmal eine kleine Überleitung vom einen zum anderen Roman erstellt werden sollte, doch ich glaube kaum, dass beim Beginn von Band 2532 Mr. High, Jerry und Phil in Mr. Highs Büro sitzen und der ihnen von ihrem nächsten Auftrag erzählt. Aber ich lasse mich ja gerne überraschen - wobei das vom Gesamtbild her sowieso eher nebensächlich war.

Wo bleiben die Zeiten, in denen Mr. High am Ende des Romans im Sarah Hunter Zyklus Jerry und Sarah den nächsten Auftrag erklärt und im nächsten geht es damit direkt weit?

Mein Fazit: Endlich habe ich es nun geschafft, den Sinn eines Sammelpseudonyms bzw. einer Autorennichtnennung zu verstehen - regelmäßige Leser würden nach der Lektüre dieses Romans wohl teilweise einen großen Bogen um die Werke des Autors machen.

Die ganze Story verlief ohne Höhepunkte, war zwar spannend begonnen, machte dann aber eine rasante Talfahrt, wie ich es selten erlebt habe. Bin gespannt, wie es weitergeht, zurzeit ist es was die Spannung der Cotton-Romane angeht ja sehr unterschiedlich.

© Koopa

 

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