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Rezension - Zwei Engel der Nacht

Jörg Weigand (Hrsg.)
Zwei Engel der Nacht

Anthologie, Taschenbuch
Fabylon Verlag, Markt Rettenbach, 2011
254 Seiten/ 13,00 €
ISBN: 9783927071339

In dieser Anthologie geht es nicht nur um zwei Engel, sondern um die Vielfalt der Engel der Nacht an sich. Ob gut oder böse oder irgendwo dazwischen, der Leser soll angeregt werden, seinen eigenen Engel zu finden.
Die Nacht als solche weckt in jedem Menschen dunkle Phantasien. Ob diese immer die Gestalt eines Engels haben, sei dahingestellt, denn auch was sich die einzelnen Autoren zu diesem Thema ausgedacht haben, erinnert in den wenigsten Fällen tatsächlich an Engel. Genau das ist es aber, was diese Anthologie so interessant macht. 15 Autoren geben den Lesern einen Einblick in ihre Vorstellung von einem Engel der Nacht.

Wolfgang Hohlbein und Corinna Kastner haben ihren Geschichten den gleichen Titel gegeben, doch was sie über ihre Engel der Nacht erzählen, kann unterschiedlicher nicht sein. Während Wolfgang Hohlbeins Geschichte von einem totkranken Gottesmann erzählt, der in der letzten Phase seines Lebens Zwiesprache mit einem Engel hält und am Ende eine schreckliche Wahrheit erkennen muss, geht es in Corinna Kastners Geschichte um die Aufarbeitung einer Vergangenheit, die eine dunkle Seele nun endlich zum Abschluss bringen möchte. Anhand dieser beiden Geschichten, die den Auftakt und das Finale bilden, wird die Bandbreite des Themas schon sehr deutlich. Aber dazwischen gibt es noch viel mehr.
Uschi Zietsch greift in ihrer Geschichte dunkle Momente im Leben eines Kindes auf und interpretiert damit, warum Kinder manchmal einen Schutzengel brauchen.
Jan Osterlohs Nachtwanderung hingegen konfrontiert nicht die Kinder, sondern einen Lehrer mit seinen Urängsten, die gleichzeitig auch seine innersten Wünsche sind und mündet seine Story in ein überraschendes Finale.
Karla Weigand begleitet Elisabeth auf ihrer letzten Reise und zeigt auf, dass weltliche Besitztümer irgendwann nur noch Ballast sind.
Jörg Kastner lässt den Leser in eine Zukunft schauen, in der die digitale Technik das Leben beherrscht. Selbst Bücher sind verboten, wenn die Menschen der totalen Überwachung unterliegen.
Katja Göddemeyers Rendezvous am See greift ein klassisches Thema auf. Was passiert, wenn die Lebenden nicht von den Toten loslassen können?
Frank G. Gerigk konfrontiert vier kriminelle Männer mit einem ganz speziellen Engel der Nacht, dem Sasquatch, welcher Gerechtigkeit übt und Rainer Schorm beschreibt in Tineidae, wohin es führen kann, wenn ein Mann einer besonders dunklen Schönheit verfällt. Diese Frau verdreht den Männern den Kopf … aber nicht so, wie diese sich das anfangs vorstellen.
Gisbert Haefs entführt die Leser über 2000 Jahre in die Vergangenheit und erzählt davon, dass Dämonen auch schon zu dieser Zeit nichts heilig war.
Der Gesang der Schwarzen Kiefern von Jörg Weigand wiederum lüftet das Mysterium um die Anziehungskraft und Schönheit eben dieser Bäume.
Im Bericht an keine Akademie scheint sich Manfred Borchard direkt an den Herausgeber der Anthologie zu richten und geht dem Phänomen des Dunklen in der phantastischen Literatur nach.
Helmut Ehls beschreibt in Sieben von neun Glocken den Job einer ganz besonderen Muse und Monika Niehaus nimmt die Leser mit nach Diesseits von Eden. Dabei geht es um eine krebskranke Frau, die um jeden Preis ihre schlafenden Gene erwecken möchte.
Die Engel der Nacht von Markus Kastenholz sind Menschen und Werwölfe, doch er überrascht die Leser mit einer ganz besonderen Interpretation des Themas.

Wie in jeder Anthologie macht auch bei dieser die Mischung den besonderen Reiz aus. Und wie bei jeder Anthologie gab es Geschichten, die mir persönlich besonders gut gefielen oder auch nicht.
Karla Weigands Geschichte, die sehr einfühlsam geschrieben ist, hat mich in diesem Fall besonders berührt, denn die Reise, die Elisabeth unternimmt, steht jedem von uns irgendwann bevor.
Ähnlich erging es mir bei Rendezvous am See, auch dieses Thema wird jeden von uns direkt oder indirekt einmal betreffen und die Vorstellung, dass die Toten keine Ruhe finden können, weil die Lebenden sie nicht loslassen, ist für mich sogar vorstellbar unter der Prämisse, dass ich an etwas glauben würde, was dem Tode folgt.
Biblische Themen mag ich in der Literatur sehr gern, die verschiedenen Interpretationen finde ich immer spannend. Deshalb haben mich die Storys von Gisbert Haefs und Wolfgang Hohlbein auch sehr angesprochen. Dann ist da noch die Geschichte von Uschi Zietsch, nach deren Lektüre ich mir für jedes Kind einen Schutzengel wünsche.
Die anderen Geschichten haben sich durchweg gut lesen lassen, boten gute Unterhaltung. Es gab keine Story, die mich beim Lesen gelangweilt hat, dennoch erreichten manche eben nicht diese Wirkung wie die bereits erwähnten.

Fazit:
Insgesamt bietet die Anthologie 15 Kurzgeschichten zum Thema Engel der Nacht, die aufgrund ihrer Vielseitigkeit bei der Bearbeitung des Themas für spannende Unterhaltung sorgt. Auch wenn zwei Geschichten den gleichen Titel haben, für die Storys trifft das keinesfalls zu. Jeder Autor überrascht mit einer individuellen Geschichte, die die Lektüre des Buches zu einem abgerundeten Lesevergnügen machen.

Bewertung:



Copyright © 2011 by Anke Brandt

 

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