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Rezension - Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren

Persimplex Anthologie 1
Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren

Anthologie Horror/Grusel, Hardcover
Persimplex Verlag, Schimm, August 2009
368 Seiten / 18,20 Euro
ISBN: 9783940528728

Die deutsche Literaturszene ist im phantastischen Bereich nicht mit der Tradition der Kurzgeschichten-Zeitschriften gesegnet, wie es die amerikanische und auch im geringeren Umfang die britische Literaturszene ist. Daher sind es die Anthologien, welche hier und da bei den Kleinverlagen erscheinen, die in die entstandene Bresche springen.
Anthologien sind zweifelsohne ein wichtiges Bindeglied im Schreib- und Entwicklungsprozess eines Autors. Hier kann man als Schriftsteller sich die ersten Sporen verdienen, kann man mit Formen der Kurzgeschichte und Sprachvarianten experimentieren und vieles andere mehr, ohne dass man befürchten muss, allzu viel an Prestige zu verlieren, falls man damit baden geht. Denn die Anthologien sind ein buntes Wimmelbild voller unterschiedlicher Ansätze, und gerade das macht ihren Reiz aus.
Vor kurzer Zeit ist wieder eine dieser Anthologien erschienen. Sie trägt den Titel »Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« und wurde vom Persimplex Verlag herausgegeben.

In der Anthologie »Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« ist eine große Anzahl an Autoren und Storys abgedruckt. Sage und schreibe fünfzig Kurzgeschichten haben Eingang in den Band gefunden. Dass dabei nicht jede Geschichte jedem gefallen kann, ist somit von Anfang an klar und gehört zum Konzept-Risiko.
Äußerlich macht »Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« einen sauberen Eindruck. Das Buch ist im Hardcover erschienen, sauber gebunden, leider ohne Lesebändchen, was den positiven Eindruck komplettiert hätte.
Die enthaltenen Geschichten können leider den äußerlichen hohen Qualitätsstandard nicht immer halten. Es gibt nur eine Handvoll an Storys, welche als gelungen zu bezeichnen sind. Den anderen merkt man an, dass hier noch ein gehöriges Maß an Schreib-Arbeit vonnöten ist und ein stärkeres Lektorat angebracht gewesen wäre, ehe man sie zur Veröffentlichung bringen kann. Dennoch erkennt man bei vielen, dass hier ein Potenzial im Verborgenen schlummert, das es in Zukunft auszuschöpfen gilt.
Ein paar Geschichten und Autoren seien stellvertretend als Beispiele für die gelungenen Anthologie-Beiträge genannt. Das ist zum einen Andreas Zwengel, der mit seiner Story »Land jenseits der Wälder« überzeugen kann. Auch »Die Frau im Nebel«, geschrieben von Silvia Dittmers-Gruber mag die Leser zu fesseln. Mit »Taumelbecher« gibt Markus Niebios einen gelungenen Einstieg in den Band und Ralph Haselbergers Zombieske »Die Gedanken lasse ich treiben« beeindruckt durch die Kraft der darin enthaltenen Vision und Sprache. Ebenfalls noch als gelungen zu bezeichnen sind die Storys von Thomas Backus, Volker Ilse, Anke Brandt, Chris Schlicht und Stefan Fels.

Fazit:
»Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« ist eine Anthologie, die zu einem überwiegenden Teil Geschichten präsentiert, die noch starke Überarbeitung nötig hätten, um bei einer professionellen Veröffentlichung zu überzeugen.
Daneben sind eine Reihe von gut bis sehr gut gelungenen Erzählungen dabei, welche durch die Bank Spaß beim Lesen bereiten und den phantastischen Inhalt auf befriedigende Weise transportieren.
Der Band »Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« ist all jenen Experimentierfreudigen und Neugierigen empfohlen, die vor allem gerne Newcomer im Bereich der Kurzgeschichte kennenlernen wollen und sich auch von missratenen Geschichten nicht in der Lektüre abschrecken lassen.
Wer darüber hinwegsehen kann, für den ist »Von einigen die auszogen das Gruseln zu lehren« geeignet. Alle anderen sollten sich bei anderen Anthologien umsehen.

© Markus K. Korb

 

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