Michael Reaves & John Pelan (Hrsg.)
Sherlock Holmes - Schatten über Baker Street
Mörderjagd in Lovecrafts Welten
Bastei (Lübbe Verlagsgruppe), Oktober 2005
541 Seiten/ 8,00 €
ISBN: 9783404153879
20 bekannte, internationale Autoren schrieben 18 fesselnde Storys um Sherlock Holmes und das surreale Universum eines Howard Phillips Lovecraft.
Seit Arthur Conan Doyle im Jahr 1881 seine erste Novelle mit dem Meisterdetektiv und seinem Gefährten Doktor Watson veröffentlichte ist die Faszination der Leser ungebrochen.
Etliche Epigonen haben neue Geschichten um Holmes ersonnen und immer wieder musste der bekannteste Detektiv der Welt gegen Größen wie Jack the Ripper oder auch Aleister Crowley antreten.
Mindestens ebenso reizvoll war und ist es für viele Autoren den rational und kühl agierenden Sherlock Holmes mit den bizarren, unerklärlichen Welten eines Schriftstellers namens Lovecraft zu konfrontieren. Die Großen Alten sind eine Gruppe finsterer Gottheiten aus den Tiefen des Alls, die seit Menschengedenken versuchen wieder Fuß zu fassen und ihre Schreckensherrschaft von Neuem zu errichten.
Schriftsteller wie Steve Perry, Poppy Z. Brite, Brian Stableford, Barbara Hambly oder auch Richard A. Lupoff haben aber nicht nur Sherlock Holmes allein ins Rennen geschickt. Viele bekannte Namen aus den Geschichten von Arthur Conan Doyle tauchen im Laufe der Lektüre auf. Neben Watson, gibt es ein Weiterlesen mit Sebastian Moran, Irene Adler, Inspektor Lestrade, Mycroft Holmes, Mrs. Hudson und natürlich mit Professor Moriarty, dem Napoleon des Verbrechens.
Simon Clark beschreibt in seiner Story »Albtraum auf Wachs«, wie der Verbrecher in den Besitz des Necronomicons gerät, dem sagenumwobenen Buch der Großen Alten.
Der Autor Steven-Elliot Altman stellt dem Meisterdetektiv in seiner Geschichte »Ein Fall von königlichem Blut« sogar einen neuen Begleiter an die Seite: nämlich den Schriftsteller H.G. Wells.
Eine sehr interessante und spannende Geschichte schrieb Elizabeth Bear: »Tiger! Tiger!« überrascht nicht nur durch die Protagonisten Irene Adler und Sebastian Moran (eigentlich Gegenspieler von Holmes) sondern auch durch eine packende Handlung. Eine Expedition in Indien führt beinahe in eine Katastrophe, als eine archaische Kreatur die Teilnehmer dezimiert.
Nicht minder fesselnd ist James Lowders »Die weinenden Masken«. Die Geschichte wird in altbekannter Manier von Watson aus der Ich-Perspektive geschildert. Der Veteran berichtet hier von dem Krieg in Afghanistan, wo er einem namenlosen Schrecken begegnet, der ihn den Rest seines Lebens nicht mehr loslässt.
Erwähnt sei an dieser Stelle noch Paul Finch, der mit seiner umfangreichen Story »Das Rätsel des Gehenkten« eine durch und durch spannend und atmosphärisch geschriebene Hatz durch die Kanäle der Londoner Unterwelt präsentiert.
Der Verlag übertreibt keineswegs, wenn er auf dem Klappentext verlauten lässt, dass mit diesem Buch einer der schönsten und interessantesten Holmes-Bände den Leser erwartet. Natürlich kann bei einer derartigen Fülle an Autoren und Geschichten nicht jede der Storys den Geschmack aller Leser treffen und doch ist die Themenwahl derart abwechslungsreich und die Stile so unterschiedlich, dass der Lesespaß trotz der einen oder anderen weniger fesselnden Geschichte ungebrochen ist.
Einzig das Fehlen von Inneillustrationen trübt ein wenig den guten Gesamteindruck.
Fazit:
Eine Anthologie, die in keiner Sammlung eines Sherlock-Holmes-Liebhabers fehlen sollte.
Die Herausgeber Michael Reaves und John Pelan haben ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Autoren bewiesen. Holmes Begegnungen mit dem namenlosen Schrecken der Großen Alten ist ein Lesespaß der ganz besonderen Art.
© Florian Hilleberg
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