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Rezension - Kannibalen

Frank Festa (Hrg.)
Kannibalen

Horror, Anthologie, Taschenbuch
Festa Verlag, Taucha, November 2011
320 Seiten / 13,95 €
ISBN: 9783865521262

Die neueste Anthologie aus dem Festa Verlag beschäftigt sich dieses Mal mit einem ganz besonderen Thema: Kannibalen. Dass sich nun eine Geschichtensammlung speziell ihnen annimmt, ist nicht nur eine nette Alternative zu dem derzeitigen Vampirschmusekram, sondern beweist einmal mehr Festas Hang zur Originalität, was die Zusammenstellung von Erzählbänden betrifft.
Wie bei den übrigen Anthologien des Festa Verlags, so geben sich auch in dieser Storysammlung die Crème de la Crème der Horrorliteratur die Klinke in die Hand. Wie immer besticht die Auswahl durch eine angenehme Mischung aus neuer Literatur und Klassikern. So haben wir erst eine unterhaltsame Begegnung mit Greg F. Gifune, der mit Schnee-Engel eine schöne, an die Horrorliteratur der 80er Jahre erinnernde Kurzgeschichte abliefert, in der ein Mann zu Weihnachten sein Kind und seine Frau in einem abgelegenen Ort besuchen möchte. E.T.A. Hoffmann nimmt uns in Cyprians Erzählung mit auf das Schloss Graf Hypolits, dem das Verhalten seiner Frau Aurelie immer verdächtiger und unheimlicher erscheint. Lovecrafts Das Bild im Haus beschäftigt sich mit dem bizarren Bewohner eines einsam gelegenen Hauses und seiner Faszination hinsichtlich der Bilder eines alten Buches über Kannibalismus. Tim Currans Maden ist genauso ein Highlight der Anthologie. Eine sehr originelle Horrorgeschichte, die zur Zeit Napoleons spielt und in der sich manche Soldaten äußerst eigenartig verhalten. Edward Lee liefert mit Madenmädchen im Gefängnis der toten Frauen eine Mischung aus Satire und Hardcore, in der sich Prostituierte in Untote verwandeln. Nicht weniger witzig ist Der Kannibalenschmaus von David Case, in der ein Expeditionsleiter einen recht amüsanten Plausch mit einem Stammeshäuptling führt. Robert Blochs Das Festmahl in der Abtei ist eine wunderbare, klassisch angehauchte Horrorgeschichte über einen Mann, der während eines Unwetters Schutz in einem sonderbaren Kloster sucht. Robert Barbour Johnsons Tief unten steht in Sachen Unterhaltung und Grusel in nichts nach. Hier geht es um die New Yorker U-Bahn, in deren Schächten sich merkwürdige Gestalten tummeln. Graham Masterton schließlich bietet uns als Nachspeise Eric, die Pastete, in der ein Mann glaubt, zu dem zu werden, was er isst.
Den Band würzte Frank Festa zudem mit Kurzmeldungen aus Nachrichtenagenturen, welche über Fälle von Kannibalismus berichten.

Insgesamt liefert die Anthologie einen sehr guten Querschnitt durch das literarische Kannibalengenre. Jede Geschichte verarbeitet das Thema auf ihre eigene Weise, wobei die Qualität und Originalität der Storys natürlich an erster Stelle stehen. Jeder Autor bietet in seinen Erzählungen im wahrsten Sinne des Wortes köstliche Unterhaltung. Man lässt sich gerne auf die teils schaurigen, teils bizarr-makabren Ideen ein und folgt gebannt den Geschehnissen, welche nie ohne eine gewisse Ironie sind. Auch wenn man kein Kannibale ist, so lohnt es sich aufgrund der hervorragenden Horrorkost, eine Serviette umzubinden. Also dann, guten Appetit!

Copyright © 2012 by Max Pechmann

 

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