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Rezension - Das Skelett im Lehnstuhl

Böckl, Manfred
Das Skelett im Lehnstuhl

Historische Erzählungen, Gebunden
Morsak Verlag, Grafenau, Mai 2011
208 Seiten / 12,80 €
ISBN: 9783865120243

Das Skelett im Lehnstuhl ist eine Anthologie mit vier Novellen von Manfred Böckl. Gemeinsam haben sie, dass sie sich alle um historische Ereignisse, bzw. Sagen auf Burgen im Dreiländereck Bayern-Böhmen-Österreich drehen.

Das Skelett im Lehnstuhl (Niederbayern)
1838 macht der Graf Joseph Ludwig von Armansperg eine grausige Entdeckung im Hungerturm der Egger Burg: Auf einem Turm aus Schädeln thront das Skelett eines hochgewachsenen Mannes, der dort offenbar angekettet an einen Lehnstuhl verhungern musste.
Gemeinsam mit einem Mönch begibt sich der Graf auf die Suche nach den Hintergründen der Tat. Sodann wechselt die Handlung ins Jahr 1347 und in eine Schlacht zwischen Bayern und Böhmen. An der Schlacht beteiligt ist auch der Adlige Konrad von Eggert, dessen Kampfhandlungen ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen werden.

Der verschollene Schatz von Rannariedl (Oberösterreich)
Als die Bauern und Handwerker 1594 gegen das Joch des geldgierigen und grausamen Grafen Johannes von Kevenhüller in Rannariedl aufbegehren, machen sie keine Gefangenen. Der einzige Überlebende des Massakers ist Hannes, der kleine Sohn des Grafen. Fortan wird er aufgezogen vom Ritter von Haichenbach und dessen Frau, ohne um seine Herkunft zu wissen.
Erst, als er selbst zum Ritter geschlagen wird, zieht es Hannes zurück in die Heimat seiner leiblichen Eltern und in die Burgruine. Ein großer Schatz soll hier versteckt sein – doch auch von Geistergeschichten ist die Rede.

Der wilde Ritter von Altschneeberg (Oberpfalz)
Im Jahr 1821 findet sich bei Bauarbeiten am Kirchturm des Dorfes Schönthal eine Art Beichte des Ritters Johann Zenger.
Daraufhin wechselt die Handlung ins Jahr 1433, wo sich besagter Ritter im Kampf der Bayern gegen die Hussiten als Held hervortut. Er genießt den Ruhm – doch wieder allein in seiner Burg befällt ihn die Einsamkeit. Der Witwer sehnt sich nach einer Ehefrau und glaubt bald, eine geeignete Kandidatin in der schönen Leonora von Frauenstein gefunden zu haben. Dumm nur, dass die bereits glücklich verlobt ist. Doch der Ritter steigert sich immer weiter in die Idee hinein, Leonora zu ehelichen – und heckt dafür einen niederträchtigen Plan aus.

Die weiße Frau von Krumau (Südböhmen)
Lange Zeit haben die Bewohner Böhmens der keltischen Göttin Perchta an einem heiligen Ort gehuldigt. Das ändert sich jedoch, als der christliche Adlige Witigo von Krumau an eben diesem Ort ab 1240 eine Feste errichtet. Als er jedoch später von den Lehren der Gottheit hört, bereut er seine Tat. Fortan macht er es sich zur Aufgabe, die verbliebenen „heidnischen“ Orte zu schützen. Seiner Familie scheint von da an das Glück – bis einer seiner Nachfahren sich wieder dem christlichen Glauben verschreibt. Doch eines Tages werden der alte Glaube und mit ihm das Glück auf die Festung zurückkehren.

Von Verlagsseite heißt es zur ersten Geschichte, der Autor decke »die wahrscheinlichen historischen Hintergründe des grauenhaften Skelettfundes auf.« (Morsak Verlag) Ein Kommentar, der in Anbetracht phantastischer Einstreuungen wohl nicht auf alle der Erzählungen passt, aber auch sonst nicht viel aussagt. Wie viel entspricht hier historischen Aufzeichnungen, wobei handelt es sich um Sagengeschichten, was hat Böckl dazu gedichtet? Wenn man sich mit der Thematik nicht auskennt, ist das nur schwer zu beurteilen, denn die Hintergrundinformationen, die zu Ende des Buches geboten werden, sind leider ziemlich spärlich ausgefallen. Auch sonst mangelt es dem (Orts-)Unkundigen an Informationen. Es hagelt Jahreszahlen, Ortsnamen und offenbar regionaltypische Begriffe, mit denen man aber leider nicht viel anfangen kann, wenn man nicht aus der Gegend stammt, bzw. kein Grundwissen über diese hat.
Die Erzählungen sind an sich schön flüssig zu lesen dank Böckls angenehmen Schreibstil. Da sie aber kaum ins Detail gehen, hat man so häufig das Gefühl, dass das Buch gar nicht für ein überregionales, an für sich stehende, spannende Geschichten interessiertes Publikum gedacht ist. In Anbetracht dessen, dass der Morsak Verlag sich auf lokale Themen Bayerns und Böhmens spezialisiert hat, liegt die Vermutung nahe, dass die Zielgruppe tatsächlich gar nicht weiter gefasst wurde. Aber selbst, wenn dem so ist, hätten den Geschichten mehr Detailreichtum und eine ambivalentere Charakterzeichnung nicht geschadet. Im Prinzip wirkt es wie eines dieser Sagenbücher aus Museumsshops, die man sich manchmal mitnimmt, wenn man sich mit der Thematik noch einmal etwas unterhaltsamer auseinandersetzen will und die sich nicht recht zwischen spannender Erzählweise und Informationsquelle entscheiden können.
Auf die Dauer stören auch die Seitenhiebe auf die (katholische) Kirche, die bei Böckl recht gerne mal auftauchen, die Handlung in dieser Novellensammlung aber selten voranbringen und die Erzählungen häufig unfreiwillig ins Lächerliche ziehen. Besonders auffällig ist das natürlich bei der letzten Novelle um die weiße Frau von Krumau, die trotz der im Grunde ansprechenden Thematik ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkt. Wiederum stellt sich die Frage, was der Autor hiermit eigentlich bezwecken wollte – ging es ihm um Unterhaltung, Information oder Darlegung seines Glaubens? Der Mix ist jedenfalls kaum gelungen.

Fazit:
Die Erzählungen lassen sich dank des angenehmen Schreibstils zwar gut lesen und inhaltlich bieten sie meist solide Handlungen. Jedoch sind sie zu stark auf ein regionales Publikum zugeschnitten und zu oberflächlich behandelt, um darüber hinaus zu begeistern.
Letztlich nicht das gelungenste Werk des Autors.

Bewertung:



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