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Rezension - Das schwerste Gewicht

Das schwerste Gewicht
Jahresanthologie 2005
Herausgeber Frank W. Haubold

EDFC Passau, 2005
Belletristische Reihe
174 Seiten mit 8 ganzseitigen Illustrationen von Gabriele Reinecke
und einem Titelbild von Michael Mittelbach
ISBN 3-932621-79-4
9.25 EUR

Eine Videovorführung, die buchstäblich eine Ewigkeit dauert, ein Gehirn, das verzweifelt nach Gesprächspartnern sucht, eine Flamme, die unter Depressionen leidet, und der drohende Einbruch in ein anderes Universum: Neunzehn manchmal skurrile, manchmal melancholische, in jedem Fall aber im besten Sinne phantastische Geschichten erwarten den Leser im neuen Fantasia-Band, der EDFC-Jahresanthologie 2005.

Bekannte Autoren und hoffnungsvolle Nachwuchstalente aus Bulgarien, Deutschland und Österreich dokumentieren einmal mehr die faszinierende Vielfalt phantastischer Literatur, die allen Unkenrufen zum Trotz lebt und gedeiht. Die Erzählungen und Kurzgeschichten aus den Bereichen Science-Fiction, Fantasy und Horror wurden von Frank W. Haubold ausgewählt und von Gabriele Reinecke illustriert.

Inhalt:

Matthias Falke: Das schwerste Gewicht
Eine Videovorführung, die buchstäblich eine Ewigkeit dauert ...

Heidrun Jänchen: Sprich mit mir
Ein Gehirn, das verzweifelt nach Gesprächspartnern sucht ...

Natalia Andreeva: Bitteres Licht
Ewige Jugend - wenn ein Zauber zum Fluch wird ...

Stephan Peters: Dorothea
Eine Auferstehung der weniger appetitlichen Art ...

Dietmar Füssel: Die kleine Flamme
Eine Flamme, die unter Depressionen leidet ...

Stefan Pfister: Der klappernde Bahnhofsvorsteher
Das unvermutete Ende einer nächtlichen Zugfahrt ...

Christian Fischer: Sand und Würfel
Eine Entdeckung, die nicht nur unser Universum betrifft ...

Wilko Müller jr.: Hass
Eine Unfallserie, die sehr menschliche Ursachen hat ...

Barbara Schinko: Verbrechen aus Liebe
Eine Hexe und ihr ewig junger Liebhaber ...

Frank W. Haubold: Das ewige Lied
Der ewige Soldat auf dem Weg in einen aussichtslosen Kampf ...

Volker Groß: Des-Illusion Alice
Ein Traum, der abrupt endet ...

Marc-Alastor E.-E.: Vergessen sei der Wechselbalg
Ein Wüstengeist in tödlicher Mission ...

Silke Rosenbüchler: O je, du Fröhliche
Ein unerfüllbarer Weihnachtswunsch ...

Sven Kloepping: Alpha Centauri
Ein Grenzwächter, der sich nicht erinnern darf ...

Jasmin Carow: Der Rattenkönig
Wenn eine Plage übermächtig wird ...

Hartmut Kasper: Uschepti
Unterwegs in einem fliegenden Sarg ...

Helga Schubert: Irgendwas mit Pudica
Ein verrückter Gärtner und seine Schützlinge ...

Michael K. Iwoleit: Das Urteil
Die Menschheit auf dem Prüfstand ...

Alexander Amberg: Die Rückkehr
Ein Zauberring, der Wünsche wörtlich nimmt ...

Der Herausgeber:

Frank W. Haubold wurde 1955 in Frankenberg geboren und lebt im sächsischen Meerane. Er studierte Informatik und Biophysik in Dresden und Berlin. Seit 1989 schreibt und veröffentlicht er Erzählungen und Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres (Science Fiction, Fantasy, Gegenwart). Nach Einzelbeiträgen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften veröffentlichte er 1997 sein erstes Buch, den Episodenroman Am Ufer der Nacht, 1999 zusammen mit Eddie M. Angerhuber die Sammlung Der Tag des silbernen Tieres sowie 2001 und 2003 die vielbeachteten Erzählungssammlungen Das Tor der Träume und Das Geschenk der Nacht. Seit 1996 ist er Mitglied des 1. Chemnitzer Autorenvereins e. V., für den er mehrere Anthologien herausgab. Weitere Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Magazinen und Anthologien (u. a. bei Heyne, Lübbe und Blitz).

Der Herausgeber Frank W. Haubold kündigte eine Anthologie mit ungewöhnlichen Kurzgeschichten an.
Das ist ihm schon einmal insoweit gelungen, dass die Bandbreite der Kurzgeschichten durch alle Genre reicht. Auch die Plots sind teilweise erfrischend „anders“ als in vergleichbaren Anthologien und sichern abwechslungsreiche Lesekost.

Der Band startet gleich mit der Titelgeschichte Das schwerste Gewicht von Matthias Falke, in der eine Gruppe von Menschen Rückblicke aus ihrem Leben präsentiert bekommt, die entweder dunkel oder aber ausschweifend waren und die Anwesenden psychisch „nackt“ vor den anderen dastehen läßt. Nicht genug damit, werden ihnen diese Rückblicke in stetiger Folge präsentiert. So werden sie zu Gefangenen und Entblößten ihrer eigenen Vergangenheit.

Bitteres Licht von Natalia Andreeva, ist die erste atmosphärische Geschichte. Das Thema „Ewige Jugend“ wird hier einmal anders abgehandelt, interessant auch der Mutter-Tochter-Konflikt, den die Autorin einflicht. Man mag den Stil von Natalia Andreeva lieben oder nicht, eines hat er: Wiederkennungswert. Und er weiß „angenehm“ zu unterhalten. Meist sind Andreevas Texte „licht“, von einer höheren Ebene und daher sprechen sie vielleicht nicht alle an, aber schlecht sind die nicht.

Erstes richtiges Hihghligh ist Dorothea von Stephan Peters, der wie immer souverän fabuliert. Und das Thema „Wiederkehr“ in einem Fiction-Rahmen darbietet. So also sieht Robottechnik aus und so also kann Wiederauferstehung ablaufen.

Stefan E. Pfister stellt uns in Der klappernde Bahnhofsvorsteher einen Zugreisenden vor, der an einem abgelegenen Bahnhof aussteigt, bei dem dubiosen Dr. Petronius landet und dort Merkwürdiges über sich erfährt. Biomechanismen und Kabelektase gewinnen für ihn plötzlich an Bedeutung.

Wilko Müller jrs.: Hass zeigt uns, wie vernichtend Hassgefühle sein können, wenn sie ausufern und Eigendynamik entwickeln – und wie schnell sie zum Bumerang werden. Ein Plot, der uns nachdenklich stimmen sollte.

Barbara Schinkos Verbrechen aus Liebe ist eine feine Geschichten rund um das unendliche Leben einer Hexe und ihres Liebhabers, die nicht voneinander lassen können, die auf Gedeih und Verderben aneinander gekettet sind.
So also endet die absolute Vereinigung?

Sprachlich wirklich herausragend ist einzig der Beitrag Vergessen sei der Wechselbalg in der Welt Praegaia von Marc-Alastor E.-E, einem Autor, von dem man auf jeden Fall mehr lesen sollte und der erfreulicherweise keinen Mainstream anbietet!

Silke Rosenbüchlers O je, du Fröhliche ist eine humorvolle, erotisch angehauchte Story um einen ganz speziellen Frauenwunsch an den Weihnachtsmann, der unerfüllt bleibt, trotz aller Verführungskünste. Santa Claus ist eben doch kein „ganzer Kerl“, dank seiner kindergerechten Figur.

Helga Schuberts Irgendwas mit Pudica führt den Leser auf anschauliche Weise an die Besonderheiten der Pflanzenwelt heran. An den Rachenblütler „Löwenmaul“, die Blutblume, die Glockenrebe... Sie alle zeigen, dass sie sich zu wehren wissen, wenn man ihnen nicht respektabel begegnet – und dass es keine UNkräuter gibt. Sollten Sie jemals einen Schatz suchen, richten Sie Ihr Augenmerk auf die Pflanze Rühr-mich-nicht-an.

Soviel zu den Kurzgeschichten, alle seien hier nicht näher erwähnt, das nähme den geneigten Lesern zu sehr die Spannung, es sei aber soviel gesagt: Er wird hier gut unterhalten! Dazu trägt auch die Story des Herausgebers bei!

Bliebe die Aufmachung:
Das Covermotiv von Michael Mittelbach kommt morbid daher und spricht stimmungsvoll an. Dem zum Kontrast stehen die schwarz-weißen Innengrafiken von Gabriele Reinecke, die sehr schön auf die jeweilige Story abgestimmt sind!
Die Schrift erfreut durch angenehm augenfreundliche Größe und untermauert den Lesegenuss.

Fazit: Eine lesenswerte, abwechslungsreiche Anthologie mit einigen Highlights, die ich nur empfehlen kann!

© Alisha Bionda

 

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