H. P. Lovekraft, Frank Festa (Hrsg.)
Das rote Zimmer – Lovecrafts dunkle Idole II
Anthologie, Hardcover mit Leseband, Schutzumschlag in Lederoptik
Festa Verlag, Taucha, Dezember 2010
352 Seiten / 28,00 €
ISBN: 9783865520883
In seinen unzähligen Briefen erwähnte und beurteilte H. P. Lovecraft diverse klassische sowie moderne Autoren, die sich der Phantastik verschrieben haben. Sein Werk Supernatural Horror in Literature dient mittlerweile vielen Literaturwissenschaftlern als Grundlage für ihre Forschungen. Lovecraft beschäftigte sich nicht nur mit bekannten Schriftstellern, sondern ging ebenso auf Autoren ein, deren Namen heute niemand mehr kennt. Dadurch leistete er natürlich eine wichtige Arbeit, da auf seiner Grundlage vergessene Werke wieder entdeckt werden können.
Manche der Autoren, die Lovecraft erwähnt, dienten ihm als Vorbilder für seine eigenen Geschichten. An erster Stelle ist natürlich Edgar Allan Poe zu nennen, dessen Werke Lovecraft verehrte. Aber auch der Einfluss von Lord Dunsany spielte bei ihm keine unwesentliche Rolle
Frank Festa hat sich nun bereits zum zweiten Mal daran gemacht, eine Anthologie zusammenzustellen, in denen Autoren, die Lovecraft in seinen Briefen überaus positiv beurteilt, vorgestellt werden. Es handelt sich dabei also um Geschichten, die Lovecraft damals selbst gelesen und kritisiert hat. Schon allein das macht die Textsammlung sehr originell und spannend.
In der Anthologie finden sich sowohl bekannte Autoren wie H.G. Wells, Lord Dunsany, Edgar Allan Poe, Robert Louis Stevenson oder Théophile Gautier. Aber auch Schriftsteller, deren Geschichten in dem Magazin Weird Tales sehr beliebt waren, die heute jedoch in völlige Vergessenheit geraten sind, fanden ihre Aufnahme darin. So befinden sich darunter z.B. Mearle Prouts Story Das Haus des Wurmes, die in ihrer Art und Weise recht an Algernon Blackwood erinnert, Arthur J. Burks Geschichte Die Glocken des Ozeans, bei der es um schauerliche Zwischenfälle auf einem Schiff geht, oder die Kurzgeschichte Telegramm in der Nacht, einer von Lovecrafts Lieblingsgeschichten, die von einer bizarren Meldung handelt, die per Telegraph übermittelt wird. Der auch heute noch bekannte Thrillerautor John Buchan liefert mit Das grüne Gnu eine überaus beunruhigende Afrikageschichte ab. Bei der Geschichte Das obere Stockwerk von M. L. Humphreys glaubte Lovecraft, der Autor habe eine seiner Ideen praktisch vorweggenommen. Sie handelt von einem Mann, der seinen kranken Freund besucht – alles andere als ein angenehmer Aufenthalt.
Für Diskussion wird vielleicht die Neuübersetzung von Poes Der Untergang des Hauses Usher sorgen, deren neu übersetzter Titel Die Auslöschung des Hauses Usher lautet. Zuerst gefiel mit der Titel auch nicht, aber nach längerem Überlegen kann man Malte S. Sembten dazu eigentlich beglückwünschen, da auf diese Weise die Bedeutung des Titels erhalten bleibt und zusätzlich moderner klingt.
Fazit:
Die Auswahl der vierzehn Geschichten ist insgesamt sehr gut getroffen. Die Mischung aus bekannten klassischen Geschichten wie Stevensons Die Leichenräuber, Gautiers Der Mumienfuß oder Wells’ Das rote Zimmer und Geschichten, die bisher noch nicht auf Deutsch erschienen sind, macht Spaß. Gespannt hofft man auf eine weitere Anthologie dieser Art.
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