Benjamin Cook
Alan Demore - Band 1
Rückkehr aus dem Totenreich
Horror, Paperback
Romantruhe
148 Seiten / 7,95 Euro
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Von einer Online-Serie zum Paperback, das ist schon ein großartiger Schritt, und dafür möchte ich am Anfang schon einmal dem Autor gebührenden Respekt zollen. Dies ist also der Beginn der Serie ‚Alan Demore’, und wie wir wissen, aller Anfang ist schwer.
Doch zunächst ein paar Worte zum nebenstehenden Cover: Dass von Tony Ballard-Stammzeichner Ugurcan Yüce bietet zwar, auch dank des schwarzen Rahmens, eine recht unheimliche Friedhofsatmosphäre, aber insgesamt wirkt das Bild etwas unfertig. Das merkt man vor allem an den beiden doch recht statisch wirkenden Dämonen. Außerdem sticht einem die äußerst ungesunde rote Haut des Anzugträgers ins Auge. Mit dem Roman zu tun hat dieses Cover, abgesehen davon, dass ein Abschnitt des ersten Teils auf einem Friedhof spielt und (Ritter-) Zombies aus der Erde steigen, nicht allzu viel.
Das Layout insgesamt wirkt aber dennoch sehr ausgewogen und stimmig.
Nun, genug der langen Vorrede, wenden wir uns lieber dem Roman zu … Teil 1 „Rückkehr aus dem Totenreich“ Zur Zeit der Tafelrunden-Ritter: Der abtrünnige Mordred tötet Artus und einige Anhänger des Königs, um an das magische Schwert Excalibur zu gelangen und selbst die Macht über das Reich zu übernehmen. Doch Sir Galahad, der in den Jahren zuvor auf der Suche nach dem Gral gewesen ist, stellt sich ihm, um das Böse aus Camelot zu vertreiben. Gerade als er Mordred im Zweikampf zu unterliegenden droht, greifen Merlin und seine Druiden ein. Die magischen Kräfte entreißen Excalibur aus den Händen des Bösen. Daraufhin verflucht der Zauberer Mordred, ewig zu Leben, bis ihm seine Sünden vergeben werden…
In der Gegenwart wird der Privatdetektiv Alan Demore zu einem Treffen mit einem gewissen Mr. Sato in einer verruchten Glasgower Kneipe gerufen. Gerade als er es dort mit einem aggressiven Prügelknaben zu tun bekommt, taucht Samuel, Mr. Satos Chauffeur, auf und holt Demore mit seinem Wagen ab. Nach einer Fahrt bis zu Satos mysteriöser Burg in Südengland trifft Demore endlich auf seinen Gastgeber Mr. Sato. Der eröffnet ihm, dass er niemand anderes als der verfluchte Mordred ist. Nachdem er zehn Untote, ehemalige Ritter der Tafelrunde, erweckt hat, um seine Burg zu sichern, soll der Detektiv ihm helfen, das von einem magischen Schutzschild umgebene Excalibur aus einer nahe gelegenen Höhle zu holen. Anders als Mordred besitzt Alan Demore nämlich die Macht, die Barriere zu überwinden. Denn er ist ein Ritter des Lichts…
Doch auch Merlin, dessen Druiden, die Herrin des Sees, der zurückgekehrte Sir Galahad sowie der geheimnisvolle Marzalin greifen in den Kampf ein… Der erste Band einer neuen Serie steht stets vor der gleichen Problematik: Wie führt man gleichzeitig die wichtigsten Charaktere ein, ohne dabei die Handlung außer acht zu lassen? Benjamin Cook löst diese Frage recht zufriedenstellend, indem er einen etwas kürzeren Erstling schreibt, bei dem es aber schon zu ersten größeren Konfrontationen kommt und gleichzeitig ein gutes Dutzend Figuren einführt, ohne dabei deren Charakter besonders zu vertiefen. Da wäre allen voran natürlich Alan Demore, dem man den Schrecken, den ihm die Erlebnisse beibringen, durchaus nachempfinden kann, wenngleich man ansonsten nicht allzu viel über seine Persönlichkeit erfährt. Dazu kommen geheimnisvolle Wesen wie Merlin, Marzarlin, die Herrin des Sees oder die drei Druiden Seraphim, Zargon und Oragon, deren Charakter, Motivation und Verbindung zu Alan Demore es in Zukunft zu ergründen gilt. Durch viele beinahe beiläufige Bemerkungen kann der Autor die Leser mit immer neuen Fragen fesseln: Wer sind die leuchtenden Götter, wer die anderen drei Auserwählten? Wer waren Alans Eltern? …
Gleichzeitig finden auch Alans mögliche Langzeitgegner ihre erste Erwähnung: Luzifer, Satan und … Lazarel. Die Andeutungen über diesen Dämon finde ich besonders interessant, da sie wohl schon einen roten Faden für die nächsten Bände einleiten sollen. Das ist meiner Ansicht nach ein äußerst gelungener Schachzug, genau wie die Einbindung der Sage um die Ritter der Tafelrunde, die der Serie einen wunderbar mystischen Anstrich verleiht.
Störend und daher auch dezent unerwähnt in der Zusammenfassung bleibt dagegen die Nebenhandlung um die beiden Einbrecher Eddy Thompson und Barry White. Wenngleich deren Abschnitte äußerst spannend und gruselig beschrieben sind, wollen sie dennoch nicht zum Gesamtbild passen. Denn der Zufall, dass die zwei Gangster ausgerechnet dann die Burg ausräumen wollen, als Mordred zehn Untote erweckt und Excalibur nach Jahrhunderten zurückerobern will, ist schier an den Haaren herbeigezogen. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, diese beiden Figuren wären nur hinzugefügt worden, um dem Roman etwas mehr ‚Horror’ zu verleihen und ihn auf eine angemessenere Länge zu bringen. Da wäre vielleicht aber ein ausführlicherer Kampf der Druiden gegen die Zombies interessanter, der hier dann doch nur ganze vier Zeilen dauert.
Einen weiteren Kritikpunkt bildet Mordreds Chauffeur Samuel – oder vielmehr dessen Verschwinden. Auf Seite 37 noch gibt Mordred ihm den Befehl, die Burg zu bewachen, doch danach wird er mit keiner Silbe mehr erwähnt. Wenn das ein Weg ist, ihn überraschend irgendwann wieder aus dem Hut zu ziehen, ist er natürlich gelungen, aber ich gehe eher davon aus, dass er in der Masse der Ereignisse und neuen Personen einfach etwas vergessen wurde und dementsprechend untergegangen ist.
Insofern wertet dies den ersten Alan Demore-Roman noch etwas ab, aber insgesamt hat er mir doch recht gut gefallen. Etwas mehr Charaktertiefe hätte ihn aber noch überzeugender wirken lassen können. Dennoch, durch die vielen Geheimnisse und aufgeworfenen Fragen bin ich schon mehr als gespannt, wie es weiter geht…
Teil 2 „Das Vampirmonster“ Nach einem missglückten Banküberfall befindet sich die gesamte Glasgower Polizei auf der Jagd nach dem Serienräuber Ben Wilson. Doch gerade, als Wilson schon von seinen Verfolgern umzingelt zu sein scheint, wird er von einem Mann in einem Leichenwagen mitgenommen und von ihm zu dessen Haus gebracht. Dort eröffnet Maurice de Solier, ein Bestatter, Wilson den Grund für seine Rettung: Er soll helfen, eine Jungfrau zu entführen, um an ihr Herz zu gelangen. Denn de Solier möchte seinen Urahn und Vampir-Dämon Henry de Solier zu neuem Leben erwecken. Ihr Opfer wird Roxanne Nash. Ihr Vater, Sir Andrew Nash, beauftragt den Privatdetektiv Alan Demore, bei der Suche zu helfen. Doch der Ritter des Lichts und sein Freund, der Polizist Jim Morton, können sie nicht mehr retten und finden nur die Leiche des Mädchens. Schließlich kommen sie Maurice de Solier auf die Spur, doch während es im Haus des Bestatters zum Duell zwischen Alan Demore und dem Mörder kommt, erwacht die auf dem Anwesen von Sir Andrew Nash aufgebahrte Roxanne zu untotem Leben. Henry de Solier, ihr neuer und wiedererwachter Meister, will mit ihrer Hilfe ein Blutbad anrichten … Der zweite Roman in diesem Paperback legt eindeutig mehr Wert auf Horror denn auf die Geheimnisse, die Alan Demore in der ersten Geschichte zugeschrieben wurden. Das Verhalten des Helden wirkt dabei schon recht routiniert – eigentlich schon zu routiniert, wenn man bedenkt, dass er erst vor kurzem das erste Mal mit dem Übernatürlichen in Kontakt gekommen ist. Selbst ein echter Vampir dürfte für ihn eigentlich noch Neuland sein.
Nebenbei gibt es noch den ersten Auftritt von Alans Polizeifreund Jim Morton, der im ersten Roman bereits erwähnt wurde. Recht sympathisch scheint er zu sein, aber dabei bleibt ebenso wie bei der Titelfigur die Charaktertiefe etwas auf der Strecke.
Doch zurück zur Geschichte, die durch die unkonventionelle und äußerst blutige Eigenart des Vampirs, sich von menschlichen Herzen zu ernähren, für einige schaurige Schocks zu sorgen weiß. Besonders die Szene, in der Roxanne Nash von dem Monstrum getötet wird, weiß dahingehend sehr zu gefallen.
Allerdings hat die Story einige Probleme mit ihrer inneren Logik. Dass Maurice de Solier, nachdem er von Ben Wilsons Überfall in den Nachrichten gehört hat, ihn sofort mitten in Glasgow findet, ist schon ziemlich unglaubwürdig. Nicht wirklich nachvollziehbar ist auch, warum Sir Andrew Nash die Befugnisse hat, seine tote Tochter von der Polizei auf sein Anwesen bringen zu lassen. Als Mordopfer müsste sie doch eigentlich in die Gerichtsmedizin gebracht werden. Schließlich ist da noch das Duell zwischen Alan und Maurice de Solier: Obwohl der Detektiv seinen Gegner bereits gewarnt hat, dass die Polizei in gut zehn Minuten eintreffen würde, hält der ihm einen längeren Vortrag über seine Motive und die Geschichte seines dämonischen Urahns.
Weniger störend, aber doch nicht ganz passend ist der häufige Gebrauch des Wortes ‚Girl’. Das erinnert vom Stil herein wenig an die späten 70er und frühen 80er. Ähnliches gilt für einen kurzen Absatz, in dem sich Alan Demore direkt an den Leser wendet. So etwas stört den Lesefluss, da man den Eindruck gewinnt, dass es sich daher bei der Geschichte um eine Art Bericht handelt, den der Detektiv in Romanform verfasst hat.
Aufgewogen werden diese kritischen Aspekte zum Teil aber mit einem wirklich spannendem Finale und einem charismatischen Henry de Solier. Dass Demore am Ende doch nicht alle Beteiligte retten kann, wirkt zudem sehr dramatisch. Schön, dass es nicht ein übliches Happy End gibt. Die Zukunft wird zeigen, wie sehr Alan daran noch zu knabbern haben wird. Fazit:
Mit den ersten beiden Romanen ist Benjamin Cook ein recht guter Einstieg in die Welt des Alan Demore geglückt, wenngleich es vor allem in dem Aufbau der Geschichten noch einige Mängel gibt. Doch die vielen Fragen und Geheimnisse, die hier schon aufgeworfen wurden, lassen eine interessante Serie erwarten. Die nächsten Bände werden zeigen, wie sich das alles noch entwickeln wird. © Dämonengeist |