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Rezension - Hattrick - Band 1

Heiko Lukas
Hattrick - Elfmeter für die Liebe - Band 1
Kopfball

Taschenheft
Martin Kelter Verlag, August 2010
128 Seiten / 2,40 €

Man muss sich schon fragen, welche bewusstseinserweiternden Substanzen da im Spiel waren, als der Martin-Kelter-Verlag grünes Licht für eine Taschenheft-Serie gab, in der unter dem Banner des Fußballsports Liebesromane veröffentlicht werden sollten. Was auch immer in den Köpfen der Verantwortlichen vorgegangen sein mag – das Projekt kam in der Tat ins Rollen, und nun kann man den ersten Band der neuen Serie »Hattrick« im Handel bekommen.

Es ist ein Schock für Peter König, den Präsidenten des Regionalligisten FC Blauweiß Mittelstadt, als der Trainer der Mannschaft bei einem Autounfall so schwer verletzt wird, dass er das Team vorerst nicht mehr trainieren kann. Das ist umso fataler, da ein wichtiges Spiel gegen einen Verein aus Kassel ansteht, gegen dem man unbedingt gewinnen will. Nicht nur, dass bei dem Match Talentscouts im Publikum zugegen sein werden, um die Spieler zu begutachten und möglicherweise für eine große Karriere vorzuschlagen. Nein, auch der Hauptsponsor droht König den Hahn zuzudrehen, falls kein Erfolg zu verzeichnen ist. König ist verzweifelt und setzt auf den bisherigen Co-Trainer, der das Team kurzfristig übernimmt. Von all dem bekommt Jessica König, seine bildhübsche Frau, die eine von ihren Eltern geerbte Pferdezucht betreibt, nicht viel mit. Auch Töchterchen Julia genießt ein unbeschwertes Leben als Tiermedizinstudentin und Pferdenärrin. Sie will eines Tages die Zucht übernehmen. Bei einem Rennen lernt sie Roland von Amstetten kennen, und der junge Herr aus edlem Hause hinterlässt bei ihr nachhaltigen Eindruck. Aber die Schwärmerei ist nur von kurzer Dauer, denn Julias Freundin Saskia schleppt sie am Wochenende mit ins Stadion. Saskia schwärmt für einen der Spieler. In der Tat wird der Tag für die jungen Frauen sehr interessant. Zuerst touchieren sie beim Einparken einen Sportwagen, später lernen sie den Besitzer des Autos kennen: Max Hensmann, genannt »Hattrick«, ein Spieler des Vereins, schießt der Präsidenten-Tochter aus Versehen einen Ball an den Kopf. Als die Getroffene aus der kurzen Ohnmacht erwacht, ist es beinahe sofort um ihr Herz geschehen. Was wird ihr Vater zu dieser Beziehung sagen? Peter König hat unterdessen schon wieder andere Sorgen. Der Unfall des Trainers war kein Zufall, sondern ein perfides Attentat! Hinter der ganzen Sache steht die millionenschwere Nadja Priess, Ex-Geliebte des Präsidenten. Ihr Plan: Ohne Trainer spielt der Verein mies, die Sponsoren springen ab, sie springt ein und angelt sich so ihren Lover zurück. Als Jessica König mitbekommt, dass ihr Mann sich mit einer anderen Frau trifft, bahnt sich die Katastrophe an ...

Knapp 130 Seiten Schwachsinn vom Feinsten. Punkt. Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen. Es ist nahezu unfassbar, wie man davon ausgehen kann, dass so ein Roman – so ein Konzept – auch nur irgendjemanden anspricht. Hier werden alle Versatzstücke der Frauenheft-Literatur erstens verquickt und zweitens mit einem grundsätzlich eher Männern zugedachten Thema aufgezogen. Die Adelsroman-Schiene bedient die Frau des Präsidenten mit ihrem edlen Gestüt und natürlich der junge Herr aus gutem Hause, Herr von Amstetten. Die Liebesroman-Schiene bedienen die jungen Mädchen Jessica und Saskia mit ihrer Schwärmerei für die süßen Spieler vom Fußballverein. Und schließlich kommt noch eine Messerspitze Krimi dazu, wenn es um die Erpressung der Ex-Geliebten geht. Davon mal abgesehen, dass das Titelbild eines der lächerlichsten ist, das man je zu Gesicht bekommen hat, und der Titel »Hattrick« sich nicht mal auf die Hauptfiguren bezieht und den Eindruck vermittelt, »König Fußball« (O Gott, hat man tatsächlich an diese Redewendung gedacht, als man den Familiennamen der Protagonisten wählte?) spiele hier eine Hauptrolle – bei diesem Text funktioniert einfach gar nichts. Die Story ist zäh, die Konstellation der Figuren gewollter als in mancher schlechten Soap und die Auflösung am Ende lächerlich und nichtssagend. An keiner Stelle wird der Roman spannend, romantisch oder zumindest schön erzählt. Stattdessen mäandert er durch seichteste Szenen und Dialoge, bis das kleine Büchlein endlich durchgelesen ist.
Für den Mut, einen solchen Roman zu veröffentlichen, kann man Kelter nur bewundern. Für die Idee, die Serie in zweimonatigem Abstand herauszubringen, ebenfalls. Betrachtet man die jüngsten Ereignisse der Serienstopps der erst im Frühjahr angelaufenen anderen neuen Taschenheftserien des Verlags, muss man erwarten, dass »Hattrick« es nur auf eine Ausgabe bringen wird. Man ist geneigt zu sagen: Gott sei Dank!

Bewertung:



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