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Romanrezension - Das Rote Imperium - Band 3

Wim Vandemaan
Perry Rhodan - Das Rote Imperium - Band 3
Die Zukunftsbastion

Science-Fiction, Taschenbuch
Heyne Verlag, München, April 2009
462 Seiten/ 7,95 €
ISBN: 9783453524996

Perry Rhodan (PR) befindet sich in der Gefangenschaft des Roten Imperiums und wurde an das »Mentale Symposion« angeschlossen, einer Art weiterentwickeltem Simusense. Sich somit in einer anderen Realität aufhaltend, versucht PR sich selbst zu finden und quasi wieder zu einer Person, zu Perry Rhodan, so wie wir ihn kennen, zu werden. Seine Suche wird jedoch gesteuert und so dienen seine Erlebnisse in dieser fremden Realität dem Militär des Roten Imperiums zur Informationsgewinnung und damit der Auslöschung eines ganzen Volkes, der Houhhom.

PR gelingt die Bewusstwerdung, doch kurz darauf will ihn Ifama, die Generalin des Roten Imperiums, töten. PR wird in letzter Sekunde vor dem sicheren Tod gerettet. Er gelangt auf ein Raumschiff der Druuf, trifft dort weitere Revolutionäre und wird aufgefordert, Bavo Velines, den Generalgouverneur des Roten Imperiums, zu töten.
Als Rhodan die Zusammenhänge erkennt, Informationen über das Transuniversale Tor erhält, durch das das Rote Imperium in das Einsteinuniversum eindringen will, um seine Eroberungspläne auf dieses auszudehnen, die enormen Machtmittel sieht, die dem Imperium zur Verfügung stehen, erklärt er sich zu dieser Tat bereit.
Da das Tor in seinem Innern über ein biomorphes Gehirn verfügt, welches Bavo Velines ist, würde der Tod Velines` die Zerstörung des Tores nach sich ziehen. Nur Rhodan kann, aufgrund seines Zellaktivatorchips, die Barrieren um den Planeten Utgard durchdringen. Auf Utgard selbst erhält er Unterstützung durch die letzten Überlebenden des Volkes der Ofosuapia.

Unterdessen greifen die Anjumisten, Druuf und andere alliierte Völker mit vereinten Kräften das Siamed-System an, das Herz des Roten Imperiums und binden dort sämtliche militärischen Kräfte. Zudem wird das Mentale Symposion sozusagen von innen heraus zerstört, wodurch wiederum die quantronische Technik, von der alle abhängig sind, lahmgelegt wird. PR erreicht sein Ziel und es kommt zur letzten Konfrontation Velines/PR. Velines eröffnet PR, dass das Rote Universum im Sterben liege, was den ganzen Krieg, die Anstrengungen der Anjumisten, die zahllosen Opfer des diktatorischen Machtgefüges, in einem völlig neuen, tragischen Licht erscheinen lässt.

Hartmut Kasper alias Wim Vandemaan hat mit »Der Zukunftsbastion« einen sprachlich sicherlich sehr ausgereiften Roman vorgelegt und seine Virtuosität und Kreativität, was den Umgang mit Worten anbelangt, der unter der Riege der PR-Autoren sicher seinesgleichen sucht, muss man schon loben. Doch alles sprachliche Vermögen kann nicht über die inhaltlichen Schwächen des abschließenden Bandes der Trilogie um das Rote Imperium hinwegtäuschen.

Die ersten 100 Seiten habe ich mich wirklich gefragt, was soll das Ganze, wo bin ich hier eigentlich? Das Buch beginnt mit einer klassischen Detektivgeschichte im Stile des Film Noir, mit ein paar Einflüssen von William S. Burroughs. Philip Marlow & Co. lassen grüßen. Auch sprachlich bedient sich Vandemaan hier der Versatzstücke des klassischen Detektivromans.
Perry Rhodan auf der Suche nach sich selbst in der scheinbaren Wirklichkeit des Mentalen Symposions, die folgendermaßen erklärt wird: »Du bist wirklich, du bist wirklich hier. Deine ÜBSEF-Konstante wurde sextadimkopiert und einem freien Impulskonglomerat aufgesetzt, einem sogenannten Sherpa.« Diesen Satz muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Auf den kommenden 16 Seiten erhalten wir dann Einblicke in die Propagandamaschinerie des Roten Imperiums und werden Zeuge der Auslöschung eines ganzen Volkes, zu der PR in der anderen Realität quasi den Schlüssel geliefert hat.
Doch die Selbstfindung PR`s geht weiter, bis zu seinem »Ausbruch« aus dem Mentalen Symposion. Auf Seite 180 ist er endlich geschafft und auch ich als Leser atme auf und denke mir, so, jetzt kann der eigentliche Roman beginnen.
Verhehlen möchte ich nicht, dass die aufgezeigten Möglichkeiten des Mentalen Symposions durchaus faszinierend sind, die Handlung aber kein Stück voranbringen. Auch das ganze Technobubble und Philosophieren über das Wesen des Transuniversellen Tores hat durchaus seinen eigenen Reiz und die Wortschöpfungen Vandemaans tragen ihr übriges dazu bei, doch lassen sie den Leser genauso ratlos zurück wie Perry Rhodan. Provokant gesagt hatte ich manchmal das Gefühl, dass Vandemaan einfach selbstverliebt in sein Sprachtalent ist und dieses überreizt und übertreibt (»... das Interuniverselle Transuniversale Tor ...«). Auch sind die entwickelten Theorien wie die des Vorstoß` zum Urknall des Universums schon sehr gewagt.
Apropos gewagt, die Rettung Perry Rhodans ist das Unwahrscheinlichste und Absurdeste was ich in dieser Beziehung je gelesen oder gesehen habe. Vielleicht hätte ja Douglas Adams, den ich übrigens sehr schätze, seinen Spaß daran gehabt?
Seine Hausaufgaben hat Vandemaan auf jeden Fall gemacht, ob Mentales Symposion, die Weiterentwicklung des Simusense, welches ja im aktuellen Cantaro-Zyklus der 5. Auflage eine große Rolle spielt oder der Einbeziehung des M-87- bzw. Old Man-Zyklus und dort die Thematik der Zentrumsingenieure etc., die einst in den Bänden 300-399 Handlung war.
Da ich das Ende weder hier noch in der inhaltlichen Zusammenfassung vorwegnehmen möchte, möchte ich mich hierzu nicht weiter äußern, sondern nur mit der Aussage schließen, dass es Kritik fürwahr verdient hat.

Die Zukunftsbastion mag sprachlich ein interessantes Experiment darstellen, zumindest ich habe mich aber durch dieses Buch förmlich hindurchgequält. Für mich persönlich war Band 2 der beste Roman der Trilogie.

© Stefan Bellack

 

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