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Romanrezension - Das Rote Imperium - Band 1

Michael Marcus Thurner
Perry Rhodan - Das Rote Imperium - Band 1
Die Fossile Stadt

Science Fiction, Taschenbuch
Heyne Verlag, München, November 2008
413 Seiten/ 7,95 €
ISBN: 9783453524972

Am 05.11.1344 Neuer Galaktischer Zeitrechnung erscheint in München ein Fenster, ein Tor zu einer anderen Welt, zu einem Kosmos, mit dem Menschen und das Solare Imperium bereits schon einmal Kontakt hatten, zum Roten Universum der Druuf.
Das Fenster bietet Perry Rhodan Hilfe gegen TRAITOR, die Terminale Kolonne, an sowie ein Wiedersehen mit Ernst Ellert, dem Teletemporarier.

Perry Rhodan durchschreitet das Fenster, ohne wirklich zu wissen, auf welches Abenteuer er sich einlässt. Ein Schritt, aus der Not geboren, denn die Menschheitsgalaxis steht am Abgrund.
Eher unfreiwillig begleitet wird er dabei von Wiesel, einem Münchener Buchmacher, der sich auf der Flucht vor Geldeintreibern befindet. Perry Rhodan und Wiesel geraten in eine surreale Welt, geboren aus Perry Rhodans Kindheitserinnerungen.

Unterbrochen wird die Haupthandlung immer wieder durch die Schilderung des schier aussichtslosen Kampfes einer Widerstandsgruppe, den Anjumisten, gegen das Rote Imperium.

Perry Rhodan und Wiesel gelangen schließlich in die Fossile Stadt, die aus versteinerten Artefakten ungezählter Welten besteht und sie erfahren von den Anfängen des Roten Imperiums.
Wissenschaftler aus der Menschheitsgalaxis, die Kopernikaner, sind vor etwa einem halben Jahr Realzeit ins Rote Universum gewechselt, um sich den verlangsamten Zeitablauf in diesem Kosmos zunutze zu machen und um so genügend Zeit zu haben, eine »Hilfe« gegen TRAITOR zu entwickeln.
Doch kaum hat Perry Rhodan diese Basisinformationen erhalten, tauchen auch schon die Rebellen auf und entführen Rhodan. Eine Entführung, die in letzter Konsequenz aber scheitert.
Perry Rhodan gelangt in die Hände des Roten Imperiums und alsbald nach Druufon, der Hauptwelt.
Überschwänglich wird er empfangen, doch für Rhodan stellt sich vordergründig die Frage, was eigentlich mit den Druuf passiert ist?

Von Generalgouverneur Bavo Velines erfährt Perry Rhodan nun die Geschichte des Roten Imperiums, nachdem die Kopernikaner das Rote Universum erreichten. Dieser Bericht wirft aber bei Rhodan unzählige Fragen auf, da er ihm nicht stimmig erscheint.
Wiesel holt seinerseits Informationen ein und es stellt sich heraus, dass Bavo Velines anscheinend ganz eigene Ziele verfolgt, nämlich die Eroberung der Milchstraße.
Perry Rhodan und Wiesel decken zudem immer mehr Missstände des Roten Imperiums auf, das seine Bewohner unterdrückt und unter vollständiger Kontrolle hält.
Schließlich startet Perry Rhodan einen verwegenen Plan: Wiesel und er entfliehen ihrem Hotel und ihren Bewachern und gelangen zur verbotenen »Knochenstadt« und damit zu den Anjumisten.

Im genannten Handlungszeitraum befinden wir uns mitten im aktuellen »Negasphäre-Zyklus«. Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hält die Planeten der Milchstraße besetzt und belagert das Sonnensystem der Menschheit, die sich hinter dem TERRANOVA-Schirm verschanzt hat. Die Milchstraße soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern.

Mit der Trilogie um das »Rote Imperium« kehrt man aber auch in die Anfangszeiten der Perry Rhodan-Serie sowie des Solaren Imperiums zurück.
Im Jahr 2040 gab es den ersten Kontakt der Menschheit mit dem Roten Universum der Druuf, in dem die Zeit 72.000 Mal langsamer abläuft als in unserem Standarduniversum.
Nachzulesen ist dies im »Atlan und Arkon-Zyklus«, der mit Heft 50 begann oder aber auch in den Silberbänden 8 - 11.

Gerade für Altleser hält dieser Roman somit Einiges bereit und weckt so manche Erinnerung an die Anfangstage der Serie.
Im 2. Kapitel trifft übrigens Ernst Ellert, also ein fiktiver Charakter, auf Johnny Bruck, den verstorbenen Titelbildmaler der Romane, der maßgeblich das Erscheinungsbild der Serie geprägt hat. Eine schöne Reminiszenz an diesen großartigen Künstler.

Die Wahl Münchens als Handlungsort zu Beginn dieses neuen Abenteuers gibt Thurner die Gelegenheit, einige Klischees, die man heute mit Bayern verbindet, satirisch aufzuarbeiten. So ist München auch in dieser fernen Zukunft die Hauptstadt des Freistaates Bayern, wo man für die Touristen noch immer Lederhosen trägt und Bier aus Maßkrügen trinkt.
Perry Rhodan besucht den Viktualienmarkt und schwelgt in Kindheitserinnerungen, was den unsterblichen, 3000jährigen Residenten doch sehr menschlich macht.

Ansonsten muss sich Thurner jedoch den Vorwurf der Zeilenschinderei gefallen lassen.
Thurner benötigt bald 170 Seiten, bis die Handlung endlich in die Gänge kommt. Sicherlich macht er vieles durch seinen lockeren und routinierten Schreibstil wett, doch was sich in der Zusammenfassung noch relativ spannend liest, entwickelt sich ziemlich zäh. Thurner versucht originell zu sein, doch als das Kaninchen aus »Alice im Wunderland« auftaucht, um unseren Helden den Weg zu weisen oder ein überdimensionaler Killerclown einem Ameisenhügel entsteigt, fragt man sich doch, ob man sich noch in einem Science Fiction-Roman befindet.
Auf den letzten 20 Seiten gibt Thurner dann aber noch mal richtig Gas und entlässt den Leser mit einem Cliffhanger in Band 2.

An die Romanhandlung schließt sich übrigens ein 16seitiges Glossar mit den wichtigsten Begriffen aus dem vorliegenden Roman an, wobei ich persönlich die Erklärung zu den Anjumisten vermisst habe.

Ein Roman geschrieben für Perry Rhodan-Hardcore Fans, allerdings nicht unwichtig für die laufende Handlung in den Heftromanen.

© Stefan Bellack

 

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