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Perry Rhodan Romanrezension Band 2356

Schmerzruf
Perry Rhodan Nr. 2356

von Christian Montillon

Pabel-Moewig Verlag
69 Seiten / 1,75 €

Im vorliegenden Band schildert Christian Montillon zwei Handlungsstränge, die hier noch nicht verknüpft werden, aber aufeinander zulaufen.
Zum einen ist da der Strang um die Friedensfahrer, allen voran Kantiran und die „Anwärterin“ Cosmuel Kain. Sie planen, eine Station in der Nähe Hangays zu errichten, um in der Nähe der drohenden Negasphäre einen Beobachtungsposten zu haben. Sie beschließen, das „Camp Sondyselene“, wie die Station heißen soll, im Lazaruu-Sternhaufen zu bauen.
In der Zwischenzeit erfährt Alaska Saedelaere vom Raumschiff einer offensichtlich hochstehenden Zivilisation, das mit einem Triebwerksdefekt 30.000 Lichtjahre vom Lazaruu-Sternhaufen entfernt liegt. Es erscheinen zwei Chaosgeschwader, die auf der Suche nach einem Schiff namens BANDA SARI sind, das mitsamt seiner Ladung verschollen ist. Bei der Ladung handelt es sich um „Kirmizz“, was auch immer das sein mag.
Der zweite Handlungsstrang erzählt vom Schicksal eines Wesens, groß, blauhäutig, nackt - und ohne Gedächtnis. Wir erleben mit, was diesem Wesen im Laufe etwa eines halben Jahres alles widerfährt. Und wir nehmen teil an seiner fragmentarisch zurückkehrenden Erinnerung. Das Wesen verfügt über starke Paragaben, kann seinen Geist vom Körper lösen und dadurch andere Wesen beeinflussen. Von Weggefährten wird das Wesen Naigon genannt, was so viel heißt wie „Rätsel“. Am auffälligsten an Naigon ist sein „Gesicht“. Christian Montillon beschreibt das so:

„Der Fremde hielt die Augen geschlossen. Sonstige klassische Sinnesorgane existierten nicht; von der Unterseite des Kiefers bis hoch zur Mitte der Stirn zog sich eine tiefe Einkerbung, wie eine Falte. Aus kiemenartigen Öffnungen an den Seiten des Halses drang leises Stöhnen.“

Als ich diese Passage las, spannte der kleine Filmvorführer in meinem Verstand sofort die Rolle mit Oliver Kalkofes „Der Wixxer“ in den Projektor und zeigte mir die Szene, in der die bösen Buben ihre Konferenz abhalten. Unter ihnen: Der Arsch mit Ohren. Wer den Film gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Gottlob gelang es mir nur wenige Seiten später, diese unheilige Assoziation zu verdrängen, denn sonst wäre der Roman für mich an dieser Stelle gelaufen gewesen.

Naigon verfügt aber nicht nur über Paragaben, sondern auch über eine tödliche Waffe: den Schmerzruf. Die Einkerbung reißt auf und aus dem entstehenden Schlund dringt ein Geräusch wie raschelndes Laub und eine mächtige psionische Schockwelle, die alles Leben im Umkreis tötet.

All das lässt Naigon zu einer faszinierenden Person werden. Und irgendwann erinnert er sich an seinen wirklichen Namen: Kirmizz! Plötzlich erlangt der Leser gegenüber allen Handelnden einen Wissensvorsprung, denn Kirmizz kennt nur seinen Namen, weiß aber immer noch nicht wirklich, wer er eigentlich ist. Und die Friedensfahrer ahnen noch nicht, dass die verlorene Ladung der BANDA SARI ein tödliches Wesen ist.

Streng genommen hat der Roman kaum Spannung im Sinne von Action. Der Handlungsstrang um die Friedensfahrer läuft recht unspektakulär ab, ist zwar interessant, aber keineswegs aufwühlend.
Der Handlungsstrang um Naigon allerdings hat es in sich! Und er ist es auch, der diesen Roman trägt. Mit der gekonnten Schilderung der einzelnen Stationen auf Naigons Weg nach seinem Auftauchen erweckt Christian Montillon zunächst Sympathie für ein bedauernswertes Wesen. Doch zugleich gelingt es ihm, dem Leser nach und nach Zweifel an dieser Sympathie einzupflanzen. Ist dieses Wesen wirklich so bedauernswert? Ist Sympathie wirklich angebracht ist für ein Geschöpf, das so machtvoll und so tödlich sein kann?

Alles in allem wirklich gute Unterhaltung vom „Neuen“, der ein wirklicher Gewinn für das Perry-Rhodan-Team ist. Hut hoch und Daumen ab (oder anders herum)!

© Olsen

 

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