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Lassiter Romanrezension Band 1747

 

Colonel Bravos Rückkehr
Lassiter Band 1747
von Corina Bomann (Pseudonym: Jack Slade)

64 Seiten/1,50 €
Bastei Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)

Als leidenschaftlicher Romanleser wird man früher oder später einmal über Gebiete stolpern, die man bisher nicht oder nur bedingt erforscht hat – z. B. den härtesten Mann seiner Zeit – zumindest namentlich. Ich lese gerne Western-Romane, obgleich ich sie nicht rezensiere (sehr zu empfehlen hierbei ist die neue Westernreihe des Bastei-Verlags, „Western-Legenden“, einen Artikel gibt es später dazu) – und nachdem ich inzwischen viele Meinungen über die berühmt-berüchtigte, gerne Sex-Western bezeichnete, Lassiter-Serie des Bastei-Verlags gehört habe, konnte ich nicht widerstehen, mir auch mal meine eigene Meinung von Lassiter zu bilden.
Meine Wahl fiel auf den Roman 1747 – „Colonel Bravos Rückkehr“. Dieser Roman reizte mich einfach aus dem Grunde, da ich hörte, dass dort jemand, der schon früher in der Serie mitspielte, wieder auftauchte (der Titelgebende Colonel Bravo). Da in meiner liebsten Romanserie, Jerry Cotton, was Zusammenhänge und Rückkehrungen von alten Personen (ob Freunde oder Feinde) angeht, momentan ziemlich auf Entzug bin, nahm ich die Gelegenheit beim Schopfe und kaufte und las Anfang/Mitte 2006 meinen ersten Lassiter-Roman, der (die Homepage gab es zu der Zeit wieder; vorher war sie lange Zeit nicht mehr vorhanden), von Corina Bomann stammt (quasi eine oder die derzeitige Hauptautorin der Serie) – eine Autorin, die ich bisher nur durch die Hefte der „Jerry Cotton“-Serie kannte, hier vertreten unter dem Verlags-Sammel-Pseudonym „Jack Slade“ (zudem schreibt sie ebenfalls an der Heftreihe „Jack Slade“ des Bastei-Verlags mit und hat inzwischen insgesamt über 150 Romane geschrieben).
Ich gebe zu, zu Beginn war ich etwas skeptisch, da an Kommentaren wie „Tu, was du nicht lassen kannst“ oder ähnlichem ja doch etwas dran sein musste – oder doch nicht?

Aber genug der Vorrede, nun zum Roman an sich. Lassiter (eine Art Geheimagent der Brigade Sieben), dessen Aufgabe es war, die Montero-Brüder dingfest zu machen, erhält nach einem Duell mit Albano Montero ein Telegramm, in dem man ihm mitteilt, dass die „Boston“ vor Santa Barbara gesunken ist und General Bravo, ein Freund von Lassiter, vermisst und vermutlich tot ist. Dieser ist natürlich nicht tot, sondern überlebt und wird von einem alten Fischer namens Alan Sellers gefunden. Bravo hat allerdings sein Gedächtnis verloren und kann sich an rein gar nichts, nicht einmal seinen Namen, erinnern. Von Sellers hatte er ein Pferd und einige andere Dinge bekommen und zieht nun weiter. Auf seinem Weg wird er Zeuge eines Postkutschenüberfalls, bei dem er die hübsche Alice Parker findet und vor den Banditen, die gerade im Begriff waren, sie zu vergewaltigen, rettet. Nachdem beide heil davon kommen, ziehen sie gemeinsam nach San Fernando. Die Banditen, die Bravo bei dem Postkutschenüberfall tötete, waren, wie es der Zufall so will, genau drei der Montero-Brüder, die Lassiter jagen sollte. Bravo, der sich noch immer nicht an seinen wirklichen Namen erinnern kann, gibt sich vorübergehend den Namen Jack. In San Fernando angekommen liefern sie die Leichen der Montero-Brüder beim Marshal ab und kassieren die Prämie fürs Töten der Killer-Brüder.
Im Saloon mieten die beiden ein Zimmer und sind gezwungen, eines zu teilen, da zufälligerweise nur noch eins frei ist. Dort geht es dann bald auch zur Sache. Wo in anderen Romanen das Blut in Strömen fließt, mischen sich hier noch die Spermien dazu – dann wird wenigstens jeder erschossene Gangster durch ein potenzielles neues Kind ersetzt. Doch lang sollte das Vergnügen nicht anhalten, denn dummerweise wurde Bravo von einem Spitzel des Bösewichts Thomas Stansfield erkannt. Dieser war, bevor er als Geschäftsmann in die Stadt kam, bei der Army und wurde von Bravo als Waffenschieber entlarvt (hm, Waffenschieberei kommt mir doch bekannt vor von einem baumwollnen FBI-Agenten – ob’s das bei Lassiter öfters gibt?). Dieser Spitzel klärt Stansfield natürlich brühwarm über Bravos Ankunft auf. Stansfield schickt auch so gleich eine Truppe dorthin, die ihm Bravo – lebend – bringen sollen (das Vergnügen, Bravo zu töten, wollte er sich selbst vorbehalten). Das ganze scheitert und so wird ein weiterer Versuch gestartet; der Dreisternegeneral Bravo soll aufgehängt werden. Nun kommen Lassiter, der sich auf den Weg nach San Fernando gemacht hat, um dort Jack alias Bravo zu finden, und die Fischertochter Jackie, die ihn auf seinem Weg begleitete, ins Spiel. Bei einer Schießerei lassen einige der Killer ihr leben. Thomas Stansfield, holt allerdings zum entscheidenden Schlag aus, denn Alice Parker und Jackie befinden sich in seiner Gewalt…

Also, ich muss schon zugeben, dass ich durchaus in vielerlei Hinsicht angenehm überrascht bin von „Colonel Bravos Rückkehr“. Ich hatte erwartet, dass in diesem Roman mehr Sperma als Blut spritzen würde, aber so war’s nun wirklich nicht. Zwar habe ich keine anderen Lassiter-Romane gelesen und kann demnach nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Roman nur um die Ausnahme, die die Regel bestätigt, handelt, aber diese zwei Sex-Szenen, die insgesamt auch nur etwa zwei Seiten im ganzen Roman einnahmen, halte ich nun wirklich nicht für so viel, als dass sie den Ruf rechtfertigen, dass „Lassiter“ zu (ich denke, bei dem, was man so hört, kann man das getrost sagen) 90 % aus Sex-Szenen besteht. So etwas gibt es in anderen Romanen auch, sowohl in „richtigen Büchern“ wie einem Roman von James Patterson, den ich kürzlich las (siehe meine Rezension hierzu unter „Krimi/Thriller-Hardcover anderer Autoren“), in dem die Sex-Szenen mehr Seiten als bei diesem Lassiter-Roman einnahmen, als auch in Romanheften wie „Jerry Cotton“ oder ähnlichem.

Auch kann ich über den Sprachstil nicht meckern; der Stil und die Story ist genauso flüssig wie in jedem anderen Romanheft auch und ich sehe keine sonderlich großen Unterschiede zu einem anderen ganz normalen Westernromanheft (wobei z. B. ein Vergleich von „Lassiter“ zu der Western-Legenden-Reihe einfach falsch wäre, da bei den Romanen die grundsätzliche Thematik her völlig verschieden ist – während bei den Legenden wahre Ereignisse behandelt werden, ist Lassiter ja ein ganz normaler Western-Roman mit fiktiven Stories bzw. Begebenheiten). Diese zwei Seiten kann man, wenn man sich so sehr davor ängstigt, nun wirklich überblättern, ohne dass der Roman dadurch wesentlich weniger Seiten hat. Und auch von den Sex-Szenen selber muss ich sagen, bin ich überrascht. Denn wenn ich bedenke, was ich so alles über den Sex bei Lassiter gehört habe, habe ich die abartigsten Szenen erwartet, beschrieben auf 60 von 64 Romanseiten – allerdings ging’s dafür doch ziemlich „human“ zu. Der Roman blieb fast völlig frei von Rechtschreibfehlern und ich bin froh, durch diesen Versuch herausgefunden zu haben, dass zumindest bei diesem Roman Lassiters Ruf wesentlich schlimmer ist, als die Romane selbst. Damit ist zwar nicht gesagt, dass das bei anderen Romanen auch so ist, aber ich werde bei den Western dieser Autorin auf jeden Fall weiter reinlesen.

…wobei ich mich abschließend doch frage, wie es kommt, dass der Roman, wie im Impressum angegeben, „vom Beirat für Jugendmedienschutz geprüft und zur Veröffentlichung freigegeben“ wurde. Ich bin zwar überrascht, dass es bei Lassiter wesentlich weniger schlimm zuging, als man sich durch allgemeine Kommentare ausmalen mag, aber wenn früher Romane aus völlig sinnfreien Gründen indiziert wurden, hätte ich bei den Lassiter-Sex-Szenen in gewisser Weise doch ein kleines Maß an Verständnis dafür. Da scheint man es inzwischen wohl auch lockerer zu halten…

An der Stelle würde mich mal interessieren: Gab’s die ganzen Abenteuer, die im Roman von Bravo & Lassiter so aufgezählt werden, eigentlich wirklich? Wenn ja, hat hier jemand ja wirklich gut recherchiert, leider wurden keine Hinweise zu älteren Romanen gesetzt.
Wie kommt es eigentlich, dass die Personen im Roman keine Nachnamen haben bzw. immer nur einen Namen – Lassiter oder Bravo – haben oder vielmehr nur der eine Name genannt wird?
Was mir übrigens gut gefallen hat war, dass Bravo nicht etwa, als er Lassiter sieht sofort die Erleuchtung und seine Erinnerung zurückbekommt, sondern diesen zuerst überhaupt nicht erkennt. Da hätte ich, vom Ruf Lassiters ausgehend, was anderes erwartet. Nachdem die letzten Romane der Chicago-Serie des Bastei-Verlags, die ich so vor kurzem gelesen habe, vor Logikfehlern nur strotzen, war es mal wieder eine richtige Wohltat, einen Roman ohne grobe logische Fehler zu lesen.

Fazit: Ein kurzweiliges Vergnügen, jetzt bin ich gespannt, ob dieser Roman eher die Ausnahme oder die Regel war.

© Koopa

 

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