Michael Hardwick
DER FLUCH VON BASKERVILLE
Band 1, Thriller
BLITZ-Verlag
272 Seiten/ 9,95 €
Das
Jahr 1902. König Edward VII. steht kurz vor der Krönung, Dr. Watson
beschließt erneut zu heiraten und der Meisterdetektiv Sherlock Holmes
bereitet sich auf den Ruhestand vor. Doch noch ist dem
eigenbrötlerischen Kriminalisten die Muße nicht vergönnt, denn in
Hampstead Heath scheint eine reißende Bestie ihr Unwesen zu treiben.
Die Presse schürt die Vermutungen, dass der Hund der Baskervilles
wieder auferstanden ist. Holmes schenkt diesem Fall eher beiläufig
Interesse, denn der König betraut ihn mit der Aufgabe einer Dame einen
verhängnisvollen Brief zu entwenden, der ihn schwer belasten könnte.
Darüber hinaus werden die Knochen Oliver Cromwells entdeckt – und
gestohlen. Zwischendurch gehen Watson und Holmes einem Fall in
Frankreich nach und werden auf der Überfahrt nach England prompt in
einen Mordfall verwickelt, als ein chinesischer Steward ermordet wird.
Sämtliche Fälle scheinen einen Zusammenhang aufzuweisen, doch nur ein
Meisterdetektiv wie Holmes schafft es die Fäden zu verknüpfen und den
gordischen Knoten zu lösen.
Der
erste Band der neuen Reihe, die sich rund um den berühmten Detektiv
dreht, kann als Autor einen wirklichen Kenner der Materie vorweisen.
Hardwick versteht es die Protagonisten zu charakterisieren wie weiland
Conan Doyle und schon nach den ersten Seiten ist man von der Handlung
bereits gefangen, die zunächst erst mal langsam in Schwung kommt. Im
Laufe der Geschichte werde viele Fakten zusammengetragen und Fälle
eröffnet, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch bevor der
Leser den Überblick verliert werden Zusammenhänge geklärt und
Geheimnisse gelüftet, bis es zum Finale kommt, welches sämtliche Fäden
vereint. Dabei streut Hardwick geschickt Anspielungen auf ältere Fälle
ein, so dass man Gefahr läuft in ein wahres Holmes-Fieber zu geraten
und geneigt ist, sich die alten Geschichten nochmals zu Gemüte zu
führen. Des Weiteren schafft es der Autor den meisten Figuren aus dem
Holmes-Kosmos einen glaubhaften Auftritt zu verschaffen. Angefangen bei
Inspektor Lestrade, über Holmes’ Bruder Mycroft bis hin zu
Chiefinspector Gregson, dazu viele Nebenfiguren die sporadisch in
früheren Erzählungen bereits auftauchten. Leider leidet die
Übersetzung unter dem alten Fehler, der dafür sorgte, dass aus dem
„Hund der Baskervilles“ der „Hund von Baskerville“ wurde. Da die
Baskervilles aber ein Geschlecht und keinen Ort darstellen wäre
Ersteres die korrektere Bezeichnung, was auch für den Titel des
vorliegenden Buches gilt, der bei dem Leser außerdem für falsche
Vorraussetzungen sorgen kann, denn mit dem Fluch des alten
Adelsgeschlechts hat dieser Fall rein gar nichts zu tun. Der eine oder
andere Leser, welcher eine direkte Fortsetzung zu den Ereignissen in
Dartmoor erwartet, könnte dahingehend enttäuscht werden. Wer sich dann
aber aufrafft und die Handlung weiterverfolgt, wird einen hervorragend
recherchierten, historischen Kriminalroman der vorletzten
Jahrhundertwende vorfinden, der nicht nur für Sherlock Holmes-Anhänger
ein Lesevergnügen ist.
Besonders hervorheben möchte ich Holmes’ Bedenken in Hinsicht auf die
Entwicklung und Schnelllebigkeit unserer Zeit. Er befürchtet, dass
seine Methoden schon bald überholt sein und überflüssig werden, wenn
Berufe und Tätigkeiten immer mehr industrialisiert werden und es einem
scharfen Beobachter quasi unmöglich gemacht wird aufgrund
hervorstechender Körpermerkmale und Kleidungsgewohnheiten auf sein
Handwerk und seine Vorlieben zu schließen. Hier beweist Holmes einmal
mehr, dass er seiner Zeit weit voraus war. Das Tüpfelchen auf dem i
bilden die Innenillustrationen von Andreas Gerdes. Der skizzenartige
Stil wirkt lebhaft und die Szenen passen perfekt zum Geschehen. Leider
sind auf den knapp 270 Seiten gerade mal zwei Bilder zu sehen.
Die Aufmachung der Reihe ist ebenfalls sehr gelungen und gemeinsam mit
einem stimmungsvollen Titelbild stellt dieses Buch ein wahres
Schmuckstück in der Sammlung eines jeden Krimi-Fans dar.
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