Der seltsame Geist von Whitehall-Place
Geisterfänger Band 24
von William Perry
Kelter-Verlag
65 Seiten/ 1,50 €
Agnes Moorland hat das Schicksal schwer getroffen. Erst kommt unter mysteriösen Umständen ihr Mann Norman Moorland ums Leben und dann spukt in ihrer schönen gemeinsamen Villa Whitehall-Place auch noch ein Geist! Auch die Krankenschwester Laura Brington hat ihn schon gesehen. Schnell verschwinden die beiden Frauen aus dem Haus und verkaufen es an die Künstlerin Margaret Belmore. Doch die Illustratorin weiß auch nicht, was vor dem Spuk in Whitehall-Place vorgefallen ist: Major Norman Moorland, ein leidenschaftlicher Sammler von Orden, engagierte den Landstreicher Tom Faggus, um im Haus Handwerkerarbeiten zu erledigen. Der Tramp hatte es allerdings nur auf die kostbaren Sammlerobjekte abgesehen und erschlug den alten Moorland. Dieser wurde bald darauf von seinem Freund Eiren Ridd entdeckt. Der freundliche Nachbar informierte die Polizei, die nur noch den gewaltsamen Tod des Hausherrn feststellen kann. Danach begann es in Whitehall-Place zu spuken. Gegenstände wurden bewegt, Vorräte verschwanden und seltsame Geräusche und Lichterscheinungen terrorisieren Bewohner und Nachbarn gleichermaßen. Viele Geschichten erzählt man sich außerdem: Das Haus sei auf einem ehemaligen Teufelanbeterplatz errichtet worden und auch so manch ein Unbeteiligter weiß seine ganz eigene Gruselgeschichte zu erzählen. Margaret Belmore und ihr Freund Hal lassen sich derweil nicht von dem Geist in ihrem neuen Haus erschrecken. Sie erkunden munter die Umgebung und entdecken an der nahe gelegenen Küste alte Schmugglerhöhlen. Die Erkundungstour kostet die beiden fast das Leben, als eine Flut die Höhlen überspült und Hal in letzter Sekunde Hilfe holen kann – Eiren Ridd kennt die Gegend wie seine Westentasche. Aber der Geist bleibt weiter aktiv – bis Eiren Ridds Hund Witterung aufnehmen kann. In einer Dachnische entdeckt die kleine Gruppe den abgemagerten Landstreicher Tom Faggus, der sich nach dem Mord an Major Norman Moorland im Haus versteckt hielt und des nachts aus seinem Versteck hervorkam, um sich mit Nahrung zu versorgen und umher zu wandern. Der seltsame Geist von Whitehall-Place stellt sich als Mensch aus Fleisch und Blut heraus – auch wenn er ein Mörder ist!
Der letzte „Geisterfänger“-Roman dieser Nachdruck-Reihe aus dem Kelter-Verlag bringt noch einmal die Übersetzung eines William Perry Bandes. Der Autor gestaltet seinen Roman von Aufbau her etwas ungewöhnlich – zäumt er doch das Pferd eigentlich von hinten auf. Am Anfang des Bandes ist Norman Moorland nämlich schon tot und seine Witwe bereits aus Whitehall-Place ausgezogen. In einer Rückblende erfährt der Leser vom Mord an dem Major und vom Landstreicher, der sich später – oh wunder – als der Geist herausstellt. Die Pointe des Roman ist nun wahrlich keine Überraschung, aber das ist dem Autoren wohl auch kaum wichtig gewesen. Vielmehr legt er das Augenmerk auf die zahlreichen durchaus gelungenen Einzelstories, die seine Charaktere über Geister und unheimliche Begebenheiten aus ihrem eigenen Umfeld oder Bekanntenkreis zu erzählen wissen. Hier glänzt William Perry mit kreativer und stimmungsvoller Arbeit. Die ansonsten gelungenen sprachlichen Bilder und die gruseliger Atmosphäre hat er aber leider im Hauptplot so ungeschickt platziert, dass sie teilweise sehr aufgesetzt und ausgewalzt wirken. Insgesamt wird somit „Der seltsame Geist von Whitehall-Place“ zu einem impliziten Sammel-Album verschiedenster Gruselgeschichten, dessen Rahmenplot sich als ziemlich aufgeblasen und „geist“-los herausstellt. So wird der „Geisterfänger“ zu Grabe getragen wie er begann: Ambitionslos.
© Sascha „Andro“ Vennemann |