Flucht ins Nichts
Geisterfänger Band 14
von Henry Taylor
Kelter-Verlag
65 Seiten/ 1,50 €
In einer nebligen Nacht fährt Richard Dale einen Mann an, der daraufhin plötzlich verschwindet. Auf Dales Wagen fährt der Reporter Fred Rawlings auf, beide haben den verschwundenen Mann gesehen. Dale identifiziert den Mann bei der Polizei als einen vor über 200 Jahren Verstorbenen. Doch damit nicht genug. Immer wieder verschwinden plötzlich Leute. Einige von ihnen nur halb, so dass sie als halbe Leichen zurückbleiben, wie in zwei Hälften geschnitten, von der immer eine Hälfte fehlt. Die Spur führt zu einem Kino, in dessen Keller man einen verborgenen Raum findet. Dort werden düstere Messen abgehalten, in einem exklusiven Zirkel beten ein paar wohlbetuchte Anhänger einen reglosen Vampir in seinem Sarg an. Der Vampir stellt sich bei näherer Betrachtung als Puppe heraus, die unheimlichen Treffen als Schwindel, um an das Geld der reichen Leute zu kommen, die an Übersinnlichkeiten interessiert sind. Immer wieder tritt im Zusammenhang mit den Verschwundenen ein Mann auf, der sich als verrückter bulgarischer Physiker herausstellt. Er hat eine Substanz entwickelt, die er Personen spritzt und die sich in deren Körper verteilt. Richtet man dann eine Stromstrahl auf die Betroffenen, verschwinden sie in ein unbekanntes Nichts. Als der Physiker flüchten will, kann man ihn am Flughafen stellen. Er richtet die Strahlenwaffe auf sich selbst und ermöglicht sich so die Flucht ins Nichts, aus dem es keine Wiederkehr gibt.
Henry Taylors Roman hat einen großen Vorteil: Inhaltlich ist er ziemlich originell. Die Geschichte um den bulgarischen Physiker ist lange Zeit unheimlich und undurchsichtig, die Auflösung selbst überrascht. Bis dahin muss sich der Leser immer wieder gedulden, bis es mit der eigentlichen Geschichte weitergeht, denn ein paar ausgewalzte Nebenhandlungen blähen den Roman doch um einiges auf. Das Versteckspiel des Reporters im Keller des Kinos zum Beispiel zieht sich wie Kaugummi, und – wenn ich mich recht erinnere (das kommt davon wenn man die Rezi erst Wochen nach der Lektüre des Romans schreibt und jenen nur noch mal überfliegt, hehe) – es gibt auch noch eine Krimi-Nebenhandlung, in der ein Trittbrettfahrer auftritt, der sein Opfer als verschwunden anzeigt, es aber selbst getötet und versteckt hat. „Flucht ins Nichts“ ist somit wahrhaftig ein GEISTER-KRIMI, auch wenn das übernatürliche Moment sich hier mehr in den Bereich der Science-Fiction verlagert – Das Verschwinden wird als physikalisches Phänomen erläutert. Insgesamt ein etwas zäher Roman, der aber aufgrund der guten und originellen Grundidee sogar als einigermaßen innovativ angesehen werden kann.
© Sascha „Andro“ Vennemann
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