Sie sind hier: Startseite - Background - Rezensionen - Geisterfänger Rezensionen - Band 7


Geisterfänger Rezensionen - Band 7

Geister leben gefährlich
Geisterfänger Band 7

von William Perry
64 Seiten/1,50 €
Kelter-Verlag

Geisterfänger Band 7Paco Sheehan, der Geisterjäger-Indianer, den man auch „Black Lobo“ nennt, ist gerade dabei, ein paar Gespenster vom O’Hara-Clan zu verfolgen. Diese haben mit dem Verschwinden Sir Bromfields, Sheehans Auftraggeber, zu tun, als er in den irischen Highlands auf die burgähnliche Behausung der McWatfords trifft. Dort platzt er in eine Gesellschaft und rettet nicht nur die hübsche Tochter Glende vor den aggressiven Wolfhunden der O’Haras, sondern findet auch noch Zeit, sich mit dem kleinen Junge Thomas anzufreunden. Immer wieder terrorisieren die Geister die wohlhabende Familie und „Black Lobo“ kann gar nicht so schnell mit seinem Jaguar aus dem Dorf unten hinauf zur Burg fahren, wie sein Typ dort verlangt wird. Das macht die Rothaut gerne, denn inzwischen ist er auch bei der Tochter des Hauses ein gern gesehener Gast. Bald darauf verdichten sich die Hinweise, dass die O’Haras gar nicht die Geister der im Verlies des Schloss der McWatfords gestorbenen Iren sind, die man um ihren Familienschatz und ihr Vermögen betrogen hat, sondern ganz normale Menschen, die in Verkleidungen und mit schusssicheren Westen die Geheimgänge der Burg für ihre geheimnisvollen und plötzlichen Auftritte nutzen! Der kleine Thomas scheint zusätzlich gefährdet, ist er doch als legitimer Nachkomme des just verstorbenen Familienoberhauptes der McWatfords mit einer ehemaligen Bediensteten der Burg und im Testament berücksichtigt. Das Testament war Sir Bromfield bekannt, deswegen wurde er entführt. Hinter allem steckt McMahohney, das schwarze Schaf der Familie, der an die Erbschaft kommen wollte und zusammen mit ein paar Komplizen eine Vorstellung als Geister-O’Haras gab. Einen Geist scheint es aber doch zu geben: Die alte Lady McWatford, die sämtlichen Beteiligten auf der Suche nach dem Goldschatz der O’Haras des öfteren mit der eigenen Stimme rät, sich selbst zu töten...

“Geister leben gefährlich“ gehört mit Abstand zu den seltsamsten Sachen, die ich je gelesen habe. Der Macho-Geister-Detektiv indianischer Abstammung, der sowohl die Komtess flachlegt, als auch die Geister, die keine sind, entlarvt, mit seiner Proll-Karre durch die Gegend düst und seinen Auftraggeber aus den Klauen der Gangster rettet, ist eine derart überzogene Figur, dass sie eigentlich nur noch lächerlich ist. Auch sprachlich bewegt sich Gordon Walby hier auf dünnem Eis, haut Sprüche raus, die vor Coolness nur so triefen sollen und regelmäßig, da im heutigen Sprachgebrauch absolut unüblich, vollkommen nach hinten losgehen. Die eigentliche Hintergrundgeschichte mit der zu erschleichenden Erbschaft ist nicht neu, aber doch so ansprechend, dass sie eigentlich einen guten Plot ausmachen könnte. Leider hangelt sich der Roman von einer Action-Szene zur nächsten und so bleibt von der Story nicht mehr allzu viel übrig. Über Charaktere braucht man nicht zu sprechen, sie!
entsprechen sämtlichen Klischees, wenn sich der Autor überhaupt einmal die Mühe macht, auf sie einzugehen. Kurzum: Der Roman ist eigentlich vollkommen lächerlich, schlecht und langweilig. Eigentlich. Denn die Figur des Black Lobo ist so überzeichnet, die Sprüche und der Erzählstil so daneben, dass es schon fast wieder unfreiwillig komisch ist. Um einen berühmten deutschen Literaturkritiker zu zitieren, der im Hinblick auf einen anderen Roman sagte: „Ich habe schallend gelacht. Und ich lache selten unter meinem Niveau.“ Ich habe ebenfalls schallend gelacht. Diesmal allerdings unter meinem Niveau. Das ist und bleibt eine Ausnahme. „Geister leben gefährlich“ (nebenbei: Geister leben nicht, sie sind tot, sonst wären sie ja keine Geister!) ist ein bescheuertes Machwerk, dessen Unterhaltungswert darin besteht, zu lesen, was man noch vor 20 - 30 Jahren als coolen Geister-Krimi definierte und womit man heutzutage keinen Blumentopf mehr gewinnen kann.

© Sascha „Andro“ Vennemann

 

© by 2006
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox