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Chicago Rezension Band 19

Falscher Glanz
Chicago Band 19

64 Seiten/1,50€
Bastei Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)

Band 19Privatdetektiv Pat Connor hat diesmal zunächst einen seltsamen Auftrag: Er soll im Namen des ominösen Mr. Peter Smith bei einer Auktion für ein Medaillon mitbieten, um dessen Preis in die Höhe zu treiben. Bei der Auktion fällt Connor eine gutaussehende Schwarzhaarige auf, die ihm das Medaillon vor der Nase wegschnappt. Viel Zeit sich zu ärgern hat Pat aber nicht, denn bald darauf fallen Schüsse und ein Querschläger tötet den Auktionator. Connor ist verwundert, scheint die Polizei sich doch nicht um den Fall zu kümmern. Er verstaut die 1500 Dollar, die er für das Medaillon bezahlen sollte, zunächst in seinem Bürosafe, als der Auftraggeber sich nicht mehr meldet. Dafür meldet sich aber die Schwarzhaarige im Detektivbüro. Die Schöne heißt Cheryl Marwick und beauftragt Pat mit der Suche nach dem Medaillon, das wohl im Trubel der Auktionsschießerei entwendet wurde. Inzwischen hat auch die Polizei etwas von dem Unfallmord mitbekommen (Pat hatte über Brendon etwas an die Presse gegeben) und Hollyfield setzt Quirrer auf den Fall an. Bei seiner Suche nach Verbindungen der Verdächtigen und dem Verbleib des Schmuckstücks deckt Pat Connor langsam die Hintergründe auf. Das Medaillon ist nicht von wirklichem Wert. Mrs. Marwick bekam es als Geschenk von ihrem ersten Mann, der vor Jahren spurlos in New York verschwand. Der getötete Auktionator erweist sich als Liebhaber von Mistress Marwick, ihr zweiter Ehemann als der ominöse Auftraggeber Peter Smith. Letzterer wird auf offener Strasse bei einem Drive-by-Shooting erschossen, als er sich mit Pat treffen will. Der Täter, ein grobschlächtiger Typ, wurde von Gordon Brady beauftragt. Dieser wiederum ist ein weiterer Liebhaber von Cheryl Marwick. Dessen neue Freundin ist eine Sekretärin, die mit Betty, Pats Sekretärin, befreundet ist. Brady hatte das Medaillon an sich gebracht und über seine jetzige Freundin und Betty gelangt Pat in den Besitz des Schmucks: Er soll ihn in seinem Safe aufbewahren. Es gelingt ihm aber das Medaillon zu öffnen. Darin findet er besonders wertvolle Diamanten und einen Schließfachschlüssel. Dieser öffnet Pat, nach einem klärenden Gespräch, als Cheryl Marwick entgültig die Stadt verlässt, ein Schließfach in einer Bank. Es enthält Papiere von Mistress Marwicks ersten Mann, die beweisen, dass er über Unterschlagung und Betrügereien im Diamantengeschäft an ein Vermögen kam. Gordon Brady und sein Mordgehilfe erschießen sich vor der Bank, Pat verbrennt die Dokumente und der Fall hat sich erledigt.

Ein überaus reichhaltiger Roman, den wir dieses Mal in der Serie „Chicago“ lesen dürfen. Die Übersichtlichkeit ist dabei nicht immer ganz gewahrt und auch ich habe erst jetzt den Plot so richtig verstanden, als ich diese Zusammenfassung schrieb. Eine leichte Lektüre für zwischendurch ist das dieses Mal nicht. Nichts desto trotz ist „Falscher Glanz“, gerade wegen dieser vielen Personen und Verdächtigen, und wegen seinem ausgeklügelten Plot einer der stärksten Chicago-Romane, die wir bisher lesen durften. Das liegt unter anderem auch am Stil des Autors und an seiner Art, den Roman aufzubauen. Der Standard-Anfang wird variiert, Betty läutet diesmal am Telefon die Geschichte ein. Eine ähnliche Szene bildet am Ende des Romans eine erzählerische Brücke zum Anfang. Die Aufklärung des Falls wird ein paar Seiten vor das Ende gelegt, so dass die Geschichte Platz hat, langsam auszulaufen und nicht abrupt endet. Auch wird hier nicht mit rhetorischen Fragen eine Unmenge an Verdächtigen impliziert, sondern es treten nüchtern immer wieder neue Figuren auf, deren Motive undurchsichtig, und deren Zusammenhang und Verbindungen zu anderen Personen der Story zunächst nicht klar werden. Hier wird nicht versucht, krampfhaft Spannung aufzubauen, und diese lockere Atmosphäre steht dem Roman ausgesprochen gut. So ist „Falscher Glanz“ von der kreativen Geschichte, der Erzählfärbung, dem Storytempo und vom sprachlichen Stil her eine äußerst gelungene, eine überaus befriedigende und unterhaltsame Krimi-Lektüre, die ein bisschen Aufmerksamkeit und Gehirnschmalz erfordert. Mehr davon!

© Sascha „Andro“ Vennemann

 

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