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Rezension - Chicago - Band 1

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von
Sascha Vennemann | Koopa

Pat Connor
Chicago - Band 1
Das Vermächtnis des Toten

Bastei-Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)
64 Seiten/1,50 €

Aloah!

Da ist sie also, die bereits auf dem BUCON 2005 von Holger Kappel angekündigte neue Krimi-Serie bei Bastei. CHICAGO heißt die wöchentlich erscheinende Serie und ist im Chicago der 20er Jahre angesiedelt. Also lege ich eine Benny Goodman Platte auf, gieße mir einen Bourbon ein und zünde mir eine Zigarette an. Pat Conner, der irisch-stämmige Privatdetektiv tapert in typischer Manier durch düstere Flüsterkneipen, gerät zwischen die Alkoholschmuggelfronten der Italiener und Iren und muss zudem noch den Fall um seinen getöteten Ex-Partner lösen. Und ich amüsiere mich köstlich.

Zugegeben, ich bin ziemlich neu im Heftroman-Krimi-Genre. Außer der Lektüre der Phil Decker Kurzserie, die mich relativ angesäuert zurückließ, weil man eigentlich gezwungen war, den nachfolgenden Cotton-Zweiteiler zu lesen, um zu wissen wie die Geschichte ausgeht, habe ich kaum etwas aus diesem Gebiet gelesen. Es versteht sich von selbst, dass mich Phil Decker mit seinen eher belanglosen Krimi-Romanen und der Anti-Abgeschlossenheit nicht zu Jerry Cotton herüberziehen konnte. Beim BUNDESBULLEN war nach Band 1 für mich Schluss, und ein paar "Callgirl 2000"-Exemplare aus der Grabbelkiste finden sich in meiner Sammlung. Daher dachte ich mir, CHICAGO wäre vielleicht eher etwas für mich. Und ich hatte nicht Unrecht.

CHICAGO entspricht fast zu 100 Prozent meinen Erwartungen. Die Charaktere sind klischeehaft und das Chicago der 20er Jahre bietet Spielraum für alle möglichen, schon fast als historisch anzusehende, Krimiplots. Band 1 vermittelt einen guten Eindruck davon, welch düstere Zeit und dunklen Geschäfte die Prohibition mit sich brachte und verlässt sich voll auf bekannte Motive dieser Zeit. Die Stimmung reicht von "Dick Tracy" bis hin zum genialen PC-Spiel MAFIA, dass ebenfalls das Thema Prohibition und sizilianische Italiener in Chicago zum Thema hatte (Ich liebe dieses Game, großartig!). Pat Conner ist dabei der typische Abzieh-Detektiv, hart aber herzlich, mit einer Sekretärin, die wohl mehr auf dem Kasten hat, als sich die Fingernägel zu lackieren. Die Bösewichte entsprechen den verfeindeten Alkoholschmuggel- und ein Einwandererlagern. Die Mädchen sind leicht und die Waffen sitzen locker. CHICAGO weiß mit diesen Motiven zu spielen und trifft mit dem lockeren Ton der aus der Ich-Perspektive erzählenden Pat Connor den zynischen Nerv, der solche Geschichten ausmachen kann.

Band 1 ist daher in weiten Teilen als Einstieg in die Serie sehr gelungen. Der Plot ist nicht zu kompliziert, integriert wunderbar Schauplatz und Zeit, sowie bekannte Vorlagen aus Film und Literatur. Genau das habe ich von CHICAGO erwartet und bekommen. Die erste Hälfte liest sich flott und ansprechend, viel macht der lockere Schriebstil aus. In der zweiten Hälfte verliert aber der Roman zusehends an Tempo, die Geschichte tritt ein wenig auf der Stelle und soll durch kleine Bettgeschichten wieder ausgeglichen werden, um den Leser (man verzeihe mir dieses Wortspiel) bei der "Stange" zu halten - das klappt aber nur bedingt. Die Auflösung überrascht niemanden, aber trotzdem geht man mit einem wohlwollenden Gefühl aus dem Roman - ich zumindest, denn ich habe bekommen, was ich erwartet habe. Nicht mehr, aber auch nicht unbedingt weniger.

Ich wünsche CHICAGO alles Gute und warte die nächsten, ich denke mal 4-5 Bände ab und entscheide dann, ob es sich für mich lohnt, die Serie weiterzuverfolgen. Bis jetzt stehen die Chancen gut. Wie schön, dass mir bereits Band 2 vorliegt, den ich gleich auch anfangen werde zu lesen. Meine Meinung dazu lest ihr hier später!

© Sascha "Andro" Venneman

Pat Connor
Chicago - Band 1
Das Vermächtnis des Toten

Bastei-Verlag (Verlagsgruppe Lübbe)
64 Seiten/1,50 €

Nachdem ich nun einige Zeitschriftenhändler abgeklappert habe, bin ich nun auch endlich an Chicago Band 1 gekommen.

Zum Cover: Was bitte will man mit einer Knarre in einem Leichenschauhaus machen? Sichergehen, das der Tote wirklich nicht mehr lebt? Zudem frage ich mich, wieso der Zeichner hier offensichtlich eine Pistole gezeichnet hat; im Roman heißt es, dass Pat Connor einen 38er Smith & Wesson Revolver trägt.

Pat Connor ist mir sehr sympathisch, da er nicht – wie zum Beispiel Jerry Cotton – als Ritter in der weißen Rüstung (oder im roten Jaguar) dargestellt wird. Er säuft und raucht, als gäbe es kein Morgen mehr – das gefällt mir (und vermisse ich bei den neuen Jerry Cotton Romanen auch sehr). Endlich mal ein Held, der auch seine Fehler hat und auch mal so richtig eins auf die Nase bekommt.

Ansonsten sind in diesem Roman (zumindest meiner Meinung nach) all die Elemente vorhanden, die zu einem guten Kriminalroman mit Privatdetektiv als Hauptperson gehören: Ein Captain und sein als etwas trottelig beschriebener Lieutenant, die sich natürlich mit dem Privatdetektiv nicht so gut verstehen – auch der Redakteur Brendon passt da meiner Meinung nach prima ins Bild.


Aber der Humor von Pat Connor oder vielmehr dem Autor ist einfach herrlich. Manchmal musste ich wirklich lachen, wie z. B. bei einer Szene auf Seite 22:

Pat Connors Sekretärin schmeißt wütend den Hörer auf die Gabel und sagt: „Ich soll Ihnen ausrichten, dass Sie Ihre Finger von der Sache lassen sollen […]“.

Connor: „Und was regt Sie daran so auf, Betty?“

Betty: „Sein Vorschlag, wo Sie besser Ihre Finger hinstecken sollten!“

Alles in allem eine solide Geschichte, deren Lösung zwar wenig spektakulär und kaum überraschend ist, in der aber schön die Atmosphäre des Privatdetektivs rüberkommt. Für mich ein gelungener Serienstart, ich werde die Serie auf jeden Fall weiterverfolgen.

 © Koopa

 

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