
Mythen und Wirklichkeiten

Die Waffen des wilden Westens

Eine der größten und bedeutendsten Revolver- und Pistolenfabriken der Welt, deren Erzeugnisse sich durch hohe Präzension und feinste äußere Fertigstellung auszeichnen, ist die Colt’s Patent Fire Arms Manufacturing Company (heutiger Name: Colt Defense LLC). Ihr Firmensitz liegt in Hartford, Connecticut, USA.
Samuel Colt lernte 1830 Elisha King Root (er wurde 1862 Geschäftsführer der Firma Colt) kennen, der ihm Unterricht erteilte. Am 2. August desselben Jahres segelte der 16-jährige Colt auf dem Frachter »Corvo« unter anderem nach Indien und London. Während der Reise schnitzte Colt ein Holzmodell seiner ihm vorschwebenden Revolverkonstruktion. (Anmerkung: Dieses Holzmodell ist im Firmenmuseum zu besichtigen.) Im darauf folgenden Jahr ging Colt an die Verwirklichung seiner Revolverideen. Er fand in Anson Chase-Hartford einen Büchsenmacher, der ihm bis 1832 Versuchsmodelle baute. In Ermangelung an notwendigem Kapital reiste Samuel Colt 1832 als Dr. Coult of New York, London und Calcutta im Lande umher, hielt Vorträge und machte auf Jahrmärkten Versuche mit Lachgas. Ein Jahr später fand Colt in John Pearson-Baltimore einen Mitstreiter, der ihm in der Folgezeit viele Experimentalwaffen herstellte. Am 25. Februar 1836 erteilte das US-Patentamt die wesentlichsten Patente. Am 5. März erfolgte die Gründung der Patent Arms Manufacturing of New Jersey. Der Sitz der Firma ist Paterson, New Jersey.
Der Büchsenmacher und Konstrukteur Pliny Lawton aus Springfield, Massachusetts, übernahm die Fertigungsleitung. Hergestellt wurden die ersten Paterson-Modelle. Die entscheidende Neuheit der Coltschen Waffen lag auch den wesentlichen Patenten zugrunde, nämlich die Schaffung eines Revolvers, bei welchem durch Spannen des Hahnes die Trommel gedreht und dabei die nächstfolgende, geladene Trommelkammer in Feuerstellung hinter dem Lauf arretiert wurde.
Ausgangspunkt für Samuel Colts Ideen konnte der 1818 patentierte Steinschloss-Revolver von Artemus Wheeler aus Massachusetts gewesen sein, für den Elisha Collier im selben Jahr in England ein Patent erwarb. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die Perkussions-Zündung. Ein Nachteil lag jedoch darin, dass die Waffe von Beginn an veraltet, nebenher viel zu teuer und somit von vornherein erfolglos war. Viele der in England produzierten Waffen dieses Typs wurden nach Indien geliefert. Es kann angenommen werden, dass der junge Colt auf seinen Reisen eine davon gesehen hatte.
Der erste fünfschüssige Colt-Revolver war das Modell Paterson. Es entstanden verschiedene Serien: Das Model Nr. 1 im Kaliber .28 und .32, auch »Baby Paterson« genannt, gefolgt von Model Nr. 2 »Pocket« in den Kalibern .31 und .34. Auch das Modell Nr. 3 »Belt« erschien in diesen beiden Kalibern. Eine Modellreihe Nr. 4 wurde nicht produziert. Ab 1836 erzeugte Colt die Serie Nr. 5 im Kaliber .36. Etwa 1.000 Stück mit Lauflängen zwischen 4" und 12" verließen die Werkhallen, davon etwa 300 mit Ladepresse.. Diese Revolver besaßen einen sogenannten Faltabzug, einen verborgenen Abzug, der erst beim Spannen aus dem Rahmen trat; ein Abzugsbügel ist nicht vorhanden.
Zum Laden musste der Paterson zerlegt werden. Nachdem die Trommel gefüllt war, konnte der Revolver schussbereit zusammengebaut werden. Aus jenen Tagen stammen zeitgenössische Zeitungsannoncen, in denen sogar einige Schuster und Schlosser folgende Dienstleistung anboten: »Wir reinigen und laden Ihre Waffe«. Die Besitzer solcher Revolver hatten selten Kugeln im Haus, vor allem aber nicht das Werkzeug, um diese ohne große Anstrengung in die Trommel zu pressen. Revolverkugeln haben einen größeren Durchmesser als die Bohrungen in der Trommel und werden beim Laden entsprechend abgerieben.
Die Waffen unter der Bezeichnung »Patent Arms Mfg. Co. Paterson N. J. Colt’s Pt.« gehören heute zu den meist gesuchten Stücken der Colt-Sammler.
Literatur:
Lampel, Walter: Waffenlexikon, 11. überarbeitete Auflage, BLV Verlagsgesellschaft mbH München, Wien, Zürich, 1998
© Wolfgang Brandt
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