
Mythen und Wirklichkeiten

Die Waffen des Wilden Westens Typenblatt Gatling Gun
Es herrscht Bürgerkrieg. Im Sommer 1864 gehen die Nordstaaten gegen die Konföderation in die Offensive. Ein Mann könnte das Kriegsglück zugunsten der Südstaaten wenden. Sein Name: Richard Jordan Gatling. Wie in jedem Krieg trägt auch die Waffenkunst in diesen Tagen neue furchtbare Früchte. Die ersten Ansätze von automatischen Waffen mit hoher Feuergeschwindigkeit haben grausame Erfolge erzielt. Eine dieser Erfindungen ist die berühmte Gatling-Gun.
Die Gatling-Kanone war das erste erfolgreiche Maschinengewehr . Sie ist nach ihrem Prinzip eine Revolverkanone . Anders als vorhergehende Apparate konnte sie als erste Kanone Verlässlichkeit, eine hohe Kadenz und einen einfachen Ladevorgang in einem einzigen Gerät vereinen. Sie wurde vom amerikanischen Erfinder Richard Gatling 1861 erfunden und am 9. Mai 1865 patentiert.
Der Erfinder
Richard Jordan Gatling wurde am 12. September 1818 in Hertford Count, North Carolina, geboren, wo er noch einige andere Erfindungen machte. Seine erfolgreichste war ohne Zweifel die Gatling-Kanone. Ein Grund dafür, warum er sie erfand, war sein Wunsch nach einem schnellen Ende des amerikanischen Bürgerkriegs . Gatling wuchs in Indianapolis in der Nähe eines Güterbahnhofs auf, wo er oft Leichen von gefallenen Soldaten sah, die vom Schlachtfeld gebracht worden sind. Einmal sah er 19 tote Körper, wovon nur drei Schusswunden aufwiesen. Die anderen waren offenbar an Begleiterscheinungen des Krieges wie Krankheiten oder Unterernährung gestorben. Daraufhin erhoffte er sich von seiner Erfindung: „Ihre Feuergeschwindigkeit versetzt einen Mann in die Lage, so viel im Kampf zu leisten wie einhundert Männer. “ Auch folgerte er logisch, dass sich Krankheiten hauptsächlich in Massenarmeen ausbreiten.
Wenn nun ein Mann mit einer Gatling-Kanone soviel ausrichten kann wie einhundert, so bestünde kein Bedarf mehr nach Massenarmeen. Folglich würden auch weniger Soldaten an Krankheiten sterben. Diese Logik war jedoch leider fehlerhaft. Gatling wollte also ursprünglich seine Kanone so stark machen, dass die Furcht vor ihr den Krieg und das massenhafte Sterben beenden würde. Natürlich hatte er auch ein kommerzielles Interesse, und während des Bürgerkriegs bestand eine große Nachfrage nach Waffen. Die Gatling-Kanone wurde zuerst dem Gouverneur von Indiana Oliver P. Morton vorgeführt, der Gatling sagte, er solle sie nach Washington bringen.
Die Geschichte der Kanone
Die Kanone wurde 1861 während des amerikanischen Bürgerkriegs erfunden. Im Jahr 1862 kaufte die Regierung der Vereinigten Staaten keine Gatling-Kanonen, da sie keinen Abzug hatten und viel zu schwer waren, um sie schnell aufzubauen. Auch nach ersten Nachbesserungen hatten sie immer noch keinen Abzug, und die leichtesten waren über 45 kg schwer. Trotzdem kaufte der Unionsgeneral Benjamin Butler 12 Stück und setzte sie erfolgreich an der Front bei Petersburg ein. Bei ihrem ersten Einsatz beeindruckte sie beide Seiten durch ihre Stärke und ihren Effekt.
Ursprünglich war Gatling ein Sympathisant der Südstaatler, doch die Nordstaaten beschlagnahmten die Baupläne. Außerdem besaßen die Fabriken im Süden auch nicht die erforderlichen Werkzeugmaschinen zum Bau der Kanonen.
Die Gatling, der Abraham Lincoln den Spitznamen Kaffeemühlen-Kanone gab, verfügte über sechs Läufe, die eine Überhitzung der Gewehrläufe verhinderten. Diese rotierten um eine Mittelachse. Die Kugeln wurden durch die Schwerkraft von oben in die Kanone befördert. Gatling war nicht der erste, der über eine Kombination mehrerer Läufe nachdachte. Bereits im 18. Jahrhundert gab es entsprechende Ideen. Auch die französische Mitrailleuse von Nordenfelt verfügte über mehrere Läufe, die jedoch nicht drehend gelagert waren. Jeder Lauf hatte seinen eigenen Abschussmechanismus. Jeder Patronenhalter war in 16 Abschnitte unterteilt, die jeweils 25 Patronen besaßen. Nach 1861 lösten neue Patronen mit Kupferummantelung, wie wir sie heute kennen, die alten Papierhülsen ab. Ursprünglich war Gatling ein Sympathisant der Südstaatler, doch die Nordstaaten beschlagnahmten die Baupläne. Außerdem besaßen die Fabriken im Süden auch nicht die erforderlichen Werkzeugmaschinen zum Bau der Kanonen.
Gatling übernahm nicht sofort die neuen kupferummantelten Patronen. Vor dem Wechsel bestand das Problem, dass sich eine große Wolke Pulverdampf bildete, die die Sicht des Schützen erschwerte. Das verbesserte Modell von 1881 verwendete das Bruce-Ladesystem im Kaliber .45-70 Government. Der Vorteil des Bruce-Systems war, dass es abgefeuert und gleichzeitig ein anderer Teil nachgeladen werden konnte. Dies ermöglichte Dauerfeuer. Ein Problem bestand darin, dass das Ende des Laufes im Durchmesser geweitet war, so dass die Kanone nicht immer zielgenau feuerte. Diesem Problem wurde mit weiteren Modifikationen begegnet. Man benötigte 4 Mann, um die Gatling-Kanone zu bedienen. Im Jahr 1876 war das aktuelle Modell in der Lage, 1200 Schuss pro Minute abzugeben. 400 Schuss pro Minute waren jedoch unter Einsatzbedingungen realistisch.
Moderne Revolverkanonen
 Kanonen im Stil der Gatling-Kanone mit rotierenden Läufen kehrten wegen ihrer hohen möglichen Schussfrequenz in Flugzeugen und seegestützten Raketenabwehrsystemen zurück. Herkömmliche Maschinengewehre erfordern wegen der Überhitzung der Läufe Feuerpausen zum Abkühlen oder ein Auswechseln der Läufe in regelmäßigen Abständen, oder aufwendige Kühlsysteme für die Läufe. Bei der Gatling-Kanone ist das Auswechseln mechanisiert. Der Nachteil des höheren Gewichts kommt nicht so sehr zum Tragen, da sie auf Fahrzeugen oder Flugzeugen montiert wird. Ein Beispiel ist die M61 Vulcan 20mm-Kanone, die von General Electric hergestellt wird. Die Läufe rotieren mit Hilfe eines Elektromotors. Sie hat sechs Läufe und kann mehr als 6000 Schuss pro Minute abgeben. Diese Schussfrequenz kann mit einem herkömmlichen Maschinengewehr nicht erreicht werden. Der Trend geht Richtung caseless -Patronen, das heißt Patronen ohne Hülse, bei denen das Treibmittel mit dem Geschoss vergossen ist und eine elektrische Zündung erfolgen kann. Dadurch kann der Zündzeitpunkt bei so enormer Kadenz (100/s) noch genau eingehalten werden und so die Trefferlage enorm verbessert werden. Allerdings reduziert sich dadurch die Dauerfeuerzeit drastisch, da die Messinghülsen der klassischen Gatling-Guns den größten Teil der Abwärme aus der Waffe entfernen.
Quellen:
http://www.wikipedia.org/
http://www.howstuffworks.com/
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