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Mythen und Wirklichkeiten

Vampirglauben

Der Mythos Vampir beschäftigt die Menschen seit tausenden von Jahren und reicht bis ins Alte Testament zurück. Die erste Untote war Lilith, Adams erste Frau. Nach ihrer Ausstoßung aus dem Paradies, weil sie ungehorsam war, suchte sie als Nachtgeist die Menschen auf und stahl kleine Kinder.
Im alten Rumänien, das als Ursprungsland des Vampirismus gilt, gehören Untote und Nachtzehrer zur Volkskultur. In Deutschland floss die Legende der Vampire in die Massenhysterie der Hexenverfolgung mit ein.
Plötzliche Todesfälle mit merkwürdigen Krankheitssymptomen lösten zu Beginn des 18. Jahrhunderts Vampirepidemien an der österreichischen Militärgrenze in Südosteuropa aus. Viele Tote wurden nur etwa einen halben Meter tief vergraben und man hörte die Geräusche des Verwesungsprozesses, wie Blubbern und Schmatzen. Beim Öffnen der Gräber fand man unverweste Tote, denen Blut durch Mund und Nase sickerte. Der Zustand der Leichen hatte plausible Gründe: Großer Anteil Sand verhinderte die Austrocknung der Leichen, Lehm hemmte die Sauerstoffzufuhr und begünstigte die Entstehung von Wachsleichen. (Dies hat die Wissenschaft erst Jahrhunderte später festgestellt.)
Man ließ sich viele Methoden einfallen, um vermeintliche Vampire in ihre Särge zu bannen. Im Sarg festnageln, pfählen, köpfen, verbrennen. Die katholische Kirche wetterte, denn ein toter Körper könne nur von Gott wiederbelebt werden. 1752 untersagte Papst Benedikt XIV. das Exhumieren und erklärte den Vampirismus für Aberglauben.

Stoff für die Literatur war geboren. Johann Wolfgang von Goethe schrieb 1797 den ersten fiktiven Text über Vampire. In seinem Gedicht »Die Braut von Korinth« geht es um eine vor der Hochzeitsnacht verstorbene Braut, die aus dem Grab steigt, um das Blut ihres versprochenen Jünglings zu trinken. Zu dieser Zeit wollte man solch triviale Literatur jedoch nicht lesen. John Polidori, Théophile Gautier und Joseph Sheridan Le Fanu widmeten sich ebenfalls Schauergeschichten und schrieben über Vampire.
Heute hat die Vampirmania im Buchsektor von den USA kommend Deutschland erreicht.

Als Blutgräfin ging Elisabeth (ungarisch Erzsébet) Báthory 1560 – 1640, Spross einer der ältesten Adelshäuser Ungarns in die Geschichte ein.
1575 heiratet sie Franz Nádasdy einen ungarischen Adeligen, der wegen seines grausamen Vorgehens gegen seine Feinde den Beinamen »Der schwarze Ritter« trug. Sie residierten auf ihrem Schloss in den Kleinen Karpaten. Immer mehr Mädchen verschwanden spurlos rund um Cséjthe. Waren es anfangs junge Frauen niedriger Herkunft, deren Verschwinden niemanden interessierte, verschwanden später auch Töchter adeliger Häuser, die der Gräfin zur höfischen Ausbildung übergeben wurden. Mit den Jahren wurden immer mehr Gerüchte um die Gräfin und das Schloss laut. Bauern fanden ausgeblutete weibliche Leichen und aus dem Schloss waren markerschütternde Schreie zu vernehmen.
Im Dezember 1610 drang Graf Georg Thurzo von Bethlenfalva auf Befehl des Königs Matthias II. in die Burg ein. Er fand schrecklich entstellte Frauenleichen, Leichenteile und schwer verletzte Mädchen. Die Gräfin wurde unter Hausarrest gestellt und einige Bedienstete verhaftet. Unter Folter gaben die Diener das schreckliche Geheimnis ihrer Herrin preis. Die Frau, deren Reichtum nach dem Tod ihres Ehemannes den des Königs überschritt, hatte angeblich über 600 Mädchen umgebracht. Ihr sadistischer Einfallsreichtum kannte keine Grenzen. Schlagen, Beißen, Auspeitschen, Schnitte und Stiche mit Scheren und Messern, Verbrennen mit Brenneisen, verbrühen mit kochendem Wasser, aufhängen an den Haaren usw. Anstatt der Todesstrafe, die ihre einflussreiche Familie verhinderte, erhielt sie lebenslange Haft in einem Turm in ihrer Burg. 1611 wurden zwei Dienerinnen der Gräfin auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ein Diener wurde enthauptet. Am 21. August 1614 fand ein Wächter die Gräfin tot auf.
Im späteren Vampirglauben entstand die Legende, die Gräfin habe sich im Blut von Jungfrauen gebadet, um ewige Schönheit zu erhalten. Wahrscheinlicher ist, dass sie eine Sadistin war, die sich am Leid anderer ergötzt hatte.

Das Schloss Čachtice ist dem Verfall preisgegeben und heute nur noch eine Ruine. Über eine steile Schotterpiste, die in einen Hohlweg mündet, ist sie nach einem ca. 45minütigen Fußmarsch erreichbar.

In einigen Teilen der Erde existiert der Vampirglaube noch heute sehr stark. Der Bonner Historiker Peter Kreuter beschäftigt sich seit Jahren mit dem Glauben an Vampire und Untote. Seine Recherchen führten ihn im August 2003 nach Südosteuropa. Die dortigen Vampire haben mit den Untoten der Filmindustrie wenig gemeinsam. Sie trinken kein Blut, verbeißen sich nicht in die Hälse der Menschen, sind weder lichtempfindlich noch schön.
Dorfbewohner, die für das Herrichten der Leichen zuständig sind, suchen nach verdächtigen Zeichen, wie Mutter- und Feuermale, körperliche Deformationen oder ein sehr hohes Sterbealter. Diese gelten als Eigenschaften der Wiedergänger. Weist ein Toter eines dieser Zeichen auf, reagieren Leichenwäscher oder Angehörige schnell. Dem Toten werden glühende Nägel ins Herz gebohrt, die Füße zusammengebunden, die Sehnen durchtrennt oder er wird in den Sarg genagelt, damit er nicht entfliehen kann. Sonst besteht die Möglichkeit, dass er als Strigeu wiederkehrt und sein Unwesen treibt.
Fehlende Leichenschauen und vorschnelle Begräbnisse führten dazu, Scheintote zu begraben, die in den Gräbern rumorten und nach der Exhumierung unverwest und in grotesken Positionen gefunden wurden.

In Brad, einem rumänischen Dorf in den transsilvanischen Karpaten, lebt der »Herr der Wölfe.« Über einen mehrstündigen Fußmarsch durch tiefe Wälder gelangt man zur Hütte von »Vilva Lupilor.« Peter Kreuter hat ihn mit einem rumänischen Führer besucht. Der 75-Jährige sagt von sich selbst, dass er der Herr der Wölfe ist. Er versteht ihre Sprache und zieht mit ihnen durch die Wälder. Einmal im Jahr, in der Andreas Nacht vom 29. auf den 30. November versammeln sich die Wölfe um ihren Herrn. So erzählen es jedenfalls der Werwolf-Mann und die Dorfbewohner.

Quellen:

Copyright © 2010 by Andrea Hoch

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