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Mythen und Wirklichkeiten

Der Mythos Titanic

Am 14. April 1912 sank das als unsinkbar geltende, zu der Zeit größte Kreuzfahrtschiff „Titanic“ auf seiner Jungfernfahrt, nachdem es um 23:40 Uhr mit einem Eisberg kollidierte. 1.504 von 2.208 Menschen, die sich an Bord befanden, starben.
Jeder kennt die Geschichte…

Was nur wenige wissen ist, dass schon bevor dies geschah, einige Menschen zum Teil sehr detaillierte Vorahnungen der Katastrophe hatten. Es geht dabei um Geschichten, die vorher von diversen Autoren verfasst wurden und erschreckend dem ähnelten, was später tatsächlich mit der „Titanic“ passierte. Außerdem gab es Träume von Angehörigen einiger Passagiere und der Mannschaft, die genau zu dem Zeitpunkt geträumt wurden, als der Ozeanriese sank. Selbst Frauen von Besatzungsmitgliedern, die zum Teil nicht einmal wussten, dass ihre Gatten auf der „Titanic“ mitfuhren, hatten das Gefühl, dass mit ihren Männern etwas nicht in Ordnung war. Das passierte genau zu dem Zeitpunkt der Katastrophe.
In diesem Beitrag möchte ich über einige dieser Vorahnungen berichten. Ich beziehe mich dabei auf Texte aus dem Internet und Dokumentationen, die im Fernsehen liefen.

William Thomas Stead

Der englische Journalist W.T. Stead, geboren am 5. Juli 1849, war einer der Passagiere der „Titanic“. Bevor er die Reise antrat, überfiel ihn eine Vorahnung. Er sagte, er würde auf See sterben. Als er seine Angst, mit dem Luxusliner zu reisen äußerte, glaubte ihm niemand. Obwohl er seinen eigenen Tod voraussagte, ging er an Bord. Er hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden. Stead saß, als das Schiff sank, in aller Ruhe auf einem Stuhl und bemühte sich nicht einmal, die Katastrophe irgendwie zu überleben.
Der Journalist schrieb einige Bücher. Er war sehr bekannt für seine präzisen Prophezeiungen. Am 22. März 1886, 26 Jahre vor dem Unglück, schrieb er in der damals sehr einflussreichen Zeitung „Pall Mall Gazette“ seine Ahnungen in einem Artikel nieder. Sein Bericht trug den Titel „Vom Untergang eines Dampfschiffes im Atlantik“. Darin erzählt er, wie die Menschen verzweifelt um die Plätze in den Rettungsbooten kämpften, wie der Kapitän wütend wurde und denjenigen mit dem Tod drohte, die den Frauen und Kindern nicht den Vortritt zu den Rettungsbooten ließen. Verblüffend ähnliche Szenen spielten sich 26 Jahre später auf der „Titanic“ ab.

„[…] Der Kapitän sprang mit einem Satz von der Kommandobrücke und ich sah das Aufblitzen der Pistolenläufe. Dann hörte ich von Steuerbord das schnelle Abfeuern von Schüssen und der Kapitän brüllte. Die Matrosen kämpften verbissen und die Männer in den Rettungsbooten wehrten sich mit Rudern und Bootshaken […]“

W.T. Stead beschrieb später, im Jahr 1892, erneut ein Unglück, das große Ähnlichkeit zu dem Titanic-Unglück aufwies. Das Werk war mit „From the old world to the new” betitelt. Darin beschreibt er die Überfahrt eines Engländers nach Chicago. Diesem berichtet eine Wahrsagerin, die er auf dem Schiff trifft, von einem anderen Schiff, dass von einem Eisberg versenkt wurde und dass es nur drei Überlebende gab. Die Geschichte spielt auf der „Majestic“, einem Schiff der „White Star Line“, für die auch später die „Titanic“ fuhr. Der Kapitän der „Majestic“ war zu dem Zeitpunkt genau der, der 1912 Kapitän der „Titanic“ wurde.
Auch hier hatte Stead Vorahnungen.

„[…] Die „Majestic“ fuhr mit Volldampf voran. Ich wurde von einem plötzlichen Schrei geweckt. Ein Schrei der Todesangst. Ich blieb wach, um weiter zuzuhören. Ich sah ein Schiff zwischen Eisbergen. Es sank schnell. Die Besatzung schrie um Hilfe. Einige Männer waren auf das Eis geklettert. Einer nach dem anderen versank im Meer und ich sah sie nie wieder. […]“

Im Jahr 1912 lebte W.T. Stead in London. Geschäftlich sollte er dann im selben Jahr eine Reise nach New York antreten. Er buchte die Überfahrt auf der „Titanic“. Trotzdem Stead vorher einen Wahrsager aufsuchte und dieser ihm von der Reise abriet, da er Lebensgefahr sah und obwohl er seine eigenen Vorahnungen durch die Aussage des Wahrsagers bestätigt bekam, ging er an Bord und kam in der Nacht zum 15. April 1912 im Atlantik ums Leben. Seine Leiche hat man niemals gefunden.

Das Leben von William Thomas Stead wurde zur Grundlage vieler Geschichten zum Thema „Titanic“.

Morgan Robertson

Morgan Andrew Robertson (1861 bis 1915) war ein amerikanischer Autor, der in gewissen Kreisen als Seher galt. Das aus dem Grunde, weil er im Jahre 1898 im New Yorker Verlag „M. F. Mansfield“ einen hundertfünfundvierzig Seiten starken Roman mit dem Titel „Futility“ auf den Markt gebracht hat, in dem der Untergang eines Schiffes im Atlantik beschrieben wird. Es gibt verblüffende Parallelen zur „Titanic“, wovon einige zwar einfach erklärbar sind und nichts mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun haben, aber andere wiederum durchaus als Vorahnungen zu deuten sind:

• Beide Schiffe gelten als größte Passagierschiffe der Welt
• Die „Titanic“ hat zwar nur etwa 2 200 Gäste an Bord, hätte aber, so wie Robertsons Schiff, etwa dreitausend Menschen aufnehmen können
• Die „Titanic“ ist knapp 269 Meter lang (882,5 Fuß), Robertsons Schiff etwa 244 Meter (800 Fuß)
• Beide Schiffe sind komplett aus Stahl, besitzen drei Schrauben und zwei Maste
• Beide Schiffe gelten als unsinkbar, da sie jeweils mit wasserdichten Schotts ausgestattet sind, mit 19 Robertsons Schiff, mit 16 die „Titanic“
• Der Rauminhalt der „Titanic“ beträgt 46 328 Bruttoregistertonnen, der von Robertsons Schiff exakt 45 000 BRT
• Die Wasserverdrängung der „Titanic“ liegt bei 60 000 Tonnen, die von Robertsons Schiff bei 45 000
• Die „Titanic“ besitzt eine Leistung von 46 000 Pferdestärken, die von Robertsons Schiff liegt bei 40 000 (1898)
• Die Geschwindigkeit der „Titanic“ beträgt etwa 22 Knoten, als es den Eisberg trifft, die von Robertsons Schiff bei 25 Knoten
• Beide Schiffe sind im April unterwegs
• Beide befinden sich auf der Route zwischen England und New York: Die „Titanic“ fährt von England nach New York, Robertsons Schiff von New York nach England
• Beide stoßen etwa um Mitternacht mit einem Eisberg zusammen
• Beide treffen den Eisberg an der Steuerbordseite
• Der Ort des Zusammenstoßes ist nur wenige hundert Meilen voneinander entfernt
• Beide Schiffe besitzen zu wenig Rettungsboote: Die „Titanic“ hat 20, Robertsons Schiff 24
• Beide Schiffe sind im Besitz einer britischen Firma mit Sitz in Liverpool, in beiden Fällen besitzen die Firmen eine Zweigstelle auf dem Broadway in Manhattan. Die Haupteigentümer sind jeweils Amerikaner.

Die erstaunlichste Parallele besteht in dem Namen, den Robertson sich für sein Schiff ausgedacht hatte. Es trägt den Namen „Titan“.
Der Autor behauptete, dass er manchmal wie in Trance an seinen Romanen schrieb, wie eine Art Medium. In solch einem Zustand erschien im auch der Name des Schiffes.
Morgan Robertson war nicht dabei, als die „Titanic“ sank. Er starb im Jahr 1915 an einer Überdosis eines Medikamentes.

Nicht nur Schriftsteller hatten solche Vorahnungen. Auch ca. 100 Passagiere und Angehörige sahen auf unterschiedliche Weise das Unglück voraus.
Hier einige Beispiele von Erzählungen, die sich in den betroffenen Familien von Generation zu Generation erzählt werden:

Die Ehefrauen der Seeleute

Die Frauen der Seeleute waren natürlich immer besorgt um ihre Männer. Doch in der Nacht des 14. Aprils 1912, gegen 2.20 Uhr verstärkte sich dieses Gefühl bei einigen sehr stark. Sie fühlten, dass etwas Schreckliches passiert sein musste. Obwohl manche Ehefrauen sich nicht einmal darüber im Klaren waren, dass ihre Männer gerade in dieser Nacht an Bord des Ozeanriesen waren, hatten auch sie das entsetzliche Gefühl.

Esther Hart

Esther Hart war eine Reisende der zweiten Klasse auf der „Titanic“. Als sie hörte, dass man das Schiff als unsinkbar bezeichnete, war sie sehr entsetzt. Als sie an Bord ging, war sie sicher, dass Gott sie bei dieser Überfahrt strafen würde. Sie blieb nachts wach und wartete auf das Unglück, dass die Titanic noch vor erreichen ihres Zielhafens ereilen würde. Als sich am 14. April 1912 der Zusammenstoß mit dem Eisberg ereignete, wusste sie sofort, dass das schreckliche Ereignis eingetroffen war.

 

Alice Fortune

Im Jahr 1912 war die Kanadierin Alice Fortune in Ägypten und besichtigte die Pyramiden. Dort saß sie eines Abends auf der Terrasse und beobachtete einen Sonnenuntergang. Auf der Straße kam ein Wahrsager vorbei und sie ließ sich aus der Hand lesen. Ihr Tod wurde nicht vorhergesagt, doch ihr wurde mitgeteilt, dass sie in einem offenen Boot sitzen wird und alles verlieren wird, außer ihrem Leben. Sie empfand das als lächerlich. Sie war jung und glaubte nicht an die Weißsagung. Aber es sollte sich herausstellen, dass es die Wahrheit war. In der Nacht des 14. Aprils stieg sie mit anderen Frauen in ein Rettungsboot der „Titanic“. Später, als sie dann von der „Carpathia“ gerettet wurde, bekam sie die Gewissheit, dass sie ihren jüngeren Bruder und ihren Vater verloren hatte.

Archibald Butt

Viele hielten ihre Ahnungen und Voraussehungen schriftlich fest. Einer von ihnen war der amerikanische Offizier Archibald Butt. Seine sterblichen Überreste wurden niemals gefunden. Vor dem Unglück schrieb der gewissenhafte Mann aber die letzten Verfügungen für seine Schwägerin auf. Dieser Brief ist mittlerweile sehr berühmt und wird von Butts Familie gehütet, wie ein wertvoller Schatz.
Er schrieb:

„[…] Gesundheit ist besser als Geld und es ist wichtiger, gesund zu sein. Meine sämtlichen Papiere sind in einem Lager aufbewahrt und falls das alte Schiff untergehen sollte, werdet ihr meine Geschäfte geordnet vorfinden. […]“.

Experten bewerten den Fall Archibald Butt als eines der überzeugendsten Beispiele von Vorahnungen bewertet.
Als die „Titanic“ unterging, saß Butt in einem Raucherraum des Schiffes und hatte sich, wie auch Thomas Stead (siehe oben) mit seinem Schicksal abgefunden. Selbst ein Bekannter Butts, der ebenfalls an Bord war, schaffte es nicht, ihn und ein paar weitere Männer, die bei ihm saßen, dazu zu bewegen, sich in ein Rettungsboot zu setzen und der nahenden Tragödie zu entfliehen.

Michel Navratil

Eine weitere Überlieferung handelt von Michel Navratil, der als 4jähriger die Katastrophe überlebte. Niemals sprach er mit irgendjemandem über seine Erlebnisse. Erst kurz vor seinem Tod, als das Wrack des Schiffes gefunden wurde und er im Fernsehen die Wrackteile sah, berichtete er einigen Journalisten davon. Seine Tochter Elisabeth Navratil schrieb ein Buch darüber. Es trägt den Titel „Les Enfants du Titanic“.
Ein Familiendrama kam ans Tageslicht. Michels Vater war der betrogene Ehemann und seine Mutter die untreue Ehefrau. Sein Vater entführte die beiden Kinder Michel und Edmond, wollte mit ihnen nach Amerika reisen, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Als später die Überlebenden in New York mit der „Carpathia“ eintrafen, befanden sich unter ihnen zwei kleine französische Jungen. Sie wussten nur ihre beiden Kosenamen, Lolo und Momom. Man hielt sie für Waisen. Zwei Wochen später wurde die Leiche ihres Vaters Michel Navratil senior gefunden. Er hatte sich für die Reise einen falschen Namen zugelegt. Die Fotos der beiden Jungen erschienen auf der ganzen Welt in den Zeitungen. Ihre Mutter Marcelle lebte zu der Zeit in Nizza und las in einer Zeitung über ihre beiden Söhne, dass sie auf der „Titanic“ gewesen sind.
Mit 16 hatte sie Michel Navratil senior geheiratet. Sie lebten gemeinsam in Nizza und es ging ihnen gut. Einige Jahre später wurde Marcelle jedoch von einem italienischen Kavallerieoffizier verführt, was das Leben für den hintergangenen Ehemann in Nizza unerträglich machte. Insgeheim entschloss er sich, zu verschwinden. Er besorgte sich einen falschen Pass und reiste nach England. Von dort aus ging er mit seinen Kindern, die er mitgenommen hatte, am 10. April an Bord der „Titanic“.
Zur Zeit des Zusammenstoßes mit dem Eisberg gegen Mitternacht am 14. April hatte die Mutter in Nizza einen sehr außergewöhnlichen Traum, obwohl sie nichts von der Reise wusste. Sie träumte, auf einer steil abfallenden Ebene zu stehen. Am Ende eines Flures mit vielen Türen war eine schwarze Silhouette zu erkennen, welche verzweifelt versuchte, die Steigung hinauf zu klettern. Als der Mann, dessen Silhouette sie gesehen hatte, oben angekommen war, hielt er ihr einen Brief hin. Vor Entsetzen wachte sie auf. Irgendwann schlief sie wieder ein und der Traum ging weiter. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als die „Titanic“ sank. Die schon vorher gesehene Szene wiederholte sich. Diesmal erreichte sie die Person und konnte ihr den Brief geben. Es war eine Todesanzeige. Als sie aufwachte, da wusste sie, Michel ist tot.
Michel starb in der Tat in dieser Nacht. Seine beiden Söhne wurden, wie bereits erwähnt, gerettet. Erstaunlich waren die letzten Worte, die Michel Navratil senior zu seinen Söhnen sagte, bevor er sie in ein Rettungsboot setzte. Michel Navratil erinnerte sich noch sehr genau daran: „Wäre eure Mutter mit uns nach Amerika gefahren, wäre alles gut gegangen.“
Die Tragödie verfolgte die Familie Navratil ein Leben lang. Marcelle starb 1963 in einer psychiatrischen Anstalt.

Quellen:

Bilder:
Dokumentation "Mythos Titanic" (Fernsehbericht)

Infomationen:
Dokumentation "Mythos Titanic" (Fernsehbericht)
http://www.wikipedia.de

© Tommy Tohang 2007

 

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