Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Mysteriöse Phänomene - Slumachs Fluch


Mythen und Wirklichkeiten

Slumachs Fluch

Legende um den Goldschatz eines Stalo Indianers

Die Coast Mountains befinden sich in British Columbia, im Südwesten Kanadas. Diese Gegend war unberührte Wildnis, bis 1858 in den Bergflüssen Gold gefunden wurde. Nuggets im Wert von mehreren Millionen Dollar wurden aus den Flüssen gesiebt. Dem Ruf des Goldes folgten Tausende, doch der Traum vom schnellen Reichtum war schnell vorbei. Der Goldvorrat in den Flüssen war bald erschöpft und die Goldadern in den Bergen, aus denen die Nuggets in die Flüsse gespült wurden, waren schwer zugänglich. Von da an arbeiteten die Goldsucher als schlechtbezahlte Minenarbeiter für professionelle Mining Companys.

Für die Stalo Indianer besaß der gelbe Stein, wie sie das Gold nannten, keine Bedeutung. Sie verachteten die Gier der Weißen. Als nach und nach die Welt der Indianer zerstört wurde, begannen manche, sich diese Gier zunutze zu machen und führten Prosektoren zu vielversprechenden Stellen.

Slumach, ein Stalo Indianer mit langem, grauem Haar, erregte Aufsehen in der Goldgräberstadt New Westminster. Dann und wann verschwand er in den Bergen und zahlte nach seiner Rückkehr seinen Whisky mit Gold. Gerüchte über eine spektakuläre Goldmine waren im Umlauf. Jeder wollte davon profitieren, doch keiner seiner Verfolger fand das Versteck. Lous Bee und Charley Seymour waren ebenfalls hinter der Goldader her. Am 9. September 1890 endete die Begegnung mit Slumach für Bee tödlich. Das Gericht glaubte Slumach nicht, der von Notwehr sprach, sondern Seymour und verurteilte Slumach zum Tode. Bevor er gehenkt wurde, sagte er in seiner Sprache: »Keiner, der das Gold findet, lebt lange genug, um es herauszubringen.« So erzählt es die Legende.
Slumachs Tod war der Beginn eines neuen Goldrausches. Die Gerüchte und der Fluch unter dem Galgen waren Grund genug, um anzunehmen, dass irgendwo in den Bergen eine sagenhafte Bonanza wartete.

Kanadische Historiker ermittelten bis in die heutige Zeit 55 Tote bei dem Versuch, die Goldader zu finden. Einige schreiben es dem Fluch zu, andere den Tatsachen, dass das unwegsame Gelände viele Gefahren bergen.

Der Deutsche Toni Lennartz begab sich dreimal in dieser Gegend auf Expedition, um herauszufinden, ob an der Legende etwas Wahres dran ist. Seine Spurensuche begann in New Westminster, heute ein Stadtteil von Vancouver.
Die Prozessakten sind verschwunden, eine Originalzeitung berichtete über den Mord und die Hinrichtung und spekulierte über eine angebliche Goldader. Weiter wird in alten Presseartikeln behauptet, dass Slumach mehrere alleinstehende Frauen auf Aussicht nach Gold in die Wildnis lockte und alleine nach Westminster zurückkehrte. Möglicherweise verkaufte er sie an die Port Douglas und Lilloeet Indianer.
Bei örtlichen Historikern fand Lennartz eine Aufzeichnung von Amanda Charnley. Ihr Vater, Pfarrer Peter Pierre, besuchte Slumach in der Nacht vor der Hinrichtung, der ihm von der Goldader in den Bergen erzählte. Ein Indiz, dass der Goldschatz wirklich existierte?

Das Gebiet, in dem Slumach fündig wurde, umfasst ungefähr 20 Quadratkilometer. Zu groß, um ohne präzise Ortsangabe zu suchen. Der Geologe Professor Werner Gocht hält eine unentdeckte Mine für möglich, die selbst professionellen Suchtrupps der großen Minenfirmen entgangen ist. Gesteinsproben beweisen, dass es Goldvorkommen gibt. Seit 1921 steht das Gebiet unter Naturschutz und der Bergbau in großem Stil ist verboten. Nur einzelne Schatzjäger erhalten die Erlaubnis zu suchen.

Aufzeichnungen von William Jackson aus dem Jahre 1906 deuten darauf hin, dass er einen sagenhaften Goldfund machte. Der Goldsucher war einer von vielen schlecht bezahlten Minenarbeitern, der in der Tipella-Fire-Mountain Region arbeitete.
Eines Tages machte er sich alleine auf den Weg, um Slumachs Schatz zu suchen. Er wurde krank und wollte umkehren, als er von einem Gipfelkamm einen Fluss erblickte, der im Boden verschwand. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes nahm er den mühevollen Abstieg auf sich. Es hatte sich gelohnt. Nuggets so groß wie Walnüsse fand er im Fluss. Da seine Ausbeute zu schwer war, um sie zu transportieren, versteckte er den Großteil des Goldes am Fuße eines zeltförmigen Felsens. Zurück in der Zivilisation, erzählte er in einem Brief von den Geschehnissen. Einige Monate später verstarb er in San Francisco und hinterließ ein Vermögen von mehreren tausend Dollar. Es soll eine Skizze mit der Wegbeschreibung gegeben haben, die verloren ging. Den erwähnten Brief besitzt angeblich ein texanischer Sammler.

Im November 1911 erschienen die beiden Prospektoren Shotwell und Harrington in der Nähe von Ruskin. Die entkräfteten Männer erzählten von einem Goldfund östlich des Pitt Lake und zeigten Goldnuggets als Beweis. Sie reisten nach Westminster, wo Shotwell einige Wochen später verstarb. Von Harrington wurde nie wieder gehört.

1931 begab sich der erfahrene Prospektor Doc Brown auf die Suche nach dem legendären Goldschatz. Als er nicht zurückkehrte, wurde eine Suchmannschaft losgeschickt. Unter einer Schneelast fanden die Männer sein zusammengebrochenes Zelt, seine Flinte und elf Unzen Gold. Gefunden wurde Brown auf einem Gletscher. Der Fundort wurde als Porcupine Valley bezeichnet. Doch weder in alten, noch in neuen Karten ist eine solche Bezeichnung zu finden. Man wollte weitere Suchaktionen gieriger Goldsucher vermeiden.
1983 fand man am Oberlauf des Stave Rivers einen aus Steinplatten gebauten Ofen. Hatte hier Brown das Gold eingeschmolzen, um es von Quartzanhaftungen zu trennen? Einige Kilometer weiter wurde ein Bronzemörser gefunden. Prospektoren zerstampften Gold auf diese Weise, um es von Quarz zu trennen.
Doc Brown war ein harter Mann gewesen, der sich zu helfen wusste. Einmal hatte er sich mit dem Taschenmesser einen durch Frost abgestorbenen Zeh amputiert. Was war geschehen? Niemand trennt sich in der Wildnis freiwillig von seinem Gewehr. War er von einem Raubtier überrascht worden oder in eine Schlucht gefallen?

1981 erzählte der pensionierte Supervisor G. Stuart Brown dem Autor Donald E. Waite, dass er in den Bergen ein großes Goldvorkommen gefunden hätte. Brown wusste, dass Waite sich für die Slumach Geschichte interessierte und hoffte auf dessen Unterstützung. Aufgrund seines Alters sah er sich außerstande, den Gewaltmarsch noch einmal alleine zu bewältigen. Mehrere Briefe, die Brown an zuständige Behörden geschrieben hatte, liegen vor. Da Brown einen untadeligen Ruf als Supervisor besitzt, ist es erstaunlich, dass sämtliche Ansuchen um Bergung von Mineralproben abgewiesen wurden.
Brown brach die Zusammenarbeit mit Waite ab, als dieser ohne seine Zustimmung Helikopterpiloten und Journalisten Anteile am Gold versprach.

Ein Jahr später wollte Stuart Brown mit dem Abenteurer Rob Nicholson gemeinsam den Anstieg zum Gold unternehmen. Wegen starkem Niederschlag mussten sie jedoch aufgeben. Da sich Browns Gesundheitszustand verschlechterte, nannte er Nicholson den präzisen Ort. Eine Tonaufzeichnung liegt vor.
Nicholson machte sich alleine auf zum Fundort. Kurz vor seinem Ziel versperrte ihm nach seinen Aussagen eine Horrorgestalt den Weg. Schatzjäger wie er sind rational denkende, unerschrockene Menschen, doch diese Erscheinung veranlasste ihn dazu, die Expedition abzubrechen.

Seine Beobachtung könnte man für Spinnereien halten, wenn es nicht mehrere Erzählungen dieser Art gäbe. Man sagt, der Geist des hingerichteten Indianers bewacht das Gold und tötet jeden, der dem Fundort zu nahe kommt. Einige Goldsucher schwören, seinen Geist gesehen zu haben und nur ihr sofortiger Rückzug hätte sie vor dem Tode bewahrt. In der Stalo-Kultur verlässt die menschliche Seele nach dem Tod den Körper und lebt als Geist in seinem angestammten Land weiter. Eine Berührung durch die Geister führt zu Lähmungen und zum Tode.
Viele Goldsucher berichten von seltsamen Erscheinungen, zweiköpfige Schlangen, menschenfressende Geister, Wesen halb Tier, halb Mensch.
Sasquatchs werden die gorillaähnlichen, zweieinhalb Meter großen Wesen genannt, die angeblich sehr oft gesichtet werden.

Was ist dran an diesen Erzählungen?
Aufgrund von Vermutungen wurde das Wasser überprüft. Die Untersuchung ergab mehr als 0,01 Milligramm Quecksilber pro Liter. In solchen Mengen kann Quecksilber Halluzinationen hervorrufen und die Geistererscheinungen erklären. Doch wer weiß?

Der deutsche Schatzsucher und Abenteurer Toni Lennartz ist überzeugt davon, dass die hier genannten Menschen Slumachs Gold fanden.
Er stellte ein erfahrenes Team zusammen, unter anderem auch Rob Nicholson. Die Männer nahmen die Herausforderung an und begaben sich in die Wildnis. Nach der Überquerung eines reißenden Flusses, farnbedeckten Schluchten und Gletscher stiegen sie ins Tal hinunter. Nicholson führte die Gruppe zum zeltförmigen Felsen, doch die Suche blieb erfolglos. Keine Nuggets so groß wie Walnüsse und auch nicht Jacksons Goldversteck.
Nach drei Expeditionen durch Lennartz bleibt Slumachs Gold noch immer unentdeckt und die Legende wird Schatzjäger weiterhin dazu verleiten, danach zu suchen.

Vielleicht ist es besser, das Gold der Stalo Indianer dort zu lassen, wo es hingehört. In die unberührte Wildnis mit all ihren Gefahren und Geheimnissen.

Quelle:

Die drei Expeditionen sind auf der Website von Toni Lennartz nachzulesen unter www.anton-lennartz.com.

Copyright © 2011 by Andrea Hoch


© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox