Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Das Geisterschiff "Mary Celeste"


Mythen und Wirklichkeiten

Das Geisterschiff "Mary Celeste"

20. Januar 2007

von Tommy Tohang

Bericht downloaden als PDF-Datei geht HIER
Adobe Reader downloaden geht HIER

Ein Schiff, das ohne Besatzung, führerlos durch den Atlantischen Ozean östlich der Azoren trieb, wurde am 5. Dezember 1872 von der Besatzung des Schiffes „Dei Gratia“ entdeckt. Es handelte sich um die Brigantine „Mary Celeste“…

Die Vorgeschichte des Zweimasters

Der 1860 gebaute 31 Meter lange und 7,60 Meter breite Zweimaster wurde 1861 unter dem Namen „Amazon“ vom Stapel gelassen. Kapitän John Nutting Parker war bereits auf der ersten Fahrt mit dem 282-Tonnen-Schiff in Bedrängnis geraten. Er kam in Seenot und starb nur 48 Stunden nach der Registratur des Schiffes. Es musste wieder zurück in die Joshua-Dewis-Werft nach Neuschottland, wo es hergestellt worden war.
Die Unglücksserie setzte sich nach der Instandsetzung fort. Ein Segelschiff sank, als es mit der „Amazon“ auf ihrer ersten Atlantiküberquerung in der Strasse von Dover zusammenstieß.
Drei Kapitäne dankten wegen der ständigen Mängel an der Brigantine ab. Es gab immer wieder diverse Unglücke.
1867 strandete das Schiff an der neuschottischen Küste und wurde dabei schwer beschädigt. Es wurde repariert, verkauft, und lief an der gleichen Stelle erneut auf Grund.
Danach verlor sich für einige Zeit die Spur der „Amazon“. Bekannt ist, dass sie sehr oft den Eigentümer wechselte.

Die Brigantine wurde irgendwann von der New Yorker Eignergruppe „J. H. Winchester & Co.“ gekauft. Sie wurde daraufhin umgebaut und bekam den Namen „Mary Celeste“. Benjamin Spooner Briggs, ein britischer Offizier, bekam den Befehl über das Schiff, womit das letzte Rätsel um das spätere Verschwinden der Besatzung begann.

Die vorerst letzte Fahrt der „Mary Celeste“

Vom Kai 44 im New Yorker Hafen legte die „Mary Celeste“ am 7. November 1872 ab. Es befanden sich 1701 Fässer, gefüllt mit dem reinem Industriealkohol Ethanol im Wert von 35.000 USD an Bord, die über den Atlantik befördert und nach Genua in Italien geliefert werden sollten. Die Mannschaft bestand aus Briggs, sieben Seeleuten, der Frau von Briggs und der beiden zwei Jahre alte Tochter.

Captain Briggs
Briggs mit Ehefrau und Kind

Name

Status

Nationalität

Alter

Mannschaft

Benjamin S. Briggs

Kapitän

Amerikaner

37

Albert C. Richardson

Maat

Amerikaner

28

Andrew Gilling

2. Maat

Däne

25

Edward W. Head

Steward u. Koch

Amerikaner

23

Volkert Lorenson

Seemann

Holländer

29

Arian Martens

Seemann

Holländer

35

Boy Lorenson

Seemann

Holländer

23

Gotlieb Gondeschall

Seemann

Deutscher

23

Passagiere

Sarah Elizabeth Briggs

Ehefrau des Kapitäns

Amerikanerin

30

Sophia Matilda Briggs

Tochter

Amerikanerin

2

An den Tagen vor dem Auslaufen gab es keine Auffälligkeiten und Probleme. Alles lief normal. Die Seeleute Kapitän Briggs, Obermaat Richardson und der 2. Maat Gilling waren sehr tüchtig.

Rätselhafte Ereignisse

Die rätselhaften Geschehnisse begannen dann am 5. Dezember 1872.
Das britische, mit Kerosin für Gibraltar beladene Schiff „Dei Gratia“ entdeckte an dem Tag die „Mary Celeste“ 90 Seemeilen vor der Küste Gibraltars. Gegen 13.00 Uhr gab der Steuermann John Johnson ein Signal, als er steuerbord in einer Entfernung von ca. 8 km ein Schiff mit in schlechtem Zustand befindlichen Segeln entdeckte.

Der Kapitän der „Dei Martia“, David Reed Morehouse, ein Freund von Kapitän Briggs, wollte dem Havaristen zu Hilfe eilen. Mit einem Megaphon versuchte er aus einer Distanz von ungefähr 400 Metern, Kontakt mit der Besatzung aufzunehmen. Das gelang ihm nicht. Er erhielt keine Antwort. Aus diesem Grund sandte er drei seiner Seeleute zu dem Segelschiff, um nach dem Rechten zu sehen. Nun wurde erkannt, dass es sich um die „Mary Celeste“ handelte. Die drei Männer durchsuchten das Schiff, nachdem sie an Bord geklettert waren. Dort war nicht eine Menschenseele aufzufinden.
Der allgemeine Zustand der Brigantine war bis auf einige völlig durchnässte Kabinen zufrieden stellend. Die Vorratskammern waren gefüllt mit Proviant. Es war nicht zu erkennen, weshalb die Seeleute die „Mary Celeste“ verließen. Auffällig war, dass ein kleines Beiboot der "Mary Celeste" fehlte. Die Schiffspapiere waren alle verschwunden. Das Logbuch befand sich jedoch noch an Bord und bewies, dass am 24. November 1872 noch jemand an Bord gewesen sein muss, da die letzte Eintragung an diesem Tag gemacht wurde und die Position mit 100 Meilen westlich der Azoren in der Nähe der Insel St. Mary angab. In der damaligen Zeit wurden die Logbücher aber nicht täglich geführt. Somit könnte der Tag des Verschwindens der Mannschaft auch später gewesen sein.
Die „Mary Celeste“ wurde wieder flott gemacht und segelte unter dem Befehl des ersten Maats und Chefingenieurs der „Dei Martia“, Oliver Deveau nach Gibraltar. Dort sollte von den britischen Behörden eine Untersuchung durchgeführt werden, weil man auch einen Versicherungsbetrug vermutete. Man stellte unter anderem fest, dass neun der 1701 Fässer leer waren.

Erklärungstheorien

Bis zum heutigen Tage ist das Schicksal der Besatzung des Schiffes aber nicht aufgeklärt worden. Keiner kennt das Geheimnis.
Die verschiedensten Theorien über den Grund des Verschwindens wurden aufgestellt. Eine davon erzählt von einer Riesenkrake, die die komplette Mannschaft verspeist haben soll.
Eine andere Theorie besagt, dass sich ein blinder Passagier an Bord versteckt gehalten haben soll. Er, ein gefährlicher Psychopath, habe seine Seele dem Teufel verkauft und sei dann vor ihm geflohen. Satan höchstpersönlich soll als Tribut durch sein geisterhaftes, unheimliches Erscheinen die Mannschaft vertrieben haben. Kapitän Briggs, der angeblich als letzter die „Mary Celeste“ verließ, soll noch gesehen haben, wie der Teufel mit seinem Schiff verschwunden sei.
Außer dieser mysteriösen und sehr unrealistisch erscheinenden Theorien gab es noch einige etwas glaubhaftere Annahmen. Demnach soll sich die Besatzung an dem im Laderaum befindlichen Rohalkohol betrunken haben und danach Kapitän Briggs und dessen Familie, die sich ebenfalls an Bord befand, umgebracht haben, bevor sie geflohen sind.
Es wurde auch vermutet, dass es zwischen Kapitän Briggs und Morehouse, dem Kapitän der „Dei Martia“, eine geheime Absprache gab, nach der Briggs die komplette Besatzung umbrachte, dann mit seiner Familie floh und sich später mit Morehouse das Bergungsgeld teilte. Morehouse sollte angeblich genau zu einem abgesprochenen Moment die „Mary Celeste“ entdecken.
Weitere Theorien besagen, dass eine Cholera-Epidemie die Besatzung getötet hätte. Dies vermutete im Jahre 1913 ein Seegericht, das an dem Fall arbeitete.
Ein Versicherungsexperte von Lloyd´s kam 1967 zu dem Schluss, dass Kapitän Briggs mit der Besatzung das Schiff verließ, weil er wegen der Alkoholdämpfe eine Explosion befürchtete. Während das Schiff mit offenen Luken durchlüftet wurde, könnte ein Sturm das Beiboot zum Kentern gebracht haben. Dies ist aber unwahrscheinlich, da Sextant und Chronometer mitgenommen wurden, was jedoch nicht notwendig gewesen wäre, denn man hatte ja vor, nach dem Abzug der Alkoholdämpfe wieder an Bord zu gehen. Außerdem waren zwei Segel gehisst.

Spätere Fahrten der Brigantine

Nach der Instandsetzung befuhr das Schiff noch zwölf Jahre lang unter 17 verschiedenen Eignern die Meere. Niemand hatte Glück mit der „Mary Celeste“. Sie geriet in Brand, lief auf Grund, verlor Ladungen und Seemänner und ruinierte einen Eigner nach dem anderen.
1884 zum Beispiel läuft das Schiff mit seinem Besitzer und gleichzeitig Kapitän Gilman C. Parker auf ein Riff in Westindien und sinkt danach. Kurze Zeit später stirbt Parker unter dem Verdacht des Versicherungsbetruges, der erste Maat wird wahnsinnig und der zweite Maat nimmt sich das Leben.
Der letzte Eigner versuchte, die „Mary Celeste“ mit einer Ladung von Gummistiefeln und Katzenfutter vor dem Rochelais Riff bei Haiti zu versenken, offensichtlich, um eine riesige Versicherungssumme für eine fast wertlose Ladung zu kassieren. Das Schiff ging jedoch nicht sofort unter, sodass Versicherungsinspektoren das Betrugsmanöver aufdecken konnten.

Wo ist die „Mary Celeste“ heute?

In heutiger Zeit ist das Schiff ein Mythos, der sich auch in Kinofilmen niederschlug (siehe unten). Und selbst auf britischen Briefmarken wurde er am Leben erhalten. Die Wahrheit wurde großzügig mit Erfindungen vermischt. Man sprach von Seeungeheuern und Aliens.

Die Überreste der „Mary Celeste“ wurden am Riff vor Haiti am 9. August 2001 von dem amerikanischen Schriftsteller Clive Cussler mit Hilfe der von ihm gegründeten Vereinigung NUMA (National Underwater and Marine Agency) gefunden (keine staatliche Organisation, sondern eine private Einrichtung in Anlehnung an eine gleichlautende fiktive Organisation in den Büchern Cusslers).
Auf der NUMA-Webseite (http://www.numa.net/video_gallery/mary_celeste.html) befindet sich ein englischsprachiges Video, das über die Entdeckung der „Mary Celeste“ berichtet. Das Bild links oben stammt dort her.

Filme, in denen die „Mary Celeste“ vorkommt:

  • Ebenfalls eine Science Fiction-Erklärung bietet eine Episode der langjährigen britischen SF-Fernseh-Serie „Doctor Who“ der BBC an. Dort landet im dritten Teil des Sechsteilers „The Chase namens Flight Through Eternity“ (BBC-Erstausstrahlung: 5. Juni 1965) der Protagonist mit seiner Zeitmaschine TARDIS für wenige Minuten auf der „Mary Celeste“, verfolgt von einer Zeitmaschine seiner Erzfeinde, der Daleks, bei deren Erscheinen die gesamte Besatzung des Schiffes vor Angst über Bord springt.
  • 1935 erstellte der Regisseur Denison Clift nach einem eigenen Drehbuch unter dem Titel "The Mystery of the Marie Celeste" eine Version der Geschichte als Meuterei-Film. Unter den Mitwirkenden war Dracula-Darsteller Bela Lugosi, der die Rolle des Anton Lorenzen spielte und dessen Rolle damit anspielt auf das tatsächliche Besatzungsmitglied Volkert Lorenson. Dieser Film war eine frühe Produktion der Hammer-Filmstudios, erhielt aber dennoch miserable Kritiken.
  • In Deutschland gab es 1972 nach dem Drehbuch von Rolf Olsen eine Verfilmung unter dem Titel „Das Geheimnis der Mary Celeste“, in der Hans-Joachim Kulenkampff mitwirkte.
  • Im Film „Ghost Ship“ von 2002 mit Gabriel Byrne wird die Geschichte um die „Mary Celeste“ in einer Erzählung erwähnt: Die Ladung sei Baumwolle gewesen, das Schiff wäre vier Monate nach ihrem Verschwinden vor Tripolis im Mittelmeer unter vollen Segeln und ohne Besatzung bzw. Passagiere gesehen worden. Die Frage hierbei stellt der erzählende Kapitän (Byrne): "Das Schiff fuhr 4000 Seemeilen über offenen Ozean, durch die Strasse von Gibraltar, unter vollen Segeln ...

Bücher zur „Mary Celeste“:

Titelbild Autor Titel Verlag ISBN-Nummer

(kein Cover verfügbar)

Vero Roberti

Das Geheimnis der Mary Celeste

Stalling

3797918410

Eigel Wiese

Das Geisterschiff. Die wahre Geschichte der Mary Celeste

Europa Verlag

3203751038

Lawrence David Kusche

The Bermuda Triangle Mystery Solved

...

0879759712

Brian Hicks

Ghost Ship: The Mysterious True Story of the Mary Celeste and her Missing Crew

...

0345463919

Paul Begg

Mary Celeste: The Greatest Mystery Of The Sea

Longman

0582784220

John Harris

Auf letzter Fahrt

Knaur Sachbuch 3745

3-426-03745

(kein Cover verfügbar)

Der amerikanische Schriftsteller Philip José Farmer verlegt einen Teil der Handlung seiner Nacherzählung des Jules Verne Romans „In 80 Tagen um die Welt“ mit dem Titel „Das echte Log des Phileas Fogg“ (Heyne, ISBN 3453310160) auf die „Mary Celeste“ und gibt eine Science-Fiction-Deutung für die mysteriösen Vorgänge, die zum Verlassen des Schiffs geführt haben.

 

Webseiten:

Quellen:

Bilder:

© Tommy Tohang

 

© by 2007
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox