| Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Das Geisterschiff "Mary Celeste" | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Name |
Status |
Nationalität |
Alter |
Mannschaft |
|||
Benjamin S. Briggs |
Kapitän |
Amerikaner |
37 |
Albert C. Richardson |
Maat |
Amerikaner |
28 |
Andrew Gilling |
2. Maat |
Däne |
25 |
Edward W. Head |
Steward u. Koch |
Amerikaner |
23 |
Volkert Lorenson |
Seemann |
Holländer |
29 |
Arian Martens |
Seemann |
Holländer |
35 |
Boy Lorenson |
Seemann |
Holländer |
23 |
Gotlieb Gondeschall |
Seemann |
Deutscher |
23 |
Passagiere |
|||
Sarah Elizabeth Briggs |
Ehefrau des Kapitäns |
Amerikanerin |
30 |
Sophia Matilda Briggs |
Tochter |
Amerikanerin |
2 |
An den Tagen vor dem Auslaufen gab es keine Auffälligkeiten und Probleme. Alles lief normal. Die Seeleute Kapitän Briggs, Obermaat Richardson und der 2. Maat Gilling waren sehr tüchtig.
Rätselhafte Ereignisse
Die rätselhaften Geschehnisse begannen dann am 5. Dezember 1872.
Das britische, mit Kerosin für Gibraltar beladene Schiff „Dei Gratia“ entdeckte an dem Tag die „Mary Celeste“ 90 Seemeilen vor der Küste Gibraltars. Gegen 13.00 Uhr gab der Steuermann John Johnson ein Signal, als er steuerbord in einer Entfernung von ca. 8 km ein Schiff mit in schlechtem Zustand befindlichen Segeln entdeckte.
Der Kapitän der „Dei Martia“, David Reed Morehouse, ein Freund von Kapitän Briggs, wollte dem Havaristen zu Hilfe eilen. Mit einem Megaphon versuchte er aus einer Distanz von ungefähr 400 Metern, Kontakt mit der Besatzung aufzunehmen. Das gelang ihm nicht. Er erhielt keine Antwort.
Aus diesem Grund sandte er drei seiner Seeleute zu dem Segelschiff, um nach dem Rechten zu sehen. Nun wurde erkannt, dass es sich um die „Mary Celeste“ handelte. Die drei Männer durchsuchten das Schiff, nachdem sie an Bord geklettert waren. Dort war nicht eine Menschenseele aufzufinden.
Der allgemeine Zustand der Brigantine war bis auf einige völlig durchnässte Kabinen zufrieden stellend. Die Vorratskammern waren gefüllt mit Proviant. Es war nicht zu erkennen, weshalb die Seeleute die „Mary Celeste“ verließen. Auffällig war, dass ein kleines Beiboot der "Mary Celeste" fehlte. Die Schiffspapiere waren alle verschwunden. Das Logbuch befand sich jedoch noch an Bord und bewies, dass am 24. November 1872 noch jemand an Bord gewesen sein muss, da die letzte Eintragung an diesem Tag gemacht wurde und die Position mit 100 Meilen westlich der Azoren in der Nähe der Insel St. Mary angab. In der damaligen Zeit wurden die Logbücher aber nicht täglich geführt. Somit könnte der Tag des Verschwindens der Mannschaft auch später gewesen sein.
Die „Mary Celeste“ wurde wieder flott gemacht und segelte unter dem Befehl des ersten Maats und Chefingenieurs der „Dei Martia“, Oliver Deveau nach Gibraltar. Dort sollte von den britischen Behörden eine Untersuchung durchgeführt werden, weil man auch einen Versicherungsbetrug vermutete. Man stellte unter anderem fest, dass neun der 1701 Fässer leer waren.
Erklärungstheorien
Bis zum heutigen Tage ist das Schicksal der Besatzung des Schiffes aber nicht aufgeklärt worden. Keiner kennt das Geheimnis.
Die verschiedensten Theorien über den Grund des Verschwindens wurden aufgestellt. Eine davon erzählt von einer Riesenkrake, die die komplette Mannschaft verspeist haben soll.
Eine andere Theorie besagt, dass sich ein blinder Passagier an Bord versteckt gehalten haben soll. Er, ein gefährlicher Psychopath, habe seine Seele dem Teufel verkauft und sei dann vor ihm geflohen. Satan höchstpersönlich soll als Tribut durch sein geisterhaftes, unheimliches Erscheinen die Mannschaft vertrieben haben. Kapitän Briggs, der angeblich als letzter die „Mary Celeste“ verließ, soll noch gesehen haben, wie der Teufel mit seinem Schiff verschwunden sei.
Außer dieser mysteriösen und sehr unrealistisch erscheinenden Theorien gab es noch einige etwas glaubhaftere Annahmen. Demnach soll sich die Besatzung an dem im Laderaum befindlichen Rohalkohol betrunken haben und danach Kapitän Briggs und dessen Familie, die sich ebenfalls an Bord befand, umgebracht haben, bevor sie geflohen sind.
Es wurde auch vermutet, dass es zwischen Kapitän Briggs und Morehouse, dem Kapitän der „Dei Martia“, eine geheime Absprache gab, nach der Briggs die komplette Besatzung umbrachte, dann mit seiner Familie floh und sich später mit Morehouse das Bergungsgeld teilte. Morehouse sollte angeblich genau zu einem abgesprochenen Moment die „Mary Celeste“ entdecken.
Weitere Theorien besagen, dass eine Cholera-Epidemie die Besatzung getötet hätte. Dies vermutete im Jahre 1913 ein Seegericht, das an dem Fall arbeitete.
Ein Versicherungsexperte von Lloyd´s kam 1967 zu dem Schluss, dass Kapitän Briggs mit der Besatzung das Schiff verließ, weil er wegen der Alkoholdämpfe eine Explosion befürchtete. Während das Schiff mit offenen Luken durchlüftet wurde, könnte ein Sturm das Beiboot zum Kentern gebracht haben. Dies ist aber unwahrscheinlich, da Sextant und Chronometer mitgenommen wurden, was jedoch nicht notwendig gewesen wäre, denn man hatte ja vor, nach dem Abzug der Alkoholdämpfe wieder an Bord zu gehen. Außerdem waren zwei Segel gehisst.
Spätere Fahrten der Brigantine
Nach der Instandsetzung befuhr das Schiff noch zwölf Jahre lang unter 17 verschiedenen Eignern die Meere. Niemand hatte Glück mit der „Mary Celeste“. Sie geriet in Brand, lief auf Grund, verlor Ladungen und Seemänner und ruinierte einen Eigner nach dem anderen.
1884 zum Beispiel läuft das Schiff mit seinem Besitzer und gleichzeitig Kapitän Gilman C. Parker auf ein Riff in Westindien und sinkt danach. Kurze Zeit später stirbt Parker unter dem Verdacht des Versicherungsbetruges, der erste Maat wird wahnsinnig und der zweite Maat nimmt sich das Leben.
Der letzte Eigner versuchte, die „Mary Celeste“ mit einer Ladung von Gummistiefeln und Katzenfutter vor dem Rochelais Riff bei Haiti zu versenken, offensichtlich, um eine riesige Versicherungssumme für eine fast wertlose Ladung zu kassieren. Das Schiff ging jedoch nicht sofort unter, sodass Versicherungsinspektoren das Betrugsmanöver aufdecken konnten.
Wo ist die „Mary Celeste“ heute?


In heutiger Zeit ist das Schiff ein Mythos, der sich auch in Kinofilmen niederschlug (siehe unten). Und selbst auf britischen Briefmarken wurde er am Leben erhalten. Die Wahrheit wurde großzügig mit Erfindungen vermischt. Man sprach von Seeungeheuern und Aliens.


Die Überreste der „Mary Celeste“ wurden am Riff vor Haiti am 9. August 2001 von dem amerikanischen Schriftsteller Clive Cussler mit Hilfe der von ihm gegründeten Vereinigung NUMA (National Underwater and Marine Agency) gefunden (keine staatliche Organisation, sondern eine private Einrichtung in Anlehnung an eine gleichlautende fiktive Organisation in den Büchern Cusslers).
Auf der NUMA-Webseite (http://www.numa.net/video_gallery/mary_celeste.html) befindet sich ein englischsprachiges Video, das über die Entdeckung der „Mary Celeste“ berichtet. Das Bild links oben stammt dort her.
Filme, in denen die „Mary Celeste“ vorkommt:
Bücher zur „Mary Celeste“:
| Titelbild | Autor | Titel | Verlag | ISBN-Nummer |
(kein Cover verfügbar) |
Vero Roberti |
Das Geheimnis der Mary Celeste |
Stalling |
3797918410 |
|
Eigel Wiese |
Das Geisterschiff. Die wahre Geschichte der Mary Celeste |
Europa Verlag |
3203751038 |
|
Lawrence David Kusche |
The Bermuda Triangle Mystery Solved |
... |
0879759712 |
|
Brian Hicks |
Ghost Ship: The Mysterious True Story of the Mary Celeste and her Missing Crew |
... |
0345463919 |
|
Paul Begg |
Mary Celeste: The Greatest Mystery Of The Sea |
Longman |
0582784220 |
|
John Harris |
Auf letzter Fahrt |
Knaur Sachbuch 3745 |
3-426-03745 |
(kein Cover verfügbar) |
Der amerikanische Schriftsteller Philip José Farmer verlegt einen Teil der Handlung seiner Nacherzählung des Jules Verne Romans „In 80 Tagen um die Welt“ mit dem Titel „Das echte Log des Phileas Fogg“ (Heyne, ISBN 3453310160) auf die „Mary Celeste“ und gibt eine Science-Fiction-Deutung für die mysteriösen Vorgänge, die zum Verlassen des Schiffs geführt haben.
|
|||
Webseiten:
Quellen:
Bilder:
© Tommy Tohang