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Mythen und Wirklichkeiten

Schrecken der großen Seen

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Die großen Seen in Nordamerika fordern jedes Jahr eine geraume Anzahl an Opfern. Ist dort eine geheimnisvolle Kraft am Werke?

Die großen Seen

Sie liegen in Nordamerika und erstrecken sich über eine Fläche von 260.000 Quadratkilometern, wobei Flüsse und Ströme, die in sie fließen, eine Fläche von 600.000 Quadratkilometern bewässern. Zu den fünf Seen gehören:

Oberer See

  • (Lake Superior)
  • 82.100 km²
  • Max. Tiefe: 405 m

Michigansee

  • (Lake Michigan)
  • 57.800 km²
  • Max. Tiefe: 281 m

Huronsee

  • (Lake Huron)
  • 59.600 km²
  • Max. Tiefe: 229 m
...

Eriesee

  • (Lake Erie)
  • 25.700 km²
  • Max. Tiefe: 64 m

...

Ontariosee

  • (Lake Ontario)
  • 18.960 km²
  • Max. Tiefe: 244 m

Zusammengenommen bilden diese Gewässer das größte Süßwasservorkommen der Erde. Sie wurden vor ungefähr 300 Jahren von Franzosen entdeckt.
Aufgrund der enormen Größe wirken die fünf Seen ähnlich wie ein Ozean auf das Klima in der Umgebung. Im Sommer sind die Temperaturen mäßig und im Winter ist es rund herum immer etwas wärmer. Außerdem sind auch die Gezeiten spürbar.
Die Tiefe der Gewässer liegt zwischen 64 und 281 Metern, wobei der Obere See an manchen Stellen eine Tiefe von bis zu 405 Metern aufweist (siehe oben).
Der Michigansee liegt als einziger der großen Seen vollständig in den USA. Die anderen vier verlaufen entlang der kanadisch-US-amerikanischen Grenze. Durch den St. Lorenz-Strom werden sie in den Atlantik entwässert. Über den „Intracoastal Waterway“ sowie den „Illinois Waterway“ besteht eine Schifffahrts-Verbindung zum Mississippi River.

Der Mythos der Chippewa-Indianer

Nach Aussagen dieses Indianerstammes lebt im Oberen See ein riesiger Stör, der ohne Probleme ein Schiff verschlingen kann. Eine einzige kleine Bewegung einer seiner Flossen soll bereits einen Strudel verursachen, wobei der Schlag der Schwanzflosse angeblich sogar den kompletten See in Bewegung bringen kann. Diese Bewegung nennen die Indianer „die drei Schwestern“ und meinen damit eine dreifache Welle, die über den See rollt und dabei jedes Boot verschlingen kann.
Obwohl dieser Mythos zu den Sagen gehört, haben Schiffer, die die Seen befahren, Respekt vor dieser Geschichte. Sie denken dabei an das Ostende des Oberen Sees, das den Namen „Whitefish Bay“ trägt. Wegen der vielen Unfälle, die dort geschehen sind, wird diese Bucht auch „Schiffsfriedhof“ genannt.

Forscher nehmen an, dass sich hinter der Legende der Chippewa-Indianer aber mehr verbirgt, als nur Naturkatastrophen. Seit den 70er Jahren wird eine geheimnisvolle Kraft vermutet, die immer wieder Schiffe und auch Flugzeuge verschwinden lässt. Laut der Wissenschaftler soll es sich um eine Kraft handeln, die noch stärker oder mindestens genauso stark ist, wie die, die im Bermuda-Dreieck herrscht.

Ein paar aufregende Fakten

  • Zwischen 1870 und 1889 lag die Anzahl der verloren gegangenen Schiffe durch Brand, Kentern und Auflaufen auf den Gewässern bei sage und schreibe 6000.
  • Der aus Ontario stammende Historiker Willis Metcalfe hielt fest, dass im November 1856 alleine in einer einzigen Woche ungefähr 30 Schiffe auf dem Ontariosee verloren gingen.
  • 40 Schiffe sanken im November 1913 innerhalb von vier Tagen, wobei nur dabei 672 Menschen ihr Leben verloren
  • Zwischen 1940 und 1960 verschwanden neun Mehrtausendtonner
  • Allein in einer Gegend, einem Streifen der Nordküste des Oberen Sees, verschwanden in der Zeit von 1952 bis 1982 17 Flugzeuge und 34 Menschen.

Verschiedene Geschehnisse um, über und auf den Seen

Schifffahrt
Im Laufe des Krieges zwischen England und den Vereinigten Staaten 1812 befuhren zwei bestens ausgerüstete Fregatten der Amerikaner (110-Tonner „Scourge“, 112-Tonner „Hamilton“) den Ontariosee in Richtung Niagara. Plötzlich kippten beide Schiffe gleichzeitig um und versanken in der Tiefe. Die zehn Überlebenden der insgesamt 100 Männer Besatzung konnten sich nicht erklären, wie das passieren konnte.
Acht Jahre vorher geschah Ähnliches mit dem Schoner „Speedy“, auf dem viele Staatsmänner Kanadas unterwegs waren, auf dem gleiche See. Das war das spektakulärste Schiffsunglück der Geschichte des Landes. Kein Mensch, weder Mannschaft noch Passagiere, wurden jemals wieder gesehen.
1854 wurden in kleine Stücke zerschmetterte Wrackteile des Segelschiffes „Eleanor Hamilton“ angespült, nachdem sie ebenfalls auf dem Ontariosee verloren ging. Die Mannschaft hatte vor der Abfahrt eine Vorahnung, dass es zu einem Unglück kommen würde, jedoch ließ sich der Kapitän nicht davon überzeugen, die Fahrt abzusagen. Tote wurden niemals gefunden.
Ende 1950 sank der Schlepper „Sachem“ auf dem Ontariosee. Sein Wrack wurde einige Zeit später von der Küstenwache auf dem Grund des Sees gefunden und gehoben. Leichen wurden an Land gespült. Der geborgene Schiffsrumpf und die Maschinen hatten keine Beschädigungen davongetragen. Einzig auf der Brücke waren die Scheiben eingeschlagen.

Küstengebiete
Nicht nur Schiffe die auf dem See fuhren, waren betroffen. Auch Küstenstädte wie Chicago, das von einem großen Feuer heimgesucht wurde und Toronto, dessen Innenstadt 1904 durch ein Feuer zerstört wurde, hatten unter dem Einfluss der eventuellen übernatürliche Kräfte zu leiden.
Am 26. Juni 1954 riss eine Welle, wie sie im Mythos der Chippewa-Indianer beschrieben wird, 50 Menschen ins Wasser und damit in den Tod, als sie mit einer Höhe von drei Metern gegen die Küste des Michigansees zwischen Whiting, Indiana und Wakegan in Illinois schlug. Die Überlebenden berichten, dass sie erst die Gefahr bemerkten, als die Welle über ihnen zusammenschlug und sie mit sich riss.

Luftfahrt
Auch Flugzeuge waren betroffen. In zwei der unten aufgeführten Bücher befindet sich eine Schilderung des Verlustes eines F-94 Kampfjets, der angeblich auf Jagd nach einem unbekannten Flugobjekt war, welches westlich des Luftwaffenstützpunktes Griffiss gesichtet wurde. Als sich die Piloten dem Objekt näherten, stieg die Cockpit-Temperatur dermaßen an, dass sie sich mit dem Schleudersitz retten mussten. Das Flugzeug stürzte auf die Stadt Walesville in New York. Dieses Unglück kostete vier Menschen das Leben und setzte den Ort in Brand.
Piloten, die über die Gewässer flogen, berichteten des Öfteren von Nebeln, die alles in sich aufsogen. Ein Pilot, der entlang der Südküste des Eriesees flog, meldete plötzlich auftretenden, dichten Nebel, der ihm die komplette Sicht nahm. Sein letzter Funkspruch war der, dass er sich drehen würde und abstürze. Danach wurde niemals mehr etwas von ihm gesehen. Die meisten Flugzeuge, die über den großen Seen verschwanden, sind unauffindbar geblieben.
Einer der bekanntesten Fälle ist der eines Piloten namens Tom Walker, der ein guter Flieger war. Er war auf dem Weg nach Hause und befand sich über den Seen. Dann brach jeglicher Kontakt zu ihm ab. Zwei Tage lang suchte man nach ihm und dem Flugzeug, konnte jedoch nichts finden. Dann plötzlich fand man Walker in einer Vorstadt Torontos humpelnd und benommen. Später erzählte er, dass er sich nur noch an starken Nebel erinnern könne und alles andere, wie der Zeitpunkt und der Ort des Aufpralls aus seiner Erinnerung gelöscht sei. Da er humpelte und somit nicht weit vom Unfallort hätte entfernt sein müssen, machte man sich in der Umgebung auf die Suche nach den Wrackteilen des Flugzeuges. Man wurde aber nicht fündig.

Mysteriöse Lichter
Viele Flugzeugverluste gingen einher mit „Lichtern am Himmel“, woraus man schloss, dass außerirdische Intelligenzen mit den mysteriösen Geschehnissen zu tun haben könnten. Joe Graves Simcoe, die Frau des Vizegouverneurs Nordkanadas aus dem Jahr 1791 schrieb in ihrem Tagebuch nieder, dass kurz nach ihrem Eintreffen das östliche Ende des Ontariosees von Erdbeben erschüttert wurde. Diesen Beben folgten aus Südwest kommende Lichtkugeln, die sich in nordwestliche Richtung fortbewegten. Sie folgten dabei dem St. Lorenz-Strom.
Im Jahr 1913 beobachteten eine Menge Zeugen eine Art Prozession von Lichtkugeln, die sich von Nordwest nach Südost bewegten. Unter den Zeugen befanden sich auch zwei sehr zuverlässige Astronomen.
Tags darauf wurde diese Prozession aus Lichtern erneut gesehen. Sie bewegte sich in mehreren Gruppen von drei oder sieben Lichtern, welche sich dunkel vom Himmel abzeichneten.
So wurden auch Jahre später immer wieder verschiedene Arten von mysteriösen Lichtern entdeckt. Sie wurden von allen Ufern aus gesehen.
In den 70er Jahren verstärkte sich in der Gegend die Sichtung von UFOs. Dabei wurde von goldenen, roten, grünen und weißen Lichtern berichtet, die dicht über dem Wasserspiegel flogen.

Wirklich übernatürliche Phänomene?

Wie in vielen Fällen, bei denen man gerne von übernatürlichen Kräften spricht, lassen sich auch hier viele Erscheinungen und Vorkommnisse mit natürlichen Mitteln erklären.
Wenn man bedenkt, dass starke Stürme die flachen Seen schnell aufpeitschen können und dadurch große Wellen entstehen, ist es schon leichter zu verstehen, dass Schiffe plötzlich versenkt oder Menschen an den Küsten überrascht werden. Die Meteorologen sind sich zwar nicht hundertprozentig einig darüber, wie die genauen physikalischen Abläufe sind, aber man weiß, dass es sich bei den Wellen um Brecher handelt, wie sie eigentlich auf dem Atlantik vorkommen; ihn komplett durchwandern können. Schon kleine Erdverschiebungen am Grund der Seen können solche Wellen auch in den Süßwasserseen entstehen lassen.
Hinzu kommt die Richtung der Wellen auf den Gewässern. Im Falle der großen Seen verlaufen die Wellen oft mit dem Wind, was das Segeln gefährlicher macht. Eine vereinfachte Erklärung macht deutlich, weshalb das so ist. Wenn ein Boot den Wellen die Breitseite bietet, neigt es dazu, sie anzuschneiden oder gefährlich in den Wellentälern zu rollen. Wenn es vor den Wellen her segelt, kann es von hinten von ihnen überrollt werden. Sie schlagen über dem Heck des Schiffes zusammen und versenken es.
Die plötzliche und starke Nebelbildung lässt sich auch mit natürlichen Mitteln erklären. Man muss die vorherrschenden Wetterverhältnisse in Betracht ziehen. Viele Flugzeuge wurden auch mit abgerissenen Flügeln gefunden, was auch nicht ungewöhnlich ist, denn es gibt in der Gegend oft große Schwärme von kanadischen Wildgänsen, die keine kleinen Vögel sind. Wenn eines der kleinen Flugzeuge, die häufig über die Gewässer fliegen, mit solch einem Schwarm kollidiert, kann es sehr schnell an den leichten Tragflächen zu Beschädigungen kommen, die zu einem Abriss und letztendlich zu einem Absturz des Flugzeuges führen.
Eine Absturzursache von Flugzeugen, die kurz vor der Landung auftreten kann, wenn der Pilot unerfahren ist, besteht darin, dass durch fliegen von Warteschleifen während des Wartens auf Landeerlaubnis die Geschwindigkeit des Flugzeuges derart reduziert, dass es sich nicht mehr in der Luft halten kann und zu trudeln anfängt.
Wenn ein Pilot den Instrumentenflug beherrscht, macht ihm ein noch so dicker Nebel nichts aus, weil er keine Sicht braucht. Allein durch die Instrumente wird das Flugzeug gesteuert, wobei Nebel keine Rolle spielt. Fliegt man jedoch nur auf Sicht, ist es nicht erstaunlich, wenn man die Kontrolle verliert. Da die meisten Piloten, die sich im Luftraum über den Seen befinden, unerfahren sind, ist das eine häufige Unfallursache.
Und es gibt noch eine Ursache, die Flugzeuge zum Absturz bringt. Es geht hierbei um die Vereisung der Vergaser. Dieses Problem tritt im Bereich der großen Seen sehr häufig auf. Das Klima um die Seen herum ist im Sommer etwas kühler, als andere Bereiche. Die Vergaser der Flugzeugmotoren können Temperaturen haben, die bis zu 40°C unterhalb der Umgebungstemperatur liegen. So kommt es schnell zur Vereisung und damit zum Versagen der Motoren, was einen Absturz zur Folge hat, wenn nicht schnell geung die Enteisungsvorrichtungen eingeschaltet werden.
Auch das überhitzte F-94-Cockpit hat eine ganz einfache Erklärung. Die Piloten waren bereits auf dem Rückweg zur Basis, nachdem sie feststellten, dass das gesichtete Flugobjekt ein nicht feindliches Flugzeug war. Dann brach im vorderen Teil der Maschine ein Feuer aus, welches die Insassen dazu zwang, sich mit dem Schleudersitz zu retten. Dies berichtete die Zeitung „Buffalo Courier Express“ 14 Tage nach dem Unfall.
Die mysteriösen Lichter, die in verschiedenen Farben meist in den „dunkleren“ Monaten gesichtet wurden, lassen sich mit den Positionslichtern kleinerer Flugzeuge erklären, die sich auch noch in der Wasseroberfläche spiegeln. Andere Lichter, die stetig strahlten, waren die Lichter der Fahrzeuge auf den Strassen, die in der Umgebung verlaufen.
Alles in allem sind die mysteriösen Vorfälle, die die Seen so geheimnisumwoben machen, mit natürlichen Mitteln erklärbar. Somit sind die Spekulationen, die die Gewässer so „mysteriös“ machen, hier fehl am Platze.

Literatur

Jay Gourley / The Great Lakes Triangle (Das Dreieck der großen Seen)
Paperback
Verlag: Great Britain Fontana 1977
ISBN: 000635081X
Hugh F. Cochrane / Gateway to Oblivion- The Great Lakes Vortex (Tor ins Verderben)
Hardcover
Verlag: W. H. Allen, London
Seiten: 182
ISBN: 0491 02992 6

Quellen

Informationen:
Buch “Geheimnisvolle Phänomene” (Moewig-Verlag)
http://www.wikipedia.de

Bilder:
http://www.wikipedia.de
http://www.hamilton-scourge.city.hamilton.on.ca
http://www.indcjournal.com
Buch “Geheimnisvolle Phänomene” (Moewig-Verlag)

© Tommy Tohang 2007

 

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