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Mythen und Wirklichkeiten

Die Legenden von Glamis Castle

Was wäre ein Schloss ohne Geister?
Um die Castles in Schottland ranken sich viele Legenden und Mythen. In Jahrhunderten haben sich Wahrheit und Dichtung vermischt, sodass heute niemand weiß, wo Überlieferung endet und Fantasie beginnt.

Glamis Castle, eines der bekanntesten Spukschlösser Schottlands, liegt eingebettet zwischen Hügeln in der Nähe von Glamis in Angus. Lange bevor der irische Missionar Fergus 710 n. Chr. das Christentum verbreitete, lebten dort die Pikten. Seit Sir John Lyon die Tochter des Königs Robert II. ehelichte, gehört das Anwesen bis heute der Lyon-Linie. Sein Sohn, ebenfalls Sir John Lyon, begann etwa 1445 mit dem Bau von Glamis Castle, dem heutigen Ostflügel. Er nannte sich Lord Glamis. Ab dem 16. Jahrhundert wurde es großzügig erweitert und war im 18. und 19. Jahrhundert königliche Residenz.
Elizabeth Bowers-Lyon, besser bekannt als »Queen Mum« verbrachte einen Teil ihrer Kindheit im Schloss und es ist der Geburtsort ihrer Tochter Prinzessin Margret. Ein Bild des Castles ist auf der Zehn-Pfund-Note abgebildet.

Schloss und Bewohner haben viel durchlebt: Kriege und Revolutionen, die Tod und Tränen kosteten, finanzielle Miseren, Tragödien, Inhaftierung und Folter, aber auch Glück.

Die berühmteste Legende ist die des Monsters von Glamis. Im Jahr 1821 soll ein Sohn des elften Earls abscheulich entstellt zur Welt gekommen sein. Der Tod von Thomas, wie man das Kind bei der Geburt taufte, wurde bekanntgegeben, doch Gerüchte über dessen Überleben verbreiteten sich. Die Familie hielt Thomas der Öffentlichkeit fern und versteckte ihn sein Leben lang hinter dicken Schlossmauern. Er soll ein hohes Alter erreicht haben. Umstand und Todeszeitpunkt sind unbekannt, ebenso wurde nie ein Grabstein errichtet. Nach seinem Tod wurde die Kammer, die er bewohnte, zugemauert. Das Geheimnis um Thomas wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben, sobald letzterer das 21. Lebensjahr erreicht hatte.
Im Schloss soll ein Gemälde hängen, auf dem eine Gestalt in Ritterrüstung mit unproportional langen Armen und Beinen abgebildet ist, die das Monster darstellen soll. Desweiteren sind Gerüchte im Umlauf, dass ein Arbeiter bei Renovierungen eine Mauer zu der besagten Kammer durchbrach. Mit einer hohen Geldsumme wurde sein Schweigen erkauft.

Gäste sollen Tücher aus allen Fenstern der zugänglichen Räume gehängt haben, um den zugemauerten Raum des Monsters zu finden. Als sie das Schloss von außen betrachteten, hingen aus mehreren Fenstern keine Tücher. Möglicherweise basiert die Monsterlegende auf der wahren Geschichte der Familie Ogilvie. Die Familienmitglieder hatten sich vor ihren Feinden, den Lindsays, im Schloss versteckt, doch sie wurden verraten und bei lebendigem Leib eingemauert. Irgendwo in den Gemäuern befindet sich der Knochenraum mit den sterblichen Überresten der Ogilvies.

In der kleinen Kapelle im Schloss ist stets ein Platz für die »Graue Lady« reserviert. Die Kapelle wird noch immer regelmäßig von den Besitzern genutzt, doch es ist niemandem gestattet, auf dem reservierten Platz zu sitzen. Möglicherweise ist es der Geist von Lady Janet. Vor über 400 Jahren hatte der 6. Lord of Glamis die schöne Janet Douglas geheiratet. Nach dem Tode ihres Ehemannes 1528 bekam sie den Zorn von König James zu spüren, der als rachsüchtig und rücksichtslos galt und die Linie der Douglas hasste. Er bezichtigte Lady Janet und ihren Sohn der Hexerei. Königliche Dekrete und Urkunden sind aus dieser Zeit noch vorhanden. Lady Janets Clanmitglieder, ihre Diener sowie ihr 16jähriger Sohn und sie selbst wurden unter Folter zu Geständnissen gezwungen. Nach jahrelanger Einkerkerung wurde sie am 17. Juli 1537 in Edinburgh Castle auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach der Hinrichtung wurde Lady Grey zum ersten Mal gesehen. Ihr Sohn John wurde nach dem Tode des Königs freigelassen und erhielt sein Erbe Glamis Castle zurück.
Der Tod von Lady Janet beruhte nicht auf dem Glauben an Hexerei, vielmehr war es Rache. James Mutter Margaret Tudor, die die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn übernahm, ehelichte Archibald Douglas, den Bruder von Lady Janet Douglas, der den Jungen wie einen Gefangenen hielt. Seine Mutter verhalf James zur Herrschaft. Er entmachtete Archibald, der nach England floh, und richtete seinen Hass auf Archibalds Schwester, Janet of Glamis.

Earl Beardie, begeisterter Kartenspieler, war Gast auf Glamis Castle und spielte mit dem Earl of Glamis am Samstagabend Karten. Es ging auf Mitternacht zu, doch Earl Beardie wollte das Spiel nicht beenden. Es war jedoch ein Sakrileg, am Sabbat zu spielen und wurde ihm verweigert. Der betrunkene Lord tobte und schrie, er würde auch mit dem Teufel spielen. Daraufhin erschien ein Fremder im Schloss, der nach ihm verlangte und ihm ein Spiel vorschlug. Sie schlossen sich in einem Raum ein. Als ein Diener durch das Schlüsselloch spähte, wurde er von einem Lichtstrahl geblendet. Noch heute soll der Lord unter Gezeter und Geschrei mit dem Teufel um seine Seele spielen.

Ein Teil des fünfstöckigen Prachtbaus wurde von ihren Besitzern, den Earls of Strathmore, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bei den Führungen besichtigt man exklusive Räumlichkeiten und erfährt einiges über historische Begebenheiten. Die Außenanlage umfasst 5.700 Hektar mit Gärten, Wanderwegen und landwirtschaftlicher Fläche. Durch das Anwesen fließen zwei Flüsse. In den Gärten sind eine Vielzahl von Pflanzen und teilweise unter Naturschutz stehende Tiere beheimatet.
Hohen Bekanntheitsgrad erhielt das Schloss als Kulisse in Shakespeares Tragödie »Macbeth.« Doch zu Macbeths Lebzeiten im 11. Jahrhundert existierte das Anwesen noch nicht.

Quellen:

Copyright © 2010 by Andrea Hoch


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