| Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Mysteriöse Phänomene - Das Jagdschloss des Kaisers | |||||||||
|
|||||||||
![]() |
![]() |
|
Das kaiserliche Jagdschloss um 1875 |
Das Schloss heute |
Unzählige Jagdtrophäen, Holzschnitzwerke und Aquarelle schmücken das Innere des Schlosses. Die Räumlichkeiten der kaiserlichen Familie sind zweckmäßig eingerichtet, der Salon, der als Empfangsraum diente, ist üppiger ausgestattet.


Die Vorbereitungsarbeiten für die Hofjagden liefen nach einem exakt erstellten Terminplan ab und verlangten von Jagdleitern und Jagdpersonal eiserne Disziplin. Die Standplätze der Jagdgäste wurden genau festgelegt, sowie Beginn und Ende der Jagd. Bis zu 100 Mann an Gewehrträgern und Treibern waren von Nöten, um die Jagd zu einem Erfolgserlebnis für die Gäste zu gestalten. Für den Transport der Hoheiten wurden zwei- und viersitzige Wagen verwendet. Am Abend versammelten sich Gäste und Gefolge nach dem Abendmahl im Schlosspark, wo die Streckenlegung stattfand. (Das erlegte Wild wird in einer bestimmten Reihenfolge gebettet und die Jäger zollen ihm Respekt. Siehe Bild rechts unten)


Von Wien bis nach Neuberg benutzte der Kaiser den Hofzug, danach ging es mit der Kutsche nach Mürzsteg. Schon bei der Bahnfahrt trug der Kaiser seine graue Jägertracht. Bei der Jagd selbst wurde die lange Hose mit der kurzen Gamsledernen und grünen Wadenstrümpfen vertauscht.
Der Aufstieg in die Berge erfolgte zu Fuß oder auf dem Pferd. Keine körperliche Anstrengung war dem Kaiser zu groß, wenn es galt, ins Hochgebirge zu steigen, seine Büchse trug er immer selbst, eine zweite sein Leibjäger.
Ein besonderer Vorfall ereignete sich während der Hofjagd im Jahre 1886, welcher aber erst nach dem Tod des Kronprinzen Rudolf bekannt wurde. Der Förster des ehemaligen K. & K. Jagdreviers ging Gerüchten nach und kam so dem Geheimnis auf die Spur.
Die Jagd ging im besagten Jahr bereits dem Ende zu, als der Kronprinz ein Rudel Hochwild sah. Er beschoss es und verließ gegen die Regeln seinen Stand und verfolgte schießend das Wild. Er kam dem Stand des Kaisers näher und eine Kugel traf einen seitlich hinter dem Kaiser sitzenden Jäger. Der Mann erhielt als Entschädigung 50 Gulden. Ab diesem Zeitpunkt ging der Kaiser nie mehr mit Kronprinz Rudolf gemeinsam zur Jagd.
1903 weilte der russische Zar Nikolaus II. als Gast des Kaisers im Jagdschloss. Die beiden Monarchen arbeiteten Reformierungen aus und gingen auf die Jagd. Für die Gemeindebürger war die Begegnung mit dem Zaren ein unvergessliches Ereignis. Bevor der Zar sich verabschiedete, überreichte er den Honoratioren des Ortes, die sich vor dem Schloss versammelt hatten, Gastgeschenke wie Uhren und Orden.
Ohne das Geschick des damaligen Verwalters hätte das Schloss die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht unbeschadet überstanden. Der kluge Mann konnte einem russischen General die geschichtliche Bedeutung des Hauses klarmachen. Ein Zettel, den der General an das Schlosstor hängte, ließ alle russischen Soldaten ohne Plünderungen umkehren.
1947 wurde durch einen Ministerratsbeschluss das Schloss zum Sommersitz des jeweiligen Bundespräsidenten ernannt. Einige der Präsidenten verbrachten viel Zeit in Mürzsteg, waren naturverbunden, erkundeten Berge und Almen und pflegten einen herzlichen Umgang mit den Einwohnern.
Die Sage um das Tote Weib
Im Laufe der Zeit haben sich mehrere Wasserfälle den Weg aus dem Inneren des Felsens ins Freie gebahnt. Den größeren nennt man das »Tote Weib«. Über die Herkunft des Namens gibt es verschiedene Sagen, doch eines haben sie gemeinsam - den Tod einer Frau.
Früher führte zur Felsöffnung eine steile Holztreppe empor, an deren Fuß eine Eremitage stand, die 1876 von einer Lawine zerstört wurde. Ein gusseisernes Kreuz hoch oben auf dem Fels sieht man heute noch.


Zwei Sagen aus dem Volksmund
Ein junges Ehepaar lebte mit zwei kleinen Kindern in der Nähe des Wasserfalls. Ein junger Holzknecht kam oft an der Hütte des Paares vorbei, obwohl der Bauer dies nicht gerne sah. Der Bursche versuchte, die Bäuerin mit Geschenken zu erobern. Das Ehepaar geriet öfters in Streit, der Bauer verbot seiner Frau, den Burschen wiederzusehen. Eines Tages, als die beiden stritten, eilte die junge Frau aus dem Haus und verschwand mit dem jungen Holzknecht. Nach einigen Tagen fand man die zerschmetterte Leiche der Frau am Fuße des Wasserfalls.
In früheren Jahren dauerte die Militärzeit sieben und mehr Jahre, die Soldaten wurden oft grausam behandelt. Häufig flüchteten die jungen Männer und versteckten sich in den Bergen, um nicht einrücken zu müssen. Viele von den Flüchtigen wurden von den Fängern verhaftet und in den Soldatenrock gesteckt.
Ein Bauernbursche hatte solches Heimweh und Sehnsucht nach seiner Braut, einer hübschen Sennerin, dass er von seiner Truppe floh. Er wurde gefasst und bestraft. Er flüchtete ein zweites Mal und wurde zum Tode verurteilt. Aus Gram über den Tod ihres Liebsten hat sich die Sennerin vom Felsen gestürzt.
Quelle: Mürzsteg im Wandel der Zeit, Franz F. Seidl
Copyright © 2010 by Andrea Hoch