Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Mysteriöse Phänomene - Aberglauben im Lebenskreis - Teil 4


Mythen und Wirklichkeiten

Aberglauben im Lebenskreis

Von fast vergessenen Sitten und Gebräuchen von der Geburt bis zum Tod

In früheren Zeiten war das Leben eines Menschen von seiner Zeugung bis zum Tod von bestimmten Sitten und Gebräuchen begleitet, auf deren Einhaltung man sorgfältig achtete. Böse Geister, Dämonen oder gar der Teufel selbst waren allgegenwärtig und versuchten einem die Seele zu entreißen oder auf ewig zu verdammen.
In diesen Zeiten ist der Ursprung des Begriffs Aberglauben zu suchen, denn alles, was damals dem religiösen Glauben gegenüberstand, wurde abschätzig als solcher bezeichnet. Aberglauben gilt heute noch als irrational, nutzlos, unvernünftig und unwissenschaftlich.
Doch selbst in einer modernen Welt wie der unseren finden wir noch viele dieser Rituale und Bräuche, gerade in ländlichen Gegenden, bei streng gläubigen Menschen oder solchen mit geringer Bildung.

Teil 4

Vom Sterben und dem Tod

Selbst beim Thema Tod gibt es im Europa des Jahres 2010 noch unzählige Hinweise auf abergläubische Riten und Handlungen. So war zum Beispiel die Farbe Weiß (was viele heute nicht mehr wissen) eigentlich in den meisten ländlichen Gegenden die ursprüngliche Farbe des Todes und der Trauer, und nicht schwarz. Vermutlich, weil der Volksglaube mit dieser Farbe Tod und Geister verbindet, die mit den Herbstnebeln zu den Menschen kommen.
Weiße Gespenster spuken in den Burgen, Gevatter Tod trägt ein weißes Gewand, der weiße Hirsch gilt in Tirol als ein Symbol des nahen Todes und in so manchen Alpenregionen ist die traditionelle Trauerkleidung immer noch weiß.
Um dem Sterbenden einen sicheren Übergang in die Ewigkeit zu ermöglichen, ersann man viele Bräuche, die verhindern sollten, dass die das Bett umlagernden Geister und Dämonen seiner Seele habhaft werden konnten. So reichte man ihm im Rheingau den sogenannten Sterbewein, der extra für diesen Zweck gekeltert und gesegnet war. Andernorts stand das Fenster weit offen, oder ein Ziegel war aus dem Dach entfernt, damit die Seele leichter entweichen konnte.
Oft wurden auch Spiegel verhängt, damit sich der Geist des Toten nicht in ihnen verfing und sich leichter vom Leben lösen konnte. In vielen Gegenden galten Spiegel nämlich als Werkzeug des Teufels und Sitz der Totengeister.
Im Aberglauben der Menschen früherer Tage spielte auch die Tauf- (Kommunions-) Kerze oder eine rote Wachskerze eine wichtige Rolle, da sie angeblich die Gebete der Familienangehörigen in den Himmel trug und den göttlichen Segen herbeirief. Weil auch dem Wasser eine läuternde und reinigende Kraft nachgesagt wurde, bespritzte man oftmals damit den Sterbenden.

Einige dieser abergläubischen Rituale haben sich bis in unsere heutige Zeit gehalten. Man denke nur an jene Handlung, die tagtäglich, dort wo ein Mensch gestorben ist, immer noch, wenn auch unbewusst, angewandt wird. Die Rede ist hier von der Geste, dem Toten die Augen, mancherorts auch den Mund zu schließen.
Zu früheren Zeiten glaubte man, dass der Blick des Verstorbenen den nach sich ziehen würde, den er traf. In manchen Gegenden legte man dem Toten zusätzlich noch ein Goldstück auf die Augen.
Taucht man noch tiefer in den Kosmos des Aberglaubens und in die Urängste der Menschheit ein, so findet man immer mehr Dinge, die auch heute noch in unserer modernen, scheinbar aufgeklärten Welt Bestand haben.
Man denke nur an jene Regel. die besagt, das man bei einer Totenfeier auf die Gästezahl achten sollte, denn sind es dreizehn Gäste, stirbt einer davon bald - Freitag der 13. lässt grüßen.
Und wer kennt nicht jene Aussagen, wo jemand aus der Familie stirbt, wenn an Allerheiligen noch eine Rose im Garten blüht, sich ein Käuzchen auf das Dach setzt und schreit oder die Behauptung, das jener bald dahinscheiden muss, dem ein Gegenstand ins Grab gefallen war.
Auch unser heutiger Kalender ist noch voll von abergläubischen Hinweisen auf Unglück und Tod.
Stellvertretend für all diese will ich hier nur die bekanntesten aufzählen.
Um Vieh und Gebäude vor Tod und Verderben zu schützen, sollte man in der Walpurgisnacht, also am 30. April, geweihtes Salz auf die Türschwellen der Ställe und Häuser streuen.
Man sollte am Gründonnerstag keine Wäsche aufhängen, da dies zu Todesfällen in der Familie führt und wer am Karfreitag stirbt, wird selig. In den Raunächten, 25. Dezember bis 6. Januar, darf keine Wäsche gewaschen werden, will man Leid und Tod von Haus und Familie abhalten.
All dies sind nur Auszüge aus den vielfältigen Bräuchen, die es noch heute in jedem Land, jeder Region oder jedem Dorf gibt. Ein ausführlicher Artikel darüber würde deshalb nicht nur den Umfang dieser kleinen Kolumne, sondern wahrscheinlich auch den des gesamten Onlinemagazins sprengen.
Für solche, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, sind Seiten im Netz zu empfehlen, bei denen man den Begriffen Aberglauben und Tod die Bezeichnung gewisser Regionen anhängt.
Auf einige der informativsten Seiten hierzu stößt man, wenn man bei Google den Text Aberglauben in der Normandie eingibt und bei den Ergebnissen dann auf den Artikel Todesomen klickt, oder bei www.sagen.at unter Traditionelle Sagen nachsieht.
Mit diesem Hinweis beende ich nun unsere kleine Exkursion zum Thema Aberglauben, jedoch nicht ohne noch einen Nachtrag zu verfassen.
Wer sich mit dem Thema Aberglauben beschäftigt und seine unglaubliche Präsenz, die selbst im Alltag unseres Jahrhunderts noch vorhanden ist, erkennt, muss sich die Frage gefallen lassen, warum erlauben wir uns, manche Völker in Südamerika, Asien oder Afrika als Heiden und Barbaren zu bezeichnen?
Wenn man gewisse Bücher gelesen hat, muss man sich fragen, wer eigentlich die wahren Barbaren und Heiden sind.

Copyright © 2010 by C.C. Slaterman


© by 2010
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox