
Kunst und Handwerk

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Die Entstehung des Schuhs
Archäologische Funde und zeitgenössische Abbildungen lassen den Schluss zu, dass im Mittelalter (800 bis etwa 1500 n. Chr.) innerhalb des nördlichen und mittleren Europas in den städtischen Siedlungen hauptsächlich Lederschuhe nach wendegenähter Machart (zunächst auf links genäht und anschließend auf rechts gewendet) getragen wurden, die zudem modischen Einflüssen (vor allem im Hochmittelalter) ausgesetzt waren.
Die Schafthöhe und -schnitt dieser Wendeschuhe wurden ab Beginn des 12. Jahrhunderts vielfältig, es gab – je nach Verschlussart, Schnür-, Knöpf-, Schlupf- und Riemenschuhe, im 13. Jahrhundert auch Stiefel. Im 11. und 12. Jahrhundert dominierten konisch zulaufende Schuhspitzen und spitze Fersen. In den nächsten 150 Jahren eher runde Formen, die ihrerseits von extravaganten spitzen Formen im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts abgelöst wurden. Denn nach den Kreuzzügen wurde bei der Oberschicht feines Schuhwerk nach orientalischem Vorbild (?) modern, welches vorne aufgebogen und spitz zulief (so genannte Schnabelschuhe), wobei die Länge der Spitze die Zugehörigkeit zu einem Stand kennzeichnete und in Kleiderordnungen streng reglementiert war. Besondere Ausprägung fand diese Mode im 14. Jahrhundert.
So um 1830 setzte dann die Massenfertigung von Schuhen ein. Die industrielle Revolution brachte neue technische Erfindungen mit sich. Mit den neuen Nähmaschinen entstand die Schuhindustrie. Dennoch blieb das Schuhmacherhandwerk wichtig, allerdings ermöglichte die industrielle Herstellung ganz andere Schuhpreise.
Soviel zusammengefasst zur Entstehungsgeschichte des Schuhs!
Nun habe ich noch eine Bauanleitung für einen Mittelalter-Schuh für euch!

Bauanleitung Mittelalter-Schuhe
(Wendegenähte Halbschuhe)
Aber bevor es los geht, möchte ich mich noch bei Thomas Schmidt bedanken, der mir freundlicherweise Text und Bilder zur Verfügung stellte.
Unter www.fabricus.de könnt ihr noch andere interessanten Sachen finden.
Wendegenähte Schuhe sind teuer - es sei denn, man näht sie selbst.
Auf die hier beschriebene Weise kosten euch die Schuhe weniger als 10 Euro und ca. 5 Stunden Arbeitszeit. Jeder Schuh besteht aus 2 Teilen: der Sohle und dem Schaft. Diese werden "auf links" zusammengenäht und dann gewendet - daher der Name. Die Schnürung liegt auf der Innenseite des Fußes.
Dieses benötigt ihr um den Schuh zu nähen:
Werkzeug:
sehr scharfes Messer
Schere (nur für das Schnittmuster)
Ahle (zum Nahtlöcher Vorstechen)
2 stumpfe Stopfnadeln / Sattlernadeln
Holzstab (Kochlöffel)
Brett (als Unterlage zum Leder schneiden)
Weichholz-Brettchen (als Unterlage beim Löcher stechen)
Edding oder Filzschreiber
Lochzange
Klebstoff (für Leder geeignet z.B. UHU Kraft lösemittelhaltig)
Material:
für das Schnittmuster
Stoff, ca. 30*50 cm; möglichst steif; nicht schwarz (sonst sieht man die Linien vom Edding nicht)
dünne Pappe (ein wenig breiter und ca. 10 cm länger als Dein Fuß)
für den Schuh
Leder (ca. 50*60 cm; 1,5 mm stark und weich / flexibel)
Nähfaden (z.B. "Leinen-Kärtchenzwirn")
Schuhbänder (ca. 45 cm, dünn, rund)
"ein Maul voll" Öl (z.B. Olivenöl, um das Leder zu imprägnieren)
Wenn ich von der "Narbenseite" des Leders spreche, ist das die glatte Seite, die später außen sein soll.
Die Fleischseite ist also die raue, "fusselige" Seite, sie liegt dann innen im Schuh. Nun zur Bauanleitung:
Auf die Pappe wird der Umriss von Deinem Fuß aufgezeichnet,
mit einer schönen, langen Spitze dran.
Der Fuß wird auf die Pappe gestellt, jetzt kommt der Schaft dran.
Der Stoff wird um den Fuß rumgelegt
und der Umriss der Papp-Sohle mit dem Edding aufgezeichnet
(deswegen also kein schwarzer Stoff).
Dabei soll der Stoff faltenfrei anliegen - von der Innenseite des Fußes hinten
um Ferse, vor zur Spitze und zurück zur Ferse.
Beim Abnehmen des Stoffs sollte dieser Umriss zum Vorschein kommen:
Sinnvoll ist, beim Maßnehmen dicke Socken zu tragen, damit der Schuh nicht zu eng wird.
Wer empfindliche Füße hat, sollte zusätzlich eine Einlegesohle unterlegen.
Die Öffnung oben am Schuh in Richtung Bein nicht zu weit anzeichnen, sonst sitzt der Schuh zu locker.
Wenn jetzt das Schnittmuster am Fuß angelegt wird, sind letzte Korrekturen möglich.
Nun wird der Schnitt auf das Leder übertragen.
Sohle und Schaft müssen jeweils zweifach ausgeschnitten werden.
Also: Schnittmuster einmal auflegen und anzeichnen, Schnittmuster umklappen und noch mal aufzeichnen.
Damit hat man 2 spiegelbildliche Sohlen und 2 Schäfte.
Zum Ausschneiden der Lederstücken habe ich ein eigenes Messer gemacht,
oder man nimmt ein dünnes Messerchen mit einer so genannten Abbrechklinge.
Man kann nun einfach Sohle und Schaft Spitze auf Spitze zusammenlegen und los nähen (Narbenseite auf Narbenseite!).
Kleiner Tipp:
Klebt beide Teile aufeinander, dann verrutscht nix mehr.
Während der Klebstoff antrocknet, kann man den Nähfaden ablängen.
Der Faden sollte dreieinhalb- bis viermal so lang sein, wie die Naht.
(hier ist zu sehen, wie lang EINE Naht ist!)
Die Nahtlöcher werden mit einer Ahle vor gestochen. (5mm Abstand zueinander, 4mm Abstand zum Rand)
Ich steche nicht die ganze Naht sondern immer kleine Abschnitte (die Löcher schließen sich nämlich wieder).
Natürlich könnte man die beiden Lederteile auch direkt zusammennähen (wenn man spitze Nadeln und Fingerkuppen aus Stahl hat ;-)
Mit den stumpfen Nadeln verringert man aber die Gefahr, durch den Faden zu stechen.
Der Faden wird durch ein Stück Bienenwachs gezogen, um ihn haltbarer zu machen.
Als Stich verwende ich den "Zweifachen" oder "Schusterstich".
Auf jede Seite des Fadens wird eine Nadel gefädelt und immer gegeneinander durch das Leder gestochen.
Außer beim ersten Loch laufen also 2 Fäden durch jedes Loch.
Die Naht beginnt an der Ferse, läuft um die Spitze und endet (vorläufig) wieder an der Ferse.
Die Nadeln bleiben noch eingefädelt!
Der Schuh muss nach dem Nähen gewendet werden.
Um die Spitze richtig durchzudrücken brauchst Du den Holzstab.
Das Leder darf dafür nicht zu dick und nicht zu steif sein, sonst geht das nicht.
Solltest Du versehentlich zu dickes Leder erwischt haben, kann man versuchen, es nass zu machen (15 min in einen Eimer lauwarmes Wasser) und dann zu wenden.
Rein subjektiv musst Du beim Einkaufen das Gefühl haben: "dieses Leder ist zu dünn, da wird nie ein gescheiter Schuh draus" - dann ist es genau richtig :)
Nun wird die Naht noch 1 bis 2 Zentimeter nach oben geschlossen und der Faden innen im Schuh verknotet.
Zum Schluss werden 6 Löcher mit der Lochzange gemacht, um die Schuhbänder
einfädeln zu können.
Und so sehen die Schuhe fertig aus:
Der fertige Schuh bekommt eine Wasserfest-Behandlung mit Öl.
Jetzt dürften Dir die Fingerkuppen wehtun - aber was ist das schon gegen das Gefühl, selbst ein paar authentische Schuhe gemacht zu haben?
Und die sind 100% massgefertigt!
Gutes Gelingen wünscht
- fabricus -
Text und Bilder von Thomas Schmidt (fabricus)
Story von Achim Reutlinger
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