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Kunst und Handwerk

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Die Kettenrüstung oder der Kettenpanzer

Bevor es losgeht, möchte ich mich noch beim -Redakteur Bernhard Weißbecker bedanken, der mir freundlicherweise Text und Bilder zur Verfügung stellte.
Unter www.bweissb.de könnt ihr noch andere interessanten Sachen finden.

Als Kettenrüstung oder Kettenpanzer bezeichnet man eine Rüstung, die aus zahlreichen, ineinander verflochtenen und oft auch vernieteten kleinen Metallringen aus Draht besteht.

Wann genau die Kettenrüstung erfunden wurde, ist nicht bekannt. Man vermutet, dass die Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr. die ersten Träger von Kettenhemden waren. Aber ganz sicher ist man da nicht!
Auch bei den Römern fand das Kettenhemd unter der Bezeichnung Lorica Hamata Verwendung. Das römische Kettenhemd war kurzärmelig und reichte bis zur Mitte der Oberschenkel. Als Raffinesse konnte man noch das Kettenhemd mit einem Kragenteil aus Kettengeflecht versehen. Neben zahlreichen anderen Rüstungsarten wurde die Kettenrüstung bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. ein fester Bestandteil. Auch die Germanen übernahmen es zu ihrer Ausrüstung.

Die Kettenrüstungen oder das Kettenhemd wurden meistens aus Eisenringen gefertigt, da andere Materialien wie z.B. Bronze für das Drahtziehen und Anfertigen von Ringen weniger geeignet waren. Nachdem das Weströmische Reich zerbrach, gab es lange Zeit in Europa nur wenige Rüstungsindustrien. So war es kein Wunder dass eine Kettenrüstung für normale Bürger fast unerschwinglich war!
Aber es kamen da noch diverse Arten von günstigeren Textil- und Lederrüstungen in Frage, zu denen auch der Schuppenpanzer zählte.


Schuppenpanzer (links) und Kettenhandschuh

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde das Kettenhemd zu einer wichtigen Rüstungsform der Ritter. Durch die Kreuzzüge gegen den Orient wurde es wieder in Europa eingeführt. Neben dem Kettenpanzer trug man Kettenhandschuhe, den Topfhelm und die Helmbrünne.
Da die mittelalterliche Kettenrüstung den größten Teil des Körpers schützte, bestand sie meist aus über zehntausend Ringen, die ineinander vernietet wurden.
So sollten sie das Aufplatzen durch Pfeilschüsse erschweren. Da es äußerst aufwändig war, eine solche Kettenrüstung herzustellen, waren die Preise zunächst nur für wohlhabende Adlige erträglich.

Die Hersteller von Kettenrüstungen nannte man in Deutschland Panzermacher oder Sarwürker. Die Panzermacher waren, wie damals üblich, in einer Zunft zusammengefasst. Die größte Zunft ihrer Art gab es im Deutschen Reich.

Kettenrüstungen boten einen sehr guten Schutz vor Schnittverletzungen, aber gegen wuchtige Hiebe durch Äxte, Lanzenstiche oder weittragende Pfeile boten die Kettenhemden keinen besonders guten Schutz. Deshalb wurde ab dem Hochmittelalter unter der Kettenrüstung eine Textilrüstung getragen. Diese wurde als Gambeson bezeichnete. Durch diese Unterbekleidung war das Tragen einer Kettenrüstung relativ angenehmer und dadurch erhöhte sich der Schutz, einer Kettenrüstung vor Hieb- und Stichwaffen. Über der Kettenrüstung wurde ein Wappenrock (auch Waffenrock) getragen.
Der größte Nachteil an einer Kettenrüstung war das Gewicht, das auf den Schultern des Trägers lastete. Durch einen Gürtel der um Hüfte geschlungen wurde, verteilte man das Gewicht auf den Beckenbereich. Aber immer noch bot das Kettenhemd nur wenig Schutz gegen Lanzenstiche, Streitaxthiebe, Armbrustbolzen und Pfeile, die mit einem Langbogen abgefeuert wurden. Deshalb versuchte man ab dem 13. Jahrhunderts die Kettenrüstung mit Metallplatten zu verstärken oder zu ersetzen. So begannen die Ritter ihre Rüstungen mit einem Brustpanzer zu schützen. Er war dem Körper angepasst und aus Eisenplatten zusammengenietet. Zum Brustpanzer kamen im Laufe der Zeit immer weitere eiserne Teile, die wichtige Körperteile schützen sollten. Daraus entwickelte sich der Plattenpanzer (Allerdings bietet auch ein Plattenpanzer keinen kompletten Schutz vor Armbrustbolzen oder Langbogen-Pfeilen).


Plattenpanzer, aufgenommen in Schloss Homburg

Da ein Plattenpanzer aber möglichst flexibel sein musste, blieben bestimmte Körperteile wie die Achseln und der Genitalbereich ungeschützt. Deshalb trug man noch längere Zeit, nach Aufkommen des Plattenpanzers, ein Kettenhemd unter dem Harnisch, oder man schützte zumindest die Lücken, die der Plattenpanzer ließ, durch Kettengeflecht. Bei einfachem Fußvolk war es zum Beispiel während des 16. Jahrhunderts üblich, einen Hals- und Nackenschutz aus Kettengeflecht - den so genannten Bischofskragen - zu verwenden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam zwar ein Genitalschutz für Plattenpanzer - die so genannte Brayette - auf, diese konnte aber auf dem Rücken eines Pferdes nicht getragen werden, weshalb auch in diesem empfindlichen Bereich manchmal noch Kette verwendet wurde. Auch in Fechtkämpfen kam es noch längere Zeit vor, dass man unter der Kleidung ein Kettenhemd trug.

WIR BASTELN UNS EIN KETTENHEMD

Alles was Sie brauchen, um sich Ihr eigenes Kettenhemd zu basteln, ist Folgendes:

a. Eine große Menge von Metallringen (etwa 15.000)
b. Zwei oder drei Zangen
c. Viel Zeit (über 200 Arbeitsstunden)

Bild:Bayeux haubert.JPG Bild:Roman chainmail detail.jpg

Und so geht es:

1. Suchen Sie jemanden, der Ihnen die Metallringe verkauft. Die Ringe sollten einen Durchmesser von ca. 12mm haben und aus einem rostfreien Stahl bestehen. Diese Ringe werden hergestellt, indem man Draht zu einer Spule aufwickelt und diese dann zerschneidet oder zersägt. Puristen machen das natürlich selbst - aber kaufen erleichtert die Sache ungemein ... es gibt noch genug zu tun.

2. Zum Einbau in das Hemd benötigen Sie offene Ringe und geschlossene Ringe. Wenn Sie die Ringe erhalten, sind sie in der Regel weder richtig offen noch richtig geschlossen, Sie müssen also jeden einzelnen Ring erst mal vorbereiten (Sie können die Ringe auch so wie sie sind als "geschlossene Ringe" verwenden, aber das ist nicht so schön und kratzt auf der Haut...). Für das Bearbeiten der Ringe benötigen Sie zwei Zangen. Ich empfehle, den Ring mit einer Flachzange zu halten und mit einer Kombizange zu bearbeiten (Abb. 1) (die grauen Balken sollen die Backen der Flachzange darstellen). Drücken Sie den Ring mit der Kombizange zusammen, so dass die Enden leicht überlappen (a). Dabei müssen Sie aufpassen, dass Sie nicht zu fest drücken, denn sonst wird der Ring verbogen. Biegen Sie den Ring so, dass die Enden genau gegeneinander liegen (b). Der Ring ist jetzt fest geschlossen (c). Um einen offenen Ring zu produzieren, gehen Sie genauso vor, in Schritt (b) drehen Sie den Ring aber so, dass eine ca. 3 mm breite Öffnung entsteht.


Abb. 1

3. Erzeugen Sie eine einfache Kette. Mit jedem offenen Ring bauen Sie zwei geschlossene Ringe ein (Abb. 2).


Abb. 2

4. Legen Sie die Kette vor sich auf den Tisch und fügen Sie dem Kettengewebe Reihe um Reihe zu. Sie starten jede neue Reihe, indem Sie einen offenen Ring zusammen mit zwei geschlossenen Ringen einbauen. Für den Rest der Reihe wird mit jedem offenen Ring ein geschlossener Ring eingefügt. Der blaue Pfeil in Abb. 3 zeigt die Richtung, in der das Kettengewebe langsam wächst. Er korrespondiert mit dem blauen Pfeil in Abb. 4.


Abb. 3

5. Erstellen Sie ein "Schnittmuster" wie in Abb. 4 gezeigt. Die Nummern bezeichnen die Anzahl der Ringe an den jeweiligen Seiten. Die Zählweise entspricht den in Abb. 3 eingefügten Nummern (1, 2, 3, ...). Die gegebenen Zahlen sind gültig, wenn Sie Ringe mit einem Durchmesser von 12 mm verwenden (und Ihr Brustumfang nicht allzu weit über 1 m liegt). Vergessen Sie nicht das Loch für Ihren Kopf. Sie können das Loch erst mal größer als nötig machen und dann optimieren, wenn der Rest des Hemdes fertig ist. Beachten Sie, dass Sie die richtige Richtung beim Weben des Hemdes einhalten (blauer Pfeil).


Abb. 4

6. Wenn Sie mit dem gezeigten Schnittmuster fertig sind, verbinden Sie die Kanten des Hemdes, so dass eine Art "T-Shirt" entsteht. Das Kettenhemd sieht umso eindrucksvoller aus, le länger es ist. Wenn es bis zu Ihren Knien gehen soll, kann Sie das schon 20.000 Ringe kosten. 1000 Ringe (12 mm AD) wiegen ca. 450g. Ihr fertiges Hemd kann dann schon so 7 bis 10kg wiegen.

WICHTIGER HINWEIS! Dieses Kettenhemd schützt Sie nicht vor Pfeilen oder gar Kugeln. In einem "echten" Kettenhemd waren die Enden der Ringe verschweißt bzw. vernietet, so dass sie von einem Pfeil nicht so leicht aufgebogen werden konnten. Gegen eine Armbrust hat aber auch das unter Umständen nicht ausgereicht, noch nicht einmal, wenn man mehrere Lagen des Kettengewebes übereinander trug. Lassen Sie sich also nicht durch Ihr Kettenhemd zu leichtsinnigen Spielen verleiten!

Text und Bilder der Bauanleitung von Bernhard Weißbecker
Story von Achim und Manuela Reutlinger

 

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