
Mythen und Wirklichkeiten


Thor

Der Donnergott Thor gilt als einer der mächtigsten und stärksten Götter der nordischen Mythologie.
Er entstammt dem Geschlecht der Asen. Thor ist ein Sohn des Odin, dem Hauptgott , und der Jörd, die als personifizierte Erde in den Sagen dargestellt wird.
Sein Bruder ist Baldr, der Gott des Lichts, der Güte, der Reinheit und der Schönheit.
Verheiratet ist Thor mit Sif. Mit dieser hat er zwei Kinder, Tochter Thrud oder Thrudr und Sohn Lorride. Sif bringt einen weiteren Sohn mit in die Ehe ein, Uller, den Gott des Winters.
Da Sif der Aufgabe der Kindererziehung nicht gewachsen ist, werden sie von den Blitzgeistern Vingir und Hlora erzogen.
Thors zweite Ehefrau ist die Riesin Jarnsaxa. Mit ihr hat er 2 Söhne, Magni und Modi.
Seine Wohnstatt in Asgard ist Thrudvangr.
Täglich watet er durch die Flüsse Körmt und Oermt, um zur Esche Yggdrasil zu gelangen, an der die Götter Gericht halten.
Die Esche gilt als Weltenbaum, denn er überragt alle neun Welten und unterteilt die Welt in drei Ebenen: Himmel, Erde und Unterwelt.
Thor ist einer der stärksten Götter und wird als hünenhafte Gestalt beschrieben. Er fährt einen Wagen, gezogen durch die Ziegenböcke Tanngnjostr und Tanngrisnir.
Im Kampf benutzt er stets seinen Hammer Mjöllnir, geschmiedet aus einem Stück Eisen durch die Zwerge Sindri und Brokkr. Mithilfe der Handschuhe Jarngreipr, ebenso ein Werk beider Zwerge, ist Thor in der Lage, den Hammer zu beherrschen. So verfehlt Mjöllnir nie sein Ziel und kehrt stets in Thors Hand zurück. Der dritte Gegenstand ist der Machtgürtel Megingjader. Alle drei Machtutensilien verleihen dem Gott immense Stärke.
Auch andere gieren nach dieser Macht. So geschieht es, dass Thor eines Morgens aufwacht und seinen Hammer nicht bei sich findet. Dies Geschehen wird in der Thryms-Sage erzählt:
Gestohlen wird Mjöllnir durch den Eisriesen Thrym. Mithilfe des Loki gelingt es Thor, den Hammer zurückzuholen. Der Riese verlangt die Göttin Freyja als Braut. Diese wehrt sich jedoch dagegen. Thor und Loki verkleiden sich als Braut und Brautjungfer und begeben sich in das Reich des Riesen. Beim Festmahl jedoch hätte Thor sich beinahe verraten, denn er isst auffällig viel für eine vermeintliche Frau und trinkt viel Met dazu. Loki, als treue Magd verkleidet, mischt sich ein und gesteht dem Riesen, die Braut hätte acht Nächte lang gefastet, aus Sehnsucht nach dem Riesen. Gemäß dem Brauch, die Braut mit dem Hammer zu weihen, legt der Riese Mjöllnir in den Schoß der Zukünftigen. Thor erlangt seinen Hammer zurück und erschlägt den Riesen.
Der Donnergott jedoch ist nicht unsterblich. Im dritten Kampf in der Ragnarök, dem Untergang der Götter, gegen die Midgardschlange wird er durch deren Gift getötet.
 
Die Midgardschlange ist Sohn des Loki, Bruder der Hel, Herrscherin der Unterwelt und des Fenriswolf. Sie gehören zu den drei germanischen Weltfeinden, Loki selbst ist zugleich Freund und Feind der Götter. Durch Blutsbruderschaft steht er in enger Verbindung zu Odin.
Grund für die endgültige Feindschaft zwischen Loki und den Asen ist das Fest bei Oegir oder Aegir. In den Hallen des Seeriesen darf niemand einem anderen Leid zufügen.
Loki hält sich nicht an diese Regel, verspottet und beleidigt die anwesenden Götter.
Erst als Thor erscheint und droht, Loki zu erschlagen, ergreift dieser die Flucht.
Vier Mal muss Thor ihm drohen, bevor Loki die Gestalt eines Lachses annimmt und entkommt.
Doch er wird gefangen, und mit den Gedärmen seiner Söhne an einen Felsen gebunden. Über ihm hängt eine Schlange, welche giftigen Speichel abgibt. Lokis Frau Sigyn fängt die Tropfen auf. Einige Tropfen des Giftes gelangen trotzdem in Lokis Gesicht, als die Schüssel geleert wurde. Durch die Schmerzen windet er sich so stark, dass die Erde zitterte und so die Erdbeben entstanden sind.
Um Thor gibt es noch viele Sagen - in fast allen aber wird er als starke, etwas plumpe und grobschlächtige Gestalt dargestellt.
Verehrt wird Thor vor allem von Bauern, denn er gilt als ehrlicher und unkomplizierter Gott und als Beschützer vor den Riesen.

Nach seinem germanischen Namen Donar wird der Donnerstag benannt. In England ist es der Thursday, und Torsdag in Dänemark und Schweden.
Auch im Periodensystem der Elemente ist Thor in Form des Elements Thorium zu finden.
Viele Historiker setzen Thor gleich mit Jupiter und Zeus. Allen drei Gottheiten werden Blitz, Donner und gewaltige Macht zugeschrieben. Zurückzuführen sei dies auf den Kontakt zwischen römischer und germanischer Kultur.
Christen jedoch sehen in Thor ein Abbild des Bösen. Im sächsischen Taufgelöbnis soll sich der Täufling von den alten heidnischen germanischen Gottheiten abwenden und sich dem allmächtigen Gott zuwenden.
Auszug aus dem Taufgelöbnis:
»Und allen Teufelswerken? Und ich entsage allen Teufels Werken und Worten, Thunaer und Woden.«
Mit Einkehr des Christentums verschwindet der Glaube um Odin, Thor und Midgard, jedoch wird einiges wieder aufgegriffen.
Marvel Comics erschafft den Superhelden Thor, basierend auf dem nordischen Gott. Er ist Mitglied der Rächer und wird als Hüne beschrieben, 1,98 m groß, 290 kg schwer und außergewöhnlich stark.
In den Comics wird er von Odin auf die Erde verbannt und arbeitet als gehbehinderter Arzt, Dr. Donald Blake. Er findet seinen Hammer und erinnert sich, dass er ein Gott ist. Er führt als ab dann ein Doppelleben.
Mitte 2011 kommt die Comic-Verfilmung in die Kinos.
 
Eine Verehrung des Gottes spielt auch heute noch eine Rolle. Mjöllnir als Amulett ziert viele Hälse.
Es gilt als positives Symbol innerer Stärke und Tatkraft, auch als ein Zeichen der Verbundenheit.
Jedoch wird das Symbol auch als politisches Motiv verwendet und ist vermehrt in der rechtsextremen Szene zu finden. Offiziell gilt es nicht als ein solches Erkennungszeichen.
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