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Mythen und Wirklichkeiten


William Clarke Quantrill

(1837 – 1865)

William Clarke Quantrill wurde als der »blutigste Mann in den Annalen von Amerika« beschrieben. Er war der Führer der Missouri Partisan Rangers und Guerilla-Bande während des Bürgerkriegs. Er wurde bekannt für seine Führungsqualitäten, seine hervorragende Reitkunst und seine taktische Kriegsführung. Quantrill ist vor allem für seine Organisation des Überfalls auf Lawrence, Kansas, im August 1863, wo über 150 Bürger massakriert wurden. Wilhelm war etwa 5 Feet 9 Inches (1,75 Meter) groß, hatte eine Römernase und sandfarbene oder gelblich-braune Haare. Meist trug er einen grauen Schlapphut, wollene Hemden und hochhackige Stiefel. Bei den Unionsanhängern galt er als ein Monster, als Held wurde William Clarke Quantrill von den Südstaatlern und Verbündeten angesehen.

William Clarke Quantrill wurde am 3. Juli 1837 in Dover, Ohio, als Sohn von Thomas Henry und Caroline Cornelia (Clarke) Quantrill geboren. Er war das älteste von 8 Kindern, 4 dieser Kinder starben recht früh. Williams Vater arbeitete als Zinnschmied und war an mehreren Skandalen, Diebstählen und Betrügereien beteiligt. Sein Vater schlug ihn oft, aber seine Mutter war vernarrt in ihn. Thomas Henry Quantrill starb am 7. Dezember 1854 an Tuberkulose, William jedoch erzählte eine andere Geschichte vom Tod seines Vaters nach vollzogenem Umzug nach Kansas im Jahr 1857.
Nachdem Quatrills Vater starb, versuchte William, das Einkommen seiner Familie aufzubessern, indem er einen Job als Lehrer aufnahm. Er lehrte in Dover, Illinois und Indiana. Er war nie mit dem Erlös aus seiner Tätigkeit zufrieden und versuchte sogar, in Utah für eine Weile sein Glück im Spiel zu finden. Ohne Erfolg kehrte Quantrill nach Dover zurück, wo seine Mutter mit zwei benachbarten Männern Absprachen traf, um für ihn ein Claim in Kansas zu kaufen und dieses für ihn verwalten zu lassen, bis er 21 wurde. William wurde es möglich gemacht, seine Schulden durch Arbeit auf den Nachbarshöfen zu tilgen. Am 26. Februar 1857 verließ William sein Elternhaus, um mit Harmon Beeson und Henry Torrey nach Kansas zu gehen. Sie ließen sich in Franklin Co. Nieder. Nach etwa einem Jahr Leben mit diesen Männern wurde William unruhig und wollte seinen Claim verkaufen. Ein Streit entstand über die Forderung und musste vor Gericht entschieden werden.
Während Quantrills erste Jahre in Kansas hatte er oft über die nördlichen Ansichten und Sklaverei gesprochen. Seine Ansicht begann sich zu ändern, als er unter dem Namen Charley Hart als Kutscher in Fort Leavenworth anheuerte. Dort traf William einigen Südstaaten-Sympathisanten und freundete sich mit ihnen an.

Bis 1860 war William bereit, sich niederzulassen und sich der Landwirtschaft zu widmen. Er lebte mit einer Indianerfamilie in der Nähe von Lawrence und fing an, sich mit einigen Raufbolden zu vereinigen. Er lernte sehr schnell, dass man mit der Ergreifung entlaufener Sklaven einen beträchtlichen Gewinn machen konnte.
Nach dem Beginn des Bürgerkieges ging Quantrill nach Texas und danach in die Cherokee Nation, wo er mit Joel Mayes Freundschaft schloss. Für eine Weile ritt er mit Joel und seinen Männern, lernte während dieser Zeit viele Taktiken des Krieges kennen. Kurz nach dem Sieg der Konföderierten in Springfield am 12. August 1861 trat Quantrill Prices Konföderiertenarmee bei. Er hielt es dort nicht lange aus, verließ er Price bereits Ende September und kehrte nach Jackson County zurück. Hier entschied er sich, seine eigene Armee zu bilden und sammelte etwa 15 Männer um sich, die bereit waren, ihm zu folgen. Er wollte nicht akzeptieren, dass jeder Mann in seiner Bande einzeln versuchte, Rache für sich selbst oder für die Familie für das Unrecht, welches ihnen von der Union oder den Jayhawkers zugefügt wurden, zu nehmen. Dies stand im Gegensatz zur persönlichen Geschichte Williams. Aus diesem Grund machte er seine Geschichte daraus, um das Vertrauen seiner Leute zu gewinnen. William erzählte seinen Leuten, dass er und ein älterer Bruder links am Santa Fe Trail auf dem Gebiet von Kalifornien waren und in einen Hinterhalt von Jayhawkers gelangten, während der Großteil der Gruppierung neben dem Little Cottonwood River tief im Kansasterritorium lagerte. Die Jayhawkers eröffneten das Feuer auf Quantrill und seinen Bruder, der sofort tödlich getroffen wurde. William behauptete, in der rechten Brust und dem linken Bein getroffen worden zu sein.
Nach dem Angriff durchwühlten die Mörder ihre Taschen und glaubten, dass sie tot seien. William sagte, dass er 2 Tage lang die Leiche seines Bruders vor Bussarden und Präriewölfen bewachte. Am 3. Tag fand ihn ein alter Shawnee-Indianer, pflegte ihn wieder gesund und begrub seinen Bruder. Zu seiner Geschichte gehörte auch die Tatsache, dass er Rache schwor, sich als Soldat in die Unionsarmee einschrieb und rasch in den Rang eines Lieutenants aufstieg. In dieser Position tötete Quantrill während einer Patrouille alle bis auf 2 der Mörder mit einem Schuss auf die Stirn zwischen den Augen. Diese Geschichte entsprach nicht der Wahrheit: William hatte keinen älteren Bruder. Diese Lüge diente für den alleinigen Zweck der Gewinnung der Loyalität seiner Männer.

Quantrill und seine Bande unterstützten die Konföderiertenarmee durch Ablenkung der Unionstruppen von den Konföderiertenbewegungen. Ständig überfielen sie Anwesen und Unternehmen der Unionisten und lockten Unionstruppen in Hinterhalte. 1862 wurde Quantrill von Oberst Thompson zum Captain der Missouri Partisan Rangers befördert. Dies geschah, weil Quantrill und seine Männer die Konföderierten bei ihrer Erlangung der Unabhängigkeit unterstützten. Die Union erklärte die Männer für vogelfrei und erteilten die Order, wonach alle Guerillas und Partisanen als Verbrecher galten und als solche behandelt werden sollten. Quantrill hatte die Gewohnheit, seine Gefangene wieder laufen zu lassen. Nachdem die Order erteilt wurde, fühlte er, dass ihm und seinen Männern nicht die gleiche Höflichkeit als Konföderierten-Kriegsgefangene zuteil kommen würde und ließ seine Gefangenen exekutieren.
Zu dieser Zeit befanden sich in Quantrills Armee weit über 300 Menschen. Oft ritten sie als separate Banden, würden sich aber wieder zusammenschließen, wenn William Quantrill sie für größere Razzien herbeirief. Sie waren eindeutig Guerillas und Partisanen, für die sich Quantrill verantwortlich fühlte.

Im Jahre 1863 traf William Sarah »Katie« King, Tochter von Robert King. Ihr Vater lehnte diese Liaison ab, sodass sie sich heimlich trafen. Als ihr Vater davon erfuhr, floh sie und wurde mit William am 21. August 1863 von einem Landprediger getraut. Sarah nahm den Namen Kate Clarke an, um ihre wahre Beziehung zu ihrem Mann vor seinen Feinden zu verstecken.
Zum Zeitpunkt der Eheschließung war Sarah war etwa 15 Jahre alt.
Unmittelbar nach seiner Heirat führte Quantrill einem Überfall auf Lawrence, Kansas. Dies war kurz nach dem Einsturz eines provisorischen Gefängnisses, wobei 4 Frauen getötet wurden. Die Frauen waren Angehörige einiger Bandenmitglieder. Während dieses Überfalls ritten über 450 Männer mit Quantrill nach Lawrence. Viele von ihnen, einfache Missouri-Farmer, waren über den Tod der Frauen verärgert. Über 150 Bürger wurden während des Überfalls auf Lawrence getötet. Quantrill verlor die Kontrolle über seine Männer, es gab Mord und Totschlag.
Nach dem Überfall auf Lawrence unternahm General Ewing mit der Order No. 11 einen Versuch, die Grenze von allen Guerillabanden und Partisanen zu befreien. Häuser im Bates-, Cass-, Vernon- und Jackson County wurden verbrannt und geplündert. Viele der männlichen Bürger wurden erschossen, ihren Frauen und Kindern blieb nur die Möglichkeit der Flucht. Quantrill und seine Männer zogen nach Texas und überwinterten dort mit anderen konföderierten Truppen. Ob dies infolge der durchgeführten Kampagne war, ist nicht überliefert.
Während der Überwinterung in Texas gab es einige Disziplinschwierigkeiten, viele der Männer verließen Quantrill. Die Moral wurde ein Problem. Selbst die konföderierten Behörden waren angewidert vom Verhalten der Männer und baten sie, Texas zu verlassen. Für die Ergreifung von Quantrill wurde ein Haftbefehl ausgestellt, William floh zurück nach Missouri, um der Verhaftung zu entkommen.

Quantrill organisierte erneut seine Bande von Guerilleros und Partisanen, um an der Schlacht von Westport im Jahr 1864 teilzunehmen. Die Konföderierten Armee unter Führung von General Sterling Price erlitt ihre größte Niederlage in Missouri während dieser Schlacht. Quantrill und seine Männer flohen. William ging nach Kentucky, traf sich dort mit einigen Kentucky Guerillas, fand aber bald heraus, dass die Unionkräfte dort besser waren als die in Missouri.

Edwin Terrell, eineUnion-Guerilla, wurde von John M. Palmer eingestellt, um William Quantrill zu jagen. Terrell, selbst nicht mehr als ein Dieb und Mörder, setzte man auf die »Secret Service«-Gehaltsliste. Edwin Terrell spürte am 10. Mai 1865 Quantrill auf der Wakefield Farm auf, die sich 5 Meilen südlich von Taylorsville, Kentucky, befand. Quantrill und etwa 21 seiner Männer lagerten in der Scheune, als Terrell seinen Überraschungsangriff startete. Quantrill wurde auf der Flucht angeschossen. Die Kugel traf ihn im linken Schulterblatt. Er war sofort gelähmt. Auf die Frage von Terrell und seinen Männern, wer er sei, gab Quantrill seinen Namen als Captain Clarke der 4th MO Confederate Calvary an und bat darum, auf dem Hof bleiben und dort sterben zu können. Sein Wunsch wurde erfüllt. Der Farmer Wakefield schickte nach einem Arzt, da die Wunde sich für Quantrill als tötlich erwies.
Nach der Feststellung der wahren Identität des Mannes, der auf der Wakefield Farm verletzt wurde, brachten Edwin Terrell und seine Männer Quantrill mit einem Wagen am 13. Mai nach Louisville. Terrell wurde für seine Dienste bezahlt und aus dem Dienst entlassen.

Zeitungen verkündeten die Gefangennahme von Quantrill, aber am gleichen Tag widerriefen sie dies und teilten mit, dass sie den falschen Mann hatten. Diese Geschichte hatte zu der Behauptung geführt, dass Quantrill nicht derjenige sei, der an diesem Tag getötet wurde. Quantrill starb am 6. Juni 1865 im Alter von 27 Jahren. Vor seinem Tod bekam er Besuch von einem Priester und bat diesen, für ihn eine Frau zu kontaktieren, die sein Vermögen verwaltete. Der Priester solle eine Grabstelle und einen Grabstein kaufen. Den Rest des Geldes sollte der Priester Kate Clarke geben.
Quantrill wurde unter einem Baum des St. Mary's Catholic Cemetery begraben, aber sein Grab wurde nicht markiert. Der Priester befürchtete, dass sein Grab von seinen Feinden verwüstet würde, und ordnete an, auch keine Hügel über der Grabstätte zu errichten.

Im Jahr 1887 begleitete Quantrills Jugendfreund William Walter Scott Mrs. Quantrill nach Kentucky, um offene Fragen über Williams Tod klären zu wollen. Ihnen wurde die Grabstätte gezeigt. Sie fragten bei der Behörde nach, ob das Grab ausgehoben werden und Mrs. Quantrill die Überreste für eine Umbettung mit zurück nach Dover nehmen könne. Aus Angst vor der Rechtmäßigkeit der Entfernung der Knochen wurde dieser Antrag abgelehnt, aber es wurde vereinbart, dass das Grab am nächsten Nachmittag ausgehoben wäre, sodass der Inhalt angesehen werden könnte.
Der folgende Nachmittag brachte schlechtes Wetter. Mrs. Quantrill blieb in ihrem Hotelzimmer, während Mr. Scott allein auf den Friedhof ging. Nachdem die Totengräber die Grabstätte geöffnet hatten, untersuchte William Walter Scott das Grab. Er entnahm den Kopf und wickelte ihn in eine Zeitung. Die anderen sterblichen Überreste wurden in einer Schachtel gelegt und nahe der Oberfläche umgebettet. Mr. Scott nahm den Schädel mit zu Mrs. Quantrill, welche diesen untersuchte und ihn als Kopf ihres Sohnes identifizierte. Sie erkannte einen behandelten Backenzahn auf der rechten Seite des unteren Kiefers. Mrs. Quantrill weigerte sich, den Schädel zurückzugeben und sann nach einer Möglichkeit, die sterblichen Überreste ihres Sohnes zurück nach Dover bringen zu können. Sie schickte Mr. Scott wieder auf den Friedhof, um die Reste der Knochen zu holen.

Mrs. Quantrill tourte durch Kentucky und Missouri, besuchte einige ehemalige Kameraden Williams und versuchte, so viel wie nur möglich über den Tod ihres Sohnes und seine Aktivitäten während des Krieges zu erfahren. Im Frühjahr 1889 kehrte sie nach Dover im Frühjahr 1889 und forderte, die sterblichen Überreste ihres Sohnes in Kreise der Familie zu begraben. Die Stadtväter lehnten das Vorhaben, den berüchtigten Quantrill auf ihrem Friedhof umzubetten, ab, vereinbarten aber mit der Familie: Solange die Zeremonie privat blieb und das Grab nicht markiert würde, wären sie mit einer Umbettung einverstanden. Mr. Scott holte die Schachtel, entfernte den Schädel, 2 Schienbeine, 3 Armknochen und einige Haare. Was eigentlich in der Box begraben wurde, ist unbekannt. Es ist jedoch bekannt, dass Mr. Scott den Schädel Quantrills an die Kansas State Historical Society verkaufen versuchte und schließlich alle 5 Knochen in deren Besitz kam. Den Schädel verkaufte Mr. Scotts Sohn später an die Fraternity Initiations. Danach ging der Schädel als Stiftung an das Dover Museum, wo er bis 1992 blieb. Quantrills Grab in Dover wurde mit einem militärischen Marker im Jahr 1882 markiert. Die 5 Knochen und Haarreste liegen seit dem 24. Oktober 1992 auf dem Old Confederate Veterans Home and Cemetery in Higginsville, Missouri, als Anerkennung seiner Verdienste um die Konföderation. Am 30. Oktober 1992 wurde der Schädel von William Quantrill in einem Sarg für Säuglinge auf dem Dover 4th St. Cemetery beigesetzt.

William Quantrill war sehr jung, als er Ohio im Jahr 1857 verließ. Er sprang von Job zu Job und Staat zu Staat, stets auf der Suche, einen Platz für sich finden. William war so etwas wie ein Schwindler und nutzte diese Eigenschaft zu seinem Vorteil. Er fand seine Nische in der Welt, eine, die profitabel war und eine, die ihm das Gefühl gab, ernst genommen zu werden. Einige hielten ihn für einen skrupellosen Killer, während andere ihn als Held betrachteten. Eine Sache ist sicher: Er besaß hervorragende Führungsqualitäten und motivierende Fähigkeiten.

Text- und Bildquellen:

Copyrigth © 2010 by Wolfgang Brandt


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