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Mythen und Wirklichkeiten

Der Werwolf im Wandel der Zeiten

2. Oktober 2006

von Bernhard Weissbecker

 

Die Geschichte eines Menschen, der von einem Werwolf (von altgermanisch „wer“ = „Mann“) gebissen wird und sich dann selbst in ein solches Wesen, halb Mensch halb Tier verwandelt, kennen wir aus vielen Horrorfilmen. Diese Vorstellung ist nicht unbedingt identisch mit den tatsächlichen Überlieferungen über den Werwolf.
In verschiedenen Regionen Deutschlands ist die Verwandlung mit einem magischen Artefakt verbunden, beispielsweise einem Gürtel, der aus dem Fell eines Wolfes, oder, in anderen Sagen, aus der Haut eines Gehenkten besteht. Dieser Gürtel besitzt in manchen der Überlieferungen sieben Schließen, und doch öffnet er sich, wenn es gelingt, den Werwolf in die Körpermitte zu schlagen - dorthin, wo beim Mensch der Gürtel sitzt.
Die Verwandlung ist in diesen Geschichten vollständig, d.h. der Werwolf ist anatomisch gesehen ein richtiger Wolf, auch wenn er vielleicht auffällig schwarz gefärbt ist.

Ein Ursprung dieser Legenden wird bei den Skythen vermutet, aber auch von den alten Griechen hört man, dass einst Zeus den Lykaon in einen Wolf verwandelt hat. Aus dem Griechischen stammt auch die Bezeichnung „Lykanthropie“ von griechisch „lykos“ = „Wolf“, „anthropos“ = „Mensch“. Interessanterweise gab es auch bei den amerikanischen Indianern ähnliche Sagen.
Als Auslöser der Werwolfs-Legenden könnten auch Menschen in Frage kommen, die eine genetische Veranlagung zu ungewöhnlich starker Gesichtsbehaarung besitzen, oder Menschen, die von sich selbst behaupteten, sich in wilde Tiere zu verwandeln, bzw. durch ein entsprechendes Verhalten auffielen.

Schon Thomas von Aquin (1225-1274) sah in den Werwölfen teuflische Trugbilder, ohne dass eine tatsächliche physische Verwandlung stattfand. Diese Ansicht wurde auch später durch den Hexenhammer (Malleus maleficarum, 1487) unterstützt. Eine entsprechende Abbildung findet sich in dem Holzschnitt von Lucas Cranach dem Älteren (entstanden ca. 1512): Der Werwolf erscheint körperlich als Mensch, der sich wie ein wildes Tier aufführt und seine Opfer buchstäblich zerreißt.


Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Werwolf.png

Einen interessanten Zeitzeugenbericht über einen Lykanthropen findet man beispielsweise in dem Werk von J.C. Harenberg (Kapitel 25, Quellenangabe siehe unten), der als Quelle wiederum Georgius Sabinus angibt. Damit muss diese Begebenheit spätestens 1560 geschehen sein:

Albertus, Herzog in Preussen, setzte einen Menschen, den die Bauren als einen Wehr-Wolf und Zerreisser der Last-Thiere vors Gericht brachten, gefangen, und lies durch gescheute Leute Achtung geben, ob er jemahls in einem Wolf verwandelt würde. Der Gefangene läugnete nicht, dass er jährlich um Weyhnachten und um das Johannis-Fest wild würde, mit grossen Schmerzen Wolfs-Haare bekäme, und Lust hätte an der Zerreissung der Menschen und Thiere. Allein ohngeachtet der Gefangene zu besagten Zeiten zu schaudern anfing, und in der Meynung stund, als ob er in einen Wolf verwandelt würde, so haben dennoch alle Umstehende angemercket, dass dieses lediglich in der Einbildung bestünde.

Diese schon wissenschaftlich zu nennende Vorgehensweise bewahrte die Betroffenen jedoch nicht davor, im Zweifelsfalle hingerichtet zu werden - denn auch, wenn keine körperliche Verwandlung zu beobachten war, konnte die Lykanthropie immer noch als eine Besessenheit durch den Teufel oder einen anderen bösen Geist gelten. Oder mit den Worten von J.C. Harenberg (Kapitel 28):

Wenn der Verstand verrücket und gebunden ist, mischet der Satan seine Würckungen in die verdorbenen und verschleimten starrenden Säfte. Die Besessene, deren in der Evangelischen Historie Erwehnung geschiehet, waren allesamt Leute von verdorbener Einbildungs-Kraft. Denn der Satan herrschet in der Luft, so in den Säften des menschlichen Leibes sich befindet, und sucht uns durch die verdorbene Einbildungs-Kraft um das leibliche und geistliche Leben zu bringen.

Doch auch noch bis ins 19. Jahrhundert hinein hielten sich im Volksglauben Sagen von Menschen, die sich in Wölfe verwandeln. Aus der Umgebung von Göttingen, insbesondere aus dem Ort Groß Schneen sind Werwolfs-Legenden in verschiedenen Varianten überliefert. Legenden, wie es sie in ähnlicher Form z.B. auch im Hunsrück gibt.
Eine dieser Legenden, in Form einer Kurzgeschichte erzählt, findet sich auch im Kurzgeschichten-Bereich, hier auf unter folgendem Link: http://www.geisterspiegel.de/Zykstor/zykstor/werwolf_von_schnnen.html

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf
http://de.wikipedia.org/wiki/Lykanthropie

Johann Christoph Harenberg: Vernünftige und christliche Gedancken über die Vampirs oder Bluhtsaugende Todten, so unter den Türcken und auf den Gräntzen des Servienlandes den lebenden Menschen und Viehe das Bluht aussaugen sollen. Wolfenbüttel, 1733
Siehe: http://dz-srv1.sub.uni-goettingen.de/cache/toc/D288163.html

 

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