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Mythen und Wirklichkeiten

Die Schlacht von Ligny, 16. Juni 1815 - Teil 4

Die Truppenaufstellung der französischen und der preußischen Armee

In Ligny war die Hitze des Sommernachmittags unerträglich geworden. Über dem ganzen Land, welches von hochstehenden Feldern und gepunktet durch Wälder und Haine war, lag ein schwerer Dunst und lastete auf den Massen von Soldaten und Pferden, die nur auf das Startsignal für den Kampf warteten. Um 14 Uhr, als Gerards Korps auf dem Schlachtfeld Stellung bezogen hatte, befahl Napoleon seinem Marschall Soult eine Depesche an Ney zu schreiben und ihn darin zu informieren, dass Grouchy kurz davor stand, die Preußen bei Sombreffe in Kampfhandlungen zu verwickeln und dass »Seiner Majestät’s Wille es sei, daß Sie (Ney) jeden vor ihnen liegenden Feind angreifen und nachdem sie diesen erbarmungslos zurückgedrängt haben, sollen Sie sich wieder in unsere Richtung wenden, um somit die Einkesselung des Feindes, von der ich eben sprach, durchführen zu können. Sobald Letzterer gestürzt worden ist, wird seine Majestät ihnen entgegenkommen, um mit einem gleichen Manöver die Einkesselung zu forcieren.«
Nachdem diese Nachricht zu Ney geschickt worden war, sagte Napoleon zu General Gerard: »Es ist möglich, dass in drei Stunden das Schicksal des Krieges entschieden ist. Wenn Ney seine Befehle strikt einhält, wird sich keine preußische Kanone absetzen können. Napoleon hatte recht mit seiner Einschätzung, dass die Ereignisse von Ligny den Kriegsverlauf entscheiden würden, dennoch sollte Napoleons Unvermögen, das preußische Schicksal zu zermalmen, für ihn einen negativen Ausgang zur Folge haben.«

Die Positionen der preußischen und französischen Truppen sahen wie folgt aus: Auf der französischen Linken mit Blickrichtung auf Wagnelee und Hameau de Saint-Amand war General Girards Division. Auf der rechten Flanke hatten sich auf breiter Front die Truppen des III. Korps von Gerneral Vandamme mit Blickrichtung auf Saint-Amand in Stellung gebracht, außerdem hatten sich hier auch Divisionen von General Lefol, Habert und Berthezehen zusammengefunden. Vandammes Korps-Kavallerie-Division unter dem Kommando von General Domon deckte die äußerst linke Seite dieser Line ab, deren Feldposten sich bis Villers-Perwin ausdehnten. Auf Vandammes Rechten hatte Gerards IV. Korp die Ebene mit Blickrichtung des Dorfes Ligny unter seine Verteidigung genommen; seine drei Divisionen hatten sich massiert von der linken zur rechten Flanke aufgestellt. General Hulot und General Pecheux auf Gerards Rechten wiederum hatte Marschall Grouchy die Kavallerie Division von General Excelman und General Pajol zusammen mit einigen Bataillonen Infanterie auseinandergezogen und damit die Ebene im Vorland von den Dörfern Tongrenelles, Boignee und Balatre gesichert. Diese Truppen waren das Einzige, was die Franzosen gegen einen eventuellen preußischen Angriff auf ihre rechte Flanke ins Feld führten. Um Fleurus herum wurde die Kaiserliche Garde und das schwere Kavallerie Korps von General Milhaud in Generalreserve und als kriegsentscheidender Faktor in der Hinterhand gehalten. Oben genannte Truppen waren zusammen 68.000 Mann und 204 Kanonen stark.

Den Franzosen standen die preußischen Truppen wie folgt gegenüber: General Thielemanns III. Korps stand den Truppen unter dem Kommando von Marschall Grouchy auf der linken preußischen Flanke gegenüber. Generalmajor Hobes Kavallerie Korps stand östlich von Balatre und deckte die Namurstraße. Oberst Kämpfens Brigade befand sich auf der Erhebung, die Tongrenelles nachgelagert war, nahe des Dorfes Tongrines, mit einer stark ausgebauten Scharmützellinie, um die Linie entlang des Ligny Baches zu verteidigen. Die Brigade von Oberst Luck, Borcke und Stülpnagel hatten ihre Truppen zu Bataillonsblöcken entlang der Frontlinie von Mont Potriaux zusammengezogen, nord-westlich von Sombreffe. General Ziethens I. Korps deckte die Zugänge zum Dorf Ligny ab, Generalmajor von Henckels Brigade befand sich in und um das Dorf Ligny. Generalleutnant von Jagows Brigade befand sich in direkter Nähe von Henckels rückwärtigen Raum, um diesen dort zu unterstützen. Generalmajor von Pirchs II. Brigade formierte sich en masse nahe der Windmühle von Bussy und der dortigen Farm. Generalmajor Steinmetzs Brigade hielt die Dörfer (Saint-Amand, Saint Amand La Haye, Saint-Amand le Hameau und Wagnelee besetzt, und einige Reserven waren entlang des Stromes Ligne in Hab Acht Position gebracht. Außerdem befanden sich in Reserve und aufgereiht wie die Zinnsoldaten. Das II. Preußisches Korps, dessen Brigaden unter dem Befehl von Generalmajor von Kraft, von Bause und von Bose standen, formierten sich zwischen Sombreffe und Brye mit der Unterstützung von der Kavalleriedivision von Jurgass und Rohl. Auf ihrer weit entfernt liegenden rechten Flanke und im rechten Winkel zu ihrer Hauptlinie stand die Brigade von Generalmajor von Tippelskirchen in Stellung, mit Blickrichtung Marbais. Blücher stationierte darüber hinaus noch eine Kavalleriedivision unter General von Röder nahe seinem Hauptquartier bei Bussy – man kann getrost davon ausgehen, dass ein alter Haudegen wie Blücher stets darauf gewartet hat, sich mit voller Wucht in ein Kampfgetümmel zu stürzen. Die preußischen Truppen waren zusammengenommen mit 83.000 Mann und 224 Kanonen auf dem Kriegsschauplatz vertreten.

Quellen:

  • William Siborne: History of the War in France and Belgium, in 1815: Containing Minute Details of the Battles of Quatre-Bras, Ligny, Wavre, and Waterloo
  • Volker Wacker: Die alliierte Besetzung Frankreichs in den Jahren 1814 bis 1818
  • J.F.C. Fuller: The Desisive Battles of the Western World
  • Edith Saunders: The Hundred Days

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