
Mythen und Wirklichkeiten


Thomas Tom Horn Jr.
Thomas Tom Horn Jr. war einerseits ein amerikanischer Lawman, Scout, Soldat, Gunman und Detektiv, andererseits ein Verbrecher und Mörder. Einen Tag vor seinem 43. Geburtstag wurde er in Cheyenne, Wyoming für den Mord an Willie Nickell gehängt.
Horns Tat überschattete alle bisherigen Erfolge seines Lebens als Scout bei der Verfolgung der Apachen im südöstlichen Arizonaterritorium, im Südwesten von New Mexiko oder in Sonora und Chihuahua entlang der Sierra Madre Occidental.
Als Sohn von Thomas S. Horn, Sr. und Mary Ann Maricha geboren wuchs Tom im ländlichen Nordosten des Scotland County, Missouri auf einer 600 Acres großen Farm in der Nähe der Städte Granger und Etna auf. Thomas Horn Jr. war das fünfte von insgesamt 12 Kindern.
Als junger Teenager verließ er das elterliche Anwesen, da er sich nicht mit seinem Vater verstand und Abenteuer erleben wollte.
Mit sechzehn Jahren ging Thomas Tom Horn Jr. in den amerikanischen Südwesten, wo er von der US-Kavallerie als Scout unter Al Sieber angestellt wurde, an den Apachenkriegen teilnahm und bei der Festnahme von Indianern half. Seit dem 11. Januar 1886 beteiligte er sich an einer Expedition auf mexikanischem Gebiet, deren Ziel die Verfolgung und Gefangennahme von Geronimo war. Während der Operation wurde Horns Lager von mexikanischer Miliz angegriffen. Angeblich tötete Thomas Tom Horn Jr. in einem Duell zum ersten Mal in seinem Leben einen Menschen - einen 2nd Lieutenant der mexikanischen Armee.
Nachdem er seine Fertigkeiten im Umgang mit dem Gewehr perfektioniert hatte, nahm er in Arizona am Pleasant Valley War zwischen Rinder- und Schafzüchtern teil. Für welche Seite er Partei ergriff, ist nicht überliefert. Fakt ist, dass beide Seiten zahlreiche Tote zu verzeichnen hatten. Wer die Killer waren, konnte nicht herausgefunden werden.
Einige Zeit arbeitet Tom als Deputy Sheriff in Arizona, in welcher er die Aufmerksamkeit der Pinkerton Detectiv Agentur auf sich ziehen konnte. Die Agentur beauftragte ihn Ende 18889/Anfang 1890 mit Ermittlungen unter anderem in Colorado und Wyoming sowie in den Rocky Mountains. Horn Jr. wurde für seine ruhige Art und Weise, die ihm übertragenen Fälle zu bearbeiten, weit über die Agentur hinaus bekannt.
So nahmen er und Agent C. W. Shores am 31. August 1890 zwei Männer fest, die zwischen Cotopaxi und Texas Creek im Fremont County, Colorado einen Zug der Denver and Rio Grande Western Railroad überfallen hatten. Horn und Shores verfolgten Thomas Eskridge alias Peg-Leg Watson und Burt Red Curtis entlang des Washita River, ohne einen Schuss abzufeuern. In seinem Bericht über die Verhaftung, dass jeder in Colorado Watson als sehr verzweifelte Charaktere ansah und er mit ihm keine Schwierigkeiten hatte.
Das Ende seiner Tätigkeit für die Pinkerton Detektiv Agentur lag nicht in den von ihm begangenen Tötungen begründet. In seinem Buch Two Evil Isms: Pinkertonism and Anarchism geht Charlie Siringo auf eine Aussage von William A. Pinkerton ein, dass Tom Horn schuldig aufgrund seiner Verbrechen sei, er es aber nicht fertigbringen konnte, einen seiner Leute hinter Gittern zu bringen. Wahrscheinlicher ist jedoch die Tatsache, dass Pinkerton vor negativen Schlagzeilen in der Presse zurückschreckte. Er achtete und respektierte Horns Talent bei der Aufklärung von Straftaten, sah aber auch die boshafte und gefährliche Wesensart von Tom Horn.
Unter Druck gesetzt beendete Horn 1894 seine Tätigkeit für die Agentur. Ende der 1890er Jahre verdingte er sich als Deputy US-Marshal und Detektiv für verschiedene wohlhabende Rancher in Wyoming und Colorado, besonders während des Johnson County War, als er für die Wyoming Stock Grower's Association tätig war. Es wird behauptet, dass Thomas Tom Horn Jr. an der Ermordung von Nate Champion und Nick Ray am 6. April 1892 beteiligt gewesen sein sollte. 1895 tötete Horn vermutlich den bekannten Viehdieb William Lewis in der Nähe von Iron Mountain, Wyoming. Horn wurde für dieses Verbrechen und für den sechs Wochen späteren Mord an Fred Powell entlastet. 1896 verschwand ein gewisser Campbell, der ein großes Vermögen besaß und zuletzt zusammen mit Horn gesehen worden war.
Obwohl sein offizieller Titel immer noch Range Detective lautete, fungierte er in Wirklichkeit als Auftragskiller. 1900 war Tom in den Mord an zwei bekannten Viehdieben und Hauptverdächtigen im nordwestlichen Colorado verwickelt. Unmittelbar vor deren Tod hatte Horn begonnen, für die Swan Land and Cattle Company zu arbeiten. Er hatte die zwei Viehdiebe Matt Rash and Isom Dart getötet, da er beide in Zusammenhang mit dem Wilcox-Zugraub brachte, als er noch als Freiberufler für die Pinkerton Agentur tätig war.
Während seiner Teilnahme an der Aufklärung des Wilcox-Zugraubes erhielt Thomas Horn von Bill Speck Informationen, der offenbarte, welcher der Zugräuber Sheriff Josiah Hazen erschossen hatten. Er gab diese Information Charlie Siringo weiter, welcher bis dahin am Fall für den Pinkerton arbeitete. Diese Information beinhaltete, dass entweder George Curry (Wild Bunch) oder Harvey Logan (Kid Curry) den Sheriff getötet hatte. Beide Verbrecher waren Mitglieder der Butch Cassidy's Wild Bunch Gang, besser bekannt unter dem Namen The Hole in the Wall Gang.
Thomas Horn unterbrach kurzzeitig seine Tätigkeit für die Pinkerton Detektiv Agentur, um in der Armee während des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 zu dienen. Bevor er nach Tampa auf Kuba verlegt wurde, erkrankte Horn Jr. an Malaria. Nach seiner Genesung ging er 1901 zurück nach Wyoming. Kurz nach seiner Rückkehr begann Tom, für den wohlhabenden Viehbaron und Chef der Iron Mountain Ranch Company John C. Coble zu arbeiten.
Am 12. Januar 1902 fand ein äußerst merkwürdiges Gespräch im Büro des Deputy US-Marshals Joe La Fors statt. Deputy Sheriff Snow und der Stenograf Ohnhaus befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Nebenraum und belauschten im La Fors' Auftrag das Gespräch:
Joe La Fors: »... How about that murder, Tom? I have kept track of you on the other cases, but I must confess that after working on this case for a long time I could not ascertain how you come to kill that bay.«
Thomas Tom Horn Jr.: »Well, I suppose it was like this. The kid was coming up the draw that leads to Nickell's house, and when he saw the man that was there to do the killing, he tried to get back to the ranch. The man realized that the kid would create a disturbance, got back behind a pile of rocks and as the kid came along gave it to him.«
Stück für Stück fügten sich Details der Tat in das Gesamtbild ein. Es folgten einige Eingeständnisse:
Thomas Tom Horn Jr.: »I never leave a trail. I always go barefotted when on a case of this kind. No, the ground did not bother me. My feet were cut up some, but I usually have ten days to rest after a job of this kind.
I was about 300 yards away when I shot the kid.
I used a 30-300, I like it better than any other. It carries true to the mark. I thought once that the kid would get away from me, but I nailed him. It was the finest shot I ever made and the dirtiest job I ever done.
Yes, I get hungry on these trips some time, but I get used to it. I get so darned hungry sometimes that I could kill my mother for some grub.
No, I did not leave any shells behind for the d-d officers to pick up. I did that once, but the officers didn't have sense enough then to follow the trail.
The first man I ever killed was a second lieutenant in the Mexican Army. I was then 26 years old and new at the business, but I got accustomed to it after awhile.«
Joe La Fors: »How much did you get for killing Powell and Lewis?«
Thomas Tom Horn Jr.: »I got $600 each for those jobs.«
La Fors erzählte ihm, dass er wusste, dass Tom für seine Aufträge bezahlt wurde. Als er ihn fragte, wie viel er für den Nickell-Mord bekam, sagte Horn: »I got $500 for that, or $2,100for killing three people and shooting at one man five times.
Killing men is my specialty, and I guess I have got a corner on the market in this section.
I put the stone under the kid's head because that is the way I hang out my sign and collect my money for a job of this kind.«
Joe La Fors: »Was thre any agreement signed in the Nickell killing?«
Thomas Tom Horn Jr.: »No, I do all of my business with Coble, I have no trouble in collecting my money, for I would kill a man that cheated me out of ten cents. I did not take anything from Coble for that job, for he had kept me in horses and grub and was the best friend I ever had in the world.«
Am Tag darauf wurde Thomas Horn Jr. festgenommen und für den Mord an Willie Nickell angeklagt. Ankläger in diesem Fall war der Staatsanwalt Walter Stoll.
Während des Gerichtsverfahrens beteuerte Thomas Horn, dass er während des Gespräches mit Joe La Fors betrunken und somit nicht Herr seiner Sinne war. Doch trug diese Aussage nicht zur Entkräftigung der Anklage bei, auch nicht die Aussage der Miss Gwendolene Myrtle Kimmell, um den Hals des Angeklagten zu retten. Sie bezeugte unter Eid, dass am Morgen des Mordes der Rancher Victor Miller ihr sehr nervös und angespannt vorkam. Er hatte am Tage zuvor einen heftigen Streit mit Willies Vater, da angeblich einige Schafe über das Land der Millers liefen. Doch dies wurde als unwahr deklariert. Viel mehr berief man sich auf die Aussagen und der Niederschrift des Stenografen Ohnhause. Sein angebliches Eingeständnis war als eindeutiger Beweis wertlos. Es wurden vonseiten der Jury keine Anstrengungen unternommen, anderen Hinweisen nachzugehen. Es war vielmehr der schlechte Ruf Horns, der die Jury veranlasste, das Todesurteil auszusprechen. Am 20. November 1903 wurde Thomas Tom Horn Jr. in Cheyenne, Wyoming gehängt. Er war einer der wenigen Leute im Wilden Westen, für die extra ein Apparat des Architekten James P. Julian errichtet wurde, The Julian Gallows. Es ist anzunehmen, dass sich keiner der Anwesenden die Hände schmutzig machen wollte. Einzig und allein das Gewicht des Verurteilten reichte aus, um den Mechanismus auszulösen, der die Hinrichtung vollendete. War Thomas Horn doch unschuldig?
Text- und Bildquellen:
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