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Mythen und Wirklichkeiten

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Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englische Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei auf Grund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, aus meiner Sicht den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.

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Teil 4 - Insignien der Templer

Das Beauséant

Das Kriegsbanner der Templer, das sogenannte Beauséant, symbolisierte die gegensätzliche Geisteshaltung, die dem Wirken der geschäftstüchtigen Mönchsritter zugrunde lag. Beauséant ist ein Begriff aus dem Altfranzösischen und wurde übersetzt mit »zweigeteilt« oder »zweifarbig«, denn das Banner war schwarz und weiß: Weiß als Zeichen der Reinheit und Keuschheit, Schwarz aber als Symbol für Kraft und Mut.
In alten Chroniken wird die Flagge auch Gonfanon genannt. Eine weitere Erklärung der Farbauswahl war: Löwen im Krieg und Lämmer im Frieden.
Auch die folgende Deutungen wurde von Historikern dargelegt:

  • Die beiden Farben repräsentieren die zweifache Berufung der Ritterschaft des Ordens. Schwarz für die Erde und Weiß für den Himmel oder den göttlichen Auftrag
  • »Weiß, weil sie der Christen Freunde und Schwarz, weil sie der Schrecken der Heiden sind.« oder »Sie sind offen für ihre Freunde, dunkel und schrecklich für ihre Feinde.« (nach Jakob von Vitry, Bischof von Akkon im 13. Jahrhundert)

In jedem Falle spielte hier der Dualismus eine große Rolle, das Prinzip von Gut und Böse vereint in einer Gemeinschaft.
Beauséant war nicht nur Banner, sondern auch Schlachtruf der Templer. Ob auf der Kriegsflagge auch das rote Tatzenkreuz zu sehen war, ist ungewiss. Dem Bannerträger der Templer war es strengstens untersagt, im Kampfe das Banner zu senken. Das Senken des Banners wurde im Mittelalter als Zeichen der Niederlage oder der Aufgabe gedeutet. Stolz und unübersehbar trugen die Templer ihr Banner in jede Schlacht und schützten es mit fünf bis zehn gut ausgebildeten Kämpfern. Der Verlust der symbolträchtigen Fahne oder ihr Fall galt als militärische Katastrophe.

Das Tatzenkreuz

Ursprünglich ist das Tatzenkreuz das Symbol aller christlichen Kreuzfahrer. Die Ritter der »militia Christi« konnten am ersten Kreuzzug nicht teilnehmen, da dieser 1099 mit der Eroberung Jerusalems endete, der Templerorden jedoch erst 1119 in Jerusalem gegründet wurde.
Das auf der linken Schulter über dem Herzen getragene Kreuz tauchte erst 1147 auf. Am 27. April 1147 verweilte Papst Eugenius III. zu Beginn des Zweiten Kreuzzuges in Paris und wohnte dem dort einberufenen Ordenskapitel bei. Bernhard von Clairvaux setzte beim Papst durch, dass die Templer das exklusive Recht gewährt bekamen, ständig ein rotes Kreuz auf der linken Schulter (a sinistra) zum steten Gedenken an das Martyrium Christi zu tragen.. Er begründete es damit, dass sich auch der Templerorden im Kreuzzug gegen die Ungläubigen befände.
Das Tatzenkreuz in der christlichen Symbolik steht für die Leiden Christi; die Farbe rot ist das Symbol des von Christus vergossenen Blutes, aber auch des Lebens. Die vier Balken sind gleichlang und verbreitern sich von innen nach außen, die Mitte ist relativ kompakt und die Außenseite eben.

Durch regionale Eigenheiten und den Pragmatismus der Templer gab es verschiedene Variationen des Tatzenkreuzes:

Das Habit (Waffenrock)

Als Habit bezeichnet man eine einheitliche Ordenskleidung. Dadurch bekennen sie sich äußerlich zur Gemeinschaft. Das Habit soll einfach sein und Demut und Bescheidenheit symbolisieren. In der Regel findet man eine Tunika oder ein Talar als Unterkleid, die mit einem Gürtel, dem Zingulum, zusammengebunden wird. Das Material, aus dem das Habit gefertigt ist, ist Leinen oder Wolle, je nach Jahreszeit.
Seit dem 12. Jahrhundert kann man beobachten, wie sich die unterschiedlichen Habite entwickelten, denn dies war die Zeit, in dem sich auch unterschiedliche Orden herausbildeten.

Das Weiß - auch die Farbe des Zisterzienserhabits - soll die körperliche Unbeflecktheit und Gesundheit symbolisieren. »... Allen Professrittern gestatten wir aber, im Winter wie im Sommer wenn möglich weiße Gewänder zu tragen, damit sie zu erkennen geben, dass sie, die ihr dunkles Leben hinter sich gelassen haben, durch ihr lauteres und lichtes Leben sich mit ihrem Schöpfer versöhnt haben ...« (Aus den Ordensregel des Templerordens von 1128, Regel Nr. 20 - Von Stoff und Art der Kleidung)

Wenn der Ordensritter nicht im Feld war und sich zum Beispiel in einer Komturei aufhielt, trug er einen weißen Habit mit einem kleinen Tatzenkreuz auf der linken Brust.

Die Chlamys (weißer Mantel)

Wie in allen Klosterregeln des Mittelalters war auch im Templerorden die Kleiderordnung genau festgelegt. Durch den Kleiderkodex unterschieden sich die Templer äußerlich von anderen Orden und gaben zudem ihrer internen Hierarchie Ausdruck. Das wichtigste Kleidungsstück eines Templer war die Chlamys, der weiße Mantel.
Nach den Ordensregeln des Konzils von Troyes wurde dieser Mantel zunächst zum Habit für alle Brüder erklärt. Seine Symbolwirkung beschrieb die Regel so:

»Diejenigen, die das düstere Leben aufgegeben haben«, schreibt Bernhard von Clairvaux, »erkennen durch die weiße Kutte, dass sie mit ihrem Schöpfer versöhnt sind. Unter ihnen gibt es keinen Vorzug der Person. Man urteilt nach Verdienst, nicht nach Adel.«

Bald war die Chlamys jedoch nur noch den Ordensrittern vorbehalten; die dienenden Brüder, weil nichtadliger Herkunft, trugen nun einen Mantel aus braunem Tuch. Das rote Tatzenkreuz, das auf dem Mantel über dem Herzen zu tragen war, wurde erst 1147 als Erkennungszeichen eingeführt. Es symbolisierte die Leiden Christi, war aber zugleich ein Symbol des Kreuzzugsgedankens. Rot war es, da auch das von Jesus für die Menschen vergossene Blut rot war. Mantel und Kreuz, die beiden Attribute des Mönchsrittertums, setzten sich im Laufe der Zeit in allen Ritterorden durch, wobei die Farben des Kleides und des Kreuzes je nach Orden variierten.

Was heißt ...

  • »den Mantel empfangen«?
    Kurz vor Ende des templerischen Aufnahmerituals führte der Rezeptor, nachdem der Kandidat sein Gelöbnis mit »Ja, Herr, so Gott will!« bekräftigte, an:
    »Nun denn, im Namen des Gottes und Maria, unserer lieben Frau, und im Namen St. Petes von Rom und unseres Heiligen Vaters des Papstes und im Namen aller Brüder des Tempels nehmen wir Euch auf zu allen guten Werken des Ordens, die von Anfang an verrichtet sind und bis ans Ende verrichtet werden, Euch, Euren Vater, Eure Mutter und alle, die Ihr Teil daran nehmen lassen wollet ...«.
    Darauf nahm der Rezeptor den weißen Mantel und band ihn dem Kandidaten um die Schultern.
  • »den Mantel niederlegen«?
    den Orden verlassen
  • »Verlust des Mantels«?
    Bei wiederholten Verstößen gegen die Ordensregeln musste der Ritterbruder seinen Mantel ausziehen und ihn gegen eine Kutte ohne Kreuz tauschen. Während der Dauer der Strafe - maximal ein Jahr und ein Tag - musste der Bruder entehrende Arbeiten verrichten und vom Boden speisen. Einen Hund, der auch von seinem Napf fressen wollte, durfte er nicht verjagen. Diese Strafe konnte auch bedingt ausgesprochen werden: Verlust des Habits in Gottes Hand. Die Folgen dieser Strafe sah auch vor, dass der Bestrafte kein Amt ausführen durfte und keine Stimme im Kapitel besaß.

Siegel des Tempelordens

Das offizielle Siegel des Großmeisters zeigt eine Kuppel über einem auf Säulen ruhenden Rundbau. Allerdings sind sich die Historiker nicht einig, ob damit der templum Domini oder die Grabeskirche - beides sind Zentralbauten - dargestellt wird. In jedem Fall wurde damit auf die Anfänge des Ordens Bezug genommen. Der Tempelbezirk war die erste Niederlassung und bis 1187 der Hauptsitz der Großmeister. Sollte hingegen auf dem Siegel das Heilige Grab abgebildet sein, wird damit die ursprüngliche Aufgabe - der Schutz der Heiligen Stätten - symbolisch wiedergegeben. Bertrand von Blanquefort, der 6. Großmeister, benutzte als erster dieses Siegel. Es wurde dann von seinen Nachfolgern weiter verwendet.
Das wohl bekannteste Siegel der Templer stellt zwei Templer auf einem Pferd auf dem zwei Templer dar. Für dieses Symbol gibt es eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Ein möglicher Erklärungsversuch ist, das dieses Siegel ein Symbol für die Armut des Ordens ist, die sich die Templer mit den Ordensregeln auferlegt haben. Doch kann diese Auslegung nicht zutreffend sein, weil ein Tempelritter zwei Pferde laut Ordensregeln zur Verfügung haben sollte.

Eine zweite Deutung des Siegels geht auf eine Schlacht Richard Löwenherz zurück. Während des 3. Kreuzzuges zieht das Heer Richard I. auf Jerusalem zu. Er erhält die Kunde, dass Verstärkung auf dem Weg sei, um Saladin zu unterstützen. Richard I. lässt seine Reiter jeweils einen Fußsoldaten auf die Pferde nehmen und überrascht die Verstärkungstruppe Saladins und schlägt diese vernichtend.
Die wahrscheinlich richtige Interpretation besagt, dass die beiden Reiter auf einem Pferd die Verbundenheit der Ordensbrüder und ihre Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfe dokumentieren.

Vorschau:
Im 5. Teil dieser losen Folge begebe ich mich auf die Suche nach Templerburgen.

Bis dann mal wieder …

Literaturnachweise:

  • Hermann Müller: Die Tempelritter, Hamburg 1982
  • Hans Prutz: Die Ritterorden, Berlin 1908, Reprint
  • Monika Hauf: Der Mythos der Templer, Düsseldorf-Zürich 1995

© Wolfgang Brandt

 

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