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Mythen und Wirklichkeiten

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Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englische Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei auf Grund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, aus meiner Sicht den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.

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Teil 2

Die Großmeister des Tempelordens

Das Oberhaupt des Ordens trug den Titel »Meister«. Er war kein absoluter Souverän, trotz des Gehorsamsgelübdes, welches die Ordensmitglieder während ihrer Profess ablegten. Mehrere Regeln beschnitten seine Macht. Der Meister durfte zum Beispiel nicht den Schlüssel zum Tresor des Ordens in Verwahrung haben. Es war ihm lediglich erlaubt, nur Kredite bis zu einer bestimmten Summe vom Vermögen des Ordens zu geben. Nur mit Zustimmung des Kapitels war es ihm gestattet, Ländereien und Burgen zu veräußern, zu verpachten oder zu kaufen. Ohne die Zustimmung des Kapitels konnte er auch niemanden in den Orden aufnehmen. Im Gegensatz zu den Bräuchen des Johanniterordens existierte bei den Templern keine Appellationsinstanz gegen die Entscheidungen des Meisters. Die Templer-Regel resümiert die Gewalt des Meisters mit folgenden Worten: »Alle Brüder des Tempels müssen dem Meister gehorchen, der Meister aber muss seinem Kapitel gehorchen.«
Das Kapitel oder der »Konvent« des Meisters bestand sehr wahrscheinlich aus den hohen Würdenträgern wie dem Seneschall und dem Marschall.
Normalerweise hatte der Meister sein Amt auf Lebenszeit inne. Er konnte auch andere Ordensämter auf Lebenszeit verleihen, wie es Jacques de Molay in der aragonesischen Provinz tat. Es sind nur zwei Meister bekannt, die ihr Amt niederlegten, wie Évrard des Barres, um im Cistercienserkloster Citeaux einzutreten.
Starb der Meister, so vertrat ihn der Marschall beziehungsweise die Komture oder Provinzmeister der Region, in der er sich zum Zeitpunkt des Todes gerade aufgehalten hatte. Der Marschall berief die Würdenträger und Leiter der einzelnen Provinzen zum Kapitel ein. Dieses Kapitel wählte dann den so genannten Groß-Komtur, der von diesem Zeitpunkt an Stelle des Meisters amtierte. Er war es auch, der in Übereinstimmung mit dem Marschall und den Komturen des Heiligen Landes das Datum für die Wahl des neuen Meisters festlegte. Am anberaumten Wahltag schließlich wählte das Kapitel den »Wahl-Komtur« und seinen Adjutanten. Diesen beiden wurde untersagt, mit den übrigen Brüdern zu sprechen. Sie mussten sich in die Kapelle begeben und die Nacht im Gebet verbringen. Am folgenden Tag feierte man die Messe zu Ehren des Heiligen Geistes. Nach dem Offizium der Terz und Sext versammelten sich die Brüder erneut im Kapitelsaal. Der Groß-Komtur rief den Wahl-Komtur und seinen Adjutanten herein und befahl ihnen, sich weitere zwei Gefährten zu wählen. Diese vier Brüder wählten wiederum zwei andere. Diese Prozedur wiederholte sich, bis zwölf Brüder ausgesucht waren. Die Gruppe symbolisierte das Apostelkollegium. Ihre Mitglieder (acht Ritter und vier Servienten) mussten verschiedenen Nationen entstammen. Anschließend beriefen die Abgeordneten einen Kaplan als 13. Mitglied und Stellvertreter Jesu Christi hinzu. Hinter verschlossenen Türen wählten sie nun einen Ordensbruder zum neuen Meister. Noch bevor das gesamte Kapitel den Namen des neu gewählten Meisters erfuhr, mussten die versammelten Brüder ihm Gehorsam versprechen.

Hugues de Payen

1. Großmeister 1118/19 - 1136/37

Er war der Gründer des Templerordens und sein erster Meister. Über sein früheres Leben weiß man so gut wie nichts. Möglicherweise war er verwandt mit dem Grafen der Champagne. Mit ihm kam er jedenfalls in das Heilige Land, zum ersten Mal vermutlich im Jahre 1104. 1113 aufs Neue in Palästina, sammelte Hugues de Payens einige Gefährten, um die Pilger zu beschützen, die durch moslemische Überfälle bedroht wurden und legte so den Grundstein für den späteren Templerorden. Laut der Chronik von Ernoul lebten er und seine Gefährten unter der Obödienz der Kanoniker vom Heiligen Grab. 1119 legten Hugues und seine Gefährten die monastischen Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut in die Hände des Patriarchen von Jerusalem ab und verpflichteten sich mit einem vierten Gelübde, die Pilger und die Heiligen Stätten zu schützen. Hugues arbeitete selbst die wichtigsten Punkte der Regel aus, die er auf dem Konzil zu Troyes 1128 erläuterte. Um 1129 kehrte er ins Heilige Land zurück und im selben Jahr führte er seine Brüder in die erste Schlacht, in welcher fast alle umkamen. Hugues starb 1136 oder 1137.

Robert de Craon

2. Großmeister 1136/37 - 1149

Er entstammte dem französischen Hochadel. Um 1125 verließ er seine Verlobte, um nach Palästina zu ziehen. Dort trat er in den Templerorden ein. 1135 taucht er in einigen Urkunden als Seneschall des Ordens auf. 1136 oder 37 wurde er zum Meister gewählt. Ein Jahr darauf reiste er zu Papst Innozenz II, um ihm die großen Schwierigkeiten darzulegen, in denen sich der Orden und die Christen im Heiligen Land befanden. Seine Anstrengungen erreichten im Jahre 1139 das große päpstliche Privileg »Omne datum optimum« für die Templer. Robert de Craon ließ die lateinischen Regeln ins Französische übersetzen. Während seiner Amtszeit etablierte sich der Orden in Aragon, Kastilien und Portugal. Vielleicht nahm er am Zweiten Kreuzzug und der Belagerung von Damaskus teil. Die Belagerung scheiterte, und einige Chronisten beschuldigten die Templer des Verrates und der Korruption. Robert de Craon starb im Januar 1149.

Évrard des Barres

3. Großmeister 1149 - 1152

Evrard de Barres entstammte dem mittleren französischen Adel, vermutlich aus der Champagne oder Burgund. Er war zunächst Provinzmeister von Frankreich. Vielleicht nahm er an der Kampagne gegen die Mauren in Kastilien teil. Er leitete das große Generalkapitel in Paris von 1147, während der Papst Eugen III. den Templern das berühmte rote Kreuz für ihr Habit verlieh. In Zusammenarbeit mit dem französischen König Louis VII. und dem Papst bereitete er den II. Kreuzzug vor. Er begleitete die Kreuzzugtruppen 1147/48 auch nach Palästina. Während der Route durch die kleinasiatischen Gebirgszüge bewies er viele Male seine militärische Erfahrung und rettete Männer und Gut, was der französische König anerkennend in einem Brief feststellte. 1149 wurde er zum Ordensmeister gewählt und begleitete im selben Jahr den König Louis VII. zurück nach Frankreich. Anfang des Jahres 1152 war er genötigt, in den Orient zurückzukehren, denn nach der Niederlage der Christen vor Antiochia hatte der Orden schwere Verluste erlitten. Aber sehr bald schon war er wieder in Frankreich, verließ den Orden und zog sich in das Cistercienserkloster Clairvaux zurück. Er starb als Zisterziensermönch im Jahre 1176.

Bernard de Tramelay

4. Großmeister 1152 - 1153

Bernard de Tramelay kam aus dem mittleren Adel Burgunds und wurde 1152 zum Meister gewählt, ohne dass er zuvor irgendein Amt im Orden innegehabt hätte. Der Grund seiner Wahl ist vermutlich darin zu sehen, einen ausgleichenden Faktor zwischen dem König von Jerusalem Balduin III. und seiner Mutter Melisande zu finden, die sich einen erbitterten Krieg lieferten und so die Stabilität des Heiligen Landes gefährdeten. Möglicherweise war er am Bau der Burg Gaza beteiligt, die in dieser Zeit zum Schutz gegen Einfälle aus Ägypten errichtet wurde. Bernard de Tramelay fiel beim Angriff auf Askalon 1153, doch ermöglichte der Einsatz seiner selbst und seiner Ordensbrüder die Eroberung der Stadt, auch wenn Wilhelm von Tyrus ein halbes Jahrhundert später »Habgier« als Grund für diese Aktion Tramelays nannte.

André de Montbard

5. Großmeister 1153 - 1156

Geboren um 1103 war er ein Onkel des Heiligen Bernhard von Clairvaux und schloss sich um 1130 den Templern an. Vor seiner Wahl zum Meister im Jahre 1153 übte er die Ämter des Gonfalonier und Seneschall aus. Einige Briefe, die er mit Bernhard austauschte, sind erhalten, doch man weiß kaum etwas über seine Amtszeit. Allerdings scheint er sich häufig am Hof der Könige von Jerusalem aufgehalten zu haben, denn er ist in zahlreichen Urkunden als Zeuge vermerkt. André de Montbard starb 1156.

Bertrand de Blanchefort

6. Großmeister 1156 - 1169

Er stammte wahrscheinlich aus Südfrankreich. Die Ämter, die er im Orden vor seiner Wahl zum Meister 1156 innehatte, sind nicht bekannt. Im selben Jahr seiner Wahl nahmen ihn die Sarazenen gemeinsam mit 87 anderen Ordensbrüdern gefangen, als er versuchte, König Balduin III. von Jerusalem zu Hilfe zu kommen. In Anerkennung für diese Hilfe schenkte der König später dem Orden die Burg Safed. Bertrand 1159 wurde im Austausch gegen einen moslemischen Offizier frei gelassen. In den folgenden Jahren stand er im Kampf gegen Nur-ad-Din. 1168 stimmte er gegen den von König Amaury von Jerusalem geplanten Angriff auf Ägypten, möglicherweise, weil es ein Templer gewesen war, der den alten Vertrag mit Schawar von Ägypten ausgehandelt hatte, möglicherweise aber auch aus Zorn gegen den Ordensmeister der Johanniter, der für den Angriff votierte. Bertrand de Blanchefort starb 1168. Fünf Briefe dieses Meisters an den französischen König Louis VII sind erhalten. In ihnen beklagt er die Situation der Christen im Heiligen Land und bittet um Unterstützung.

Philippe de Milly

7. Großmeister 1169 - 1171

wurde in Palästina geboren. Sein Vater Guido de Milly gehörte zur hohen Aristokratie des Landes. Philipp wurde das erste Mal namentlich als Zeuge am 5. April 1138 in einer Urkunde König Fulkos erwähnt. Schon in jungen Jahren erlangte er das Vertrauen der Königin Melisende und auch der Großen des Königreiches Jerusalem. 1145 führte er gemeinsam mit Manasse de Hierges ein Heer nach Edessa. Zu dieser Zeit nannte er sich bereits Philipp von Nablus, nach seinem Lehen bei Nablus. Auch während des Streits zwischen Königin Melisende und Balduin III. blieb Philipp bei der Königin und ging erst dann an den Hof Balduin III., nach dem sich Melisende von der Herrschaft zurückgezogen hatte.
1161 erhielt er vom König die Seigneurie Transjordanien und gab dafür sein Lehen an den König ab. Transjordanien war mit 40 Rittern eine der größten Seigneurien des Königreiches. Um 1165, nach dem Tod seiner Gemahlin, trat Philipp in den Orden ein. Am 17. Januar 1166 bestätigte König Amalrich I. dem Orden Amman und die Hälfte von Philipps Besitz in Belcha. 1169 wurde Philipp Großmeister, gab sein Amt bereits 1171 wieder auf. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Eudes de Saint-Amand

8. Großmeister 1171 - 1179

Eudes de Saint-Amand war Vasall des Königs von Jerusalem, ab 1156 sein Marschall und ab 1160 Vizegraf von Jerusalem und Vertrauensmann des Königs. Er trat zwischen 1167 und 1171 dem Templerorden bei. 1171 wurde er zum Meister gewählt. Mit Eudes de Saint-Amand begann die Zeit der politischen Unabhängigkeit des Ordens gegenüber dem König von Jerusalem; dies zeigen die Differenzen des Meisters mit König Amaury I. 1177 nahm Saint-Amand mit 80 Rittern am Feldzug Balduins IV. gegen Saladin teil. Nach einem Augenzeugen war es sein Mut, der den Sieg der Christen bei Montgisard entschied. Während seiner Amtszeit wurde die Burg von Le Chastelez erbaut. Eudes de Saint-Amand wurde von Saladin während der Schlacht von Maj Ayun 1179 gefangen genommen. Er starb im selben Jahr in Gefangenschaft. Seine Handlungen zeigen ihn als einen Mann mit administrativer und militärischer Erfahrung, an der Seite des Königs von Jerusalem, aber auch bewusst der Würde seines Ranges. Das Urteil Wilhelms von Tyrus über ihn ist nicht objektiv.

Arnaud de Toroge

9. Großmeister 1180 - 1184

Arnaud de Toroge entstammte dem katalanischen Adel und war mit dem aragonesischen Königshaus verwandt. Vor seiner Wahl zum Ordensmeister hatte er bereits 13 Jahre lang Erfahrung als Provinzmeister der Provence und Kataloniens gesammelt. Seine Amtsführung ist in einem großen Kartular überliefert. Er wurde in Abwesenheit gewählt, ein Verfahren, das durch die schweren Verluste des Ordens in den Einsätzen gegen Saladin 1179 und 1180 notwendig geworden war: Im Orient fand sich kein geeigneter Mann mehr für dieses Amt. Erst 1181 kam Arnaud de Toroge ins Heilige Land, aber schon 1184 wurde er nach Europa gesandt, um Hilfe für das bedrohte Königreich Jerusalem anzuwerben. Er starb noch im selben Jahr in Verona.

Gérard de Ridefort

10. Großmeister 1185 - 1189

Er stammte aus Flandern und war um 1170 in den Orient gekommen. Zunächst trat er in die Dienste des Grafen von Tripoli. Laut der Chronik Histoire d'Eracles l'Empereur verließ er den Dienst, nachdem der Graf von Tripoli die ihm versprochene Frau einem anderen gegeben hatte, und rächte sich 20 Jahre später mit der Unterstützung von Gui de Lusignan. Eine Legende, die nicht bewiesen werden kann. Jedenfalls war Ridefort ab 1179 Marschall des Königs von Jerusalem Balduin IV. Wenig später trat er in den Templerorden ein und war 1183 bereits Seneschall. Das Oberste Kapitel wählte ihn Anfang des Jahres 1185 zum Meister, nach dem Tod seines Vorgängers Arnaud de Toroge. Nach dem Tod des disignierten Königs Balduin V. im Jahre 1186 befand sich Gerard de Ridefort im Lager der Königinmutter, der Prinzessin Isabelle und dessen Ehemanns Guido von Lusignan gegen den Anwärter Raimond von Tripolis. Er unterstützte die Krönung von Lusignan zum neuen König von Jerusalem und wurde dessen erster Berater. 1187 stellte er sich bei Cresson allein mit den Templern von La Fève, einigen Johannitern und den in Nazareth anwesenden weltlichen Rittern der Armee von Sultan Saladins Sohn entgegen, der ein Verbündeter Raimonds von Tripolis war.
Nach der Histoire d'Eracles ist Ridefort der Hauptverantwortliche für die katastrophale Niederlage der Christen von Hattin am 4. Juli 1187, während der er auch selbst gefangen genommen wurde. Im Gegensatz dazu weiß eine andere Chronik -das englische Itinerarium peregrinorum - nichts von den hinterhältigen Machenschaften, die die Histoire d'Eracles Ridefort zuschreibt, sondern berichtet, dass es der Verrat Raimonds von Tripolis war, der die Christen vernichtete. Ein anderer Chronist nennt Ridefort »entschlossen, aber draufgängerisch und kühn«. Ein zeitgenössisches Gedicht lobt seine kriegerische Tapferkeit und spricht von ihm als »Helden«.
Beinahe ein Jahr nach der Schlacht von Hattin ließ Saladin Ridefort gegen das Lösegeld von drei Burgen des Ordens frei. Noch im selben Jahr hielt der Ordensmeister die Burg von Tortosa gegen moslemische Truppen und schloss sich der christlichen Belagerungs-Armee vor Akkon an. Nach der Histoire d'Eracles dem Continuateur de Guillaume de Tyr und anderen abendländischen Chroniken starb Gerard de Ridefort in der Schlacht, während er ein christliches Lager gegen einen unerwarteten Vorstoß moslemischer Truppen im Oktober 1189 schützen wollte. Das Itinerarium peregrinorum erzählt in erbaulichen Tönen, wie er abgelehnt habe, sich zu retten und lieber im Kampf mit seinen Ordensbrüdern sterben wollte. Nach der arabischen Chronik von Ibn-al-Atir wurde Gerard de Ridefort von Saladin gefangen genommen und exekutiert.

Walter von Spelten

11. Großmeister 1189 - 1191

folgte Gerard de Ridefort nach dessen Tod im Kampf um Akkon im Amte nach. Möglicherweise übernahm er als Ordensmarschall interimistisch das Amt, bis die reguläre Wahl durch den Konvent durchgeführt werden konnte. Walter von Spelten erlebte die Eroberung von Akkon nicht mehr, er fiel im Kampf.

Robert IV de Sablé

12. Großmeister 1191 - 1193

Robert de Sablé stammte aus dem Anjou und tat sich mit zahlreichen Schenkungen und Stiftungen hervor, unter anderem gründete er das Prämonstratenserkloster Le Bois-Renou. Er war Admiral des englischen Königs Richard Löwenherz und kam mit ihm ins Heilige Land auf dem III. Kreuzzug. 1191 trat er in den Templerorden ein und wurde noch im selben Jahr zum Meister gewählt. Er kaufte Zypern von König Richard, doch die Templer scheiterten an der Inbesitznahme der Insel und waren gezwungen, sie wieder zu verlassen. Robert de Sablé bemühte sich unter anderem, die Genuesen und Pisaner zu versöhnen, die ihren Krieg auch in den Orient getragen hatten. Er starb 1193.

Gilbert Hérail

13. Großmeister 1194 - 1200

Er stammte vermutlich aus der Provence. 1183 nennt ihn eine Urkunde »Komtur von Jerusalem«. Von 1185 bis 1189 war er Provinzmeister der Provence und Kataloniens sowie von 1190 bis 1193 Meister der überseeischen Gebiete. 1193 wurde er zum Ordensoberhaupt gewählt. Bereits 1196 traf man ihn erneut in Spanien, um die Vereinigung des Ordens von Montjoy mit dem Templerorden zu ratifizieren. Gilbert Hérail starb im Jahre 1200.

Philippe du Plaissis

14. Großmeister 1201 - 1209

Er wurde 1201 zum Meister gewählt. Wie sein Amtsvorgänger war er im Konflikt mit dem armenischen König Leon II. wegen der Nachfolge im Fürstentum Antiochia und der Burg Gaston. Der angebliche »Krieg zwischen Johannitern und Templern« zu dieser Zeit fand niemals statt. Philippe du Plaissis starb 1209, vermutlich während des Feldzuges gegen Al-Adil.

Guillaume de Chartres

15. Großmeister 1210 - 1219

Er trat kurz vor 1193 in den Orden ein und kam sehr bald ins Heilige Land. Dort wurde er zum Kommandanten von Safed ernannt. 1210 wurde er zum Meister gewählt. Zu dieser Zeit waren die militärischen Ressourcen des Ordens sehr begrenzt. König Leon von Armenien plünderte und verwüstete die Besitzungen der Templer in seinem Land. Während einer dieser Kampagnen wurde auch Guillaume de Chartres verletzt. 1212 besiegelte der armenische König seinen Frieden mit den Templern, aber erst 1216 gab er die Burg Gaston an den Orden zurück. Zur gleichen Zeit verloren die Templer viele ihrer Besitzungen in Griechenland, deren sich Kaiser Heinrich VI. und dessen Vasallen bemächtigten. Grund für diese Aktion war möglicherweise die Weigerung der Templer, den Kaiser als Oberlehnsherr in Thessalien anzuerkennen. 1218 belagerten die Templer mit ihrem Meister an der Spitze Damiette, gemeinsam mit den übrigen Kreuzrittern. Während einem der Kämpfe wurde Guillaume de Chartres schwer verwundet und war gezwungen, sein Amt niederzulegen. Er starb drei Wochen später. Unter seiner Herrschaft wurde das Château de Pélerin erbaut.

Pierre de Montaigu

16. Großmeister 1219 - 1232

Aus Aragon stammend blieb er sein ganzes Leben ein geschätzter Freund des Königs Pedro II. Er wurde während der Belagerung von Damiette 1219 zum Meister berufen und rettete mit seinen Brüdern die Christen vor der vollständigen Niederlage. In Übereinstimmung mit dem Meister der Johanniter und dem Apostolischen Legaten sprach er sich gegen den von El-Kamil vorgeschlagenen Vertrag aus, die eroberten Ländereien des Königreichs Jerusalem mit der Heiligen Stadt im Austausch gegen Damiette zurückzuerstatten. Nach dem Chronisten Jacques de Vitry handelte er so, weil er die üblen Absichten von El-Kamil gekannt habe. 1220 kehrte Pierre de Montaigu nach Akkon zurück. 1221 war er einer der Unterhändler, die die endgültige Rückgabe von Damiette nach der Schlacht von Mansura aushandelten. Während des Kreuzzuges des Kaisers Friedrich II. war Pierre de Montaigu aufseiten des Papstes, des Patriarchen von Jerusalem und der Johanniter gegen den Exkommunizierten. Der Meister war bekannt für die strenge und unparteiische Anwendung der Regel. 1232 starb er.

Armand de Périgord

17. Großmeister 1232 - 1244

Man kennt sein Geburtsland nicht genau. 1229 war er jedenfalls Provinzmeister von Sizilien und Kalabrien (Italien-Süd). 1232 wurde Armand de Périgord zum Meister gewählt, möglicherweise, weil man einen Mann an der Spitze haben wollte, der auch Friedrich II. genehm war, um den Frieden in Italien zu sichern. Wahrscheinlich im selben Jahr seiner Wahl kam er ins Heilige Land, wo er mit seinen Truppen, den Johannitern und den einheimischen Franken an Kämpfen in Syrien teil. Während seiner Amtszeit wurde mit dem Bau der Festung Safed begonnen. 1233 begleitete Armand de Périgord Bohemond V. von Antiochia in dessen Feldzug gegen den Konnetabel von Armenien, der die Templer angegriffen hatte. 1243 schloss er in Übereinstimmung mit der Kirche und den mächtigsten Baronen des Heiligen Landes einen Vertrag mit Ismail, Herr von Damaskus, der den Christen Jerusalem, Bethlehem und einige andere Städte restituierte. Aber bereits ein Jahr später wurde Jerusalem von den Choresmiern erobert, die Einwohner massakriert und die Stadt zerstört. Die noch verbleibenden militärischen Kräfte sammelten sich mit ihren moslemischen Alliierten bei La Forbie. Während der für die Christen katastrophalen Schlacht fiel Armand de Périgord oder wurde gefangen genommen. Lediglich 4 Ritter und einige Knappen konnten dem Gemetzel entkommen.

Richard de Bures

18. Großmeister 1244/45 - 1247

Er war Kastellan von Safed im Jahre 1241. Das Jahr seiner Wahl zum Ordensmeister ist nicht genau bekannt, wahrscheinlich 1244 oder 1245. Nach der Niederlage des Kreuzfahrerheeres bei La Forbie, wo der Großteil der Templer umkam, war es schwierig gewesen, die für die Wahl juristisch notwendigen Personen zu versammeln. Richard war Komtur der Festung Safed und hatte in seiner Funktion einen Vertrag mit Bohemund V. und den Johannitern unterschrieben. Später war er einer der Schiedsmänner im Streit der Templer mit den Johannitern um Besitzungen in Tripolis und Margat. Sein Vorleben und die Umstände seines Todes konnten nicht erforscht werden. Sie liegen im Dunkeln.

Guillaume de Saunhac

19. Großmeister 1247 - 1250

Guillaume de Saunhac wird urkundlich genannt als Komtur von Auzon bei Poitiers im Jahre 1224. Von 1236 bis 1246 hatte er das Amt des Provinzmeisters von Aquitanien inne. 1247 wurde er zum Meister gewählt und kam mit dem Kreuzzug König Louis IX. in den Orient. Ein Brief des Meisters berichtet von der raschen und unvorhergesehenen Okkupation Damiettes. Als der Bruder des Königs Robert d'Artois im Februar 1250 versuchte, Mansourah einzunehmen, folgte ihm Guillaume de Saunhac mit seinen Ordensbrüdern. Fast alle Templer fielen in der Schlacht, und der Meister wurde schwer verwundet. Er starb bei einer anderen Schlacht am 3. Juli 1250 bei dem Versuch, Louis IX. zu schützen.

Renaud de Vichiers

20. Großmeister 1250- 1256

Renaud de Vichiers war Vasall des Königs von Frankreich, ehe er in den Orden eintrat. 1240 wird er als Komtur von Akkon genannt, doch von 1242 bis 1248 befand er sich aufs Neue in Frankreich, und zwar im Amt eines Provinzmeisters von Francien. Mit dem Kreuzzug Louis IX. kam er in den Orient, wo er schließlich das Amt des Marschalls übernahm. 1250 nach der Rückkehr von Louis IX. nach Akkon wurde er zum Meister gewählt. Wenig später entsandte der neue Ordensmeister seinen Marschall Hugues de Jouy nach Damaskus, um mit dem dortigen Sultan in Verhandlungen zu treten. König Louis IX., dem diese Autonomie des Ordens missfiel, erzwang die Annullierung des Vertrages und eine öffentliche Demütigung der Templer. Doch diese Affäre schadete dem allgemein guten Einvernehmen zwischen König und Meister nicht. Renaud de Vichiers wurde Pate des Königssohnes, der im Château Pélérin auf die Welt kam. Der Meister verlor sein Leben während eines Feldzuges in den Süden im Jahre 1256.

Thomas Béraud

21. Großmeister 1256- 1257

Er war vermutlich englischer oder italienischer Herkunft. Freund des englischen Königs Heinrich III. und dessen Sohn Edward I., rettete er ihm sogar während dessen Heilig-Land-Aufenthaltes das Leben. Thomas Béraud wurde 1256 zum Ordensmeister gewählt. Während des Krieges von Genua mit Venedig war er und mit ihm der Orden auf venezianischer Seite. In einigen Briefen, die er 1260 in den Okzident sandte, fordert Meister Thomas Béraud Hilfe gegen die Angriffe der Mongolen, die die letzten noch verbleibenden festen Plätze des Königreichs Jerusalem bedrohten. Unter seiner Herrschaft wuchs die militärische und politische Bedeutung des Ordens, aber trotz allem verloren die Templer beinahe alle ihre Besitzungen im Orient. Ohne Unterlass mühte sich Thomas Béraud um den Frieden unter den Christen des Heiligen Landes. Vielleicht war er es auch, der Marco Polo von Jerusalem nach Armenien begleitete. Thomas Béraud starb 1273.

Guillaume de Beaujeu

22. Großmeister 1273- 1291

Er stammte aus dem Forez oder Burgund und taucht im Jahre 1271 erstmalig als Komtur von Tripolis in Palästina in den Quellen auf. 1273 war er Provinzmeister von Apulien, eine Funktion, die er bis zu seiner Wahl zum Ordensmeister am 13. Mai 1273 innehatte. Der Hauptsitz der Templer im Heiligen Land befand sich damals bereits nicht mehr in Jerusalem, sondern in Akkon und die gesamte Lage der lateinischen Christen in der Region war mehr als prekär. Aus diesem Grunde nahm Guillaume de Beaujeu auch am 1274 einberufenen Konzil von Lyon teil, auf dem ein erneuter Kreuzzug beschlossen und die Wiedervereinigung mit der getrennten Ostkirche in Angriff genommen wurde. Allerdings zeigten die in eigene Machtkämpfe verstrickten europäischen Fürsten letztlich wenig Interesse an den Belangen des Heiligen Landes.
Trotz aller Anstrengungen auch diplomatischer Art, wie Gesandtschaften zu den Tartaren und diversen Verträgen mit muslimischen Fürsten, die sowohl Meister Guillaume de Beaujeu als auch der Großmeister der Johanniter aushandelten, neigte sich das Schicksal der letzten Reste der Kreuzfahrerstaaten dem Ende zu. Die Verträge wurden nicht respektiert, und zwischen 1282 und 1287 gelang es dem Sultan von Ägypten, mehrere Festungen zu erobern und schließlich auch die alte Stadt Tripolis.
Die letzte Bastion der lateinischen Christen im Heiligen Land wurde die Küstenstadt Akkon, deren Belagerung am 5. April 1291 beginnt.
Bei einem der letzten Gefechte in Akkon wurde Guillaume de Beaujeu tödlich verwundet, was den endgültigen Zusammenbruch der städtischen Verteidigung bedeutete.

Thibaud Gaudin

23. Großmeister 1291- 1293

Thibaud Gaudin war Adjutant des Meisters Guillaume de Beaujeu und übernahm in der turbulenten Zeit kurz nach dessen Tod bei der Verteidigung von Akkon 1291 das Kommando über den Orden und wurde erst einige Zeit später auf Zypern, wohin sich die Reste der Templer aus dem Heiligen Land zurückgezogen hatten, formell zum Ordensmeister bestimmt. Er amtierte nur bis April 1293.

Jacques de Molay

24. und letzter Großmeister 1294- 1314

Jacques de Molay wurde um 1243 aus niederem burgundischen Adel geboren. 1265 trat er in Beaune dem Templerorden bei und verbrachte einige Jahre in aktivem Kampf in Palästina. 1294 - drei Jahre nach dem Fall von Akkon - wählte ihn der Konvent zum Ordensmeister und gleich zu Beginn seines Amtswirkens setzte er sich für die Rückeroberung des Heiligen Landes ein. 1294 und 1295 unternahm Jacques de Molay eine Reise durch die abendländischen Ordensprovinzen, die nur einen Zweck hatten: soviel Kapital wie nur möglich für die geplante Rückeroberung des Heiligen Landes flüssig zu machen. Besonders der König von Aragon-Katalonien unterstützte diese Projekte, denn durch eine angebahnte Allianz mit den Mongolen erschien die Rückgewinnung des Heiligen Landes von den Muslimen wieder im Bereich des Möglichen. Jayme II. von Aragon verhandelte mit dem Ilkhan von Persien, dem König von Armenien und dem König von Zypern um Unterstützung. 1300 gelang einem Kontingent aus Templern unter ihrem Ordensmeister und weltlichen Rittern unter dem katalonischen Grafen von Entenca tatsächlich, sich auf der der syrischen Stadt Tortosa vorgelagerten Insel Rouad festzusetzen. 1301 wandte sich Jacques de Molay an den König von Aragon und schilderte ihm die politisch-militärische Situation in Syrien, die ein Eingreifen jetzt profitabel mache. Papst Bonifaz VIII. vermachte den Templern aufgrund ihres Eifers zur Rückgewinnung des Heiligen Landes die übrige Hälfte der eroberten Insel, die eigentlich der Kirche gehörte. Doch die Ankunft der Mongolen verzögerte sich und trotz einer Reihe von Befestigungen konnten die Templer die Insel nicht halten. Im September 1302 wurde sie nach einem erbitterten Abwehrkampf von den Mameluken zurückerobert und die noch lebenden Templer trotz gegenteiligem Versprechen eingekerkert, alle übrigen auf der Insel anwesenden Christen in die Sklaverei verkauft. Jacques de Molay und der zypriotische König organisierten in aller Hast eine Rettungskampagne, kamen aber mit ihren Schiffen zu spät.
Doch damit hatte der Meister der Templer die Kreuzzugpläne noch keineswegs aufgegeben. Im Jahre 1306 reiste er gemeinsam mit Fulco de Villaret, dem Meister der Johanniter, zu Papst Clemens nach Rom, um eventuelle diesbezügliche Anstrengungen zu besprechen. Er zeigte sich als militärischer Realist und widersetzte sich mit allen Möglichkeiten einer angesprochenen Vereinigung beider Ritterorden, die in der Tat militärisch gesehen keine Vorteile gebracht hätte.
Noch kurz vor der aufsehenerregenden Verhaftung der französischen Templer im Oktober 1307 ahnte Jacques de Molay, der sein zeitweiliges Quartier in Paris installiert hatte, offenbar nichts von der drohenden Gefahr. Im September 1307 besuchte er aufs Neue Papst Clemens V. in Rom, und noch einen Tag vor der Verhaftung war er bei der Beerdigung der Schwiegertochter König Philipps IV. anwesend. Molay wurde 1314 in Paris verbrannt, nach dem endgültigen Widerruf seiner Geständnisse.

Anmerkung: Die Wappen von Walter von Spelten und Richard de Bures sind historisch nicht überliefert. Ich wählte des Gesamtbildes entsprechend das allgemeine Wappen der Templer.

Vorschau:
Im 3. Teil dieser losen Folge möchte ich ein wenig auf die Ordensregeln eingehen.

Quellen:

Hermann Müller: Die Tempelritter, Hamburg 1982
Hans Prutz: Die Ritterorden, Berlin 1908, Reprint
Monika Hauf: Der Mythos der Templer, Düsseldorf-Zürich 1995
Bulst-Thiele, M. L.: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri. Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens 1118 /19-1314, Göttingen 1974

© W. Brandt

 

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