Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englische Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei auf Grund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, aus meiner Sicht den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.
Teil 1
In das 12. Jahrhundert fielen eine Reihe von Ordensgründungen. Sie standen ganz im Sinne Bernhards von Clairvaux (1091-1153). Als Zisterzienser predigte er, sich der Welt zu verschließen und in mönchischer Abgeschiedenheit ein gottgefälliges Leben zu führen. In seiner Schrift (1130) »De laude novae militiae - Lob des neuen Kriegsdienstes« stellte Bernhard von Clairvaux den neuen Ritter Christi, »militia« dem restlichen Teil der Ritterschaft »malitia« gegenüber und charakterisiert Letzgenannte als verweichlicht, frivol, goldbehangen sowie süchtig nach Ruhm und Ehre. Den Ritter Christi beschreibt er wie folgt:
»Der neue Ritter, dessen Leib mit einer Rüstung aus Eisen und dessen Seele mit einer Rüstung des Glaubens bewehrt ist, fürchtet nichts, weder das Leben noch den Tod, denn Christus ist sein Leben, Christus ist der Lohn für seinen Tod.«
Als Beispiele sollen hier genannt werden:
- Templerorden
- Johanniterorden
- Deutscher Ritterorden
- Orden von Alcántara (Spanien)
- Orden von Calatrava (Spanien)
- Christusritterorden (Portugal)
Der Orden der Templer
Die Gründung
Bezeichnungen dieses Ordens gibt es viele in der Geschichtsschreibung. Dort begegnet man im Lateinischen dem Wort »templarii«. In zahlreichen Bibliographien ist die Rede von den »Ordo Pauperorum Commilitonum Christi Templique Salomonici« - Orden der armen Gemeinschaft Christi und des salomonischen Tempels. Auch spricht man von den Tempelrittern (milites templi), von den »armen Soldaten Christi«, »Miliz der armen Ritter Christi« oder auch »Fratres Militiae Templi« (Brüder der Tempelritterschaft). Oft nannten sich die Glaubensbrüder selbst als »Servi Die et beatae Mariae« (Diener Gottes und der seligen Jungfrau Maria). Lag es doch, so wird vermutet, an ihrer stark ausgeprägten Marienverehrung, zu der sie sich bekannten.
Das eigentliche Gründungsdatum des Ordens der Tempelritter ist nicht genau bekannt. Historiker datieren diese in die Zeit zwischen 1118 - 1120. Sicher ist jedoch, dass die Gründung des Ordens Hugo de Payens (1080 - 1137) zugeschrieben wird. Im Jahre 1118 begab sich de Payens zusammen mit Gottfried von St. Omer, André de Montbard, Pagan de Montdidier, Archembald von St. Amand, Gottfried Bisol, Konrak und Gundemar in das heilige Land. Sie boten dem König Balduin II. den Schutz der Pilgerwege zwischen Jaffa und Jerusalem an. Gleichzeitig legten sie vor ihm das Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ab. Damit war die »militia Christi« geboren. 1124 kam Hugo de Champagne nach Jerusalem und schloss sich den 8 Rittern an. Balduin II. überließ ihnen einen Teil des Palastes, der auf und neben den Trümmern des salomonischen Tempels lag, dem heutigen Tempelberg. Daraus lässt sich der Name »Ritter des Tempels« herleiten.
Da die Gefolgschaft um Hugo de Payens das Gelübte abgelegt hatte, kleideten sie sich fast ausschließlich mit geschenkten Gewändern. De Payens wurde der erste Großmeister des Templerordens.
Die Struktur
Drei Kategorien bildeten das Grundgerüst des Templerordens. Dazu gehörten:
- die Ritter
Stets waren es Angehörige des Adelsstandes, die entweder im Adelstand geboren oder in diesen gehoben wurden. Ihnen stand uneingeschränkt das Recht der Befehlsgewalt zu.
- die Geistlichen, auch Ordenskaplane (»clerici«) genannt
Diese versahen den Kirchendienst und begleiteten den Großmeister
-
die Feldwebel (»servientes«)
Es waren Angehörige aus nichtadeligen Kreisen. Sie mussten keinen Ordenseid ablegen, gehörten aber dem Orden an. Über ein Noviziat war es ihnen möglich, Mönchsritter zu werden. Im Unterschied zu den Rittern trugen sie blaue Mäntel.
Die Feldwebel untergliederten sich in:
- »servantes armigieri«
Den Rittern dienten diese als Schildknappen, dem Orden als Kriegsknechte und Begleiter.
- »servantes famuli«
Sie waren Laienbrüder und dienten dem Orden in den Komtureien.
Hier gab es 3 Einteilungen:
- die »Gesellen der Freiheit« - Baumeister und Steinmetze
- die »Gesellen der Pflicht« - Tischler und Schlosser
- die »Meister der Axt« - Zimmerleute
In der Hierarchie des Templerordens stand der Großmeister, der Magnus Magister, ganz oben. Er war das gewählte Oberhaupt der Templer, der Provinzen, Komtureien und Ordenshäuser. Jeder Tempelritter musste ihm unbedingten Gehorsam leisten. Der Großmeister begleitete dieses Amt bis zu seinem Tode oder zu seinem Austritt aus dem Orden. Als Abt war das Oberhaupt der Templer dem Papst direkt unterstellt, als General hatte er in militärischen Angelegenheiten die alleinige Befehlsgewalt. Lediglich in Ordensangelegenheiten, bei Statutenänderungen, bei der Aufnahme neuer Ritter in den Orden, bei der Ernennung von Großkomturen der Provinzen sowie bei Verkauf von Ordensgütern musste der Großmeister die Kapitulare befragen und deren Zustimmung einholen.
Zum Gefolge eines Großmeisters gehörten:
-
bis zu 4 Pferde, ein turkomenisches Pferd sowie 2 - 3 Packpferde
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ein Kaplan für den geistigen Beistand
-
der Seneschall als sein militärischer Stellvertreter
-
2 ranghohe Ritter
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ein Dolmetscher und Schreiber, dieser war meist ein Sarazene
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Knappen von edler Geburt
- ein Turkopole (einheimischer Christ oder zum christlichen Glauben bekehrt) als Ordonanz
- mehrere Bedienstete
Vorschau:
Im 2. Teil dieser losen Folge möchte ich darauf eingehen, wie ein Großmeister gewählt wurde und welche Großmeister in der Zeit der Templer bis zum Jahre 1314 ihr Amt ausübten.
Bis dann mal wieder …
Quellen:
Hermann Müller: Die Tempelritter, Hamburg 1982
Hans Prutz: Die Ritterorden, Berlin 1908, Reprint
Monika Hauf: Der Mythos der Templer, Düsseldorf-Zürich 1995
© W. Brandt