Sie sind hier: Startseite - Background - Mythen & Wirklichkeiten - Historisches: Rufus Buck und seine Gang


Mythen und Wirklichkeiten

Rufus Buck und seine Gang

Die Ära des American Old West wird im Allgemeinen in die Zeit zwischen 1845 und 1912 angesiedelt. Während jener Jahre, in welchen sich eine Nation jeden Tag aufs Neue bewähren musste, entstanden mehrere bösartige Verbrecherbanden. Eine solche war die Rufus-Buck-Gang, die das Indianerterritorium von Arkansas und Oklahoma zwischen 1895 und 1896 terrorisierte.

Über Bucks Herkunft gibt es kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Einige Quellen besagen, dass er von Afrikanern abstammte. Andere behaupten, dass er ein junger Yuchi war. Oder war es vielmehr eine Mischung aus beiden? Außerdem behauptet man, dass Rufus Buck in seinem kurzen Leben ebenso bösartig wie Crawford Cherokee Bill Goldsby, einer der härtesten, streitsüchtigsten und gehässigsten Outlaws des Wilden Westens, gewesen sein soll. In der Nähe von Okmulgee im Gebiet der Creek wurde Rufus Buck geboren und wuchs dort auf. Es war auch das Territorium, in welchem er seine ersten Raubüberfälle und kleinere Verbrechen erfolgreich durchführte, sodass sich ihm drei junge Creek - Sam Sampson, Meome July und Lewis Davis - anschlossen. Dazu gesellte sich Lukey Davis, ein Creek-Mischling.
Um vorweg die Karriere der Rufus Buck Gang zu charakterisieren: Obwohl ihre Schreckensherrschaft weniger als ein Jahr dauerte, beraubte, vergewaltigte und ermordete die Gang mehr Menschen als Billy the Kid und die James-Gang zusammen. Einige Beispiele:

  • Im Sommer 1895 erschossen sie vier Männer, verübten ein halbes Dutzend Raubüberfälle und vergewaltigten die Witwe Wilson, eine Frau im mittleren Alter.
  • Am Snake Creek, ein unbedeutender Bach, der in der Nähe von Sapulpa entspringt und in den Arkansas River fließt, besaßen Henry Hansen und seine Frau Rosetta ein Jagdhaus. Sie wohnten in einer einsamen Gegend und wussten nichts über die blutige Spur, welche die Rufus-Buck-Gang hinterließ. Eines Tages tauchten die fünf Outlaws bei ihnen auf und ließen sich gegen Bezahlung von Mrs. Hansen ein gutes Mittagessen kochen. Die attraktive Frau war glücklich über den unerwarteten Besuch und tafelte allerlei Speisen auf. Anstatt zu zahlen und weiterzureiten, hielten sie Henry Hansen im Hof mit einer Winchester in Schach und schändeten abwechselnd dessen Ehefrau.
  • Etwas später trafen sie auf einen Reiter, der auf einem edlen Pferd saß. Sie umringten ihn und teilten ihm mit, dass sie das Pferd gegen ein anderes eintauschen möchten. Der Fremde zögerte und überlegte, ob er diesem Handel zustimmen solle. Den Outlaws dauerte dies zu lange. Sie stießen den Mann von dessen Pferd, lachten und grölten dabei dem Fremden zu, dass er froh darüber sein solle, mit dem Leben davon gekommen zu sein.
  • Östlich von Sapulpa stieß die Gang auf einen Reisenden mit Namen Callahan. Sie raubten ihn aus, nur um sich zu amüsieren. Als der Mann floh, eröffneten sie das Feuer auf ihn. Callahan lief in die Stadt, ging zur Creek Lighthorse Indian Police und erstattete Anzeige gegen die Buck-Bande. Alle Versuche, die fünf Outlaws ausfindig zu machen, scheiterten. Auch die schnell aufgestellten Possen von Indianern und Weißen hatten kein besseres Glück als die Polizei.

Die Gang hatte inzwischen das ganze Land terrorisiert. Weil die Zahl ihrer Verbrechen stieg, fürchteten die Farmer um ihr Leben. Doch plötzlich hörte man Monate lang von der Bande nichts mehr. Kurz vor Einbruch des Winters glaubte man, dass sich die Outlaws irgendwo versteckt hielten. Die Jagd auf sie ging jedoch weiter.
Zu Beginn des Frühlings kam U.S. Marshal Samuel Morton Rutherford aus Fort Smith mit einer Gruppe von Deputies, unter ihnen Henry Andrew Heck Thomas, Paden Tolbert und James Franklin Bud Ledbetter. Sie brauchten Wochen, um die Bande ausfindig zu machen. Die Verbrecher campierten in einem Versteck drei Meilen südlich von Muskogee, als Rutherford und seine Leute sie überraschten. Es entbrannte eine heftige Schießerei, bei welcher mehrere Hundert Schüsse abgefeuert wurden. Unmittelbar hinter dem Lager erstreckte sich ein Hügel. Rufus Buck und seine Begleiter zogen sich auf seinen höchsten Punkt zurück und hielten die Angreifer Stunden lang in Schach. Als ihnen die Munition ausging, hatten sie keine Wahl und mussten sich ergeben.
Nachdem ihnen die Hände gefesselt und die Beine in Eisen gelegt worden waren, brachte man die Gefangenen zu einem Wagen und fuhr sie nach Muskogee. Es lag in der Absicht von Marshal Rutherford, sie über Nacht im Bundesgefängnis festzuhalten und am nächsten Morgen mit dem Zug nach Fort Smith zu bringen. Die Nachricht über die Festnahme der Buck-Bande verbreitete sich rasch in der Stadt. Als der Wagen in die North Third Street einbog, versuchten mehrere Hundert bewaffnete Männer den Wagen zu stürmen, die Gefangenen aus der Obhut ihrer Bewacher zu entreißen und sie an Ort und Stelle aufzuhängen. Zu 95 Prozent handelte es sich bei dem Lynchmob um Creek. Nur durch das beherzte Handeln von Rutherford und seiner Deputies konnte dies verhindert werden. Rufus Buck und die anderen erkannten sehr schnell, dass ihre Verbrechen ihre eigenen Leute empört hatten und sie weniger Gnade von ihnen erwarten konnten als von Weißen.
Die Gefangenen wurden schnell ins Gefängnis gebracht- ein leichtes, hölzernes Gebäude, eineinhalb Stockwerke hoch, umgeben von einem Lattenzaun. Draußen kletterte General Pleasant Porter, damals Principal Chief of the Creek Nation, auf den leeren Wagen und appellierten an die Menge, nach Hause zu gehen. Er erinnerte sie, dass Marshal Rutherford und sein Deputies die Gefangenen mit ihren Leben schützen würden. »Sie sind tapfere Männer«, sagte er ihnen. »Lasst sie diese Mörder morgen nach Fort Smith bringen, wo Richter Parker dafür Sorge tragen wird, dass sie für ihre Verbrechen bezahlen.«
Die Menge weigerte sich jedoch, auf ihn zu hören. Die Männer drängten gegen den Zaun, als Rutherford mit einem Gewehr heraustrat. Er konnte nur das sagen, was andere Marshals und Sheriffs in ähnlichen Situationen bereits gesagt hatten. Es war größtenteils die Wiederholung dessen, was Pleasant Porter ihnen erzählt hatte. Er fügte eine Warnung hinzu. »Wir nahmen jene Männer fest. Obwohl ihre Hände mit Blut befleckt sind, habe ich vor, ihnen einen fairen Prozess gemäß dem Gesetz zu geben. Ihr könnt die Tür einschlagen und uns überwältigen. Aber ich warne euch, dass der erste Mann, der durch dieses Tor kommt, erschossen wird.«

Langsam aber sicher löste sich der Mob auf. Es verging kaum eine halbe Stunde, dass keiner mehr vor dem Gefängnis stand. Die Nacht selbst verlief ruhig, und am Morgen – es war Sonntag – gab es keinen Massenandrang, als Rufus Buck, Lewis Davis, Sam Sampson, Meome Juli und Lukey Davis zur Railroad Station gebracht wurden. Die Einwohner von Fort Smith befanden sich zu jenem Zeitpunkt in den Kirchen, als die Bewacher ihre Gefangenen in Ketten durch die Garrison Avenue zum Gefängnis führten. Es war ein Schauspiel mit fünf Mördern in der Hauptrolle, welches nie wieder in Ford Smith stattfinden sollte.
Im Laufe der Zeit kam es zur Gerichtsverhandlung. Richter Isaac C. Parker verurteilte die fünf Mitglieder der Rufus Buck Gang wegen Vergewaltigung zum Tode. Gegen dieses Urteil wurde jedoch Berufung an das Oberste Gericht eingelegt. Infolge dieser Berufung bekam Richter Isaac C. Parker die Möglichkeit, die Rechtmäßigkeit des ausgesprochenen Urteils bekannt zu geben.
In seiner Urteilsbegründung hieß es:

»Rufus Buck, Lewis Davis, Lucky Davis, Sam Sampson und Maoma July.
Sie sind durch ein Urteil der Geschworenen verurteilt worden, die Sie des schrecklichen Verbrechens der Vergewaltigung aburteilten, und dieses Urteil ist vom Obersten Gericht der Vereinigten Staaten bestätigt worden. Die Vollstreckung des Urteils dieses Gerichtes wurde während des schwebenden Verfahrens im Obersten Gericht aufgehoben. Es wird nun die Aufgabe des Gerichtes sein, den Urteilsspruch erneut zu verkünden, weswegen Sie verurteilt worden sind ... Die Taten erweckten die Empörung Ihrer eigenen Leute, der Creek-Indianer, dass sie von Ihrer Schuld überzeugt waren und Sie vor den Augen der Beamten hinrichten wollten ... Ihre Aufgabe wird es jetzt sein, dafür zu beten, von einem gerechten Gott Gnade und Vergebung zu erhalten. Uns wurde gelehrt, dass seine Gnade sogar diese schrecklichen Frevel ausmerzen kann. Üben Sie Buße für die Verbrechen, die Sie gegen sein Gesetz und gegen das menschliche Gesetz begangen haben. Diese schrecklichen Verbrechen ruhen auf Ihren Seelen. Entfernen Sie diese, wenn Sie können, so wird Gottes Vergebung und Gnade Ihnen allen zuteil werden.«

Am 1. Juli 1896 wurden Rufus Buck, Lewis Davis, Lucky Davis, Sam Sampson und Maoma July zum Galgen geführt. Es war die vorletzte Exekution, die in Fort Smith durchgeführt wurde. Die lokale Presse vermerkte: »Ein gutes Tagwerk, welches vollbracht wurde.« Es war die größte Massenhinrichtung von Vergewaltigern in der amerikanischen Geschichte.

Text- und Bildquellen:

  • Fred Harvey Harrington: Hanging Judge, University of Oklahoma Press, 1996
  • Harry Sinclair Drago: Outlaws on Horseback, Bison Books , März 1998

Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt


© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox