
Mythen und Wirklichkeiten


Panamint City
Eines der vielen Gunsight-Berkwerke Amerikas war Panamint, ein ehemaliges Camp, welches bis 1873 von Banditen genutzt wurde. Mit Unterstützung der Senatoren Jones und Steward begann im Jahr 1874 der wirtschaftliche Aufschwung von Panamint und war bereits 1875 zu Ende.
Der Surprise Canyon ist eine abgelegene steile und schmale Schlucht, die zwischen dem Telescope Peak und dem Panamint Valley ca. 200 Meilen von Los Angeles entfernt liegt. Ursprünglich als Unterschlupf für Banditen genutzt, entdeckten dort Anfang 1873 William L. Kennedy, Robert L. Stewart und Richard C. Jacobs Silber. Bis Juni 1873 wurden 80 Fundorte registriert. Der Reinheitsgrad des Silbers war so hoch, dass mit diesem Erz ein Gewinn von mehreren Tausend Dollar pro Tonne erzielt wurde. Diese Tatsache sprach sich schnell herum und zog jede Menge von Abenteurern an.
Nachdem sich E. P. Raines die Rechte auf die größten Bergwerke in diesem Bereich gesichert hatte, versuchte er, in Panamint zu investieren und die Geschäfte anzukurbeln. Zuerst erfolglos empfing er später im Clarendon-Hotel in Los Angeles einen Zeitungsreporter sowie eine Gruppe von Geschäftsmännern - Juweliere, Banker und Fuhrunternehmer - und offerierte ihnen eine halbe Tonne Silber. Er bekam von den Geschäftsleuten die Zusage, dass diese Gebäude sowie eine Straße nach Panamint bauen würden.
»... thank you, Stranger ... and you, Mr. Reporter ... but gentlemen, as soon as we get our freight teams and stagecoaches running, you will be repaid at the rate of a cask for every hooker, a barrel for each noggin. Greater than the Comstock, gentlemen, greater than the Com ... Thank you, Mr. Temple! And Mr. Workman! Please examine those specimens again. They will, as you perceive, mean much to Los Angeles if what's behind them is brought through here for shipment. Bigger than Virginia City will be this new camp, gentlemen, and every dollar of Panamint's commerce can be your own! ...«
Mit diesen Erfolgsaussichten in der Tasche traf sich Raines mit Senator J. P. Jones in San Francisco, der ihm 1.000 Dollar auslieh; bei einem späteren Treffen in Washington waren es weitere 14.000 Dollar.
Der Senator selbst war ein ehemaliger Bergwerksleiter und ging als Held bei der Bekämpfung eines Feuers an der Comstock Lode im Jahr 1869 in die Geschichte Nevadas ein. Jones und William M. Stewart, ebenfalls Senator, auch unter dem Namen »The Silver Senators« bekannt, gründeten die Panamint Mining Company mit einem Stammkapital von zwei Millionen Dollar. Über 350.000 Dollar investierten sie in die Modernisierung der Panamint-Minen.
Ein anderes Geschäft dieser Herren Senatoren bezog Männer in die Company ein, die bekannt waren, Wells Fargo bei mehr als einer Gelegenheit beraubt zu haben. Der gute Senator Stewart vereinbarte eine Amnestie für Bergwerkseigentümer, vergewissern sich aber vorerst, dass von jedem ca. 12.000 gezahlt wurden, um seine Verluste auszugleichen. Es ist davon auszugehen, dass aufgrund Stewarts Bereitwilligkeit, mit Banditen zusammenzuarbeiten, Wells Fargo zu keiner Zeit ein Express-Office in Panamint eröffnete.
Bis zum März des Jahres 1874 wohnten in Panamint 125 Personen. Die Stadt hatte weder ein Schulhaus, eine Kirche, ein Gefängnis noch ein Krankenhaus. Wegen des Fehlens eines Express Office griffen die zwei Senatoren zu einem Trick. Sie ließen das abgebaute Silber in 450 Pfund schwere Kanonenkugeln gießen. So konnte die wertvolle Fracht unentdeckt nach Los Angeles transportiert werden.
Am 28. November 1874 wurde die Idaho Panamint Silver Mining Company mit einem Stammkapital von 5 Millionen Dollar gegründet, am darauffolgenden Tag The Maryland of Panamint mit 3 Millionen Dollar als Stammkapital. Im Dezember kamen weitere sieben Panamint-Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 42 Millionen Dollar hinzu.
Natürlich musste auch über die wirtschaftliche Entwicklung von Panamint berichtet werden. Aus diesem Grund eröffnete T. S. Harris am 26. November 1874 die Panamint News.
In Panamint fand man alle Anzeichen für den Beginn eines zweiten Comstock vor. Die Silberader war 2,5 Meilen breit und 5 Meilen lang. »Es gibt kaum einen Bereich, in welchem mehr Vorkommen gefunden werden als in Panamint«, berichtete C. A. Stetefeldt im Jahr 1874. Es war tatsächlich so: Die Adern waren in ihren Abmessungen so groß, dass ein Lastwagen durchfahren konnte. Einige der Adern schienen unterbrochen, andere hingegen unversehrt zu sein. Das Silbererz kam in zwei Formen vor - zum einen als reines Mineral nahe der Oberfläche mit einem Wert von 350 bis 900 Dollar pro Tonne, zum anderen als Gemisch aus Kupfer, Blei, Eisen, Zink und Silbersulfat weiter tiefer mit einem Wert von 12 bis 85 Dollar pro Tonne.
Der Winter von 1874 war Panamints beste und größte Saison. Die Surprise Valley Mill and Mining Company ließ das Erz vollständig zur Küste transportieren, wo es weiter nach Europa zum abschließenden Einschmelzen verschifft wurde.
Im November 1874 eröffnete Louis Felsenthal die Bank of Panamint. Diese war für jede Art von Geschäften offen.
Selbstredend benötigten die Minengesellschaften jede Menge an Bauholz. Der Surprise Canyon lag ja regelrecht vor der Haustür und diente als Beschaffungsquelle. Das Holz wurde mithilfe von Maultieren und Burros (Wildesel) nach Panamint transportiert, dort weiter verarbeitet und für 250 Dollar pro 1.000 Fuß verkauft.
Bis Januar 1875 bewohnten 1.500 bis 2.000 Menschen Panamint. Einer von ihnen war George Zobelein, welcher einen Gemischtwarenladen und später die Los Angeles Brewing Company gründete.
Am 29. Juni 1875 nahm die von der Surprise Valley Mill and Water Company errichtete Mühle ihren Betrieb auf. Das Erz, welches von den Wyoming- und Hemlock-Minen abgebaut wurde, gelang mithilfe einer 2.600 Fuß langen Drahtseilbahn zur Mühle. Der Holzverbrauch für den Ofen der Mühle belief sich auf 3 Cord pro Tag (1 Cord = 3,62456 qm). Jedes Cord kostete 12 Dollar, die Bergleute und Mühlarbeiter erhielten im Vergleich dazu lediglich 4 bis 5,50 Dollar pro Tag. Viel ist von der einzigen Mühle nicht mehr zu sehen. Nur der fast zerfallene Schornstein steht noch heute im Surprise Canyon.
Der Zerfall von Paramint
Im August 1875 fiel der Kurs von William Ralstons Bank of California ins Straucheln, einige Tage, nachdem die Mühle in Panamint ihre Arbeit aufnahm. Das Vertrauen der Leute, in der Bank einen würdigen Partner zur Vermehrung ihres Reichtums zu haben, zerbrach in Windeseile. Zuviel wurde durch die Bank mit den Anlagen ihrer Kunden spekuliert.
Im November 1875 hatte fast jeder Einwohner von Panamint die Stadt verlassen. Diejenigen, welche blieben, hofften darauf, dass Senator Jones zur Rettung eingreifen würde. Sie warteten jedoch vergebens, auch darauf, dass eine Eisenbahnlinie zur Stadt gebaut würde. Obwohl Senator Jones maßgeblich an der Gründung der Los Angeles and Independence Railroad im Januar 1875 beteiligt war und sich die Rechte an der Trasse zum Surprise Canyon sicherte, fielen die Aktien der Firma in die Hände von Konkurrenten und bedeuteten das Aus für die Strecke zu den Silbervorkommen Panamints.
Wolkenbruchartige Regenfälle über dem Surprise Canyon waren am 24. Juli 1876 der Anlass dafür, dass große Teile von Panamint von den Wassermassen weggespült wurden. Damit wurde das Ende von Panamint eingeläutet. Im Mai 1877 ließ Senator Jones seine Mühle in Panamint schließen.
Vom 23. Mai 1887 bis zum 19. Juni 1895 unterhielt Richard Decker das Panamint Post Office. Er und zwei seiner Begleiter erhoben am 3. Januar 1890 Anspruch auf ein Claim im Woodpecker Canyon. Mit kurzen Unterbrechungen wurden in den Minen bei Panamint bis 1926 sowie zwischen 1946 und 1947 Silber abgebaut. Der Abbau konzentrierte sich jedoch nur auf die Vorkommen der Marvel- und Hemlock-Claims.
Während der 70er Jahre hat es eine Zunahme der Tätigkeit bei Panamint gegeben, aber die noch vorhandenen Silberadern waren nicht mehr so ergiebig, dass sich ein weiterer Abbau lohnte.
Text- und Bildquellen:
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