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| Papst Formosus |
Ohne Frage stellen diese Päpste die schändlichste Gruppe von Machthabern in der Geschichte dar, seien sie kirchlich oder weltlich. Sie waren, offen gesagt, Barbaren. Das alte Rom hatte nichts aufzuweisen, das ihnen an Verkommenheit gleichkam.
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| Papst Stephan VI. und die Leiche von Papst Formosus |
Ein Papst, Stephan VI., war vollkommen verrückt. Er grub einen korsischen Vorgänger, Papst Formosus (891-96) wieder aus, als dieser seit über neun Monaten tot war. Bei der später so benannten Kadaversynode kleidete er die stinkende Leiche in vollen päpstlichen Ornat, setzte sie auf den Thron im Lateran und schritt dann plötzlich zum Verhör. Formosus wurde beschuldigt, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Papst geworden zu sein; er war Bischof eines anderen Ortes und daher für Rom nicht wählbar. Laut Stephan waren deshalb all seine Beschlüsse ungültig, besonders seine Ordinationen. Ein schnatternder Diakon im Teenageralter antwortete für Formosus. Für schuldig befunden, wurde die Leiche als Gegenpapst verdammt, aller Kleider beraubt bis auf ein härendes Hemd, das an dem verwesten Fleisch klebte, und - minus der beiden Finger, mit denen sie ihren falschen apostolischen Segen erteilt hatte - in den Tiber geworfen. Die Leiche wurde von dem härenden Hemd wie konserviertes Fleisch zusammengehalten, von einigen Bewunderern des Formosus aufgefischt und still begraben. Später wurde sie in ihr Grab in St. Peter zurückgebracht. Stephan selbst wurde bald erdrosselt.
Päpste verstümmelten und wurden verstümmelt, töteten und wurden getötet. Ihr Leben hatte keine Ähnlichkeit mit den Evangelien. Sie hatten mehr gemein mit modernen Kindern reicher Leute, die zu Randalierern und Süchtigen geworden sind und Strandcafés und Nachtclubs heimsuchen, als mit römischen Päpsten, wie die Welt sie heute sieht. Einige verdankten ihren Aufstieg ehrgeizigen Eltern, einige dem Schwert, einige dem Einfluss schöner, wohlgeborener Maitressen in der so genannten "Regierung der Huren".
Herausragend unter diesen Kurtisanen war Marozia von der Familie der Theophilakten. Ihrem Zeitgenossen Bischof Liutprand von Cremona zufolge war sie bestens durch ihre Mutter Theodora vorbereitet, die eine zweite Tochter, ebenfalls Theodora genannt, von Papst Johannes X. (914-29) hatte. Wer sagt, Frauen hätten nie einen Einfluss auf die Leitung der Kirche gehabt, ist diesen beiden unglaublichen, zielstrebigen Damen nie begegnet. In weniger als einem Jahrzehnt "machten" sie nicht weniger als acht Päpste - und wenn es ihnen passte, beseitigten sie sie. In seinem Buch „Decline and Fall“ legt Gibbon nahe, diese "Päpstinnen" seien der Inbegriff jener Sexpolitik gewesen, die zu der Legende oder Satire von der Päpstin Johanna führte. An diese Oberhirtin glaubte man mehrere Jahrhunderte lang, bis zur Reformation. Es ist den Engländern ein Trost, zu wissen, dass die einzige Päpstin ein schönes angelsächsisches Mädchen war. In vollem päpstlichen Ornat, so geht die Geschichte, brachte sie einen Sohn zur Welt, während sie in der Sänfte vom Kolosseum zur Kirche San Clemente getragen wurde, und starb leider auf der Stelle. Diese Legende brachte wieder andere Legende hervor.
In der Laterankirche gab es einen blutroten Marmorstuhl mit einem Loch im Sitz. Auf diesen Stuhl setzte sich jeder neu gewählte Papst, um das Treuegelöbnis seines Klerus entgegenzunehmen. Doch das Gerücht ging um, dass nach Päpstin Johanna jeder Papst sich auf diesen Stuhl setzen und eine Art gynäkologischer Untersuchungen über sich ergehen lassen musste, um zu verhindern, dass eine zweite Frau auf den Papstthron gelangte.
Die Untersuchung - von weiblichen Kardinälen durchführt? - wurde von lateinischen Gebeten begleitet. Tatsächlich wurde ein ganzes Ritual geschrieben, und es wurde allen Ernstes in vielen mittelalterlichen Manuskripten abgeschrieben. Eine andere, prosaischere Deutung dieses Stuhls besagte, er sei eigentlich ein Nachtstuhl, sichtbares Symbol der Tatsache, dass der Papst durch Gott wie ein Bettler vom Misthaufen erhoben und unter die Fürsten gesetzt worden sei. Es gibt offenbar keinen theologischen Grund dafür, dass eine Frau nicht Papst werden kann, selbst wenn es Frauen, wie Johannes Paul sagt, durch göttliches Recht verboten ist, Priester zu werden. Viele Erzbischöfe und Päpste waren nicht ordiniert. Hadrian V. erscheint auf der Liste der Päpste, obwohl er nur sechs Wochen regierte, vom 11. Juli bis zum 18. August 1276. Er war kein Bischof, nicht einmal ein Priester, doch er war rechtmäßig Papst.
Aber zurück zur Päpstin Johanna. In der heutigen Zeit gibt es keinerlei greifbare Beweise, dass es eine Päpstin Johanna gegeben hat und der Vatikan wird weiterhin ihre Existenz leugnen.
Interessant ist immerhin, dass bei den zahlreichen Päpsten namens Johannes ein Johannes XX. fehlt. Es heißt, ehedem habe man versehentlich vor Johannes XV. (985-996) einen weiteren Papst dieses Namens in der Liste geführt. Als man den Fehler endlich bemerkt habe, hätte man seit Johannes XXI. die traditionelle Zählung beibehalten. Darin mag man ein Indiz für die These sehen, dass die Existenz einer tatsächlichen Päpstin Johanna verschleiert werden solle — aber das bleibt Spekulation.
Alexa Drenker
Quellen: