
Mythen und Wirklichkeiten

Hexen
29. Juni 2006

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Der Glaube an die Hexen liegt weit zurück. Zu Zeiten vor der Hexenverfolgung waren Hexen noch Frauen, die sich mit Kräutern auskannten, so wie Hebammen.
Es wurde noch von guten und bösen Hexen geredet.
Gute Hexen waren Frauen:
• Die gegen Krankheiten halfen
• Bei Geburten halfen
• Zum Teil Riten kannten, um die Ernte zu verbessern
Böse Hexen waren Frauen die:
• Durch Wetteränderung die Ernte zerstörten
• Mitmenschen verfluchen (zum Beispiel Krämpfe hervorriefen)
• Mißgeburten hervorbrachten
• Die sich den Teufel am Sabbat hinwarfen und mit ihm Geschlechtsverkehr hatten
Noch einiges mehr wurde den Frauen vorgeworfen, um als b öse Hexe durchzugehen.
So auch die Herstellung der Hexensalbe.
Die Hexensalbe, oder auch Flugsalbe genannt, schmiert die Hexe auf ihren Körper, ehe der Sabbat beginnt.
Zu den wichtigsten Ingredienzen der Hexensalbe zählten die psychoaktiv wirkenden Nachtschattengewächse, wie etwa Mandragora, Bilsenkraut, Tollkirsche oder Stechapfel. Während der Hexenverfolgung wurde dann auch noch hinzugesagt, daß Hexen Kinderknochen in diese Salbe mischen. Zweifellos um die Angst vor Hexen noch weiter anzustacheln.
Die Salbe hatte mehrere Funktionen. So hatte sie unter anderem die Funktion einer Heilsalbe. Auch soll sie eine aphrodisierende Wirkung auf die Männer gehabt haben. Der Hauptzweck der Salbe war aber, die Hexen zum Fliegen zu bringen. So sollten sie schnell und einfacher zum Blocksberg kommen wo der Sabbat durchgeführt wurde.
Heutzutage wird vermutet, daß es so eine Salbe wirklich gegeben hat. (Natürlich ohne die Kinderknochen. Das war eine Erfindung der Inquisition). Die Salbe soll Halluzinationen bei den Frauen ausgelöst haben, so daß sie wirklich gedacht haben, daß sie fliegen konnten.
Die Frage ist, was machte die Hexen so gefährlich, daß die Kirche die Frauen so energisch verfolgt hat?
Zu Zeiten der Hexenverfolgung (In Europa vom 15. bis ins 18. Jahrhundert) wurden alle Hexen als Böse angesehen.
Alle wurden in einen Topf geworfen.
Die oben genannte Aufteilung gibt es nicht mehr. Eigens zu dem Zweck Hexen zu verurteilen, wurde die Inquisition gegründet.
Die Inquisition hatte als Aufgabe das Aufspüren von Ketzerei. Ab einen gewissen Zeitpunkt hatte sie sogar staatliche Unterstützung.
1232 wurden durch Papst Gregor IX. Glaubensgerichte eingeführt und dem Dominikanerorden übertragen.
1545 wird die Inquisition im Zuge der Gegenreform zentral der Kongregation für römische und weltliche Inquisition unterstellt.
Ihren Höhepunkt erreicht die Inquisition in Spanien, wo zwischen 1481 und 1808 rund 31 000 Menschen verbrannt und 270 000 zu Kerkerhaft und Vermögensentzug verurteilt wurden.
1478 wurde die Einrichtung des Großinquisitors geschaffen. Doch nicht nur Hexen und Gottesabtrünnige fielen unter die Opfer, sondern es erfolgte die Ausrottung und Vertreibung aller Juden aus Spanien. Ein Inquisitionsverfahren gestattete die Anwendung von Folter. Der Feuertod war im theologischen Verständnis der einzige Weg zur Rettung der sonst zu ewiger Verdammnis verurteilten Seele.
(Quelle: Das große Buch der Hexen von Claire Singer)
Zurück zu der Frage. Die Frauen hatten schon lange ein schlechtes Bild. Schon seit Eva im Garten Eden in den Apfel der Erkenntnis gebissen hatte.
Dabei waren Frauen mal so was wie Heilige. Frauen waren der Ursprung des Lebens. Nur sie können neues Leben gebären.
Genaue Gründe für den Anfang der Hexenverfolgung sind nicht bekannt. Manche vermuten, daß ein wenig Angst mitspielte und die Kirche ihre Macht demonstrieren wollte. Dies kann man aber nicht beweisen.
Man konnte schnell als Hexe gelten, da man sozusagen angeklagt werden konnte. Schnell wurden verschiedene Vermutungen aufgestellt, die man dem Hexengericht vorbringen konnte. Diese Vermutungen bestanden oft aus Zufällen.
Zum Beispiel wenn eine Frau eine schwangere Frau berührt und das Kind dann tot oder mißgestaltet auf die Welt kommt.
Oder auch wenn eine Frau einem Menschen etwas zu trinken anbietet und dieser kurz darauf irgendwelche Leiden erdulden muß.
Auch wenn sie keine Beweise haben, reichen diese Vorurteile aus, um einen Inqusitor in das Dorf zu holen.
Dieser hatte eigentlich die Aufgabe, die Unschuld oder Schuld der angeblichen Hexe herauszufinden.
Dazu bedienten sie sich des sogenannten ‚Hexenhammers’ , dessen lateinischer Name Malleus Maleficarum ist .
Das Buch wurde 1486 zuerst auf Latein veröffentlicht, später auch in Deutsch und Französisch, und kann als der erste Bestseller der Weltgeschichte bezeichnet werden, denn die zu diesem Zeitpunkt gerade 40 Jahre alte Erfindung des Buchdrucks verschaffte dem Werk solch eine große Verbreitung. Angestoßen wurden die Verfasser von der Bulle "Summis Desiderantes" des hexengläubigen Papstes Innozenz VIII. (1484-1492), der als "Hexenbulle" in die Geschichte eingegangen ist.
Die Autoren vermittelten in ihrem Buch ein extrem frauenfeindliches Bild und trugen alles zusammen, was damals an Negativem über Frauen zu finden war. So griffen sie auf griechische und römische Schriftsteller zurück, auf das alte Testament und fanden viel "Verwertbares" bei ihren Kirchenkollegen. Sie stellten die These auf, daß die Frauen sowohl biologisch als auch metaphysisch minderwertig und unvollkommen seien und sie diese Mängel mit Lüge, Hinterlist und Habgier auszugleichen versuchen.
Die Verfasser behaupten, daß Frauen von Natur aus einen geringeren Glauben haben und ihr Verstand mangelhaft sei. Sie begründeten dies mit der Geschichte von Adam und Eva. Ein weiteres Indiz für die Minderwertigkeit der Frauen leiteten sie von der lateinischen Übersetzung für das Wort Frau ab: Femina komme von fe und minus (fe deuteten sie als fides = Glaube und minus heißt weniger, femina = die weniger Glauben hat). "Also sei das Weib von Natur schlecht, da es schneller am Glauben zweifelt und auch schneller den Glauben ableugnet".
Institoris und Sprenger vermittelten ein Bild der Frau, das ein Produkt einer langen frauenfeindlichen Tradition einer patriarchalischen Männerwelt darstellte. Aber auch die psychopathologischen Wahnvorstellungen der Autoren selbst flossen in hohem Maße in den Hexenhammer. Tragisch und höchst bedauerlich, dass ein solches Machwerk für lange Zeit zum festen Bestandteil des abendländischen Geisteslebens gehörte.
Bis 1669 erlebte der Hexenhammer neunundzwanzig Auflagen.
(Quelle: Der Hexenhammer)
Auch wurden die Frauen gefoltert und solchen sogenannten Hexenproben unterzogen.
Unter der grausamen Folter stehend machten die meisten Frauen ein Geständnis. Sie bestätigten alles, was man ihnen vorwarf. Die wenigen anderen, die dies nicht taten, starben im Laufe der Folter.
Dabei mußten die Männer, die die Folter vollstreckten, aufpassen, da laut einem Gerücht Hexen nicht weinen konnten: Der Teufel sollte ihnen diese Fähigkeit genommen haben.
Oft wurde dann gesagt, daß die Hexen sich selber ins Gesicht gespuckt hatten, damit es so aussah, als würden sie weinen.
Hexenproben gab es mehrere.
Die bekannteste ist die
Wasserprobe
Den Frauen wurden die Arme und Beine überkreuz zusammen gebunden. So wurden sie in die tiefste Stelle eines Flusses oder Sees geworfen.
Natürlich konnte so gefesselt niemand schwimmen.
Ging die Angeklagte unter, so war sie unschuldig. Schwamm sie jedoch an der Oberfläche, so war dies ein Zeichen der Schuld. Im sechzehnten Jahrhundert wurde die Wasserprobe, vor allem in Deutschland, auch bei Hexen gebraucht. Die Wasserprobe war kein endgültiges Beweisverfahren, vielmehr war es so, daß, wenn die Wasserprobe bestanden wurde, dies zwar kein Beweis für die Unschuld war, wenn sie aber nicht bestanden wurde, dies sehr wohl als schweres Indiz in der Beweisführung eingesetzt wurde.
Eine berechtigte Frage ist, wie man eigentlich auf die Wasserprobe gekommen ist. Nun, man nahm an, daß das Wasser spätestens seit der Taufe Jesu ein Zeichen Gottes ist. Und alles Schlechte würde von ihm abgestoßen werden, so also auch die Hexe.
Die Hexenwaage
Bei der Probe mit der Waage wurde die Hexe gewogen. War sie leichter, als sie vorher geschätzt worden war, galt sie als Hexe. Eine Probe, die nur sehr selten zur Urteilsfindung eingesetzt wurde.
Die Nadelprobe
Wurde am Körper der Angeklagten eine Warze, ein Muttermal oder dergleichen gefunden, so stach der Scharfrichter, manchmal auch ein eigens beauftragter Chirurg hinein, und, wenn keine Äußerung des Schmerzes erfolgte oder kein Blut floß, so war man sicher, ein "stigmum diabolicum" (Hexenmal) gefunden zu haben, was mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen gleichzusetzen war.
Weitere Kennzeichen einer Hexe
Weiteres besonderes Kennzeichen einer Hexe war, daß sie beim Vaterunser bei der sechsten und siebten Bitte stockte und im Gebet nicht fortfahren konnte. Ebenso sah man es als Beweis für Hexerei an, wenn die Angeklagte beim Reden stockte, die Zunge spitzte, sie krümmte und gegen die Untersuchungsrichter herausstreckte, wenn sie unter sich oder auf die Seite sah und vergeblich versuchte zu weinen oder wenn sich sonst irgend etwas Auffallendes in ihrem Benehmen zeigte.
Nachdem durch diese Proben oder durch die Folter geklärt war, daß es sich wirklich um eine Hexe handelte, wurde sie zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Diese Art der Hinrichtung brachte 40.000-60.000 Opfer.
Üblicherweise wurden die Hexen an einen Pfahl inmitten eines Reisighaufens gefesselt, woraufhin letzterer entzündet wurde.
Als ein Akt der Gnade galt die vorherige Enthauptung, Erdrosselung oder das Umhängen eines Pulversäckchens um den Hals. Doch oft wurden sie auch lebendig verbrannt.
So glaubte die Kirche, den Hexenglauben auszulöschen.
Doch heute gibt es immer noch Hexen. Nur sind es heutzutage mehr Scharlatane als wirkliche Hexen.
Darja Naujoks
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