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Mythen und Wirklichkeiten

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Ob in der phantastischen Literatur oder im Film: Sie spielen eine nicht unerhebliche Rolle als Hintergrundmotiv oder Handlungsort. Wenig erfährt man in den Storys über ihre Geschichte und Tragik, über ihren Verfall oder Erhaltung. Was ist wahr an den Sagen, Mythen und Legenden?
Einen kleinen Einblick in die Geschichte der Burgen und Schlösser soll hier dem geneigten Leser aufgezeigt werden.

Burg Steinsberg
Kompass des Kraichgaus

Die Burg Steinsberg

Verse des Dichters Spervogel

Zweites Tor mit Wehrturm

Auf einem Basaltkegel zwischen Sinsheim und Weiler steht weithin sichtbar die Burg Steinsberg, auch »Kompass des Kraichgaus« genannt.
Im frühen Tertiär vor etwa 60 Millionen Jahren entstand an dieser Stelle ein Vulkan. Das erkaltete Vulkangestein ist am Fuß der äußeren Burgmauer stellenweise heute noch sichtbar.
Die mittelalterliche Geschichte der Burg Steinsberg begann im Jahre 1109 mit der ersten Erwähnung eines Adelsgeschlechts, welches sich nach dem Steinsberg nannte und in der 2. Hälfte des 12.Jahrhunderts von dem Dichter Spervogel besungen wurde. Von der frühen Burganlage gibt es keine sichtbaren Zeugnisse mehr.

Die Burg – ihre Baugeschichte und ihre Bewohner

Um 1180 ging die Burg in den Besitz der mächtigen Grafen von Oettingen über, die zwischen 1225-1250 den Bergfried (Turm) und die Mantelmauer erbauen ließen. Die Bauweise des Bergfrieds aus sorgfältig bearbeiteten Buckelquadern mit vielfältigen Steinmetzzeichen weist Ähnlichkeiten zu Staufischen Bauten in Italien auf. (Castel del Monte, Apulien und Enna, Sizilien)
Der knapp 30m hohe Bergfried mit rund 4m dicken Mauern gehört mit seiner regelmäßigen Steinbearbeitung, mit Kamin und Steinbalkendecke zu den schönsten seiner Zeit.

Achteckiger Bergfried

Blick vom Bergfried auf den Innenhof

Ab 1307 war die Burg im Besitz der Pfalzgrafen. In dieser Zeit fällt die Erweiterung der Burganlage.
1436 wurden der innere Zwinger, das zweite Tor mit Wehrturm, das dritte Tor, der Palas mit Kemenate und die Burgkapelle fertig gestellt.
1517 erwarben Hans Hippolyt und Ludwig von Venningen die Burg. 1525 wurde die Burg während des Bauernkrieges durch den Kraichgauer Haufen unter Führung des Pfarrers Anton Eisenhut gestürmt. Alle Holzteile wurden herausgerissen und im Burghof verbrannt. 2 Jahre später wurde die Burg mit Strafgeldern der Bauern wieder instand gesetzt.
In den Wirren des 30jährigen Krieges erlebte die Burg wechselnde Besatzungen. 1777 gaben die Herren von Venningen die Burg nach einem Blitzeinschlag endgültig auf. Danach verfiel die Burganlage mehr und mehr. Erst 1792 wurde der Turm durch einen ebenerdigen Eingang zugänglich gemacht.
1973 erwarb die Stadt Sinsheim die Burganlage und rettete sie vor dem drohenden Verfall. Seit dieser Zeit wurden erhebliche Mittel für die Sanierung und Erhaltung der Burg aufgewendet.

Die Burg – das Ausflugsziel

Vom Bergfried aus genießt der Besucher einen herrlichen Rundblick. Bei schönem Wetter kann man im Nordwesten den Königsstuhl bei Heidelberg, im Nordosten den Katzenbuckel (Naturpark Neckar/Odenwald), im Süden den Stromberg, im Westen Philippsburg (Pfälzer Wald) und noch viel mehr sehen.
Heute ist die einzigartige Burganlage ein beliebtes Ausflugsziel im Kraichgau.

Die Burg – Treffpunkt Kultur

Der Burg-Innenhof, romantisch und idyllisch, bietet sich für Kulturveranstaltungen an. In den Sommermonaten finden hier regelmäßig kulturelle Highlights wie Burgfestspiele, Theateraufführungen und das Steinsberg-Festival statt.
Das Burgrestaurant mit seinen rustikalen Räumlichkeiten sorgt mit gutbürgerlicher Küche und hervorragenden Weinen aus der Region für das leibliche Wohl.

Grundrissskizze der Burg mit Burg-Rundgang

1. Äußeres Tor

2. Zweites und drittes Tor

3. Oberes Eingangstor

4. Torhaus

5. Ehemalige Zisterne

6. Bergfried

7. Palas

8. Unterer Turmeingang

9. Wirtschaftsgebäude

10. Wappentafel von 1527

11. Mantelmauer

12. Linde

13. Zauberschlinge

14. Aborterker

15. Pechnase am Wehrturm

16. St. Anna Kapelle

Weitere Burgimpressionen:

Eingangstor zum Burghof

Ausgangstor vom Burghof

Blick auf die Wirtschaftsgebäude der Burg

Linde

Wallfahrts-, Andachts- und Hochzeitskapelle

Direkt am Fuße der Burg Steinsberg liegt die 1514 erstmals urkundlich erwähnte St. Anna-Kapelle. Im 30-jährigen Krieg und durch Blitzschlag fast vollständig zerstört, wurde sie zwischen 1689 und 1747 erneuert und um 1763-1769 mit barocker Ausstattung versehen. Durch erneuten Blitzschlag stark beschädigt, wurde die Kapelle im Jahre 1946-1952 nochmals renoviert und ist heute eine weit bekannte Andachts-, Wallfahrts- und Hochzeitskapelle.

St. Anna Kapelle

Innenraum der Kapelle

Quellen:

Material der Stadt Sinsheim

© Manuela und Achim Reutlinger

 

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