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Mythen und Wirklichkeiten

Die Welt der Bolitho-Reihe - Teil IV

Die Schlacht bei Trafalgar

Selbst jene, die mit Schlachten oder der Marine nicht viel am Hut haben, haben von der Schlacht bei Trafalgar gehört. Diese legendäre Seeschlacht, bei der sich zwei der genialsten Admiräle gegenüberstanden, darf natürlich auch in der Bolitho-Reihe nicht fehlen (Die Seemannsbraut) und wird dort später noch mehrmals erwähnt.


Die Schlacht von Trafalgar von Thomas Withcombe

»Gebt mir nur einen Tag die Herrschaft im Kanal, und England liegt zu meinen Füßen.«

Dieser Satz von Napoleon hatte bereits zu zwei Invasionsversuchen gegen England geführt. Beide Male konnten diese Pläne Frankreichs abgewehrt werden.
Nun, im Jahr 1804, befanden sich England und Frankreich nach dem achtzehn Monate langen Frieden von Amiens wieder im Krieg. Frankreich hatte diese Zeit des Friedens genutzt um neue Kriegsschiffe zu bauen, England hat - wie so oft in der Geschichte - den Fehler gemacht und seine Flotte eher abgebaut, dennoch war die britische Flotte noch groß genug um sich der französischen Flotte entgegenzustellen.
Im Dezember 1804 bekam Frankreich einen neuen alten Verbündeten: Spanien ergriff Partei für Frankreich. Napoleon sah die Stunde gekommen, um erneut gegen England eine Invasion zu starten. So befahl er, dass die Geschwader in Toulon und Rochefort die britische Blockade durchbrachen und jenseits des Atlantiks zu den Westindischen Inseln segeln sollten.
Im März 1805 entwischten die französischen Schiffe tatsächlich ihren Bewachern und segelten in den Atlantik. Wie von Napoleon gedacht, folgte Admiral Nelson mit seinem Geschwader den Schiffen und waren somit weit weg vom Kanal, während die Flotte Frankreichs unter Admiral Villeneuve wieder nach Europa zurückgesegelt war. Einer Invasion stand nun nichts mehr im Wege.

Von Problemen in der französischen Flotte und der Ungeduld des Kaisers
Allerdings hat Villeneuve mit Problemen zu kämpfen. Die Befehle, die er erhält, sind widersprüchlich, erreichen ihn teilweise sogar viel zu spät oder gar nicht. Des Weiteren hat die vereinigte spanisch-holländisch-französische Flotte nicht ein einziges Mal gemeinsam manövriert, dazu kommen Sprachprobleme und unterschiedliche Flaggensignale. Villeneuve weiß, dass er mit dieser Flotte keine große Chance auf einen Sieg hat. Und bis zu einem gewissen Grad kann der französische Admiral seine Mission auch korrekt ausführen.
Wie befohlen vereinigt sich Villeneuve im Hafen von Cadiz in Spanien mit den Schiffen des spanischen Admirals Gravina, im Mai erreicht die vereinigte Flotte die Antillen, immer dicht gefolgt von Nelson und seinem Geschwader. Im August stoßen weitere zehn spanische Schiffe zu Villeneuve und eine Schlacht zwischen Nelson und Villeneuve wird nur verhindert, weil Nelson den Befehl bekommt, zur Insel Quessant zu segeln. Dort kontrollieren vierzig britische Schiffe das Meer, eine Zerstreuung der britischen Flotte ist also gescheitert.
Dennoch: Villeneuve sticht am 13. August von La Coruna in See, kehrt allerdings drei Tage später wieder zurück, die englischen Kräfte waren zu groß. Am 22. August 1805 läuft Villeneuve mit seiner vereinigten Flotte wieder in den Hafen von Cadiz ein, wo er von den Engländern eingeschlossen wird. Napoleon schäumt vor Wut und bezichtigt Villeneuve, versagt zu haben. Bevor dem Admiral Konsequenzen angediehen werden können, wendet sich Napoleon dem Kontinentalkrieg zu, denn Österreich, Preußen und Russland haben sich zur Dritten Koalition vereinigt und bedrängen Frankreich. Durch den Landkrieg aufs Äußerste gereizt verkennt Napoleon die Lage seiner Flotte und gibt den Befehl zum Ausbruch, koste es, was es wolle. Villeneuve soll zudem durch Rosily ersetzt werden, der seit fünfzehn Jahren kein Kommando auf See mehr geführt hatte. Doch Admiral Villeneuve behält das Kommando und sticht am Morgen des 20. Oktober 1805 mit 33 Linienschiffen in See.

Die Schlacht vor Kap Trafalgar und der Tod einer Legende


Schlachtanordnung bei Trafalgar (*)

Am Morgen des 21. Oktober erspäht die britische Flotte die vereinigte Flotte der Franzosen. Wenige Stunden später stehen sich 33 französische und 27 englische Schiffe gegenüber. Während sich Admiral Villeneuve für eine enge Schlachtlinie entscheidet, entscheidet sich Admiral Nelson für zwei voneinander getrennte Angriffsreihen, die die französische Linie von der Seite her aufbrechen und die französischen Schiffe einzeln beschießen sollte. An der Spitze der beiden Linien stehen die beiden alten Schlachtschiffe - wegen ihrer ruhmreichen Geschichte auch »Seeungeheuer« genannt - Royal Sovereign und die Victory, Nelsons Flaggschiff.

Die ersten Schiffe, die aufeinanderstoßen, sind die Royal Sovereign und die Santa Ana. Die Schlacht auf dieser Seite wütet zwischen dreizehn Schiffen der Franzosen und fünfzehn Schiffen der Briten, deren schnelle Salven eine verheerende Wirkung haben.
Auf der anderen Seite stoßen die beiden Flaggschiffe Victory und Bucentaure aufeinander. Die Redoutable eilt zur Hilfe und legt sich neben der Victory, worauf ein dreistündiger wahnsinniger Kampf entbrennt, der selbst dann nicht endet, als kurz nach 13 Uhr Nelson auf dem Achterdeck seines Flaggschiffs zusammenbricht. Getroffen vom Feuer der französischen Scharfschützen. Das Getümmel wird noch blutiger, als die Téméraire der Victory zur Hilfe eilt und die Fougueux der Redoutable. Erst gegen 16 Uhr zeichnet sich ein Sieg der Briten ab. Immer mit zwei Schiffen greifen die Engländer ein französisches oder spanisches Schiff an, ist es zerstört, nehmen sie sich das Nächste vor.
Am Ende des Tages sind siebzehn Schiffe der vereinigten Flotte aufgebracht, elf sind beschädigt und versuchen nach Cadiz zu entkommen, ein Schiff ist explodiert und vier haben sich schon vorher aus der Schlacht entfernt. Rund 9000 Männer sind auf der Seite der Franzosen und Spanier gefallen, die Briten haben lediglich rund 1500 Männer zu beklagen.
Am Ende des Tages ist die Französisch-spanische Flotte besiegt, aber am Ende dieses Tages ist auch einer der berühmtesten Männer der Seekriegsgeschichte tot: Admiral Horatio Nelson, der die Kühnheit besaß, nahe an den Feind zu segeln und damit die erstklassigen Fähigkeiten der britischen Geschützmannschaften ihre Wirkung zeigten. Nachdem er neben seinem Flaggkapitän zusammengebrochen war, erlebte er die Schlacht unter Deck zwischen all den Verletzten, die Schmerzen nicht mehr ertragend und den Tod herbeisehnend. Horatio Nelson starb kurz nachdem ihm sein Flaggkapitän berichtete: »Unser Sieg ist brillant!«

Einige Zusatzinfos:

Admiral Villeneuve kam in Kriegsgefangenschaft.
Drei der berühmtesten Schiffe der Seekriegsgeschichte nahmen an dieser Schlacht Teil:

  • Die Victory, die man übrigens noch heute in Portsmouth bewundern kann.
  • Die Royal Sovereign, die übrigens in der Schlacht als Flaggschiff von Admiral Collingwood diente, wurde 1841 abgewrackt.
  • Die Santissima Trinidad, ein legendäres spanisches Kriegsschiff, sank am 22. Oktober 1805 vor Kap Trafalgar; das Wrack ist bis heute nicht gefunden.

Literatur:

  • Böndel, Dirk: Admiral Nelsons Epoche. Die Entwicklung der Segelschiffahrt von 1770 bis 1815. Aus: Berliner Beiträge zur Technikgeschichte und Industriekultur. Schriftenreihe des Museums für Verkehr und Technik. Berlin 1987
  • Meurer, Alexander: Seekriegsgeschichte in Umrissen. Seemacht und Seekriege vornehmlich vom 16. Jahrhundert. Leipzig 1943
  • Meyer, Jean/Acerra, Martine: Segelschiffe im Pulverdampf. Das Ringen um die Seeherrschaft in Europa. Bielefeld 1996

Bilder:

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* Diese Grafik hat die GNU Free Documentation License und ist somit frei verfügbar.

Interessante Links (alle auf Englisch):

Siehe auch hier:

© Cornelia Sibilitz

 

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