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Interview mit Volker Ferkau

im Gespräch mit Volker Ferkau

: Hallo Volker,
am 4. Mai startet der Kelter Verlag mit der neuen Taschenheftserie Mythenland, die aus deiner Feder stammt. Jeden Monat erscheint ein Taschenheft mit einem Umfang von 384 Seiten. Das bedarf ganz sicher einer längeren Planung. Erzähl uns doch bitte, wie und wann das Mythenland entstanden ist.

Volker: Der Buchmarkt quillt über von Fantasy. Alles sehr dicke Bücher, 800 Seiten und mehr, für die man lange Lesezeit braucht. Ich überlegte, eine Serie zu konzipieren, die alle Charaktere der Fantasy zusammenführt, die temporeich geschrieben ist und eher einer modernen TV-Serie ähnelt als einem gemächlichen Epos. Es sollte einen Umfang haben, den man gut lesen kann mit angenehm großer Schrift. Alles ging ganz schnell. Kelter war von dem Konzept begeistert und gibt sich viel Mühe, meine Vorstellungen perfekt umzusetzen.

: Bisher hast du meist an Serien mitgeschrieben, bei denen du dich an gewisse Vorgaben halten musstest. Mythenland ist nun sozusagen dein eigenes Baby. Was war der entscheidende Unterschied beim Schreiben für dich?

Volker: Ich schreibe nicht gerne nach Exposé, das ist auch schon der einzige Unterschied. Da halte ich es mit Stephen King, der sagt, dass seine Personen ein Eigenleben entwickeln müssen und er immer wieder staunt, was die so alles anstellen und wie seine Romane enden. Band 1 bis 3 von MYTHENLAND entwickelten sich NUR aus den Personen heraus. Ab Band 4 führe ich die Fäden lose zusammen und bei Band 5, dem letzten Roman des MURGON-ZYKLUS, komme ich um genaue Planungen nicht herum, um die Logik zu wahren.

: Und was hast du in diesem Alleingang im Gegensatz zu beispielsweise Sternenfaust vermisst?

Volker: Inzwischen habe ich Vincent Taglieri sehr liebgewonnen und andere Figuren. Mit denen würde ich gerne noch länger beisammen sein. Wenn ich in eine spannende Geschichte eintauche, ist es egal, ob ich Sternenfaust, Maddrax oder Mythenland schreibe.

: Fünf Bände sind bereits angekündigt, drei davon fertig geschrieben. Wie bewältigst du dieses enorme Arbeitspensum, jeden Monat einen beinahe 400 Seiten umfassenden Roman zu schreiben? Wie ich deiner Homepage entnehmen konnte, gehst du ja auch noch einem Beruf nach und machst Musik.

Volker: Schreiben ist ein magischer Vorgang und gleichzeitig harte Arbeit. Du hast die Wahl: Tue es oder lasse es! Ich bin das Wagnis eingegangen, das, wohlgemerkt, auch schiefgehen kann. Doch ich bin guter Dinge.

: Wie viele Bände sind insgesamt in Planung?

Volker: Das entscheiden die Fans. Allerdings werde ich ab Band 6 nicht mehr alle Romane selbst schreiben. Ich habe Freunde gebeten, mich zu unterstützen. Ich denke, es werden in Zukunft einige sehr angesehene Autoren an der Serie mitschreiben.

: Die Vorschau auf den ersten Band Drachenhauch gibt nicht viel vom Inhalt preis, verspricht aber doch klassische Fantasy zu beinhalten. Neben Elfen, Zwergen und Dämonen ist auch von Barbs die Rede, ein Volk, welches du vor 20 Jahren erfunden hast. Was sind Barbs und warum erklärst du sie zu deinen Lieblingen?

Volker: Vor 20 Jahren erfand ich die Barbs, ein Volk stämmiger kleingewachsener Leute. Liebenswerte Gestalten, die sich ihr einfaches Leben mit schwerer Arbeit erkaufen. Also schrieb ich und bot es Verlagen an. Vor 20 Jahren waren deutsche Autoren im Fantasy-Bereich für Verlage absolut uninteressant, also verschwanden die Barbs in der Schublade. Später spielten sie sogar eine tragende Rolle in Uschi Zietsch’s SUNQUEST-Saga, für die ich ein Taschenbuch beisteuerte. Die Barbs leben auf der Insel Fuure. Sie sind das letzte Volk im Land der Mythen, welches autark und zufrieden ihren alten Traditionen frönt. Leider endet das alles, als ein tragisches Unglück passiert.

: Mythenland erscheint im Kelter Verlag als Taschenheft. Auch der Verlag geht damit neue Wege. Wie hast du den Verlag von deiner Idee überzeugen können und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Volker: Ich schreibe seit 12 Jahren für Kelter unter Pseudonym. Man schätzt dort meine Romane. Meine Idee wurde sofort akzeptiert. Ich danke Mario Melchert und Dr. Andreas Schäfer für den Mut, meine Helden auf eine lange Queste zu schicken.

: Arndt Drechsler zeichnete die Titelbilder. Inwieweit hast du mit ihm zusammengearbeitet? Wer hatte beispielsweise die Ideen für die Motive? Hast du Einfluss genommen auf die Umsetzung?

Volker: Kelter gestattet mir völlige Freiheit. Ich entwickele die Handlung, schreibe, ich sorge für das Vorlektorat, für die grafische Umsetzung, bis hin zu Teasertexten etc.. Kelter wollte mit eigenen Illustratoren arbeiten, was mir nicht zusagte. Susanne Picard von BASTEI schaffte mir den Kontrakt zu Arndt Drechsler, der von Kelter sogleich akzeptiert wurde. Inzwischen sind Arndt und ich gute Freunde geworden.

: Was unterscheidet Mythenland von anderen Fantasyserien? Warum sollte ich mich als Leser ausgerechnet für Mythenland entscheiden?

Volker: Ich begreife Mythenland von der Dramaturgie her wie eine TV-Serie (LOST, PRISON BREAK etc.). Geheimnisse, Rätsel, haarsträubende Action und Charaktere, die nicht eindimensional sind, sondern ihre eigenen Schicksale haben, die sich dem Leser langsam erklären. Zu Beginn liest sich vieles noch sehr archetypisch, doch das gibt sich von Band zu Band. Man kann bei jedem Band einsteigen. Es gibt ein ‚Was bisher geschah’ und ein Personenregister. Am Ende von BAND 5 (man könnte auch sagen Staffel 1) werden Stammleser sehr überrascht sein. Band 1 ist ein typischer ‚Pilotfilm’, bemüht, den Lesern die wichtigsten Personen auf spannende Weise vorzustellen. Danach wird es stringenter.
Für Band 3 habe ich mir etwas ganz Neues ausgedacht. Er heißt ZORN DER RIESEN und stellt erstmals die ansonsten märchenhafte Gattung der Riesen in den Bereich der High Fantasy.

: Nun, dann bin ich gespannt auf den ersten Band Drachenhauch.
Ich danke dir für die Beantwortung der Fragen und wünsche dir auch weiterhin noch viele mythische Ideen und vor allem viele Leser, die wir hoffentlich mit diesem Interview etwas neugierig gemacht haben.

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