: Auf deiner Homepage liest man folgende Worte: »Die Kraft unserer Gedanken ist es, die uns die Macht verleiht, neue Wirklichkeiten zu erschaffen. Die Gabe unserer Fantasie aber hält den Schlüssel dafür bereit.« Welche Persönlichkeit steckt hinter der Autorin Ute Kretschmer und wie setzt du dieses Leitmotiv in deinem Leben um?
Ute Kretschmer: Ich versuche, in jedem Geschehnis, in jedem Tag etwas Positives zu sehen. In manchen Situationen ist das gar nicht so einfach. Auch in meinem Leben gab es Höhen und Tiefen. Doch diese Erfahrungen waren es, die mich gelehrt haben, dass trübe Gedanken mehr von den ungewollten, trüben Ereignissen anziehen. Positive Gedanken hingegen geben positiven Ereignissen Raum, damit sie in unser Leben treten können. Meine Fantasie schenkt mir die Freiheit, auch hinter scheinbar bedeutungslosen Dingen ein kleines Wunder zu entdecken. Das hilft mir, dem grauen Alltag immer ein bisschen Farbe zu verleihen.
: Nicht jeder hat die Gabe, einen Roman zu schreiben. Was hat dich dazu bewogen, deinen Roman »Enyulah - Das Rätsel der vier Mysterien« in Angriff zu nehmen?
Ute Kretschmer: Schon von Kindheit an ist es für mich eine Leidenschaft, Geschichten und Gedichte zu schreiben. Begonnen habe ich mit kleinen Erzählungen, die ich in die Seiten eines Schulheftes schrieb. Allmählich aber gewannen diese Storys an Umfang und ich tauschte meinen Füllfederhalter gegen die alte Schreibmaschine meiner Eltern aus. Schnell habe ich gemerkt, dass ich eine starke Affinität zu Fantasiegeschichten hatte. Ich mochte es, mir eigene Geschöpfe und Welten zu kreieren. Daraus wuchs meine Leidenschaft zum Fantasy-Genre. Schließlich hatte ich die Idee, einen ganzen Roman zu schreiben, der all das Erdachte zu einer großen Abenteuerreise verbinden sollte. Die Idee »Enyulah« war geboren. Das Spannendste an dieser Arbeit war, dass ich selbst alles mit meinen Romanhelden durchleben konnte und nie wusste, wohin uns der nächste Schritt tragen würde. Umso spannender war es dann, wenn ich, mit neuen Ideen gewappnet, die »Expedition« fortsetzen konnte.
: Wie lange hast du dazu gebraucht, um diesen zu vollenden?
Ute Kretschmer: Von der Idee bis zur Vollendung habe ich etwa 5 Jahre gebraucht. Dem möchte ich beifügen, dass ich mich nicht kontinuierlich dem Schreiben widmen konnte. Es gab mehrere kleine Unterbrechungen, zum einen um neue Ideen zu sammeln, zum anderen bedingt durch Arbeit und Studium.
: Namen wie Markus Heitz, Christoph Hardebusch, Bernhard Hennen ... sind unter anderem in der Fantasygemeinde in aller Munde. Wie hoch hast du dir persönlich die »Messlatte« gelegt, um einen ansprechenden Fantasyroman zu Papier zu bringen?
Ute Kretschmer: Ich schätze die Arbeit dieser und auch anderer Autoren sehr. Eine »Messlatte« zu legen bedeutet aber für mich, mich zu sehr mit anderen vergleichen zu müssen. Für mich ist es wichtig, dass ich meine Freude und Begeisterung beim Schreiben behalte und das die Gedanken und Worte, die ich zu Papier bringe, aus meinem Inneren kommen. Dennoch bin ich auch sehr kritisch mit mir und gebe mein Bestmöglichstes, um meine Geschichten so niederzuschreiben, dass sie viele Leser begeistern und mitreißen können. Wichtig für mich sind auch die Erfahrungen, die ich während meiner Arbeit gewinne und die mir helfen, zu wachsen und heranzureifen.
: Welche Vorbilder hast du?
Ute Kretschmer: Ein direktes Vorbild habe ich nicht, da ich mich nicht zu sehr an anderen Autoren orientieren möchte, um meinen eigenen Stil entfalten zu können. Erfolgreiche Autoren wie J.K.Rowling sind natürlich eine Motivation für mich.
: Ein Fantasyautor erzählte mir, dass er die Namen seiner Protagonisten mithilfe eines Namengenerators ermittelt. Wie bist du bei der Auswahl der Namen deiner Protagonisten vorgegangen?
Ute Kretschmer: Zuerst habe ich immer ein Bild des jeweiligen Helden oder der Handlung vor Augen. Den entsprechenden Namen wähle ich dann intuitiv aus. Dabei orientiere ich mich an keiner bestimmten Sprache. Meist kommen mir die Worte spontan ein. Wenn sie stimmig für mich sind und zu der entsprechenden Figur passend, nehme ich sie in meine Geschichte auf. Es ist mir auch schon passiert, dass ich einen Namen geträumt habe oder während einer anderen Tätigkeit eine Eingebung bekam. Deshalb habe ich meist Zettel und Stift in meiner Nähe.
: Tragende Säulen in deinem Roman »Enyulah - Das Rätsel der vier Mysterien« sind die Erde, die Lüfte, das Wasser und das Feuer. Was bedeuten für dich diese vier Elemente?
Ute Kretschmer: Die vier Elemente sind, wie beispielsweise auch die vier Himmelsrichtungen oder die vier Jahreszeiten, wichtige Pfeiler in unserem Lebenskreis. Für mich bedeutet die Erde Geborgenheit. Sie erinnert mich an meine Wurzeln, meine Familie und sie gibt mir Halt. Die Lüfte assoziiere ich mit Freiheit und dem Überwinden von Grenzen, aber auch von Hürden, die uns das Leben manchmal in den Weg stellt. Aber auch Klarheit steht dahinter. Ich z. B. halte gern mal den Kopf in den Wind, um ihn freizubekommen. Feuer verbinde ich mit Veränderung und Neubeginn. Wasser symbolisiert für mich Lebendigkeit, Bewegung und Vorankommen.
: Wie stehst du persönlich zu dem Genre Fantasy?
Ute Kretschmer: Fantasie ist für mich etwas sehr Wichtiges. Schon von Kindesbeinen an hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, eigene Welten und Figuren zu erschaffen und diese in Geschichten zum Leben zu erwecken. Jetzt, im Erwachsenenalter, erlaubt es mir, meine kindliche, spielerische Seite wach zu halten, aus der ich Kreativität und Ideenreichtum schöpfen und meinem Alltag eine besondere Würze verleihen kann.
Obwohl auch ich begeistert den einen oder anderen Roman des Fantasy-Genres gelesen habe, liegt für mich die eigentliche Faszination im Schreiben - eigene Geschöpfe zu kreieren, Handlungen zu erfinden und diese zu Papier zu bringen. Dabei ist es immer wieder spannend für mich, weil ich während meiner Arbeit am Buch selbst nicht weiß, wo meine Fantasiereise enden wird und ich mich immer wieder überraschen lassen kann.
: Welchen Stellenwert haben für dich Gut und Böse in Gestalt von Belle, Aylan und Galidar?
Ute Kretschmer: Gut und Böse sind für mich wie Licht und Schatten, positiv und negativ oder hell und dunkel.
Wo das Eine ist, ist auch das Andere - gegensätzlich und doch untrennbar miteinander verbunden, denn ohne das Eine gäbe es das Andere nicht.
So existieren auch in jedem Wesen beide Seiten, obgleich man sich oft nur einer bewusst ist.
Im Roman stellt Shay Belle die zentrale Figur da. Hohepriester Galidar spiegelt in diesem Fall ihren eigenen Schatten. Der Kampf gegen ihn ist gleichzeitig das Ringen mit der eigenen, verdrängten Schattenseite.
König Aylan bildet den Gegenpol Galidars. Er symbolisiert mit seiner Weisheit, Kraft und Entschlossenheit einige von Shay Belles unterdrückten Ressourcen.
In gewisser Weise ist die Reise in dieser Geschichte Shay Belles Reise zu ihrem wahren Selbst.
: Was erwartet den Leser in »Enyulah - Das Rätsel der vier Mysterien«?
Ute Kretschmer: Die Leser dürfen sich auf eine spannende Reise in ein Reich voller Fantasie und Mystik freuen.
Ihnen wird sich eine völlig neue Welt offenbaren, in der sie beispielsweise auf furchterregende Seeungeheuer, das sagenumwobene zweigehörnte Einhorn, die gefürchteten Boten des Leids und Heerscharen der Gesichtslosen, Drachen und das legendäre Tha Iry-Volk treffen werden.
Sie werden den Romanhelden zu unbekannten Gestaden folgen und mit der Steinwüste der Nychmals und ihrem verbotenen Tempel, den Klöstern der Ewigkeit und dem Land des Kristallsees, den magischen Donnerbergen mit dem geheimnisvollen Flammenbaum, der schweigenden Stadt im Reich der Seelenwanderer, der Insel des Windes und ihren mysteriösen Geisterschiffen, der Legenden - Bibliothek und vielen anderen fantastischen Orten eines mystischen Landes Bekanntschaft schließen. Zu einer gehörigen Portion Spannung, Magie und Abenteuer, gesellen sich auch die Herzlichkeit einer innigen Freundschaft und die Romantik einer zarten Liebe hinzu.
: Wie sieht deine schriftstellerische Zukunft aus? Was kommt als Nächstes?
Ute Kretschmer: Ich glaube, wer einmal vom angenehmen »Virus der Schriftstellerei« infiziert ist, der möchte so schnell nicht damit aufhören. So ist es jedenfalls bei mir. Solange mir die Ideen nicht ausgehen, möchte ich weiterschreiben. Mein nächstes Buch ist bereits in Arbeit. Auch hier bleibe ich dem Genre Fantasy treu. Es ist eine von Kindern inspirierte und für Kinder (und natürlich auch Erwachsene) geschriebene Geschichte.
Es besteht aber durchaus auch die Möglichkeit, dass es eine Fortsetzung von »Enyulah - Das Rätsel der vier Mysterien« geben wird und die Ohynia - Chroniken weiter gefüllt werden, denn ich spüre noch immer eine innige Verbindung zu meinen Buch-Helden und würde sie gern weiter durch das Fantasiereich begleiten.

Die Fragen stellte Wolfgang Brandt via E-Mail.
Bild der Autorin mit freundlicher Genehmigung der Persimplex Verlagsgruppe Wismar.
Copyright © 2010 by Geisterspiegel