: Unseren Lesern wirst du eher bekannt sein als Perry-Rhodan-Autorin Susan Schwartz. Diese Zeit hast du 2003 hinter dir gelassen, doch den Geisterspiegel interessiert sich sehr dafür. Nenne uns doch bitte drei Dinge aus der PR-Zeit, an die du dich besonders gern erinnerst, und drei, auf die du gut hättest verzichten können.
Uschi Zietsch: Als Erstes wäre da natürlich das erste Perry-Rhodan-Heft von mir: Nr. 1652, „Im Netz des Quidor“. Einer der aufregendsten Momente meines Lebens, plötzlich die Helden meiner Jugend selbst zum Leben erwecken zu dürfen.
Als Zweites das Team. Die Zusammenarbeit, man kann sagen, das Zusammenspiel zwischen Autoren und Redaktion war – und heute noch ist, wie ich weiß – hervorragend, man arbeitete immer mit-, nicht gegeneinander. Auf die jährliche Autorenkonferenz habe ich mich immer sehr gefreut.
Als Drittes: Der Doppelroman über die Aarus, Nr. 2130/2131. Die Möglichkeit, einmal etwas ganz Fremdes so ausführlich beschreiben zu können, und das noch dazu in einem derart phantastischen Ambiente wie dem durchs All reisenden Sphärenwurm, lässt mich noch heute ins Schwärmen geraten. (Das war jetzt auch noch ein Wortspiel!)
Worauf ich hätte verzichten können? Auf nix. Alles macht einen um Erfahrungen reicher, formt den Charakter und macht das Leben abwechslungsreich. Ein Leben ohne Konflikte wäre wie ein Buch ohne Konflikte: stinklangweilig.
: Der Anteil der weiblichen Autoren an der Perry Rhodan Serie beträgt magere 5 Prozent, davon hast du allein fast die Hälfte geschrieben (Marianne Sydow 61, Claudia Kern 3 und du 63 Romane). Warum schreiben so wenig Frauen Science Fiction und Perry Rhodan im speziellen?
Uschi Zietsch: Tja, keine Ahnung. Das habe ich mich damals, als ich anfing, häufig gefragt. Vielleicht ist es schlicht und einfach so, dass das Genre SF den weiblichen Autoren weniger liegt, aus welchen Gründen auch immer. PR ist dementsprechend eine Stufe extremer, fährt vielleicht durch die 45 Jahre Stringenz in zu engen Bahnen und ist zu stark männerorientiert. Immerhin gibt es in der Serie auch nur sehr wenige weibliche Protagonisten, die sich länger in der Lesergunst halten konnten. Ehrlich gesagt, ich werde diese Frage nie beantworten können, denn ich bin ja eine von den 5 Prozent, gell?
: Der Galaktische Mediziner Zheobitt war ein interessanter Charakter von dir, der leider keine lang anhaltende Rolle spielen konnte, wie überhaupt medizinische Themen in der Serie nur eine Randnotiz waren. Sind derartige Themen für eine Action-Serie zu anspruchsvoll?
Uschi Zietsch: Zheobitt ist, das muss ich vielleicht vorausschicken, keine Erfindung von mir, sondern eine Vorgabe. Ich hatte die Aufgabe, ihn genauso wie Bré Tsinga in die Serie einzuführen. Zheobitt zum Leben zu erwecken, hat mir sehr viel Spaß gemacht, dementsprechend habe ich ihn auch in meinem Hardcover für die Autorenbibliothek (Quinto-Center) noch einmal auftreten lassen. Ich glaube nicht, dass medizinische Themen für PR zu anspruchsvoll sind, sie sind nur auf Dauer nicht interessant genug, weil sie wenige Variationen bieten können. Da ist der Reiz schnell weg. Dementsprechend konnte Zheobitt natürlich auch nicht inflationär eingesetzt werden. Und das ist gut so. Lieber schreien die Leser sehnsüchtig nach einer Figur, als dass sie um Abservierung bitten.
: Worin siehst du den bedeutendsten Unterschied beim Schreiben eines Heftromans im Gegensatz zum Buch?
Uschi Zietsch: Beim Heftroman lernt man, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und epische literarische Ausuferungen zu vermeiden. Ein Heftroman sollte auf wenigen Seiten spannende Unterhaltung und Kurzweil bieten. Er kann durch die begrenzte Zeichenanzahl nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, aber man kann einen Charakter auch mit wenigen Worten lebendig machen. Im Buch kann man sich ausbreiten, da ist auch einmal Zeit zum Verweilen, dem Leser das Ambiente zu zeigen, und verschrobene Gedanken des Protagonisten, die nicht unbedingt die Handlung vorantreiben.
Natürlich muss man sich im Heftroman auch im Rahmen des Jugendschutzes bewegen und hat meistens genaue Vorgaben über Inhalt, Daten und Handlungsverlauf. Auch wenn man das Exposé dazu selbst erstellt, gibt es ganz klare Richtlinien, die eingehalten werden müssen, und man muss sich mit den restlichen Team-Autoren absprechen.
Ein Heftroman ist eine hervorragende Schule zum Erlernen des Basis-Handwerks, aber man muss bereit sein, Abstriche zu machen.
: Mit welchen Schwierigkeiten hattest du beim Schreiben an so einer großen Serie zu kämpfen?
Uschi Zietsch: Mit allen. ;-)
: Inwieweit brauchtest du Vorkenntnisse zur Serie und wie hast du dir diese so schnell erworben?
Uschi Zietsch: Ich habe PR in Jugendjahren gelesen, allerdings nur die „ollen Kamellen“ von 1-500. Nach der Buchmesse 1991 erhielt ich einen Riesenstapel Exposés, Manuskripte und Datenblätter (damals gab’s noch kein Internet, noch nicht mal Diskettenversand!), durch die ich mich wühlen musste. Aber ich lese mich immer sehr schnell ein, weil ich „den Blick“ dafür habe, was für mich persönlich relevant ist, was ich als Überblick wissen muss. Die weitere Recherche erfolgte dann während der Arbeit am ersten Heftroman. So arbeite ich noch heute, ich stelle mir zusammen, was ich für einen Roman brauche, und lese mich dann ein.
: Vermisst du das Schreiben von PR-Heften?
Uschi Zietsch: Ja, manchmal schon. Ich vermisse natürlich das Team, Herausforderungen wie die Aarus, und PR bleibt, wenn man einmal dabei war, immer ein Teil des Lebens. Aber ich bin froh, dass ich den Schritt unternommen habe, denn so habe ich die Chance genutzt, endlich einmal wieder eigene Werke zu realisieren – eine epische Fantasy-Trilogie von mir wird 2008 bei Lübbe erscheinen –, Fabylon wiederzubeleben und bei vielen interessanten Projekten mitzuwirken. Ich bin derzeit so kreativ wie noch nie, und das ist toll. Ich würde gern noch viel mehr machen, aber der Tag hat leider nur 24 Stunden, und wenn ich die Nacht dazunehme, wird es trotzdem nicht mehr. :-)
: Kommen wir nun zum aktuellen Projekt SUNQUEST. Die Idee stammte von deinem Mann Gerald Jambor. Wie steinig war der Weg für Gerald von der Idee bis heute, besonders bezüglich deiner Meinung dazu?
Uschi Zietsch: Manchmal musste er schon schlucken :-) Er hatte teilweise ganz andere Vorstellungen, die ich nicht für realisierbar hielt. Aber ich habe alle seine Ideen und natürlich die drei Heldinnen nach seinen Vorstellungen in die Serie eingearbeitet und alles passend zusammengefügt. Wir haben manchmal vielleicht ein bisschen heftiger diskutiert, aber immer einen guten Kompromiss gefunden. Als ich ihm das fertige Konzept vorlegte, gab er vorbehaltlos seinen Segen dazu. Es freut ihn natürlich sehr, dass seine Idee realisiert wird – und das Beste daran, dass es das von ihm „erfundene“ System tatsächlich gibt. Er ist auch weiterhin ganz nah dabei und gibt seine Anmerkungen zu Exposés, Illustrationen, usw. Auch die Entwicklung des SQ-Logos entstand nach seinen Vorgaben. Der Serienname immerhin ist von mir. :-)
: Seit 2001 schlummert SUNQUEST schon in einer Schublade. Da war die Idee von den 3 Sonnen noch reines Science Fiction. Im Jahr 2005 holte euch die Wirklichkeit ein, als im Sternbild Schwan genau das von euch erdachte Drei-Sonnen-System entdeckt wurde. Was war das für ein Gefühl? Und welche Konsequenzen habt ihr daraus gezogen?
Uschi Zietsch: Ich entdeckte zufällig die Meldung in einem Forum, den Foreign Worlds, und mich riss es fast vom Hocker. Ich weiß noch, dass ich sofort meinen Mann im Geschäft anrief, wo er gerade überhaupt nicht gestört werden durfte, und in den Hörer brüllte: „Wir haben es gefunden! Drei Sonnen! Ein Planet!“ Dann legte ich wieder auf. Keine Ahnung, wie die Besprechung meines Mannes dann weiter verlief.
Die Konsequenz war, dass ich mich sofort (na ja, ein halbes Jahr später, aber die ersten Besprechungen mit künftigen Autoren fanden schon statt) intensiv mit dem Konzept beschäftigte, damit uns kein anderer das System vor der literarischen Nase wegschnappte. Plötzlich einen „Punkt auf der Landkarte“ zu haben erleichterte die Arbeit natürlich enorm und brachte die Idee der Realität näher. Auf diese Weise Phantasie und Wirklichkeit verbinden zu können, ist natürlich große Klasse, und macht es natürlich auch für den Leser greifbarer. Das eröffnet neue Horizonte.
: Nach der Entdeckung ging es mit dem Projekt SUNQUEST sehr schnell voran, und nun sind die ersten Bücher fertig. Habt ihr eure Idee nun reines Science Fiction sein lassen oder nach 2005 noch einen gewissen Realitätsbezug eingebaut? (Ich spiele damit auf die Einstein`schen Gesetze an).
Uschi Zietsch: Ja. :-) Das sind die verflixten Oder-Fragen! Aber ernsthaft: Wir haben einen wunderbaren Weg gefunden, uns vor der Wissenschaft zu drücken – indem wir eine pseudowissenschaftliche Theorie aufgestellt haben, die derzeit nicht widerlegt werden kann (immerhin hielt man ein Planetensystem mit 3 Sonnen auch für unmöglich): Bedingt durch die extreme Konstellation der drei Sonnen und des Planeten herrscht eine Anomalie vor, die die Einstein’schen Gesetze innerhalb dieses Systems aufhebt. Gut, gell? Damit haben wir für die Science Fiction eine Erklärung gegeben, und beim Fantasy-Anteil interessieren die wissenschaftlichen Hintergründe sowieso keinen, Hauptsache, es ist phantastisch, exotisch und kreativ. Durch die Einflüsse der Anomalie, der besonderen Strahlung innerhalb des Systems, der zusätzlichen, einmaligen Sphäre, die sich um Less gebildet hat (also so was wie eine „zweite Ozonschicht“, könnte man sagen), ist nicht nur Leben auf dem Mond möglich, sondern auch die Psimagie nachvollziehbar.
SunQuest ist vor diesem Hintergrund eine Abenteuer-Unterhaltungsserie, die nach der Einführung im ersten Part auf einer Welt ohne Elektronik spielt, also ähnlich „Steam Punk“. Das ist ein toller Spielplatz für die Autoren, die ungehemmt ihrer Phantasie freien Lauf lassen dürfen, und niemand kann sagen: „Was für’n unmöglicher Mumpitz“. Wir haben ein exotisches Ambiente mit größtmöglichem Freiraum, was viel Abwechslung garantiert. Deshalb nennen wir es auch „Science Fantasy“ (was eigentlich ein völlig schwachsinniger Ausdruck ist, wenn man es recht bedenkt), weil der SF-Charakter durch die raumfahrenden Völker und die PSI-Fähigkeiten gebildet wird, und der Rest eher im Bereich der Fantasy angesiedelt ist. Und warum sollte es das alles nicht geben? Wir haben schließlich keine Ahnung, was in 150 Lichtjahren Entfernung stattfindet.
: Bei der Beschreibung der Hauptfigur Shanija Ran könnte man durchaus Parallelen ziehen zu einer jüngeren Uschi Zietsch. Liege ich damit richtig? Und wenn ja, wie viel Uschi steckt noch in dieser Figur?
Uschi Zietsch: Echt? *lach* Nein, ich glaube nicht, dass allzu große Parallelen bestehen. Was ich mit Shanija teile, ist der starke (Überlebens-)Wille und die Zielsetzung. Wir wissen beide, was wir wollen. Na ja schön, vielleicht sind wir auch beide Idealisten. Aber ansonsten habe ich im Vergleich zu ihr einen harmlosen Lebenslauf, und sie ist auch niemand, der ich gern sein würde. Shanija hat jede Menge Ecken und Kanten und Defizite, die sie zu einer schwierigen Person machen, mit der nicht leicht umzugehen ist, die aber trotzdem eine tolle Frau ist. Sie ist zu einer eigenständigen Persönlichkeit herangereift, die keine Vergleiche zu scheuen braucht.
: Gibt es denn für die anderen Protagonisten ähnliche „Vorbilder“?
Uschi Zietsch: Für Seiya und As’mala, die wie Shanija von meinem Mann entworfen wurden, gibt es ganz konkrete Vorbilder, wobei eines davon realexistierend ist, das andere literarischen Ursprungs. Im Grunde genommen sind die drei Frauen eine: Shanija ist die disziplinierte und zielstrebige, (Über)Lebenskünstlerin As’mala die lebensfrohe und optimistische, und Seiya die romantische, verspielte, aber auch raffinierte Seite. Nach dem weiblichen Aspekt der „Drei, die eine sind“.
Die beiden männlichen Protagonisten, Mun und Darren, sind meinem Hirnschmalz entsprungen, aber rein literarische, ohne Vorbilder kreierte Gestalten.
: Wie definierst du Psimagie und welche Auswirkungen kann sie haben?
Uschi Zietsch: Alle organischen Lebewesen auf Less besitzen Psifähigkeiten, wie Telepathie, Teleportation usw. Wieso, habe ich oben schon ausgeführt. Aber es ist nicht erklärbar, warum jemand gerade diese oder jene Fähigkeit hat, weil sie selten vererbt wird, und sie funktioniert auch nicht immer gleich, sondern hängt von bestimmten Konstellationen des Systems ab. Das sind dann sozusagen die „magischen Elemente“, die jeden zu Übersinnlichem befähigen, aber nicht wirklich zu kontrollieren sind. Es sind also positive wie negative Auswirkungen möglich, und nicht immer hat man das Ergebnis so gewünscht.
: Die Cover der SUNQUEST – Bücher ist sehr aufwendig und schön geworden, ganz typisch für den Fabylon-Verlag. Kannst du einschätzen, wie viele Bücher allein über das Cover gekauft werden?
Uschi Zietsch: Nö. Ich kann ja noch nicht mal einschätzen, wie viele Bücher überhaupt gekauft werden! Wobei die Anzahl der Abonnenten täglich steigt, und das noch vor Erscheinen des ersten Bandes. Die Bücher sind natürlich echte Hingucker – Swen Papenbrock hat meiner Ansicht nach hier seine beste Leistung gezeigt – und ich denke schon, dass bei einer Präsentation aller 6 Bände samt Schuber auch Sammler begeistert zugreifen – also ich würde das tun, da wäre mir der Inhalt sogar schnurz, weil ich mir so was ins Regal stellen will. Ich habe einige solcher schönen Bücher in meiner Sammlung. Aber als Verlegerin hoffe ich natürlich, dass unsere Bücher nicht nur wegen der Cover, sondern vor allem wegen des Inhalts gekauft werden. Schließlich soll es nicht nur bei einem Zyklus bleiben.
: Warum schreibst du bei SUNQUEST als Susan Schwartz und nicht unter deinem richtigen Namen? Gibt es Parallelen zu Perry Rhodan, die damit dokumentiert werden sollen?
Uschi Zietsch: Wir haben lange überlegt, welchen Namen ich wählen soll – aber es ist tatsächlich so, dass Susan Schwartz im Bereich der Science Fiction bekannt ist, Uschi Zietsch aber nicht. Und natürlich ist die Werbewirksamkeit als ehemalige PR-Autorin auch höher. Wer Susan Schwartz-Romane bei PR mochte, riskiert auch mal einen Blick in SunQuest. Weitere PR (Ex-)Autoren sind zudem mit dabei: Ernst Vlcek, Michael Marcus Thurner, Uwe Anton.
: Wenn es noch etwas gibt, was du den Lesern noch gern sagen möchtest, dann hast du an dieser Stelle die Gelegenheit dazu.
Uschi Zietsch: Ich wünsche viel Leservergnügen und freue mich über Feedback. Und weil ich schon dabei bin: Ich danke den Abonnenten für das im vorhinein entgegengebrachte Vertrauen, und ich danke dem gesamten Team, das durch Engagement und Begeisterung für die Serie dazu beiträgt, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.
: Ich danke dir ganz herzlich für das Interview und wünsche dir auch weiterhin alles Gute.
Uschi Zietsch: Ich danke ebenfalls!
Die Fragen stellte Anke Brandt
