
Interview mit Ulrich Drees

 im Gespräch mit Ulrich Drees
Ulrich Drees, geb. 1967, lebt in Göttingen, wo er nach seinem Studium der Mittleren und Neuen Geschichte, Europäischen Ethnologie und Volkswirtschaftslehre seinen Lebensunterhalt als Journalist und Chefredakteur eines Stadtmagazins bestreitet. Bisher erschien von ihm im Jahre 2000 die Nordmark-Romantrilogie im Heyne-Verlag. Daneben war er in den Neunziger Jahren als Entwickler und Autor für die Kulturbeschreibungen verschiedener Demonworld Tabletop-Armeebücher der Firma Hobby Products mitverantwortlich. Eine Kurzgeschichte von Robert E. Howard begeisterte den überzeugten Rollenspieler im Alter von 17 Jahren für die Fantasy-Literatur. Noch heute wird der Autor von Figuren wie Solomon Kane und Conan beeinflusst, zu denen sich seit geraumer Zeit ein Faible für das Mantel & Degen Genre gesellt hat. (Quelle: www.schrift-art.net )
Zu seinem neuen Roman »Das Spiel des Asen«, erschienen im Verlag Feder & Schwert beantwortete uns der Autor im folgenden Interview einige Fragen.

: Hallo Ulrich, ich freue mich, dass du dir die Zeit nimmst, uns auf ein paar Fragen zu deinem neuen Roman »Das Spiel des Asen« zu antworten.
Was inspirierte dich zu diesem Roman? Gab es einen bestimmten Auslöser, der dich veranlasste, die Götter in unsere Welt zu holen?
Ulrich Drees: Der erste Gedanke kam mir ehrlich gesagt, als ich eine Radiomeldung hörte, in der es um einen ausgebrochenen Bullen ging. Da ich vom Land komme, weiß ich, wie groß die Viecher werden können. Dann sah ich irgendwo ein Bild von einem Auerochsen und begann mich zu fragen, aus welchem Grund eigentlich so was ur-germanisches wie ein Auerochse sich wohl heute im Wald herumtreiben könnte. Die Idee, dass Götter »einschlafen«, wenn sie nicht angebetet werden, stammt aus den Tiefen meiner Rollenspieler-Seele, sie ins Jetzt zu transportieren, in dem viele Menschen scheinbar auf der Suche nach neuen spirituellen Wegen, Religionen und so weiter sind, gefiel mir. Und nein – ich bin nicht religiös oder spirituell orientiert.
: Gibt es reale Parallelen zu den Zeitungsartikeln, die du zu Beginn mancher Kapitel zitierst?
Ulrich Drees: In einigen Fällen durchaus, die meisten sind allerdings frei erfunden.
: Du hast drei Hauptprotagonisten, Ronny von Freiseneck, Hermann Braun und Thor Bronski. Mit welcher der drei Figuren würdest du dich am ehesten vergleichen und warum? Und auch hier, gab es für deine Protagonisten reale Vorbilder?
Ulrich Drees: Hmmm, natürlich steckt in jeder erfundenen Figur auch etwas vom Erfinder. Ich hab aber eigentlich keine direkte »Das bin ich oder so wär ich gern«-Figur in die Geschichte eingebaut. Wenn man also nach den Teilen suchen will, die sich vergleichen ließen – dann ließe sich sicher bei Ronny etwas entdecken, sagen wir mal seine hedonistische Ader und sein Interesse am weiblichen Geschlecht, vielleicht ein wenig auch seine grundsätzlich etwas zweifelnde und nicht immer bierernste Weltsicht. Bei Thor käme sicher ein wenig der Barbar in mir zum Ausdruck und bei Hermann Braun eher eine Versammlung von Eigenschaften, die ich kritisch sehe und an mir möglichst nicht zu erleben versuche. Reale Vorbilder – Thor ist eine Mischung aus Claude Oliver Rudolf und Forest Whitaker aus Ghost Dog. Hermann Braun, eine Art moderner Kreuzritter mit Aspekten von Klaus Löwitsch. Das sind jetzt zwar eher filmische Vorbilder, aber ich denke, man kann die Richtung erahnen. Was Ronny angeht, hmmm … Peter Alexander, der junge, in einigen seiner Rollen? Ein gewisser Musketier, der vom Land nach Paris reist, könnte auch eine entscheidende Rolle spielen, überhaupt Lebemänner mit Degen …
: Du wohnst in Göttingen und hast als Handlungsort die Gegend um Göttingen gewählt. War das nun eine Erleichterung für die Recherchearbeit oder eine besondere Herausforderung?
Ulrich Drees: Ein wenig von beidem. Da ich ja keine klassische Fantasy schrieb, kam es mir schon darauf an, Schauplätze realistisch vor Augen zu haben, bevor ich sie in die Geschichte einbaue. Gleichzeitig stellt das aber natürlich immer wieder auch eine Hürde dar, die es zu überwinden galt.
: In deinem Roman werden einige der Personen stark esoterisch beeinflusst. Ronny bedient sich der Kräfte des Ka, Leo und besonders ihre Tante Hildegard werden als Hexen charakterisiert, die Aura eines Menschen wird durch deine Figuren sichtbar gemacht. Was hältst du selbst von diesen esoterischen Einflüssen, welche Rolle spielen sie in deinem Leben?
Ulrich Drees: Esoterik spielt für mein Leben keine Rolle. Ich interessiere mich aber ganz neutral für Menschen, die sich mit Themen jenseits des Alltäglichen beschäftigen. Und da mir ab und zu auch Esoteriker begegnet sind, hat mich deren Philosophie immer mal wieder beschäftigt. Ansonsten bin ich ein sehr bodenständiger Mensch, der das was andere Aura nennen und in besonderer Weise wahrzunehmen glauben, eben einfach Laune oder Charisma nennen würde.
: In deinem Roman spielt der Deutsche Orden eine nicht unerhebliche Rolle. Betrachtet man sich dessen Internetpräsenz, bleibt außer der Geschichte des Ordens nicht viel von der Rolle, die er im Roman spielt, übrig. Hast du für deine Fiktion eine Genehmigung vom Deutschen Orden erhalten? Gab es da in irgendeiner Form eine Zusammenarbeit?
Ulrich Drees: Nein, es gab keine Zusammenarbeit und auch keine Genehmigung. Die Bruderschaft im Kern des Ordens ist frei erfunden, und ich hab mich mehr oder weniger einfach des Namens bedient, weil ich den Bogen vom Mittelalter in die Gegenwart schlagen wollte. Der Deutsche Orden hat meinen vollen Respekt und in den Bereichen, in denen er sich engagiert, leistet er großartige Arbeit.
: Was faszinierte dich gerade am Deutschen Orden? Warum hast du dich nicht eines frei erfundenen Ordens bedient?
Ulrich Drees: Das hat mit meinem Faible für die Frage: Was wäre wenn zu tun? Ich wollte bewusst diesen Hauch Realismus verwenden, um eine atmosphärische Dichte zu erzeugen, die ein frei erfundener Orden so nicht erzeugt hätte. Ich denke, das ist auch legitim. Und die Templer zu verwenden, wäre mir zu platt vorgekommen, zumal sich über den Deutschen Orden auch dieser Bezug gen Osten, diese Furcht vor der Einflussnahme der Volkvhy schön aufbauen ließ. Kreuzritterorden faszinieren mich per se, diese Mönchskrieger, die sich ins Morgenland aufmachen, Krieg führen, Geheimnisse entdecken, sich an die Einwohner annähern, Banker werden, Einflüsse mitbringen, all das …
: Dann kommen auch die Rosenkreuzer ins Spiel. Sie werden bei dir zu einer Art Geheimbund, doch hier spricht deren deutsche Internetpräsenz ebenfalls eine andere Sprache. Das Handeln von Ludwig von Freiseneck erscheint dennoch im Zusammenhand der Handlung nur logisch, er will sein theoretisches Wissen in der Praxis anwenden. Gab es da irgendwelche Reaktionen seitens oder Absprachen mit Mitgliedern des Rosenkreuzer? Oder geht das alles als literarische Freiheit durch?
Ulrich Drees: Nein, weder gab es Absprachen mit den Rosenkreuzern noch Reaktionen von ihnen – bis jetzt jedenfalls nicht. Auch hier spiele ich letztlich nur mit dem Thema. Soweit mir bekannt ist, beruht ja die ganze Idee der Rosenkreuzer ohnehin auf fiktiven Schriften, die Mitglieder eines Geheimbundes aufforderten, sich europaweit erkennen zu geben, was dann aber erst zum Entstehen dieses Bundes führte.
: Die slawischen Fabelwesen und auch die Auerochsen vervollständigen den Rahmen der Handlung und dienen als Bindeglieder für die Protagonisten und die Zusammenführung der Handlungsstränge. Warum hast du dich gerade für diese Wesen entschieden, die ich persönlich doch für etwas außergewöhnlich im Zusammenhang mit dem Spiel des Asen halte?
Ulrich Drees: Die slawische Mythologie kam ins Spiel, weil ich die Geschichte als Teil eines größeren Universums betrachte, in dem vielleicht auch noch andere Geschichten erzählt werden können, das wollte ich bereits anlegen. Dann war mir wichtig, es nicht nur beim »germanischen« Pantheon zu belassen, den es so ja auch nie gab. Was wir dafür halten, ist ja nur als Reaktion auf verschiedene überlieferte Sagen und Mythen entstanden. Die Stämme, die sich um die Zeitenwende, vorher und nachher, in dem Gebiet herumtrieben, das wir jetzt Deutschland nennen, hatten andere Götter, sahen keinen solchen Pantheon und so weiter … ganz zu schweigen natürlich von den skandinavischen Einflüssen, die da eine Rolle spielen. Allein für das Wort »germanisch« kommt man unter Wissenschaftlern ja bereits in die »Hölle der bösartigen Ungenau-igkeiten«.
Also die Slawen sind dabei, weil ich nicht nur Germanen drin haben wollte, weil ich dem ganzen eine internationale Note geben wollte und um spätere Konflikte schildern zu können – aus dem gleichen Grunde spielen auch die Kelten eine Rolle.
Zuallerletzt hat das auch mit meiner Grundidee vom Äther zu tun, in dem Wesenheiten, die wir Götter nennen, leben, die in der einen oder anderen Gestalt in den unterschiedlichsten Mythen Form annehmen.
Die Auerochsen finde ich eigentlich sehr passend, was den Zusammenhang angeht, einfach weil sie als Tiere symbolisch für die Zeit sind, in der wir Asen und Vanen vielleicht verorten würden.
: Gibst du uns zu guter Letzt noch einen kleinen Ausblick in deine künftigen Projekte? Hat der Ase vielleicht Lust auf ein neues Spiel?
Ulrich Drees: Momentan arbeite ich an einem Projekt, das »Dampf« heißt. Darin müssen sich ein eher widerwilliger, zur Unsterblichkeit verfluchter Schotte und ein junger britischer Spion vor dem Hintergrund der Industriellen Revolution mit napoleonischen Geheimagenten und skrupellosen Industriellen herumschlagen, welche die magische Kraft des Feenreiches nutzen wollen, um dampfbetriebene Kriegsmaschinen zu bauen. Äh ... Steampunk goes Highlander. Das braucht aber erst mal einen Verleger, der experimentierfreudig genug ist, sich damit auseinanderzusetzen.
Was die Asen angeht, das würde mich sogar sehr freuen, wenn Ronny und seine Freunde sich noch einmal in ein Abenteuer stürzen dürften, aber dazu muss das »Spiel« natürlich erst einmal wie eine Bombe auf dem deutschen Buchmarkt einschlagen – an dieser Stelle natürlich auch großen Dank an dich, dass du mir ermöglichst, das Buch hier noch ein wenig vorzustellen.
: Ich danke dir für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche dir alles Gute.

Die Fragen stellte Anke Brandt.
Eine Rezension zum Buch »Das Spiel des Asen« findet man hier.
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